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Vorlage sei die Begünstigung kleiner und mittlerer Brennereien. Ebenso sei er mit der Unterscheidung zwischen landwirthschastlichen und gewerb­lichen Brennereien einverstanden. Einzelne Bedenken würden sich wohl in der Commission beseitigen lassen. In Bezug auf den Rectificationszwang stimme er mit dem Finanzminister Scholz überein, daß derselbe durch besonderes Gesetz zu regeln sei. Daß die ganze Preisdifferenz 8 Mk. von 2u Mk. den Brennern zu Gute kommen werde, halte er für unrichtig: die Brenner wurden höchstens 6 bis 7 Mk. davon profitiren. Aba Richter: Eine Mehreinnahme von 150 Mill. Mk. müsse mindestens aus der Vorlage erwartet werden. Mit der ,Zuckersteuer zusammen betrüge die Mehrbelastung des Volkes 200 Millionen. Das sei viermal mehr als das Reich bedürfe. Bei so enormer Mehrbelastung des Volkes sollte man wenigstens auf das jährliche Bewilligungsrecht des Reichstags dringen. Auf eine Reform der Zucker- und Branntweinsteuer habe seine Partei schon gedrängt, ehe die Kornzölle eingeführt wurden; jetzt komme man der Reform, ohne die Zölle aufzuheben. Man wolle den illegitimen Branntw.ingenuß treffen; wo sei aber die Grenze zwischen dem legitimen und illegitimen Genuß? Oechelhäuser wollte früher die Wein- steuer eiuführen; wenn die Nationalliberalen aber in Süddeutschland Wein oder Bier so besteuern wollten, wie man in Norddeutschland den Branntwein besteuern will, so würde sofort die ganze nationalliberale Herrlichkeit zu Ende sein. Bei dem Branntwein heiße es immer:Da» ganze Deutschland soll es sein;" bei Bier und Wein aber bliebe es bei der Strophe:O nein, nein, nein!" Süddeutschland erfahre durch dieses Gesetz eine Bevorzugung, welche bald einen Gegenstand des nationalen Zwistes bilden werde. Es handele sich bei der Vorlage nicht um den Schutz der Landwirthschafr, sondern um eine Prämie für 3-4000 Kartoffel­brenner. Tie Begünstigung kleiner landwirthschaftlicher Brennereien würde dieselbe Folge haben, wie die Export-Prämie für die Zuckeifabriken. Der Unterschied zwischen landwirthschastlichen und gewerblichen Brennereien sei durch nichts gerechtfertigt; es sei dies lediglich eine Begünstigung des Groß­grundbesitzers auf Kosten des Bauernstandes. Mit der Contiugentirung der Production wolle die Regierung den Grundbesitz schadlos halten für die niedrigen Preise auf dem Weltmarkt. Wohin käme man, wenn solche Anschauungen zum allgemeinen Prinzip erhoben würden? Bei der Preisdifferenz von 20 Mk. trage den Verlust der inländische Consument allein, den Gewinn theile der Brenner mit dem ausländischen Consumenten. Wenn das Entschädigungs-Prinzip einmal durchgeführt werden soll, dann wäre es richtiger, die Brenner baar zu entschädigen. Noch besser wäre es, die ganze Gesellschaft aufzukaufen; dann wäre endlich einmal Ruhe im Lande. Die Brenner bildeten die Kerntruppe der Agrarier, welche das Land immer von Neuem beunruhigen. Machen wir einmal Agrariergesetze, wie wir Polengesetze gemacht haben, expropiiren wir die Gesellschaft. Was durch Mehreinnahmen zur Sicherheit des Reiches gethan werde, das werde mehr als aufgewogeu durch die Unzufriedenheit, welche immer weitere Kreise des Volkes ergreife und Bestrebungen fördern helfen, welche auf Umsturz der Staates gerichtet sind. Finanzminister v. Scholz widerlegt einzelne Behauptungen Richter's. Er wendet sich gegen den Gebrauch des Wortes Contiugentirung", welche durch die Vorlage thatsächlich nicht eingeführt werde; ebenso sei von Entschädigung der Brenner keine Rede. Abg. vr. Miquel: Ein Gesetz, welches so viele Schwierigkeiten auszugleichen hat, wie da» vorliegmde, müsse natürlich einzelne Schwächen haben; des­wegen sei es leicht, Kritik zu üben, wie Richter gethan. Das Bedüifniß der Vermehrung der Mittel des Reiches sei notorisch. Richter's Berechnung der Ergebnisse der Vorlage erscheine ihm willkürlich. Branntwein sei in keiner Lebenslage ein nothwendiges Lebensmittel; ein mäßiger Genuß des Branntweins werde auch durch diese Vorlage nur sehr wenig vertheuert werden. Die Gefahr der Fälschung des Branntweins liege allerdings nahe; darum verlange er, daß schon in dieses Gesetz Garantien gegen eine solche Fälschung ausgenommen werden. Zu Stande müsse das Ge etz unter allen Umständen kommen; wer das Unglück, welches der Branntwein in zahllose Familien gebracht, wer die Degeneration der Rasse auch im deutschen Volke wahrgenommen, müsse für das Gesetz stimmen. Einzelne Aenderungen des Gesetzes seien ja erwünscht. Bei dem Gesetz komme der Süden und Westen, z. B. Hessen-Nassau, schlechter weg, als der Norden. Eine Correctur-Borlage sei auch in Bezug auf den Unterschied zwischen landwirthschastlichen und gewerblichen Brennereien erwünscht. Er glaube nicht, daß mit Annahme der Branntweinsteuer die Steuerreform in den Einzelstaaten überflüssig werde. Dort seien die vermögenden Claffen stärker zur Besteuerung heranzuziehen. Das sei eine Forderung der Gerechtigkeit, für welche er immer eingetreten sei. Nachdem Abg. Szmula sich für die Vorlage erklärt, wird die Diseussion geschlossen. Die Vorlage geht an eine Commission. Nächste Sitzung Donnerstag.

, * Landtag. Das Abgeordnetenhaus nahm am Mittwoch in dritter Lesung das Kreis-Eintheilungs-Gesetz an.

Kandel, Industrie, Statistik.

* Welt-Ausstellung itt Barcelona. Die Eröffnung der all- gememen Ausstellung in Barcelona ist auf den 8. April 1888 verschoben.

176. Königl. preußischer Klaffen-Lotterie fielen in der Nachmittags-Ziehuna'- 1 Gewinn von 10,000 Mk auf No. 122525, 2 Gewinne von je 1500 Mk auf No. 152450 und 187539, 1 Gewinn von 500 Mk. auf No. 13652' 11 Gewinne von je 300 Mk. auf No. 18821 21921 43687 86424 89678 90788 114790 140826 157399 169547 und 170228. - Bei der am 11 Mai beendigten Ziehung fielen: 1 Gewinn von 45,000 Mk. auf No. 60877 1 Gewinn von 30,000 Mk. auf No. 137734, 1 Gewinn von 15,000 Mk' auf No. 120009, 1 Gewinn von 10,000 Mk. auf No. 88499, 1 Gewinn von 5000 Mk. auf No. 185384, 2 Gewinne von je 1500 Mk. auf No. 88392 und 164507, 10 Gewinne von je 300 Mk. auf No. 6641 13201 30849 44734 55424 98751 113197 123551 127553 und 139992.

Vermischtes.

* Mutz eiu Wirth Getränke verabreiche«? Nach einer dies« Tage erfolgten Entscheidung des Reichsgerichts ist ein Wirth verpflichtet am Tage ;edem sich anständig benehmenden Gaste Getränke zu verabreichen und macht sich durch die Verweigerung einer Beleidigung schuldig. '

* Ueber den Brand von Eperies, der schon von uns gemelbet wurde, wird unter dem 7. Mai Abends geschrieben: Die furchtbare Katastrophe, welche die schöne Stadt heimgesucht hat, läßt sich erst jetzt da der Brand bkschworen ist, in ihrem ganzen schauerlichen Umfange er­meßen. Von den 900 Hausern der Stadt brannten in den Vorstädten 250 in der inneren Stadt 150 nieder. Ganz Eperies aber gleicht einem ent­setzlich verheerten Trümmerhaufen, denn das Eigenartige an dieser be- klagenswerthen Katastrophe, welcher eine blühende Stadt zum Opfer fiel ist, daß der fürchterliche Orkan die Funken auf halbe Meilen Entfernung ledoch in launenhaften Zickzacklinien forttrug, sodaß tu den Wogen des Feuermeers, welche vom Sturmwinde gepeitscht wurden, in unbegreiflichem und unberechenbarem Toben einzelne mächtige Objecte untergingen, während geringe verschont blieben. Das Feuer brach vor 11 Uhr Vormittags in der Grabengasse im Hause No. 362 ans, in welchem eine Dienstmagd glühende Asche auf dem Boden ausgeschüttet hatte, welche, von einem plötzlichen Luftzüge ergriffen, bald den Dachstuhl in Feuer setzten. Wegen Wassermangels konnte der Brand nicht bewältigt werden, und der Sturm- wind, der sich eben erhob, schleuderte Funken raketenförmig umher, sodaß alsbald in drei verschiedenen Richtungen Flammen emporschlugen. Das wutheude Element war nun nicht mehr zu bewältigen. Dasselbe griff immer verderblicher und mit wahnsinniger Rapidität um sich, sodaß binnen 15 Minuten bte ganze Stadt einem riesigen Gluthherde glich. Die Haupt­straße bildete zwei Flammenreihen, und so ungeheuer breitete sich das Feuer aus, daß bte Flammen in der Mitte der breiten Straße zusammen- schlugen. Die stolzen, schonen Bauten der Hauptstraße wurden heute alle Opfer des Brandes. Das einen Stock hohe Stadthaus ist bis zum Erd­boden niedergebrannt. Das Redouten-Gebäude stürzte bis in dm Keller nu. Von dem zweistöckigen Sparkassen-Gebäude, von dem zweistöckigen Collegium sammt der Kirche, sowie von der schönen Synagoge blieben nur die nackten Wände stehen. Das Comitatshaus brannte gänzlich ab Die Häftlinge im Gefängnisse befanden sich, während schon der Holzkeller unter ihnen und das Archiv über ihnen brannte, in ihren Zellen. Dank bet soliden Bauart des Gefängnisses erlitten die Häftlinge dennoch keinen Schaden. Das Post- und TelegraphkN-GebSude ist der Erde gleich gemacht. Das Gerichts-Gebäude stürzte ein und das Archiv fiel zum Theile dm Elemente zum Opfer. Das Stephauie-Kloster, in welchem sich Mädchen- Zoglmge befanden, ist total eiugestürzt. Ein Mädchen, das vor Schrecken vom zweiten Stocke hmabsprang, ist schwer verletzt und liegt hoffnungslos darnieder. Drei andere Pensionärinnen werden vermißt. In einem Hose des Klosters verbrannte ein Sara sammt der Leiche, welche eben hatte bestattet werden sollen. Hinter der Stadt bis zum Friedhöfe liegt die Zigemiervorstadt, welche vollständig eingeäschert ist. Der Friedhof selbst, welcher etne Stunde Weges von der Stadt entfernt ist, hat gelitten, Baume sind verbrannt, Grabsteine geborsten, von den Grabkreuzen ist nut die Asche vorhanden. Die Kirchhof-Capelle ist bis zum Boden niedet- gebrannt. In ihr verbrannte ein Weib, das dort Zuflucht gesucht hatte. Die Capelle stürzte em und aus den geschmolzenen Glocken flössen heiße Erzstrome auf bte Leiche. Aus einem Hause warf eine Mutter ihr Kind zum Fenster hinaus, boch war es bereits halb verkohlt. Die Mutt« selbst wurde wunderbarer Weife gerettet. Die ganze Stadt bietet ein Bild fürchterlichster Verwüstung. Zahlreiche Familien campireu im Freie«; dte meisten Abgebrannten haben nichts als da» nackte Leben gerettet Das r-Nd spottet jeder Beschreibung. Das Rettungswerk war durch einen entsetzlichen Wassermangel erschwert, da eine Wasserleitung absolut nicht vorhanden ist und bte Brunnen wasserarm siub. Die Stabt verlangte vor zwei Jahren eine Wafferleüung, welche jeboch von ber Regierung nicht bewilligt wurde. Leider waren viele Häuser unversichert, besonders in der ajorftabt. Bisher hat man sieben verkohlte Leichname gefunben, doch furmtet. man, daß beim Abräumen des Schuttes weitere Verunglückte zu« Vorschein kommen werden. Die Zahl der Vermißten ist bei der ungeheuren Verwirrung unermeßlich. Die Stadt und ihre Bevölkerung sind rutntrt. Noth und Elend herrschen überall.

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* Verloosnnge«. Preußische Klassen-Lotterie - Ohne

Gewähr. Bei der am 10. Mai fortgesetzten Zichung der 2, Klaffe

Verlag der L. GchellMberg'schen Hsf-BuHdrnckerei in Wiesbad«»'