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Itr. 524. ♦ 62. Jahrgang.
Montag, 9. November 1914.
Kbend-Kusgabe.
Oer Nrieg.
Der Tagesbericht vom 9. November.
3tn Norürvesten langsam, aber stetig vorwärts.
Schwere Verluste der Russen.
Ueber 4000 russische Gefangene.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Nov. vormittags. (Amtlich,) Wieder richteten gestern nachmittag mel, re re feindliche Schiffe ihr Feuer lügen unseren rechten Flügel. Sie wurden aber durch unsere Artillerie schnell vertrieben. Ein in den Abendstunden aus Nienport heraus unter- »ommener und in der Nacht wiederholter Borstoß des Feindes scheiterte gänzlich. Trotz hartnäckigsten Widerstandes schritten unsere Angriffe langsam, aber >t c t i q vorwärts.
Feindliche Gegenangriffe südwestlich Ypern wurden abgcwiesen und mehrere Hundert zu Gefangenen gemacht.
Im Osten wurde ein Angriff starker russischer Kräfte nördlich des Wysztytcrsees unter schweren Verlusten für den Feind zurückgcschlagen. Die Russen ließen über 4000 als Gefangene und zehn Maschinengewehre in unseren Händen.
Oberste Heeresleitung.
Oie Rümpfe in Flandern.
lad. Gens, 9. Nov. An beiden Yjerujern wnter- nahnben gestern die Deutschen heftige Angriffe, besonders gegen die Unrgeoung von Ramskapelle, wo ihre Geschütze die Franzosen und Belgier ausgezeichnet m Respekt hielten, ebenso bei Lenchaerzyde, ioo d-er Gegner mehrere Maschinengewehre verlor. Die ver- Äveiselten Anstrengungen der Franzosen, von Dix- muiden oder Ypern aus vorzndringen, scheiterten an dem tapferen deutschen Widerstande. Überlegen Zeigten stch die Deutschen gleichfalls im hartnäckigen Kampf um den Kanal von La B a s sck e und A r r a s iowie um die zwischen Arms und dem Oise- Fluß gelogenen Ortschaften.
Von den bis zum Abend fortgesetzten, merst durch °as Bajonett entschiedenen Kämpfen auf den Maos- höhen und Umgebung war der bei St. Remy der olutigste. Alle wichtigen Stellungen wurden von den Deutschen behauptet. Das gleiche gilt von den .Kämpfen um einige Dörfer im Osten von Verdun. Die fron- ä ö fischen Kritiker betonen, daß vorläufig nichts me Vermutung rechtfertige, als hätten die zwischen Dstende und Arms stehenden deutschen Streitkmste ihr Hauptziel Dünkirchen aufgegeben.
Die kritische Lage der Verbündeten in Nordfrankreich und Belgien.
Berlin, 9. Nov. Der militärische Mitarbeiter 'der --Times" bespricht die kritische Lage der Verbündeten
Nordfrankreich und Belgien und ist in seinen Darlegungen wenig zuversichtlich. — Holländischen Gerichten zufolge haben die deutschen Truppen in den letzten Tage eine Reihe von Städten und kleinen Ortschaften in Nordbelgien besetzt.
Holländische Berichte über die Entscheidungsschlacht im Westen.
. bck. Rotterdam, 8. Nov. In Rotterdanier Blättern ^ird über die Kämpfe an der Novdseeküste überein- il i m m e n d gemeldet, daß durch die Ü b e r s ch w e m- w u n g, welche die Verbündeten anrichteten, die sich ohnehin g ü n st i g e Kriegslage für die Deutschen Uh ch besser gestaltete. Sie können jetzt allerdings Ulcht über das Ysergebiet Vordringen, brauchen aber uuch andererseits keine Besorgnis vor Überraschungen seitens der Verbündeten von dieser Saite zu tzegen. Die Deutschen haben die ganze Küste von Ostend e bis W estende mit schweren Bat terien Legen Angriffe von der See her gedeckt; sie halten Nvar das Ysergebiet durch eine entsprechend starke Trup- h/nmacht scharf im Auge, konzentrieren aber jetzt ihre Zugriffe zwischen Y p e r n, L i l l e, L e n s und A r r a s, woraus man erkennt, daß sie ihren ursprünglichen Plan, Nach Dünkirchen und Calais vorzustoßen, um L»ch dort das Meer zu erreichen, mit jener eisernen -, h i g k e i t weiter verfolgen, die eben für die Deutzen so außerordentlich charakteristisch ist. Immer wie- heben die holländischen Blätter den Heldenmut Und die Todesverachtung der Deutschen hervor hnd betonen, daß darin die Kriegsfreiwilligen °?n altbewährten Kern truppen durchaus 5',cht nachständen, ja sie zeigen sogar eine solche Toll- Phnheit, daß mitunter die Offiziere energisch dagegen 'Mchreiten müssen. Die Entscheidung zugunsten der Deutschen reife auch an der Nordsee langsam, aber l( 5et heran.
Ein englischer Bericht über die Ypernschlacht.
TU. Nordfrankreich, 9. Nov. Der Spezialkorrespon- dent der „Times" berichtet, die Ypernschlacht habe sich zu einem Artillerieduell umgowaudelt. Die schweren feindlichen Kanonen gereichen uns zum Na ch- t e i l. Die feindliche Artillerie ist nicht besser als unsere, aber viermal so groß. Die schweren Geschütze haben große Treffsicherheit. Nicht immer schießen die Leute gut, aber die moralische Wirkung bei den Truppen muß in Betracht gezogen werden. Tausende von Verwundeten sind vom Schlachtfeld in Flandern zurückgekehrt. Das Gewehr hat ihnen keine Verletzungen beigebracht, fast alle sind durch Granatsplitter und Schrapnellkugeln übel zugerichtet. Das Gcschützseuer hält den Feind im Schach. In den letzten Tagen hat die Angviffskraft des Feindes abgenommen.
Die deutschen Angriffe auf Rrras und Rrmentisres.
Br. Kopenhagen, 9. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „National Titende" meldet aus Paris: Nachdem der deutsche Vorstoß zwischen Yser und Lys ausge- geben zu sein scheint (?), suchen die Deutschen durch einen Angriff auf Arras den Kanal Mer Bo u log ne durch das Departement Artois zu erreichen. Es. besteht kein Zweifel, daß eine neue kräftige Offensive bevorsteht. Nach derselben Quelle sind in Poris Nachrichten eingetroffen, daß die Deutschen mit der Beschießung von Armentidres begonnen haben. Das englische Feuer verursache ihnen schwere V e r l u st e. Die Engländer beherrschten die Hauptstraßen Armentiöres-Lille, aber die Deutschen seien dauernd im Besitze einiger F e st u u g s w e r k e in der Nähe von Lille.
iDes Raisers Besuche bei der Ersten westarmee.
Ein Tagesbefehl des Generalobersten v. Kluck.
W. T.-B. Berlin, 8. Nov. (Nichtamtlich.) Die „B. Z. am Mittag" veröffentlicht einen Armeebefehl, den Generaloberst v. Kluck nach dem jüngst erfolgten Besuch des Kaisers erlassen hat. Der Befehl lautet: „Der K a is e r hatte die Gnade, gestern zum zweiten Male die Erste Armee mit seiner Anwesenheit zu beehren und sich in hohem Grade labend über den Zu- stand der Truppen, deren große Tüchtigkeit und hervorragende Tapferkeit auszusprechen. Seine Majestät besuchte gestern eine Gefechtsstellung und überzeugte sich von den Bauten der ersten feuernden Batterie, von der Anlage der Schützengräben und von den feindlichen Stellungen im Aisnetal. Eine Wer das Grenadierregiment Prinz Karl abgehaltenc Parade mit einer Ansprache an dos Regiment in ausgezeichneter Haltung beschloß die Anwesenheit des Allerhöchsten Kriegsherrn bei den Truppen. Auf der Fahrt fielen aufgestellte Trains Seiner Majestät in vorteilhaftester Weise auf. Der Kaiser befahl mir, der Ersten Armee die größte Anerkennung über die bei dem wiederholten Besuche wahrgenommenen vortrefflichen E i n d r ü ck e zur Kenntnis zu bringen. Indem ich mich dieses Allerhöchsten Befehls entledige, spreche ich den kommandierenden Generalen, sowie sämtlichen unterstellten Truppen meine G l ü ck w ii n s ch e aus. Vorwärts!
gez. v. Kluck.
Der Fall Tsingtaus.
Dis Verluste der Japaner. 2300 deutsche Gefangene.
W. T.-B. Tokio, 9. Nov. (Nichtamtlich.) Die Japaner liabe» bei dem Sturm aus Tsingtau 2380 Gefangene gemacht. Sie hatten einen B e r l u st von 14 verwundeten Offizieren und 426 getöteten oder verwundeten Soldaten.
TU. London, 9. Nov. Tie „Central News" bringen noch einige Einzelheiten über den Fall von Tsingtau: Ter englisch-japanische Angriff begann Donnerstag und wurde bis Freitagabend ununterbrochen fortgesetzt. Die B e r b » n -- deten hatten enorme Verluste. Am Samstag- morgcn 1,48 Uhr setzte der H a u p t a n g r i f f unter Führung des Generals Aosimi-Namade ein. Gleichzeitig überschütteten die schwere» Belagerungsgeschütze das Fort Iltis, den Schlüssel der deutschen Stellung. Unter dem furchtbaren Geschofircaen brach schließlich der hartnäckige Widerstand des deutschen Forts zusammen, daS die Japaner, wie gemeldet, um 5,18 Uhr morgens stürmten. Gleichzeitig wurde ans dem linken Flügel ein Sturmangriff ungeheurer Massen Infanterie, unterstützt von Artillerie, angcsctzt und ein dort liegendes Fort genommen. Die deutsche Verteidigung fügte den Angreifern ungeheure B c r l u st e zu, bis die weitere Verteidigung in den zu Trümmerhaufen znsammenge- fchösscnen Stellungen unmöglich war. Um 7 Uhr morgens ergab sich dann das Fort auf dem Observatoriumsberge.
Japans Absichten mit Kiautschau.
W. T.-B. Tokio, 8. Nov. (Nichtamtlich.) Der Unterstaatssekretär der Marine erklärte in einem Gespräch über die Zukunft Ktautschans, 'daß Japan wäh
rend der Dauer des Krieges Tsingtau verwalten und nach dem Kriege Verhandlungen Wer das Gebiet mit China einleiten werde.
Ein Ultimatum Chinas an Japan?
M. Genf, 9. Nov. Der Pariser „Herald" meldet aus New York: Ein chinesisches Ultimatum an Japan steht bevor.
Das Beileidstelegramm des Reichskagspräsidrnten an den Kaiser.
W-T.-B. Berlin, 8. Nov. (Nicht-rmMch.) Anläßlich des Falles von Tsingtau hat der Präsident des Reichstags Dr. Kaempf folgendes Telegramm an den Kaiser gerichtet: „Das ganze deutsche Volk ist bis ins Innerste erregt und ergriffen angesichts des Falles von Tsingtau, das, bis znm letzten Augenblick todesmutig verteidigt, der Übermacht hat weichen müssen. Ein Werk deutscher Arbeit, von Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät urcker der freudigen Anteilnahme des Volkes als Wahrzeichen und Stützpunkt deutscher Kultur errichtet, füllt dem Neide und der Habsucht zum Opfer, unter deren Flagge sich unsere Feinde verbündeten. Der Tag wird kommen, an dem die deutsche Kultur im fernen Osten von neuem den Platz einnehmen wird, der ihr gebührt, und die Helden von Tsingtau werden nicht vergeblich ihr Blut vergossen und ihr Leben geopfert haben. Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät bringe ich im Namen des Reichstags die Gefühle zum Ausdruck, die in diesem Augenblick das ganze deutsche Volk beseelen. Kaempf, Präsident des Reichstags."'
Präsident Kaempf erschien heute vormittag im Reichs- m a.r i n e a m t, um im Namen des Reichstags die Teilnahme an dem Falle von Tsingtau auszusprechen.
Der Eindruck in Gesterreich-Ungarn.
W. T.-B. Wien, 8. Nov. (Nichtamtlich.) Alle Blätter beklagen den Fall Tsingtaus, der ein unvermeidliches Ereignis gewesen fei. Sie widmen Worte der Bewunderung und ehrenden Gedenkens der kleinen Heldenschar, die gegen eine hundertfache Übermacht länger als zwei Monate bis zum Ende ausgeharv! habe. Das „F r e m d e n b l a t t" schreibt: Dis Menschheit sah wohl kaum je ein heldenhafteres Schauspiel, als es die auf verlorenem Posten stehenden Verteidiger Tsingtaus boten. Wir in Österreich-Ungarn sind stolz, daß an diesem N i b e lu n g e n k am p f österreichischungarische Seesoldaten teilnehmen konnten, Schulter an Schulter mit den Bundesgenossen kämpften und deren LoS zu ihrem eigenen machten. Rache für Tsingtau zu, nehmen wird jedes Deutschen sehnlichster Wunsch sein!
In der „Neuen Freien Presse" entbietet Konteradmiral Franz Mirel den deutschen Kameraden zur Setz seinen Gruß und beglückwünscht sie zu dem neuen stolzen Siege, den die deutsche Flotte in gleichem Kampfe gegen englische Schiffe durch ihren sie belebenden Geist erfochten. Zu dem Heldenkampf von Tsingtau schreibt die „Neue Freie Presse": Pflichterfüllung bis aufs äußerste — dieses einfache, doch inhaltsschwere Wort ist seiner ganzen Bedeutung nach zur Wirklichkeit getvorden. Wir beglückwünscheu das deutsche Volk, daß es Männer hat von solchem sittlichen Schwung und solcher herrlichen Treue. Wir beglülkvünschen uns, daß unsere Marinetruppen dieselben Eigenschaften zeigten.
Das „Neue Wiener Tageblatt' bemerkt: Erne hundertfache Übermacht erdrosselte die Heldenschar, die ohne Weichen und Wanken mit der tapferen Bemannung unseres Kreuzers „Kaiserin Elisabeth" bis zum letzten Augenblick kämpfte. Ehre dem Andenken der Tapferen, deren Namen in der Weltgeschichte unvergänglich sein werden!
Die „A r b e i t e r z e i t u n g" erklärt: Deutschlands
Widerstandskraft ist nach dem Untergang der chinesischen "Station so wenig vermindert und erschüttert, wie Österreich-Ungarns Flotte es durch die Sprengung der heldenhaft, bis zum Ende mitlämpfenden „Kaiserin Elisabeth" ist. Es war ein von Ilnbeginn hoffnungsloses Ringen und gibt ein leuchtendes Beispiel des opfervollen Mutes,-. dessen Andenken nicht vergehen wird!
sin schweizerisches Lob der deutschen Heldenschar vonTsingtau.
IV. T.-B. Zürich, 8. Nov. (Nichtamtlich.) Zu der Meldung -.es Reuterschen Bureaus von dem Falle Tsingtaus bemerkt ,ie „Neu-: Zürcher Zeitung": Eine gleichlautende Meldung nis Petersburg bestätigt den Fall der tapferen Festung. Danit erfüllt sich das Schicksal der kleinen deutschen Helden- char, die genau drei Monate lang das Bollwerk Deutsch- ands im fernen Osten gegen den ü b ermächtigen Anturm Japans mit verteidigender Hand zu halten vermochte, lakonisch mar das Telegramm des Kornmandanten, in dem :r seine Pflicht zu tun versprach, ohne Phrasen, ohne begleitende Zeitungsdithyramben spielte sich diese Episode de^> großcn Krieges ab, der Mitwelt ein leuchtendes Bcrsprep. vessen deutsche Treue und deutsche Tüchtigkeit fähig ry.
Treffende Worte über Englands blinden Haß.
IV. T.-B. Berlin, 9. Nov. In seinem MontaMrtrkel chreibt Theodor Wolfs im «B. T.": 28ä^ der sall ^.stngtaus ür die Engländer notwendig oder vorteilhap, wie ^ur uns cm Zieg der Türken im Snczkanal, so wurden wir, die jetzt so itel hinzulernen müssen, auch hier uns allenfalls mit dem -chlagwort abfinden: Krieg ist Krieg! Wo aber wor die n i l i t ä r i s ch e R o t w c n d i g k e, t, die England zu diesem llnternehmen trieb, welchen Nutzen kann es aus diesem
