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Verlag Langgaffe 21

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12 Ausgaben.

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„Tagblatt-H-us" Nr. 6650-53.

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.T /r- .. nn cr\r - _- _ C.'lv A ff • iIMk.h .

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Montag» 9. November» vormittags.

Sonder-Ausgabe.

1914.

heldenhafte Verteidigung.

W. T.-B. Berlin, 9. Nov. (Amtlich.) Nach amt- lichex Meldung des „Reuter Bureaus" aus Tokio ist Tsingtau nach heldenhaftem Widerstand am 7. No­vember, morgens, gefallen. Nähere Einzelheiten fehle» Noch.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabs:

B^ehnck e.

Das Unvermeidliche ist also eingetroffen, Tsingtau, unser schönes Tsrngtau, ist gefallen, nach heldenhaftem Widerstande, so lautet die amtliche Drahtung. Es war uns allen ja von: Anbeginn her Aar, daß sich unser kleines Schutzgebiet nicht auf die Dauer der Übermacht der gelben Meute gegenübsr würde halten können. Abgeschnitten von der Heimat haben deutsche Männer, ihre Zahl ist nicht genau bekannt, Wochen- und monatelang der gelben Flut trotzig die Stirn geboten, bis sie der Übermacht endlich zum Opfer fielen. Die näheren Umitünde des Falles der Festung sind nicht bekannt, und werden bei der Ruhmredigkeit und Lügen­haftigkeit unserer 4Äegner uns auch noch bis Ende des Krie­ges verborgen bleiben. Dessen können wir aber gewiß sein, daß unsere Festung erst fiel, als weiterer Widerstand unmög­lich g,-worden war. als cs ein unnützes Blutbergießen bedeu­tet hätte, länger zu trotzen, als das stolze Wort des helden­mütigen Verteidigers von deutschem Besitz und deutscher Ehre. Kapitän zur See M e y e r - W a l d e ck, sich erfüllt hatte: Pflichterfüllung bis zum äußersten!

Mancher in der Heimat mag gedacht haben, wozu eigent­lich Tsingtau überhaupt verteidigen, wo es doch nicht zu hal­len war. Das wäre aber ein schwerer politischer Fehler gewesen. Es hätte bedeutet, daß der gelbe Mann nur zu drohen braucht, damit der Deutsche feige nachgibt. Das b>äre die Niederlage gewesen. Der Fall Tsing- t a u s aber ist keine Niederlage, da er in sich die Keime Sum Erfolge trägt. Er hat den Beweis erbracht, daß der Deutsche seiner Sache treu ist, daß man sich auf ihn sogar in den verzweifelstcn La geil voll und ganz verlassen kann. Die heldenmütige Verteidigung wird sicherlich ihren Eindruck auf China nicht verfehlt haben, auf jenes Cbina, dem Rußland im Norden, Frankreich im Süden und England und Japan in der Mitte gar zu gerne Stücke aus dem Leib schneiden möchten. China hat dieselben Feinde wie wir und wird sich daher ganz natürlich an uns anlehnen und wir werden es ebenso natürlich als Feind unserer Feinde nicht von uns weisen. Schon besinnt sich ja Ehiua seiner schlummernden Kräfte. Selbstredend ist das Land vorläufig und auf Jahre hinaus kein Macht- s a k t o r von Bedeutung. Wir werden ihm aber, wenn es v>fll, die Waffen schmieden helfen, mit denen es seine Selb­ständigkeit gegenüber Japan erkämpfen wird müssen, °enn Japan scheint sich nicht mit der Beschlaglegung unseres Fachgebietes Kiautschau begnügen zu wollen, '.andern" streckt seine gierige Räuberhand schon nach der gan- -zen Provinz Schantung aus. Hierbei wird Japan aber ^4 in schärferen Gegensatz zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika geraten, die wachsamen '^ugez j>f e Bestrebungen Japans im Stillen Ozean ver- wlgen und einer Durchbrechung ihrer Chinapolftik, der Politik °er „Offenen Tür", kaum tatenlos werden zusehen wollen. Wie dem auch werde, Tsingtau ist zwar gefallen, aber ist nicht nutzlos gefallen und es ist nicht bet. o r e n. Auch sein Schicksal entscheidet sich, wie jenes des übrigen deutschen Besitzes Übersee, nicht air Ort und Stelle, ^.Europas Schlachtfeldern fällt auch hierfür die Entscheidung. In erster Linie wird es England zw ?vßen haben, daß es uns den gelben Räuber auf den Hals Wcktc. England allein trägt die Berantwor- , v » g für das deutsche Heldenblut, das im fernen Osten fürs Saterland vergossen werden mußte. Und auch gegen Japan wrd die Stunde der Vergeltung schlagen, wenn sie auch lang- ^rst kommen wird.

. . Tsingtau hatte unter deutscher Verwaltung einen bei- njolloftn Aufschwung genommen. Aus einem elenden ^uesischeii Fischerdorf war e§ in den 17 Jahren deutscher >orrschgft zum sechstgrößten Hafen Chinas und zu einer schönsten Städte Ostasiens geworden. ES war die erfolg- olchste Stadtgründung der bisherigen deutschen Kolonial- .wltih verkörperte deutsche Kultur und deutsches Können e l Ssten und als Sinnbild dafür hat es sich dem Chinesen J., omgeprägt. Der jetzige Trümmerhaufen wird ihm als f* 1 - l für die Kultur unserer Feinde, zumal Japans, cr- ?ernen, und die Taten unserer Verwaltung und Kultur.. ^ owere wird China nicht vergessen. Und auch wir werden .. * Taten der deutschen Heldenschar im Osten nicht v e r - j >! e „. Das ganze deutsche Volk dankt den Verteidigern Ner Ehre und wird sie rächen.

cr Bericht des japanischen Oberbefehlshabers.

- B f- Peking, 8. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Der ^nische Oberbefehlshaber meldet: Der linke Flügel besetzte

>lm 5,10 Uhr morgens mit der nördlichen Batterie den Schautan-Hügel und um 8,85 Uhr morgens mit der nördlichen Batterie Taitun gischen. Inzwischen rückte das Zentruin vorwärts gegen die Forts Iltis und Bis­marck und eroberte zwei schwere Geschütze in der Nähe der Hauptverteidigungslinie. Danach besetzten die Angreifer die Forts Iltis, Bismarck und Moltke.

Große japanische Verluste.

Br. Amsterdam, 8. Nov. (Eig. Dvaihtbericht. Ktr. Mn.) Wie verlautet, sollen die japanischen Verluste bei der Einnahme der Verteidigungslinie Tsingtaus sehr groß sein. Die Deutschen haben tapfer ge­kämpft, die Übermacht war jedoch zu ungeheuer.

Oie angeblichen Verluste der Japaner beim letzten Sturm.

lul. Haag, 8. Nov. Reuter meldet ans Tokio: Amtlich wird bekanntgegeben, daß die Verluste der Japaner bei dem letzten Sturm auf Tsingtau 36 Tote und 82 Verwundete be­trugen. Ferirer wurden englische Offiziere verwundet. (Diese Meldung der Verluste beim „letzten Sturm" besagt herzlich lv e n i g. Ein Bild davon, wie teuer der Fall Tsingtaus den Japanern und Engländern zu stehen kam, könnte nur eine Zusammenstellung der G esam t ve rluste seit Beginn der Belagerung geben. Schriftl.)

Der Gouverneur von lliautschau verwundet.

W. T.-B. London, 8. Nov. (Nichtamtlich.) Ei«

Telegramm aus Tokio berichtet: Der Gouverneur

Kapitän z. S. M e y e r - W a l d e ck ist bei dem gestri­gen Kampfe verwundet worden.

Weitere Einzelheiten.

M. Berlin, 8. Nov. Die Nachricht vom Falle Tsingtaus, dre in ganz Deutschland ein tiefes, starkes Bedauern Hervor­rufen wird, mußte seit einigen Tagen fast stündlich erwartet werden.. Dem Falle von Tsingtau ging, wie das „B. T." er­fährt, ein letzter, schwerer, von beiden Seiten mit äußerster Leidenschaftlichkeit geführter Kampf voraus. In oer Nach- zum Samstag, um Mitternacht, griffen die Japaner mit außerordentlicher Wucht das Iltis fort an, das bis zuletzt, hartnäckig von der deutschen Besatzung ver­teidigt, Widerstand geleistet hatte. Am 4. November war, wie erinnerlich, in London offiziell bekanntgegeben worden, daß seit dem 31. Oktober die Beschießung mit schwerer Artillerie begonnen habe, daß gleichzeitig die blockierende Flotte ihr Feuer auf die Forts der Seeseite gerichtet und daß die Beschießung das Jltishüqelostfort auf dem rechten Flügel der deutschen Verteidigungswerke beschädigt habe. Trotzdem war das Font bis zum Freitagabend, zu dem Augenblick, wo der erneute Sturmangriff begann, todesmutig gehalten worden. Es entstand dann ein letztes gewal­lt g e s Ringen um das Fort, und die Verluste auf beiden Seiten waren groß. Da die Japaner immer neue Ver­stärkungen heranfühvten und ihre Munition stets wieder auf- füllen konnten, mutzte die heldenhafte deutsche. Besatzung unterliegen.

Das Jltisfort war das wichtigste Fort der Verteidigungs- Werke. Es wurde von den Japanern als das Zentralfort be­zeichnet. Der Fall dieses Forts, das das letzte Bollwerk des Widerstandes gewesen war, bedeutete zugleich den Fall Tsingtaus. Wie groß die Zahl der Tapferen ist, deren Tod das Vaterland zu beklagen bat, läßt sich im Augenblick ebenso wenig sägen, wie es möglich ist, die Zahl der Verteidiger, die in Tsingtau versammelt war. festzustellen. Die Besatzung batte bei Beginn der Kämpfe von mehreren Seiten Zuzug erhalten und u. a. waren 5- bis 600 Mitglieder der deutschen Kolonie in China opferfreudig zur Unterstützung herbeigeeilt.

preffestimmen.

2r ‘ Berlin, 8. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.)_ Die „Post" schreibt: Die Nachricht überrascht uns nicht, wenn sie mich das deutsche Volk mit tiefer Trauer erfüllt. Wir alle wußten ja von Anbeginn, daß hier ein kleines tapferes Häuflein in aussichtslosem Kampfe mit einem übermächtigen _ Gegner steht „Pflichterfüllung bis zum äußersten", dieses herrliche Gelübde war die Antwort mif die freche Herausforderung der Japaner. Nach echter deutscher Manncsart hat die heldenmütige kleine Besatzung Tsingtau bis zum letzten Atemzug gehalten. Nicht das ist das Wunder, daß sich Tsingtaus Verhängnis schließlich erfüllte, das- Wunder, das d'.e Welt in direktes Erstaunen sehen mußte, ist ein anderes: nämlich das, daß der weltverlassene Posten dem Ansturm feindlicher Übermacht solange heldenmütig trotzte. Deutschland wird es seinen Heldensöhnen nimmer vergessen, wird ihnen in heißem Gedenken immer die blutigen Opfer danken, die sie znm Ruhme deutscher Ehre dargc- bracht haben.

Die „Bossischc Zeitung" schreibt: Mit tiefem Schmerz, aber auch mit Stolz gedenken wir der Männer, die dort auf einem verlorenen Posten ausgeharrit haben, bis die

Übermacht der Feinde sie niederzwang. Wie einst di« 300 Leoniden, die an dem Thermopylen ihr Grab gefunden haben, wird auch ihnen dereinst der Grabstein mit den Worten des Simonides errichtet werden: „Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest unS hier liegen sehen, wie das Gesetz es befohlen." Unser Grimm und unsere Erbitterung gelten in dieser Stunde nicht zuerst den Japanern, obwohl Raubgier und Länderhunger bei ihnen die Stelle der Dankbarkeit vertreten haben, unser Zorn gilt zuerst und immer den Engländern, die unter Verrat der weißen Rasse Völker aller Farben auf ims ge­hetzt haben.

In einem Aufsatz des „Lokal-Anzeigers" heißt es: Ist herbem Schmerz neigen wir das Haupt und grüßen di« Helden, die auf verlorenem Posten in weiter Ferne nie­mals verwelkenden Lorbeer für Deutschland er­stritten. Nie aber auch werden wir dem gelben Räuber seine freche Gewalttat vergessen, wie auch England gegen­über, das ihn uns aufhetzte. Nur langsam können unser« Mühlen niahlen, aber wenn auch Jahre dahingehen werden — wir werden gewiß doch nicht so oft davon sprechen, doch ebenso gewiß immer daran denken.

HZ. Rotterdam, 8. Nov. Der „Nicuwe Rottcrd. Courant" meint bei der Besprechung des Falles von Tsingtau, die Er­oberung von Kiautschau werde die Aktionsfreiheit gegenüber England noch verstärken und die Ursache zu Zerwürfe wissen zwischen den jetzigen Bundesgenossen abgeben.

Eine bedrohliche Volkserhebung in der Mandschurei.

Nr. Petersburg, 8. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Blst.)' Wie aus Irkutsk und Charbin gemeldet wird, ist in der Mandschurei eine bedrohliche Volkserhebung gegen Ruß^ land ausgebrochen. In den größeren Städten werden Ver­sammlungen abgehalten. Es sollen auch militärisch« Vorbereitungen getroffen werden. Die Zensur verboit der Presse, darüber Nachrichten zu verbreiten.

Der Tagesbericht vom 8. November.

Sortgsfetzte Angriffe bei Ypern und Lille. Ein beachtenswerter Erfolg in den Ärgonnen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. Nov. (Amtlich.) Unsere Angriffe bei Ipern und westlich Lille wurden gestern fortgesetzt.

Am Westrand der Ar gönnen wurde eine wich­tige Höhe bei Vienne le Chateau, um die wochenlang gekämpft worden ist, gcnoinmcn. Dabei wurden zwei Geschütze und zwei Maschinengewehre erbeutet. Sonst verlief der neblige Tag auf dem westlichen Kriegsschau­platz ruhig. J

Vom O st c n liegen keine neuen Nachrichten vor.

Ober st e Heeresleitung.

Zahlreiche verwundete in Calais.

W. T.-B. Amsterdam, 8. Nov. (Nichtamtlich.) „Tele- graaf" meldet aus Sluis: Eine aus Calais über England zurückgekehrte Persönlichkeit erzählte, daß dort außerordentlich viele belgische, französische und englische Verwundete angckommen sind.

Die Beschießung von Arras.

M. Kopenhagen, 8. Nov. Wie aus Paris gemeldet wird, haben die Deutschen die Beschießung von Arras gestern mit großer Heftigkeit wieder ausgenom­men. Die Stadt gleicht einem vollständigen Trüm­merhaufen. Die ganze Bevölkerung ist geflüchtet. Die Behörden sind zurückgeblieben, doch steht ihre Ab­reise nahe bevor. Gestern wurden die allgemeinen Kämpfe mit großer Energie fortgesetzt. Sic scheinen jetzt ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Die Granaten fallen massenweise nieder und verwandeln die noch stehenden Häuser in Trümmerhaufen. _ Deutsche Flieger kreisen über der Stadt und verjagten die französischen. Sic ließen zeitweilig Bomben fallen.

Ein englischer Bericht über die Lage bei Lille und Krras.

Br. Utrecht, 8. Nov. (Eig. Trahtbericht. Ktr. Bin.)' Der „Times"-Berichterftatter in Nordfrankreich meldet: Südlich von Lille und Arras ist die Lage noch dunkel. Schon einen Monat lang kämpft man hier hartnäckig. Der Kanipf ist hier ein Artillerie- d n e l l. Die Deutschen sind in La Bassäe, alb-er immer noch leisten Hie Verbündeten dem-deutschen Vormarsch nach Boulogne Widerstand. Es wird gsmeldet, -daß bo rerts deutsche Granaten auf B e t h u n e niederfallen.