Seite 7
Expedition: Langgafse No. 27.
No. 8
Feuer-Kitt besonders hergestellt. Außerdem sind aus obiger Fabrik noch vorhanden: eine Collection künstlicher Bimssteine zum Abschleifen von Holz, feuerfeste Chamotte-Steine und desgleichen Quarz-Steine, eine Probe von prima Feuer-Sement. Das Material zu letzterem ist von höchster Feuerbeständigkeit und verleiht dem Mauerwerk eine Dauerhaftigkeit, tote solche mit keinem derartigen Material zu erreichen ist. 2) Schmirgel-Feilen von Georg Voß & Co. in Deuben bei Dresden, welche in vielen Fällen mit Vortheil zu verwenden sind, wenn man die Eisen-Feilen nicht gebrauchen kann, z. B. bei Arbeiten, wobei Oel nothwendig tft. 3) Stahl-Feilen, aus einzelnen Blättchen zusammengesetzt, von Alexander Meyer & Co. in Dresden. Düse neue Feile besteht aus einer Reihe dünner, mit abgeschrägten und gezahnten Kanten versehenen Stahlblättchen, welche auf einem gemeinschaftlichen Dorn aufgereiht sind. Das Schärfen der Feilen geschieht durch Schleifen auf einem gewöhnlichen Schleifsteine, wodurch das zeitraubende Aufhauen in Wegfall kommt. 4) Carbon-Natron-Kochöfchen von I. Böcklern in München. Dasselbe eignet sich besonders zur Verwendung für kleine SauShaltungen und bei Ausflügen in's Freie. Als Brennmaterial dient arbon-Natron, eine Holzkohle. Die Wärme kann genau regulrrt werden.
Wenn das Feuer gut brennt, so kocht in 10 Minuten 1 Liter Wasser. Das Oefchen brennt, ohne Rauch und Rutz zu erzeugen. In vollständig geschlossenen Räumen ist es nothwendig, die sich entwickelnde Kohlensäure mittelst eines Gummischlauches in's Freie zu leiten. Die verbrannte Kohle läßt nur einen kleinen Rückstand, welcher als Zahnpulver bte beste Verwendung finden kann. Unsere Hausfrauen werden auf dreses Oefchen besonders aufmerksam gemacht. 5) Patent-Schnellfilter (System Piefke), Construction für Kleinbetrieb, zur Feinfiltratton von Wasser und anderen Flüssigkeiten, aus dem Geschäfte von G. Arnold & Schirmer (Inhaber: W. Zimmermann & Rud. Zorn) in Berlin. Diese Filter sind überall anwendbar, gleichviel ob eine Druck-Wasserleitung vorhanden ist oder nicht. Die filtrirenden Schichten lassen sich, den jeweiligen Zwecken entsprechend, beliebig und soweit verdichten, daß durch diese Filter, wie durch maßgebende Autoritäten festgestellt ist, selbst die Keime der feinsten Microorganismen zurückgehalten werden.
* Goldene Hochzeit. Heute feiern die Eltern des hochw. Herrn Präses des hiesigen „Katholischen Gesellen-VereinS" in ihrem Wohnorte Emmerich a. Rh. das seltene Fest der goldenen Hochze t Auch aus hiesiger Stadt wurden dem ehrwürdigen Jubelpaar zahlreiche Glückwunsch-Schreiben und -Depeschen zugesandt. Der „Katholische Gesellen-Verein" sandte eine besondere Deputation ab, die Namens des Vereins dem Jubelpaar em sinniges Geschenk überreicht, bestehend in einem goldenen Myrthenkranze, der, auf Sammet ruhend, mit prächtigem Goldrahmen umgeben ist. Ferner überbringt die Deputation eine kunstvoll ausgearbeitete Gratulations- Adresse, welche die Namens-Unterschriften sämmtlicher Vereinsmitglleder trägt. Beide Geschenke, welche einige Tage im V-reinshaus zur Besichtigung ausgestellt waren, erregten allgemein wegen ihrer kunstvollen Ausführung Bewunderung.
* «leine Notizen. Am Samstag Morgen früh 5 Uhr ereignete sich auf dem städtischen Wasierwerk „Münzbcrg-Stollen" ein bedauerlicher Unglücksfall. Im Stollen stietz ein leerer Fördetwagen, mit zwei ihm entgegenkommenden beladenen Wagen zusammen, wodurch der Führer des ersteren so bedeutende Quetschungen an der Brust davon trug, daß er bewußtlos aus dem Stollen und durch eine schleunigst aus der Stadt herbeigeholte Droschke in das städtische Krankenhaus gebracht werden mutzte. - Gestern Vormittag verletzte sich im Schlachthaus etn hiesiger Metzgergeselle durch einen Messerstich derart am Knie, daß er sich zu seiner Heilung in das Schwesternhaus begab.
Kunst und Wissenschaft.
* Repertoir-Entwurf der vereinigten Ltadttyealcr zu Frankfurt a. M. Opernhaus: Dienstag den 11.: „Lackmv. MUtwoch den 12. Nachmittags 3'/- Uhr: „Sneewittchen. Donnerstag den 13.: „Der Freischütz". Samstag den 18. Nachmittags 3'/' Uhr: „Sneewittchen". Abends 7 Uhr: „Die Hugenotten Sonntag den 16. Nachmittags 3'/, Uhr: „Sneewittchen". Abends 7 Uhr: „Fidelio - Schauspielhaus: Dienstag den 11. (z. E. wederh.): „Tie Sternschnuppe". Mittwoch den 12.: „Gasparone". Freitag den 14.: Freund Fritz". „Monsieur Herkules". Samstag den 15 : „Die Sternschnuppe». Sonntag den 16.: „Ein Tropfen Gift". Montag den 17. (neu einst.): »Der Richter von Zalamea".
* Der deutsche Bühuen-Cartell-Berein hat in seiner Generalversammlung, welche am 6. Januar in Frankfurt stattfaud, vielfache Beschlüsse von eingreifender Bedeutung gefaßt. Herr Baron Perfall München) übergab der Versammlung eine kurze Denkschrift in welcher bedeutende Reorganisationen empfohlen und Vorschläge für die zukünftige Thäligkeit des Vereins auf geschäftlichem sowie kunstl-ruchem Gcbleie gemacht werden, lieber den Vorschlag einer PreiSauSschrelbung für etn Lustspiel und für ein Schauspiel durch den deutschen Lühmn-Verein entstand eine lebhafte Debatte. Nach eingehender Motivirung und Empfehlung dieses Antrages durch den Intendanten Claar (Frankfurt), in welcher hervorgehoben wurde, daß trotzdem nicht alle Preisausschreibungen bte gehofften Resultate ergaben, ein berartigeS Lebenszeichen von Seiten bc8 Bühnen-Vereins unter allen Umstänben nur erwünscht sein könne, unb baß Preisausschreibungen neue Namen hervorbringen, die schlnmmernben Kräfte anregen unb bte literarische Dircussion immer ein Vortheil für bas ganze Theaterwesen ist, wirb der Antrag einstimmig angenommen. Sämmtliche Cartell-Bühnen verpflichten sich, bte beiden preisgekrönten Stücke (resp. eines von beiden) aufzuführen. Ein Antrag des Herrn Director Poll ini (Hamburg) gegen die General- Reverse der Theater-Agenturen wurde angenommen mit dem Hinzusügen, daß ein Theater-Agent nicht über drei Jahre den Anspruch ans Prozente
erheben darf, widrigenfalls derselbe von jedem Geschäftsverkehr mit säumst- licheu Cartell-Bühnen ausgeschlossen würde. - Director Hofmann (Köln) beantragt, auch diejenigen Theater-Agenturen von dem Geschäftsverkehr mit den Cartell-Bühnen auszuschließen, welche noch fesiengagrrten Mit- gliedern Contracte unterbreiten, für den Fall einer früheren Losung ihrer derzeitigen Verpflichtungen. Eine Resolution wurde ferner, einstimmig angenommen gegen diejenigen Verleger von Opern und Stucken, welche das Aufführungsrecht eines von einer Dlrection begehrten Werkes nur gegen gleichzeitige Entnahme eines zweiten schwächeren Werkes eirlraumen. Zunächst soll gegen die Firma Choudens m Pans der Beschluß der Direction zur Geltung gebracht werden, und im Nothfalle mit der Nicht- Aufführung der betreffenden Verlagswerke an sammtlichen deut chen Cartell- Bühnen vorgegangen werden. - Nach Annahme verschiedentlicher weiterer Vorschläge wurde zur Wahl des Directoriums geschritten. Zum Präsidenten wurde Graf Hoch berg (Berlin) zum Viceprastdenten Perfall (München), zum Ehrenmitglied bes Präsidiums Baron Besezny (Wien) gewählt. Zum Directorium würben bestimmt bte Herren Loön (Weimar), Stigemann (Leipzig), Kohn-Speyer (Ehrenmitglied des Vereins,, Claar (Frankfurt), Pollini (Hamburg), Ledebur (Schwerin), Frey (Hanau). Tempeltey (Coburg) wurde abermals zum Präsidenten des Schleds- genchts gewählt. — Am Nachmittag vereinigte bte Versammlung ein Festmahl im „Russischen Hof".
* Henrik Jdsen's „Gespenster" in Berlin. (Original-Corresp.) Berlin, 9. Januar. Zu einem Ereigniß in des Wortes wahrster Bedeutung gestaltete sieb die heutige Aufführung des Jbscn(schen Drama s „Gespenster" im „Residenz-Theater" gelegentlich emer Wohlthatigkeits. Matinöe. Ibsen ist uns durchaus kein Fremder, im Gegentheil, er ist gerade in Deutschland mit warmer Sympathie ausgenommen worden, und wenn er sich auch nie den Beifall der großen Massen erworben hat und sich denselben auch nie erwerben wird, so hat er sich doch eine zahlreiche, ihn treu verehrende Anhängerschaar geschaffen, die redes neue seiner Werke mit liebevollem Verständniß als werthe Gabe entgegennimmt. Fast ,ede8 der Dramen Jbsen's hat zu eifrigsten Meinungsverschiedenheiten Veranlassung gegeben, man besinnt sich noch, welche Stürme „Nora" hervorrief, wre es von den Einen bejubelt, von den Anderen verdammt wurde, aber zu noch weit schärferen Kämpfen wie „Nora", werden die .Gespenster" Veranlaffung bieten. Das Drama erschien bereits 1881, es liegt auch seit längerer Zeit in Deutschland in Uebersetzuug vor, aber unser Publikum verhält sich ja sehr passiv gegen Buchdramen, und so konute es auch dieses Werk zu keinem nennenswerthen Erfolg bringen. Die Aufmerksamkeit weiterer Kreise wurde auf dasselbe erst kürzlich durch die erste (in Deutschland überhaupt die erste), vor einem geladenen Publikum stattgefundene Aufführung im Hoftheater zu Meiningen gelenkt, nun, nachdem es heute in Berlin gegeben worden ist, wird das Stuck m ganz Deutschland einen mächtigen Widerhall finden. Freilich, Schwierigkeiten genug hat es gekostet, uns mit dem Werk in lebenswahrer Bühnendarstellung bekannt zu machen, und erst demnächst wird man erfahren, ob die Erlaubnitz zur öffentlichen Darstellung vom Berliner Polizei-Präsidium gewählt wird. Hier möchten wir aber gleich bemerken, daß uns persönlich das Verbot in Verwunderung gesetzt hat, da das Stück durchaus nicht etwa, was seine „moralischen Seiten" anbelangt, anstößiger ist, wie die Stücke eines Sardou oder Feuillet. Nun, an sich ganz gleich, das Stück hat seine Berliner Premröre erlebt eine Prcmiöre, wie sie wohl selten hier stattgefunden hat. Schon seit Wochen lagen die Billelbestellungen vor und sie häuften sich in den letzten Tagen dermaßen, daß das Theater noch zweimal so groß hätte sein können. In langer, ununterbrochener Reihe fuhren die Drosehken und Equipagen vor auf dem Flur, in der kleinen Theater-Restauration, in den Foyer» war ein Drängen und Schieben, Stoßen und Drücken, herrschte eine derartige Spannung, merkte man so deutlich das aufrichtige Jntereffe, daß sich die berühmten „ältesten Premivreubesucher" einer derartig ähnlichen Stimmung vor einer ersten Aufführung nicht besinnen konnten. Die literarischen und künstlerischen Kreise der Hauptstadt waren wohl vollständig vertreten dazu gesellten sich die anderen Elemente, die mit diesen Kreisen engere Fühlung haben, die scandinavische Colonie war zahlreich erschienen und auch an bedeutenderen Schauspielern und Schauspielerinnen fehlte es nicht. Und nun, diese Aufmerksamkeit, als der Vorhang emporrollte, dieses fast andächtige Zuhören, diese Entrüstung über jegliche noch so kleine Störung, über jedes Räuspern, jedes Hüsteln, und dann, am Schluß jeder der drei Auf. züge welch' ein lärmender, stürmischer Beifall, welch' Jubeln und Rufen, bis der Autor erschien und immer wieder erschien, sich dankbar verbeugend — ein mittelgroßer, stark gebauter Herr, kluge, scharf blickende Augen hinter den Brillengläsern, einen merkwürdig geformten Kopf mit ergrautem starrem Haar und einem ebenso grauen, langgezogenen Backenbart.--
In der Mehrzahl seiner Bühnenwerke hat sich Ibsen dem Familienleben zugewandt, er beleuchtet dasselbe nach einzelnen Richtungen hin und legt die Sonde an wunde Stellen: eine scharfe Sonde: Wahrheit, keine Heuchelei! Er steht in die Tiefen der Familien hinein, jener Familien besonders, welche nach Außen hin glücklich, geachtet, beneidet dastehen und bei welchen im Innern so Vieles hohl und ehrlos ist. Auch in den Gespenstern", die er selbst als „Familiendrama" bezeichnet, hat er dieses Thema angeschlagen. Die Familie der Kammerherrn Alwing erfreute sich des höchsten Ansehens, der Kammerherr selbst galt als ein wohlthäiiger, hilfsbereiter Mann, wcrth bei allgemeinen Hochachtung, und noch 10 Jahre nach seinem Tobe läßt seine Wittwe seinem Anbenken zu Ehren ein großes Ashl erbauen. Dies ist ber Zeitpunkt bc8 Stückes, welches sich, unter Abrechnung weniger Stunden, hintereinander abspielt. Oswald, der 26jährige Sohn des Kammerherrn, der al8 Künstler lange Zeit in Paris gelebt unb sich schon einen guten Namen gemacht, kehrt nach Hanse zurück, krank, zerfallen, wie er es seiner Mutter gesteht, von ben Aerzten aufgegeben, nach bereu Meinung er nicht Schuld wäre an seinem furchtbaren Leiden, sondern „die Sünden der Väter". Er kann es nicht glauben, er hat ja stets das Beste, das Allerbeste von seinem Vater gehört; er zeigt
