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Verlag Langgasse 21

„Tagvlatt-HauS".

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Sonntag, 8. Hooembcr 1914.

Morgen- Kusgabe.

Xtv. 525 . ♦ 62. Jahrgang.

Der Krieg.

vom serbischen Kriegsschauplatz.

Neue Niederlagen der Serben. — 1700 Serben gefangen Genommen, 4 Geschütze und 6 Maschinengewehre erbeutet.

. W. T.-B. Wien, 7. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich wrrd gemeldet: Die Angriffe gegen den hinter Astver­hauen und Drahthindernissen verschanzten Gegner im Raume von Cerplanina und südlich Schabatz schrei­ten langsam vorwärts. Gestern wurden die taktisch wichtigen Höhen von Misar genommen. Hierbei wur­den 200 Gefangene gemacht.

, Im Einklang mit dieser Operation begann auch Gestern der Angriff gegen die sehr gut gewählten und ebenso hcrgrrichtcten Stellungen bei Krupanj. Die Details können noch nicht verlautbart werden. Eine Reihe serbischer Schanzen sind gestern mit bewun­dernswerter Tapferkeit im Sturmangriff ge­nommen worden. Hierbei wurden zirka 1500 Ge­fangene gemacht, 4 Geschütze und 6 Maschinengewehre erbeutet. Der vorzügliche Geist und der Zustand unse­rer^ Truppen läßt ein günstiges Fortschrciten auch tft dieser schwierigen Operation erwarten.

Selbstmord eines serbischen Generals.

hd. Wien, 7. Nov. Aus Sofia wird gemeldet: Der

serbische General Stefano witsch, dessen Truppen kürz­lich fast oollständig von den Österreichern aufgerieben wur­den, verübte Selbstmord. Der General war in Gefahr, kriegs­gefangen zu werden, weshalb er sich erschoß.

Die letzten französischen Tagesberichte.

Eingeständnis.

Iid.. Genf, 7. Nov. Wortreiche, aber inhaltssame Noten der Verbündeten beschließen eine Woche ihrer Ent­täuschungen. Heute wird zugegeben, daß St. Georgs und andere Punkte am linken Usern fer von den Deutschen besetzt sind/ die nach wie vor Dpern vom Norden und Süden und von Bixschoode und Messines aus bedrohen.

Joffre erwartet, wie aus seiner Note hervorgeht, ^tne umfangreiche, gleichzeitig in Flandern und in Frankreich geplante deutsche Offensive, vornehmlich Gestützt auf sehr bedeutende Furt sich ritte bei A r r a s, die der französische Generalissimus durch Erwäh- nung der Tatsache anerkennt, daß die deutschen schweren 'Geschosse über die 'Nordvorstädte hinweg die Stadl Arras erreichen.

Am Aisneufer, nordöstlich von Vaisley, dauerten gestern die Kämpfe fort. Die Deutschen v e r t a u s ch t en rhre Stellungen beim Dorfe isoupir mit einer vorteil­hafteren. Über den im Argon nerwald und bei ^ t. M i h r e l erlangten deutschen Geländcge- ä' i n n gleitet die amtliche französische Note hinweg, erwähnt dagegen die gesteigerte Tätigkeit im Osten und Nordosten des Ranziger Bezirks.

Der belgische Bericht über die letzten Kämpfe.

hd. Rotterdam, 7. Nov. Eine aus Le Havre datierte amtliche belgische Mitteilung vom 6. November nachmit­tags^ besagt: Die Deutschen beschränken sich auf die Be­schießung der belgischen Linie. Einige deutsche Abtei­lungen, welche mit Maschinengewehre versehen sind, halten das linke Ufer der User bei St. Joris und Kenskerke be­setzt. Die Deutschen stellten längs der belgischen Küste zwischen Middelkerke und Zeebrügge mehrere Batterien von verschiedenen Kalibern und Jnfantcrie- bosten auf.

Die Kämpfe in Flandern.

„. hd. Amsterdam, 7. Nov. Der „Telegraaf" meldet, zwischen Ostende und Nieuport war es am Don-

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nerstag ruhig. Wegen der Überschwemmungen haben sich btt Deutschen von der User zurückgezogen. Aber in dem Dreieck ^nxmuiden-Rousselaere-Dpern wird noch bitter gekämpft ^n Brügge lebt man in Spannung. Viele bemittelte Ein wohner verlassen die Stadt. Es herrscht dort Mangel an Lebensmitteln. -- Am Donnerstag hat ein französischer FUeger über Brügge wieder Bomben geworfen. Da» Zwl war. auch diesesinal die.Petroleumtanks und bit Eisenbahn beim Boverie-Tore. Eine Bombe fiel ins Wasser, dre andere in den Sand. Schaden wurde nicht angerichtet. Englische Flieger klärten die Gegend an der Küste entlang ,® te wurden beschossen und verschwanden. Mit der SchtieZung der Grenze bei Knocke und Westkapelle wird bcall jrcytigr, die Spionage zu verhindern.

Im Kampfe gegen die Engländer.

r ui Berichterstatter des Kopenhagener Blattes ..Politiken' HE Gelegenheit, von Brüssel aus eine Kraftwagenfahrt zr machen, oie ihn bis in die deutsche Schlachtfront an Userkanal führte. Die Schlacht währte bereits 6 Tagt und war ein fortwährendes Vor und Zurück, ein unaufhör. Ilcher Kampf um die Schützengräben. Ganz besonders er. tndent war der Kampf unserer Truppen gegen die Engländer Das Gewehrfeuer der Engländer schätzten die deutschen Sob oaten so niedrig ein, daß sie erzählten, man könne darunter spazieren gehen. Um so gefährlicher aber !var ihr Artillerie- fcuer, und zwar aus dem Grunde, weil die Bevölkerung dem Feinde verabredete Signale über die Stellungen der Deut­schen gab, so daß die Engländer ihre Geschütze auf das ge- naueste einstellen konnten. Diese Parteinahme der Bevölke- rung war es, die den Deutschen den Kampf auf das äußerste erschwerte und es zeitweise unmöglich machte, die vorge- schobenen Truppen durch frische Mannschaften zu verstärken oder abzulösen. Einer dieser vorgeschobenen Posten mußte l- Tage lang unter den schwierigsten Verhältnissen gegen die Engländer aushalicn. Wie es möglich war, so bekennt der Berichterstatter, ist kauin zu verstehen, aber die deutschen Helden hielten eben aus! Tagsüber blieb es gewöhnlich still, da man einander so nahe gegenüber lag, daß dichts verborgen worden konnte. Nachts aber setzte dann das gewaltige Artilleriefeuer von englischer Seilte ein, das bekundete, wie genau der Feind über die Stellungen der Deutschen unter­richtet war. Hier mußte Wandel geschaffen werden. Mit allem Nachdruck wurde jetzt die verräterische Bevölkerung aus dem Wege geschafft. Dann glückte es, die Engländer mit Hilfe von falschen. Signalen und von Scheinmanövern zu täuschen, und gerade an dem Morgen, wo der Berichterstatter bei der Front eintraf, hat endlich der Sturmangriff beginnen können, der während seiner Anwesenheit noch währte. Frische Kräfte waren in die Feuerlinie gezogen worden und helden­mütig ihren bedrängten und ermatteten Kameraden zu Hilfe geeilt. So standen die Dinge, als der Kanonendonner plötz­lich von einem Jubel, einem Freudenschrei übevtäubt wurde. Die ganze Trainlinie lang pflanzte sich dieser Schrei fort. Niemand brauchte zu fragen, was geschehen war: der Vor­stoß war geglückt, der Feind geworfen. — Ver­gegenwärtigt man sich, daß mit diesem Vorstoß unsere wackeren Krieger doch wieder nur ein paar hundert Meter gewonnen hatten, so versteht man, warum die Operationen in der flandrischen Ricsenschlacht nur langsam vor sich gehen können. Drei deutsche Flugzeuge heruntergeschossc». hd- Paris, 7. Nov. Nach hier eingetroffenen Nachrichten wurden in den letzten Tagen drei deutsche Flugzeuge bei Souai heruntergeholt.

Die Frage des Munitionsmangels.

Offenbar eine neue französische Sorge.

Br. Mailand, 7. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Iw hiesigen Blättern beschäftigen sich französische Mili- tärkritiker viel mit der Frage, ob die Dauer des Krieges nicht vom. Verbrauch der Munition. abhängen werde. Nicht nur

eine Erschöpfungen neuen Soldaten, sondern auch an Muni­tion werde eintretcn. Sowohl in Deutschland, als in den. Ländern der Verbündeten hätte man eine so lange Kriegs­dauer und einen so großen Verbrauch von Geschossen nicht voraus gesehen. An dem Tage, an dem einer der Gegner nicht mehr imstande sei, den Gegner mit den Mordinstrü- menten Konkurrenz zu machen, würde seine Unterlegenheit schlimme Folgen haben.

Der Mangel an Stiefeln in der französischen Marine.

W. f.-B. Paris, 7. Nov. (Nichtamtlich) Ein Rundschrei- ben des Marineministers verlangt von den neueintre» t e n d e n Mairofen die Beschaffung eines Paar gut erhalte­ner oder neuer Stiefel gegen Rückerstattung des Preises.

Großfürst Nikolaus a» Lord Kitchencr.

Br. Haag, 7. Nov. lEig. Drähibericht. Ktr. Bln.) Lord Kitchener hat von deni Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch folgendes Telegramm erhalten: Unser Erfolg an der

Weichsel muß einen vollständigen Sieg unserer Truppen an der ganzen galizischen Front bald nach sich ziehen. Unser strategisches Manöver wird dadurch mit dem größten Erfolge gekrönt, den wir in diesem Kriege bisher hatten. Ich bin fe^i überzeugt von dem schnellen und vollständige,!» Erfolge unserer gemeinschaftlichen Arbeit.

Eine befreiende Tat für Europa."

, Br. Zürich, 7. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Im Ansch.ng an den Seekarnpf an der englischen Küste bei Uarmouth schreiben die „Neuen Zürcher Nachr.'ft eines der Hauptorgane -der Schweizer Katholiken: Das deutsche Geschwa- ocr hat mit seinem Erscheinen vor Uarmouth zunächst seinem Lande einen mächtigen Erfolg gebracht, zugleich aber auch eine befreiende Tat für Europa verübt. Die Arb und Weise, wie.das jetzige englische Regiment seit Kriegs- ausoruch auf den Meeren schaltet und waltet, ist zu unerträg- I:ch und ungerecht geworden. Diese Art bedeutet nicht mehr bloß Krieg mit den Mächten, mit denen es sich im Kriegszu­stand befindet, sondern zum Teil auch einen wirtschaft­lichen Krieg gegen die Neutralen und Geltend­machung von Herrenrechten gegenüber Nationen, denen gegenüber England absolut keine solchen besitzt. Die eng- Iifche Regierung ist wahrlich nicht gut beraten, wenn sie den ganzen Erdball in ihren wenigstens indirekten Dienst und in Mitleidenschaft zwingen will, schon darum nicht, weil das Be­wußtsein dadurch immer mächtiger ausdämmert, daß der Tag für Europa und die übrige Welt ein gesegneter sein wird, von dem an die Meere der Erde Nicht mehr dem Szepter eines einzigen Landes unterworfen fein werden, sondern Ge­meinschaft der Völker sind.

Der Lessieg an der Küste von Chile.

W. T.-B. New Jork, 7. Nov. (Nichtamtlich) „Sun", ,.Tribuns" und „Evening Post" geben zu, daß das deutsche Geschwader an Schiffsgeschützen den Engländern über- legen war, äußern aber ihr Erstaunen, daß das eng.= l i s che Geschwader s o wenig Schaden angerichtet hat. „Sun' sagt: Das Schießen der deutschen Kanoniere war her­vorragend, das Schießen der Engländer mäßig, und nicht mehr. Alle Blätter stimmen darin überein, daß die Deut­sch en viel Ge sch ick und Mut bewiesen und große Um­sicht bei der Vereinigung ihrer Schiffe an den Tag gelegt haben.

Siegeszeliiute in Berlin auS Anlaß des deutschen Seesiescö.

(Eigener Dvahtbericht unserer Berliner Schriftleitung,) Berlin, 7. Rav. (Ktr. Bln.) Aus Anlaß des deutschen Seesieges. bei Santa Maria wurden auf.die Anordnung der obersten Kirchenbehörden heute mittag eine Stunde lang alle Kirchenglocken geläutet. Stadt und Vororte sind aufs r e i ch st e beflaggt.

Ein Bild.

Von Erich von Beckerath.

Die Lampe rußt und schwärzt an kahlen Wänden. Ein weinend Weib senkt gramvoll das Gesicht Und hält ein Blatt.in den gekrumpften Händen, Indes der Münd des Gatten Namen spricht.

Es ist die Liste der gefall'nen Helden;

Und wie den Gatten sie im Osten verlor,

Weiß der Bericht van jenem Tag zu melden:

„Im Osten fiel Besonderes nicht vor."

So liest man's hin und wieder angeschlagen,

So las auch sie den bündigen Bericht.

„Nichts Wesentliches hat sich zugetragen" —

Da beugte weinend sie das Angesicht.

Es liest sich leicht. Sa kurz und so . gemessen Klingt diese Nachricht eigem an das Ohr..^

Gelesen hat man's grad, und dann vergessen:

»Im Osten fiel Besonderes nicht vor."

Die Lippen flüstern leis' den lieben Namen. Von Siegen spricht der neueste Bericht,

Doch hört ste's kaum, daß sie Antwerpen nahmen — Sie denkt des Gatten brechend Augenlicht.

Am Abend kommen die Depeschen wieder.

Verweint und gramgebeugt steht sie davor Und liest — indes perlt eine Träne nieder —

»Im Osten fiel Besonderes nicht vor."

Nachdruck verböte.

Herbst.

Von Martha Krüger.

„Und ich behaupte nun einmal, das herrlichste Ziel, nach dem ein junges Mädchen streben kann, ist — glückliche Frau und Mutter zu werden, — so ein halbes Dutzend lachender Kinderköpfchen um den Eßtisch, dazu einen braven Mann, \* E a “ §r ^ en ‘ ) für die Seinen sorgen kann, — das nenne id) Glück! „Ja, aber mein Fräulein, warum heiraten Sie oann nicht, mit solchen Ansichten ist das doch wirklich be­dauerlich", wandte sich ein älterer Harr an die eifrige Für- sprecherin der Ehe. „Warum?" „Wahrscheinlich sind meine dem Glück der Ehe zu hohe, und dann, ein armes Mädchen heiratet heutzutage nur selten." — Die so sprach, toar eine schlanke Blondine mit etwas slawischem Typus, graue Augen, sympathisch, ohne hübsch zu sein, wirklich hübsch war. mir der Mund mit den zwei Reihen gesunder. Zähne. .7r-^ung war sie auch nicht mehr, eine jener Persönlichkeiten, die efit mit den Jahren angenehm werden, wenn sich eine fast ftauliche Fülle einstellt, — eine von denen, die nie jung aus­gesehen. Sie konnte 28 Jahre sein, vielleicht auch älter; jetzt, nach der erregten Debatte, waren ihre Wangen leise gerötet, was ihr sehr gut stand, und die grauen Augen verklärten förm­lich das Gesicht, s o war sie direkt hübsch. Das sagten ihr auch zwei schöne blaue Augen, die bei ihren Worten unablässig aus ihrem Gesicht.geruht und setzt so beredt' in die ihren tauchten, daß sie betroffen den Blick abwandte.

Dre schönen Augen gehörten einem blonden Herrn, der bisher . schweigend dem Wortgefecht gefolgt war. Er war schon ein wenig behäbig, ein guter Dreißiger, und die blauen Augen blickten über einen großen rotblonden Schnurrbart ehrlich und gut aus einem braungebrannten Gesicht in die Welt. Die beiden kannten sich schon seit Monäten und sahen sich täglich und obgleich beide sonst auf freundschaftlichem Fuß standen, war man sich wenig näher gekommen. Nun konn­ten sie plötzlich nicht mehr aneinander vorbei, die Augen­paare suchten sich öfter, sie plauderten viel zusammen und merkwürdig gut verstanden sie einander, — das schlanke blonde Mädchen und der große blonde Mann. S i e hatte sonst keine Vorliebe für blonde Männer und blaue Augen, aber diese blauen Augen wollten plötzlich nicht mehr weichen, sie ertappte sich immer wieder darauf, daß sie daran dachte, wie ex fie- damals -im Garten angesehen. ■— Der Sommer war teils von tropischer Hitzb, teils regnerisch gewesen, jetzt lockten herrliche Herbsttage ins Freie, alles eilte, so viel wie -möglich der Großstadt mit ihrem Lärm und Dunst zu ent­fliehen. Sic kannte noch wenig von der reizenden Umgebung, er erbot sich, sie zu führen. Mit Freude ging sie auf seinem Barschlag ein; aber als beide sich allein am Bahnhof trafen, standen sie sich in grenzenloser Verlegenheit gegenüber. Sie war es, die sich zuerst faßte und mit lustigem. Plaudern über das Peinliche der Situation half.

Hinaus trug sie das Dampfrotz, vorbei cm herrlichen Villen, die, in ihrem Kranz von blühenden Rosen gebettet, nichts vom nahenden Winter ahnen ließen, war es doch, als