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Samstag, 7. November 1914.
Morgen - Kusgabe.
Nr. 821. ^ 62. Jahrgang.
)
Der Krieg.
Ein englischer Bericht über die Seeschlacht bei Chile.
W. T.-B. London, 6. Nov. (Nichtamtlich.) Die „Times" Erhält folgenden Bericht über die Seeschlacht bei Chile. Vier "rutsche K r e u z e r. darunter die großen Kreuzer "Scharnhorst" und „Gneisenau" griffen am Sonntag die englischen Kreuzer „Good Hohe". „Monmouth", „Glasgow" Und Otranto" bei Eintritt der Nacht in der Nähe der Insel Santa Maria an. Der Kampf dauerte über e i n r Stunde. Die „Good Hop e" wurde derart beschäm d'gt. daß sie gezwungen war, unter dem Schuhe der Dunkelheit zu fliehen. Die „Monmouth" versuchte zu fliehen, dwrde aber von einem kleinen deutschen Kreuzer verfolgt Und sank, nachdem sie einige Treffer erhalten hatte. Un- Klücklicherweise machte das stürmische Wetter eine Benutzung Boote unmöglich. Man glaubt, daß der „Glasgow" wwie der „O t r a n t o" ebenfalls beschädigt, worden sind. Ss gelang ihnen aber dank der großen Schnelligkeit in der Dunkelheit zu entkommen. Die deutschen Schiffe er- ntten keine schweren Beschädigungen. Zwei Mann der "Gneisenau" wurden leicht verwundet. Es wird angenommen, daß die g a n z e B e s a tz u n g des „M onmonth" u m g e k o m m e» ist. Die deutschen Offiziere erkennen einstimmig den Mut der Besatzung der „Monmouth" an, die "och im Moment des Untergehens versuchte, das deutsche, sie "erfolgende Schiff zum Sinken zu bringen. Der Panzerkreuzer „G o o d Hop e" fuhr, als er zuletzt gesehen wurde, m 't Volldampf nach der Küste. Man glaubt, daß er tu sinkendem Zustand auf eine Klippe aufsuhr und hofft, ^oß Offiziere und Mannschaften sich retten konnten. Die Kritischen Schiffe waren Sonntag ausgelaufen, um auf die deutschen Schiffe Jagd zu mache». Die deutschen Schiffe ^'öffneten das Feuer. Es scheint, daß die britischen Schiffe gar nicht in gute Schuß>vette kamen. Die „Mon- >Nouth" setzte den Kampf fort, bis der Schiffskörper durchlöchert war und dann nmstürzte. Er lag einen Augenblick ®ieli oben und sank dann. Die Deutschen griffen sodann den "Good Hope" an. Die schweren Geschütze der beiden deutschen Panzerkreuzer feuerten bewundernswert ge- n o u. Die Flammen schlugen bei „Good Hove" aus zahl- pichen Stellen empör. Ihr Oberbau wurde weggeschossen, ^ie Geschütze waren kampfunfähig. Der „Good Hope' sandte sich schließlich und fuhr nach der Küste, während das Hasser in den Schiffsraum cindrang. Es war erkennbar, °oß der „Good Hope" unterging. Die „G t a s g o w" wurde Wenfalls £ r n st I i ch beschädigt und flüchtete nach Euro» 1? e I. Die „Gneisenau", „Scharnhorst" und „Nürnberg", die bch noch in Valparaiso befinden und wenig Schaden auf- leisen, fahren heute wieder ab. Es wird berichtet, daß sich fts „Leipzig", „Dresden" und vier bewaffnete Transport- sBiffe außerhalb des Hafens befanden.
Fine amtliche Londoner Meldung.
Br. Christiania, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. T'sin.) Aus London wird amtlich gemeldet: Aus „Kutscher (?) Quelle sind verschiedene Nachrichten i* e r den Seekampf an der chilenischen Küste einge- -^ufen. Zufolge dieser deutschen Nachrichten soll der ^glische Panzerkreuzer „Monmouth" in Grund gebohrt und der Panzerkreuzer „Good Hope'' schwer beschädigt sd!n. Die geschützten Kreuzer „Glasgow" untz „Otranto" ^Utkamen. Tie Adiniralität kann diese Nachrichten als f't'oii im Augenblick nicht anerkennen, ^'das Schlachtschiff „(5 a n o p o s", das .Mr Derstär- UUg dieses englischen Geschwaders besonders ausgesandt n i ch t genannt worden ist. Es ist deshalb wobl m ö g l i ch, daß die deutschen Nachrichten eine ^deutende Änderung erfahren, sobald der dmiralität genaue Nachrichten vorliegen werden. Weitere Einzelheiten.
n« . ®r. Rotterdam, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ackere Meldungen der englischen Blätter über die See- . üacht chilenischen Küste zufolge fand die Schlacht mi»
der Insel Santa Maria auf der Höhe von Coronet statt. ij.' 6 englischen Schiffe hatten in Eorouel Kohlen eingenom» Und scheinen von der Anwesenheit der deutschen Schiffe
^chts gemußt zu haben. Eine Stunde vor Eintritt der ^wikelheit eröffncten die deutschen Schiffe, die unter dem . efehl bgg Admirals SPce die englischen Schiffe bei
e§ s c ’ nma ^ Zeit, die Schlachtlinie zu formieren. Als „(& &Un ^ wurde, war der Kampf beendigt. An Bord der d Hop e" wurde eine Explosion beobachtet. Der Admiral äußerte in einer Depesche an die chile- tti r* ^?hörden sein Bedauern, daß er wegen des stür- ■»ri rp Wetters keine Boote zur Rettung der Schiff» Botn- ßen niederlasseu konnte. Man vermutet, daß „Glas- "Scb „Otranto" leicht beschädigt wurden. „Gneisenau", dx^^nhorst" und „Nürnberg" konnten Valparaiso wieder "Leipzig" und „Dresden" liegen mit vier bewaff- " Transportschiffen außerhalb des Hafens.
^ftviftLania, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) örfcrfVf e ‘ U Harald" meldet aus Valparaiso über das See- Der englische Kreuzer „Monmouth" kämpfte mit der Te im, Top fort, bis sein Rumpf buchstäblich von Kugel
löchern durchsiebt war und das Wasser hereinströmte. Die Männer, die das schreckliche Granatfeuer noch nicht getütet hatte, standen ruhig bei den Kanon«» und feuerten weiter, bis der Kreuzer umschlug und sank. Der Kreuzer „Glasgow" fuhr eilig weg nach Coronet. Da die Deutschen ihre volle Kraft aus den Kreuzer „Good Hope" konzentrierten, konnte „Glasgow" fliehen. Die Deutschen überließen den Kreuzern „Dresden" und „Leipzig" die Bewachung des Hafens von Coronet für den Fall, daß die „Glasgow" wieder aussahren würde. Das englische Geschwader stand unter dem Kommando des Admirals Craddock. Die deutschen Schiffe verfolgten die „Good Hope", bis sie außer Sehweite war. Es tvar dunkel und regnete. Das englische Gcschützfeucr sei nur wenig wirkungsvoll gewesen. Dem „Morgen- bladed" wird über das Seegefecht noch telegraphiert: Die deutschen Kreuzer warteten vor Coronet, wo die Briten Kohlen einnahmen. Sie umringten die, britischen Schiffe schnell und erössneten auf.900V Meter Abstand das Feuer. Die britischen Schiffe beantworteten es, als sie arrf 6 0 0 0 Meter herangekammen waren. Inzwischen waren aber bereit s die britischen Schisse beschädigt.
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Die „M onmouth" ist ein Panzerkreuzer von 9950 Tonnen aus dem Jahre 1901. Seine Besatzung beträgt 540 Offiziere und Mannschaften. Er erreicht eine Geschwindigkeit von 23,9 Seemeilen, die Armierung besteht aus 14 15- Zentimeter-, acht 7,6-Zentimeter- und drei 4,7-Zentimeter-Ge- schützen. Der Panzerkreuzer „Good Hope" stammt ebenfalls aus dem Jahre 1901. Er ist bedeutend größer, hat 14 300 Tonnen (nicht 9500, wie wir irrtümlich im Abendblatt meldeten), 23,8 Seemeilen Geschwindigkeit, 900 Mann Besatzung und eine Bewaffnung, bestehend aus zwei 23,4-Zenti» meter-, sechszehn 15-Zentimeter-, zwölf 7,6-Zentimeter- und drei 4,7-Zentimeter-Geschützen. Der geschützte Kreuzer „Glasgow" ist aus dem Jahre 1909. Er hat 4900 Tonnen und 25,8 Seemeilen Geschwindigkeit. Die Besatzung beträgt 376 Mann, die Armierung setzt sich aus zwei 15I- Zentiuieter-, zehn 10,2-Zentimeter- und vier 4,7-Zentimeter- Geschützen zusammen. Der Kreuzer „Otranto" ist in Weyers Taschenbuch der Kriegsflotten nicht aufgesührt, so daß es sich vermutlich um einen Hilfskreuzer handelt.
3ur Beschießung Her englischen Küste.
Der amtliche deutsche Bericht
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Nov. (Amtlich.) Am 3. November machten unsere großen und kleinen Kreuzer Angriffe auf die englische' Küste bei Aarmouth. sic beschossen die dortigen Küstenlverke und einige kleine Fahrzeuge, die in der Nähe vor Anker lagen und augenscheinlich einen Angriff nicht erwarteten. Starke englische Streitkräfte waren zum Schutze dieses wichtigen Hafens nicht zur Stelle. Das unseren Kreuzern scheinbar folgende englische Unterseeboot „I> 5" ist, wie die englische Admiralität bekannt gibt, auf eine Mine gelaufen.
Der Chef des Admiralstabs: v. Pohl.
Österreichisches Echo.
W. T.-B. Wien, 6. Nov. (Nichtamtlich.) Zu dem Seegefecht an der englischen Küste, dessen vorwiegend moralische Bedeutung von allen Blättern mit Genugtuung begrüßt wird, schreibt die „A r b e i t e r z e i t u n g"Was dem Kampfe seine besondere Wichtigkeit berleiht, ist'der Umstand, daß ein deutsches Geschwader wenige Kilometer von der englischen Küste erscheint und erstmals, vielleicht seit Jahrhunderten, Geschosse von feindlichen Schiffen englischen Boden erreichen. Das muß auf das Volk, das seit einem Jahrzehnt mit dem Gespenst der deutschen Invasion geschreckt wurde, den stärksten Eindruck Hervorrufen. Man mutz den Vorgang, um ihn richtig zu würdigen, in Zusammenhang mit den Kriegsereignissen stellen. Für die doppelte Aufgabe der englischen Flotte, nämlich Blockade der Nordsee und Teilnahme am Landkrieg, kommen vorwiegend Kreuzer und Torpedoboote in Betracht. Hinter ihnen aber steht als Anlehnung die englische Schlachtslotte. Danach bemesse man nun die Kühnheit des Unternehmens der deutschen Kreuzer, die sozusagen angesichts des mit englischen Schiffen vollgepfropften Kanals und trotz der Verseuchung von gewaltigen Meeresstrichen mit Minen den Schlag führten.
Ein italienisches Lob unserer Flotte.
Zürich, 6. Nov. Die Mailänder „Sera" zieht einen Vergleich zwischen der englischen und der deutschen Marine, der nicht zugunsten Englands ausfällt. Es habe fast den Anschein, nicht Deutschland, sondern England sei blockiert.
England von Spionen verraten.
Br. Ehristianiu, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „Daily Mail" schreibt: Auf alle Fragen, wie die deutschen Kriegsschiffe den britischen Schiffen entgehen und der englischen Küste bis auf zehn Seemeilen nahe kommen konnten, sei die einzige Erklärung die, daß En gland s Küste noch immer von Spionen überschwemmt sei (!) Man hat noch über Nacht Signallichter an der schottischen Küste beobachtet. (!) Das erste, was das deutsche Kriegsschiff getan hat, war den drahtlosen Apparat der „H a l c y o n" zu zerstören. Als die „Halcyon" ihren Apparat wieder ausgebessert hatte und um Hilfe signalisierte, dampften die
Deutschen sofort wieder ab, lvas beweise, daß sie den drahtlosen Notruf der „Halcyon" verstanden haften, obwohl es ein Codetelegrainm war. Das scheine zu bc-- weisen, daß die deutschen Kriegsschiffe im Besitz des englischen Codes seien.
Die Überschwemmungen der t)fer ein großer Hehler!
Di-. Mailand, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Dein „Secolo" wird ans Paris gemeldet: Die Überschwemmung des Bsergebictcs hat zwar den gewünschten Erfolg gehabt, den deutschen Angriff unmöglich zu machen und die belgischen Truppen Atem schöpfen zu lasscu, jetzt aber sieht man ein, daß die Belgier einen großen Fehler machten. Denn abgesehen von dem großen Schaden, den die Überschwemmung an dem Boden verursachte, haben die Verbündeten jetzt auch den Verlust eines Gebietes zu beklagen, das ihnen viele militärische Vorteile bot, da hier die Hilfe durch das Feuer der Kriegsschiffe möglich war. Die Deutschen haben sich vorsichtigerweise einen Ausgang ans dem linken Dserufcr behalte», so daß ihre Lage keineswegs gefährlich ist.
Eine neue Londoner Lügennachricht.
W. T.-B. Berlin, 6. Nov. (Amtlich.) Nach einer Londoner Meldung soll der amerikanische Berichterstatter Thompson, der mit Genehmigung der deutschen Heeresleitung dem deutschen Heere gefolgt ist, van einer Meuterei deutscher Soldaten bei Nieuport berichtet haben. Die Erzählung ist in allen Einzelheiten völlig erfunden. Ein Berichterstatter namens Thompson ist von der deutschen Heeresleitung nicht zu gelassen worden und eine Meutere: deutscher Soldaten hat nicht stattaefunden.
Der ttönig von Spanien reist nach Bordeaux.
Br. Ehristtania, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Ans Madrid wird telegraphiert: Der König wird morgen nach Bordeaux abreisen.
Zur Neutralität Spaniens.
W. T.-B. Madrid, 6. Nov. (Nichtamtlich.) Ministerpräsident Dato legte einen Gesetzentlvurf über die Amnestie für politische Vergehen vor. Dato erklärte, die Regierung werde fortfahren, strikte Neutralität zu besvahren unter Ausrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen zu allen Kriegführenden.
Vorbereitungen in Griechenland und Bulgarien.
Br. Ehristtania, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Der Londoner Berichterstatter des „Morgenbladed" telegraphiert: Es verlaute, daß in Griechenland und Bulgarien Vorbereitungen getroffen werden, die daraus Hinweisen, daß diese Staaten, wenn es darauf ankommt, mit in den Krieg hineingerissen werden- können.
Die englische Erklärung des ttriegszustandes mit der Türkei.
W. T.-B. London, 6. Nov. (Nichtamtlich.) Die Proklamation, die den Kriegszustand mit der Türkei mitteilte, ist zu derselben Zeit wie die Annexion von Cypern veröffentlicht worden. Sie erklävt, daß der Ausdruck „Fein d", der in der Proklamation bezüglich der Türkei gebraucht wird, sich in gleicher Weise auf die anderen türlischen Besitzungen außer Ägypten und Cypern und alle Territorien, die England und seine Verbündeten schon besetzt haben, bezieht.
5luch Frankreich erklärt den Kriegszustand mit der Türkei,
W. T.-B. Bordeaux, 6. Nov. (Nichtamtlich) Der Mi-nister des Auswärtigen hat folgende Note vcrösfentltcht: Der feindselige Akt, weichen die türkische Flotte sich gegen ein französisches Handelsschiff hat zu schulden kommen lassen, durch den der Tod von zwe: Franzosen und schwere Beschädigung des Schiffes verursacht worden sind, ohne daß die Entfernung der deutschen Militär-.und Marinemission erfolgt wäre, durch die sich allein die Pforte von der Berant-Wortlichleit für diesen Akt hätte entlasten können, macht es der französischen Regierung zur Pflicht, zu erkläre», daß durch dieses Vorgehen der türkischen Negierung der Kriegszustand zwischen Frankreich und der Türkei eip- getreten ist.
Keine Allianz zwischen Persien »nd der Türkei?
lid- Petersburg, 5., Nov. Die hiesige persische Gesandtschaft erklärte, daß zwischen Persien und der Türkei keine Allianz bestehe. Alle diesbezüglichen Gerüchte in der russischen und ausländischen Presse entbehrten jeder Grundlage und seien tendenziöser Natur.
Abreise des türkischen Gesandten in Serbien.
W. T.-B. Wien, 6. Nov. (Nichtamtlich) Der türkische Gesandte hat N i s ch am 4. Noveinber verlassen und die Vertretung der türkischen Interessen dem Vertreter Italiens übertragen.
Die türkischen Nüftungen.
Zürich, 5. Nov. Ein Schweizer, der dieser Tage aus Konstantinopel heimgekehrt ist, erzählt in der „Neuen Zürcher Zeitung", bie türkische Heeresverwaltung habe seit Anfang ?l u g n st fieberhaft gerüstet. Die Eisenbahnen in Türkisch-Äsien hätten im letzten Monat ununterbrochen Truppen nach Syrien befördert. Die im westlichen Syrien an der Bahn südlich Damaskus zusammengezogenen Truppen
