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Gesundheits-Erhaltung braucht, das soll hier m knappem Rahmen. Wngt w-rden Industrie und Wissenschaft wetteifern, dem Volke practlsch zu reiacn daß man sich auch bei kargen Mitteln noch immer kräftig ernähren kg»« ' rocmi man bas vorhandene Material nur richtig ausnutzt und nut gewissen althergebrachten Vorurtheilen bereitet. Die Ausstellung zerfallt in mehrere Gruppen, von denen die wichtigste unter Leitung des Herrn Professors Ho mann, Direetor des hygienischen Instituts der Universität Leipzig, die eigentliche Volks- und Massenernahrung umfatzt, nut ber Section Armee-Verpflegung unter dem Oberstabsarzt Herrn Dr Ruhle- mann Weitere Gruppen sind: Getränke, Maschinenwesen, höhere Koch- kuusi Literatur. Die Maschinen zne Massenherstellung von Nahrungsmitteln für den sofortigen Geuust, zur Conservirung re. sollen rm Betriebe gezeigt mit den hergestellten Speisen Soldaten und würdige, Einwohner Leipzigs beköstigt werden. Man wird die verschiedenen Systeme der Dampfkocherei in Coneurrenz vorführen um die Vorzüge derselben untereinander prüfen zu können. Ebenso oll es mit den verschiedenen Hefe- Sorten bei Gebäck geschehen, mit Fleisch m seinen verschiedenen Qualitäten Wnrstwaaren re. Ueberhaupt wird gezeigt wie man die Nahrungsmittel am vortheUhaftesten einkauft (Markihallen-system), aufbewahlt, zubereltet und verwendet, wie man Vergiftungen und Ansteckungen durch verdorbene Nahrungsmittel vorbcugt, wie man in Zeiten der Noth, Epidemien, irn Felde rc große Aienschenmassen rasch und gut mit warmer Kost versehen kam. Auch der Schiffskost und Verpflegung mit eonsermrten NMuugr- mitleln wird die nötyige Aufmerksamkeit geichenkt, so daß rede Rrchtu>>g auf dem weiten Gebiete der Ernährungslehre vertreten fern wird. Nach den eingegangenen Anmeldungen zu schlreßen, findet die humane ^dee, welche den Veranstaltern vorschwebte, allenthalben Anklang, selbst die Behörden wendcn ihr die bereitwilligste Unterstützung zu, auch die militärischen. Die Eeneral-Direetion der Königs. SachsUchen Staats- bahuen bewilligte bereits freie Rückfracht M Ausstellungs-Guter und dre Benutzung eines Eisenbahn-Waggons zur Darstellung einer E.senbahn- Feldküche. Die Klicosministerien ließen sich Vortrag halten, die städtischen und Landes-Behörden nehmen sich der Sache an. Kurz wir werden demnächst in Leipzig eine ganz eigenartige Ausstellung sehen, welche die höchste Beachtung aller Kreise verdient. Heber den werteren Verlauf werden wir perio^s^Die Verloosung der Berliner Jubiläiims-Kuust- Ausstellung) wird nochmals stattfinden Wegen des fehlens einer Gewinnnummer am letzten Ziehungstage ter Lotterie halt der senat der Akademie die Wiederaufnahme des ganzen Zlehungsaetes für geboten und beschloß deßhalb, die Genehmigung der vorgesetzten Behörde nackzusuchen Es hat sich bei den amtlichen Ermittelungen ergeben, da« nachher Eiuschüttung der sSmintlichen Loose, sowohl der Loos- als auch der Gewinnnummern, in die Glücksräder unter Zuziehung Zeines Notars, sowie der beauftragten Beamten des königlichen iholrzei-Prastdlums und der königlichen Akademie d-r Künste, mit der größten Sorgfalt und unter Anstellung zahlreicher Stichproben verfahren, auch der Ziehungsaet bis zum Schluß auf das Gewissenhafteste ordnungsmäßig geleitet und überwacht worden ist. Dessen ungeachtet hat sich am letzten Ziehungstage das Fehlen einer der 28,662 Gewinnnummern, sowohl nach dem Inhalt des notariellen Protoeolls, als auch nach wiederholter Durchsicht der gezogenen Loose herausgestellt und jjat deren Verbleib trotz aller Nach- fnritfiunaen nicht ermittelt werden können.
' Ulf Jahre unschuldig im Zuchthause.) Arn Samstag den 20. November Nachmittags wurde, wie ms Crone o. Br. geichneben wird der Apotheker Speichert, nachdem er, tote bm<f)tet, elf ^ahre un- toulbia im Zuchthause zugebracht, auf Grund des Gutachtens der Sach- ,?rsföndiaen-Commissioii, welche die Exhumirung der Leiche der Frau Speichert vorgenommen, aus dem Zuchthause zu Cronthal entlasten, wo ihn sein Bruder, der Amtsrichter in Cronthal ist, abholte.
9 - (Heber einen Cholerasall tn Breslau) meldet die Brest Zig." unterm 19. November: Heute ist em otzerreichisch-ungarlscher Shtsmanßrtt welcher bereits als choleraverdacht,g hier ankam, im SßenaeD ^aSen grante^Bau^e Äin er nach seiner Ankunft hi-rselbst gebracht worden war, an der Cholera gestorben. Es find sofort die energischsten Maß- regeln gegen die Weiterverbreitung der Krankheit getroffen worden Die Droschke in welcher der Kranke nach dem Hospital überbracht worden Mar mürbe außer Dienst gestellt; die Wäsche und Kleidungsstücke des Verstorbenen wurden verbrannt. Der Seetionsbefund ergab absolut Aarnrteriftiidie Merkmale der Cholera asiatica.
* - (Eine originelle Brautwerbung.) In diesthoneTochter eines reichen Getreidehändlers verliebte sich vor wenigen Wochen em lunger Eisenbahn-Beamter und hatte das Glück, stch wiedergellebt zu wissen. Bei seiner letzten Hnterredung mit der Geliebten legte ihm diese nahe, er ivl^ nur getrost bei Papa um ihre Hand anhalten, er muffe jedoch bezüglich süner Verhältnisst die größtmögliche Offenheit walten lafien, dein, nur eiuzio und allein damit könne er ihrem Vater rmponrren und sich leine Gunst verschaffen. Stelle sich etwa hernach bei den Erkundigungen über den Bräutigam heraus, daß er Papa etwas verheimlicht habe, so sei Alles verloren Der Ehestands-Candidat.nahm fick diesen Wink zu Herzen und begab sich zu dem reichen Getreidehändler. Zwischen Beiden entspann sich nunmehr folgender Dialog, den wir wortgetreu wiedergeben wollen: „Guten Morgen!" — „Guten Morgen! Was wünschen Sie? — »Offen gesagt - die Hand Ihrer Tochter Bertha." - „So . . fo . Haben Sie denn Vermögen?" - „Nein, nicht das geringste.", - »Dann haben Sie ganz gewiß Schulden?" - „Jawohl." - „Wie viel denn?' - „So bet achthundert Mark." - „Sie haben am Ende gar den Frack in dem Sie mir heute Ihre Aufwartung machen, gepumpt? - „Leider! — „Sie sind mirün origineller Bräutigam!" - „Ihre Anerkennung freut mich!.
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Will Sie denn meine Tochter?" — „Allerdings! — „Ihr wollt wohl mit meinem (Selbe leben?" - „Mit dein «roßten Vergnügen, denn ich habe als Eisenbahn-Beamter kem allzu großes Gebalt., Der Getreide- Händler schüttelt mit dem Kopf und ruft ferne Bertha mS Zimmer, dst ihm bestätigt, daß sie den Herrn aus den tiefsten Tiefen ihres Herzens liebt - „So . . B fo . . . Du keimst ihn wohl schon, längere Zeit? —
Papa!" - „Hnd Du kennst ihn als anständigen Menschen? - "Gewiß, würde ick ihn denn sonst lieben?" - „Hnd Du kenstst auch ferne Familie?" — „O, Papa, hoch anständige und brave Leute! — „Nun, ich habe ja am Ende Nichts gegen diese Heirath/ bemerkte der alte Herr, ging au seinen Arnheim, zählte zehn Stück Hunderter ab, gab sie dem zukünftigen Schwiegersohn und sagte: „So, nun geh' erst einmal und be- radle Deine Schulden. Mittags kommst Du zu Tisch, und wenn Du einmal tine Sr verheirathen solltest, so wünsch' ich Dir, daß Dich da- Smollis mit Deinem Schwiegersohn billiger kommt, als mich!
(Ein Wunderdocter.) Jüngst kam in das Bllnden-Jnstitut zu Genna ein Araber, der sich Dr. Kader nannte und nach Hntersuchung der Kranken erklärte, er werde Alle, bis auf acht denen die Pupille absolut fehle, binnen sechs Wochen vollkommen heilen. Die Resultate des Mannes find wahrhaft überraschende und geeignet, in der Augenheilkunde eine ärmliche Revolution hervorzurufen. Leichtere Kranke, Catarrhe u. dgl. heilte er innerhalb weniger Tage, die schwereren Falle, darunter Leute, welche seit 20 und mehr Jahren blind find, und von allen Aerzten als unheilbar bezeichnet wurden, zeigen nach zwei Wochen überraschende Fort- chritte; einige beginnen zu sehen. Die Heilmethode Kaders besteht ausschließlich aus Einpiuselungen mittels eines weißen Pulvers - Kader wird von den Kranken als ein neuer Messias vergöttert; bei semem Eintrsttt stürzen sie ihm entgegen, umarmen ihn, küssen chm die Hande, seine Wohnung ist tagsüber von Schaaren Hilfesuchender und Neugieriger umlagert. Bemerkenswerth ist, daß er kein Honorar nimmt - Sammtliche Zeltmme«, bie den Wunderdoeior anfänglich als Schwindler brandmarkten, erklären nun, einem Rächst! gegenüber zu fiebern (?)
— (Ein „echter Berliner"), der Drahtarbeiter Georg seydel, welcher erst kürzlich von hier aus,-wandert ist, hatte sich lungst vor einem Polizeigericht in St. Louis gegen eine Beschädigung seiner Zlmmerwlrthiu, Aner Frau Sophie Sutter, zu vertheibigen. 2IuS den Aussagen dieser Frau erhellt Folgendes: Seydel schuld te ihr die Miethe, und als er kürzlich Morgens in sein Zimmer wollte, sand er die Thür verlchloffen. Mit Gewalt soll er nun bie Thür erbrochen haben, worauf es zwischen ihm und Frau Sutter zu Thätlichkeiten gekommen sein soll indem er dieselbe mit einem Besen in bet Hand verfolgt habe. Der Angeklagte welcher der enaliidien Sprache nicht mächtig ist und der Hilfe eines Dolmetschers be- durfte gab wie amerikanische Blätter berichten, folgende Darstellung d-i Vorfalles im reinsten Berliner Dialekt: „Herr Jerichtshof! Ick jebe allerdings zu, daß ick een bisken Radau jemacht habe, denn ick habe mir möglicher Weise in etwas „erleuchtetem" Zustande befunden. Daß ick mir aber an meiner Schlummermuttei thätlich vergriffen habe, - nee, meme Herren, bet können Sie von mir mch erwarten. Ick habe allerdings een bisken kräftig an bie Dhüre un Fenster 1-kloppt, aber thatsächlich verjriffen habe ick nur an ihr mch, nich um bie Lamain. Au Controleur hat mir bte Madame durch zwee Eimer Wasser een Sturzbad übet’n Kopp versetzt un meinen rechten Am mit ’m verkehrten Ende vorn Besen oerledert, so daß erte bie Flecke nt Regenbogenfarben noch jetzt bemerken können." Auf bie Frage des Stadtanwalts, ob er verheirathet fei, erklärte Seydel mit Kürze: Jargon'. Siebter Eady der von der humoristi chen Ader des Angeklagten ferne Ahnung hatte, verurtheilte ihuzur Zahlung der Kosten. Als Seydel das Hrtheil durch den Dolmetscher verkündet bekam, brach er reftgnnt m die Worte aus: „Nu brat mir Eener ’n Storch, aber ’n milchernen!"
* Dchiffs-Nachrichte«. Die Dampfer „Saale" von Bremen und „Gellert" von Hamburg am 20. November in New-Iork angekommen.
