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objectives, aus den Quellen selbst geschöpftes Colorit der Wahrheit näher zu bringen". Zu diesen Quellen hat ihm neben den Werken auch der Besuch aller Stätten, an die sich Erinnerungen an Göthe knüpfen, die nöthige Ausbeute liefern müssen. So groß auch die Verehrung dieses Kritikers für den Dichter-Heros ist, so reservirt ist er doch an die Lösung seiner Aufgabe herangetreten; er will das Urtheil nicht vorwegnehmen, sondern es aus der mit aufrichtiger Wahrheitsliebe, Gerechtigkeit und Wohlwollen geführten Untersuchung und Betrachtung herauswachsen lassen. Daß er dabei einen festen Standpunkt einnimmt, ist von einem Manne von solcher Bedeutung nur zu erwarten, und daß jener auf Glaube, Moral und Ethik fußt, ist bei einem Mitglied der 8. J. kaum anders zu erwarten. Was wir bei unserer unbefangenen Verehrung Göthe's dem Genie zu Gute zu halten gewohnt waren, das tritt bei dem bezeichneten Standpunkte in andere Beleuchtung, und wenn wir es auch aufrichtig bedauern, unter solcher die Aureole theilweise weggezogen und Göthe als den „mächtigsten Propheten des modernen Jndifferentismus und Naturalismus", als eine jener feindlichen Mächte, welche den höchsten Schatz des deutschen Volkes, seinen positiv christlichen Glauben, seine positiv christliche Bildung bedrohen, aus der Sektion sich ablösen zu sehen, so müssen wir dem Kritiker sein Recht lassen und seiner Verstandesschärse Anerkennung zollen. Den selbstständig urtheilenden und denkenden Leser kann es nicht verwirren, ein geliebtes Bild auch einmal unter anderen Reflexen zu betrachten; was ihm verehrungsvoll gewesen, wird ihm auch so bleiben, und für Andere ist das Buch, das nur den Leuchter zur Beschauung des Heros anders rückt, wohl auch nicht geschrieben. Der erste, 676 Seiten starke Band reicht nur bis zu der Periode 1780—89, behandelt in 22 Capiteln Göthe's Jugendleben und die „Lehr- und Wanderjahre in Italien" und schließt mit „Egmont", „ruhmvolle Quiescirung" und „Tasso" ab. Gründlichkeit der Erforschung und vornehme, hochinteressante Diction wird ihm selbst der Gegner nicht ableugnen können.
2) „Frankreich in Wort und Bild". Seine Geschichte, Geographie, Verwaltung, Handel, Industrie, Production, geschildert von Fr. v. Hellwald (Leipzig, Heinr. Schmidt und Carl Günther). Dieses hochinteressante Lieferungswelk geht seinem Abschlüsse entgegen; von den verheißenen 50 Nummern liegt bereits die 43. uns vor. Demgemäß kann ein begründetes Urtheil über das Ganze jetzt nicht mehr fraglich sein. Wir erachten es als ein Prachtwerk ersten Ranges. Es verdient diese Auszeichnung vor Allem durch die Fülle und künstlerische Vollendung seiner Illustrationen, wie auch durch die textliche Gründlichkeit und Eleganz der Diction. In zwei Bänden, von denen der erste 441 Seiten umfaßt und der zweite gleiche Ausdehnung annehmen wird, finden sich nicht weniger als 455 Illustrationen, ca. V» in Tafeln und ’/s im Texte, sämmtlich in feinem Stiche, correct in der Zeichnung und bis in's kleinste Detail sorgfältig in der Ausführung. Bewundernswerth ist dabei die Einheitlichkeit dieser zahlreichen Kunstleistungen in Styl und Manier. Daher ist denn auch der Eindruck, den diese Bilder auf Auge und ästhe- tischeS Gefühl machen, ein überaus gefälliger und wohlthuender, der noch durch die Sujets selbst gehoben wird, da Frankreich bekanntlich in seinen kostbaren Renaissance-Bauten in Städten und Villen von keinem anderen Lande übertroffen ist. Wo unser Auge hinfällt, finden wir Pracht mit Anmuth vereint, sei es, um auf's Geradewohl (in's 43. Heft) hineinzugreifen, die idyllisch liebliche Abtei von Flaran bei Valence-sur-Baise, die stylvolle Kirche von Romieu oder das stolze Pau und Auch neben dem einladenden Carbes tm romantischen Bearnerlande der Nieder-Pyrenäen. Band I behandelt Nord- und Ost-, Band II Süd- und West-Frankreich.
3) „Die deutsche Kaiserstadt Berlin und ihre Umgebung." Geschildert von Max Ring (Leipzig, Schmidt & Günther). Dieses großartige Werk, dessen wir schon verschiedenfach anläßlich Eingangs einzelner Nummern gedacht, ist vollendet. Es besteht aus 80 Lieferungen Großfolio in 2 Bänden zu ca. 200 Seiten. Das Ganze ist mit etwa 300 Illustrationen ausgestattet, theils in Tafeln, theils im Text. Während das Prachtwerk „Frankreich" desselben Verlags den Eindruck des Gefälligen, Feinciselirten macht, gibt sich das „Berlin" in imposanter Architectonik, wie ein gothischer Dom neben einem Renaissance-Palaste. Alle Bilder, sowohl die architectonischen wie die zahlreichen Portraits, sind voll im Tone, markig und edel in der Ausführung. Wir können hier nicht alle namhaft machen, wollen aber doch aus den herrlichen Tafeln des 2. Bandes einzelne hervorheben, wie: das Rathhaus, Generalstabs-Gebäude, das neue Gefängnitz in Moabit, das Reichs-Generalpostamt, das Central-Hotel, Schloß Charlottenburg, Potsdam, Schloß Babelsberg, die Mitglieder des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theaters, ein Festabend des Vereins „Berliner Presse", ein Nachmittag im zoologischen Garten, ein Subscriptionsball im Kgl. Opernhause, ein Picknick tat Grünewald. So imposant die Bilder
sind, so anziehend und belehrmd ist der textliche Theil, aus dessen Inhalt wir den 2. Band, den wir bei den Einzellieferungen noch weniger besprochen, näher verzeichnen. Er führt uns vor: Buch VII. Theater und Musik, Schauspieler und Schriftsteller, VIII. militärische Gebäude, IX. die Stadt und die städtische Verwaltung, Polizei und Justiz, X. politisches und parlamentarisches Leben, XI. Industrie, Handel, XII. Promenaden, XIII. Concerte, Hotels, Cafö's, XIV. Berliner Leben, XV. die Umgegend, XVI. die König!. Lustschlösser. Wer diese Darstellungen aufmerksam verfolgt, wird, unterstützt durch die trefflichen Illustrationen, ein möglichst lebendiges und treues Bild der Kaiser-Hauptstadt gewinnen, die ja für jeden Deutschen, ja für die ganze Welt so große Bedeutung hat. Das Schmidt & Günther'sche Werk ist in der betreffenden Literatur ein solches monumentalen Characters, das wir der Aufmerksamkeit unseres ganzen Lesepublikums empfehlen möchten.
4) „Das Harmonium, sein Bau und seine Behandlung." Von W. Riehm. 2. Aufl. (Berlin, Carl Simon). Das Harmonium gewinnt mit seiner stets sich vergrößernden Vervollkommnung der inneren Einrichtung mehr Werthschätzung. Es verdient solche aber auch in hohem Grade, da es für den sinnigen Hausgebrauch, was Allseitigkeit' betrifft, von keinem Instrumente übertroffen wird. Das Clavier erfordert, um eine wirklich musikalische Ausbeute zu liefern, große Technik, denn die Alltags- Klimperei hat keinen ästhetischen Werth. Das Harmonium dagegen läßt sich schon mit mäßiger Technik zu recht erbaulicher Unterhaltung verwenden. Für Freunde dieses Instrumentes ist eine Kenntniß von dessen Einrichtung und namentlich seiner Behandlung recht Wünschenswerth. Das obengenannte Werkchen kommt dem in entsprechender Weise entgegen. Es verbreitet sich zunächst über die Natur des Instrumentes und die Registrirung und beschreibt dann in durchaus fachkundiger Weise den tatteren Bau, woran sich dann schließlich auch Belehrungen über etwaige Correcturen knüpfen. Alles, was in dem Werkchen niedergelegt ist, zeigt von großem Verständniß und ist in so klarer Fassung gegeben, was bei dem so sehr complicirten Bau des Instrumentes nicht gerade eine leichte Aufgabe war, daß die Orientirung sich möglichst nahe legt, namentlich da eine Reihe von guten Abbildungen hier recht unterstützend wirkt. Der Verfasser hat nur ans die Schiedmayer'schen Instrumente seine Darlegungen basirt; wir hätten gewünscht, daß er auch der Eigenthümlichkest der so sehr vollkommenen Alexandre'schen, amerikanischen, wiener:c. rc. Instrumente einige Worte gewidmet hätte, da sich deren doch sehr viele in Deutschland int Gebrauche befinden. Es stimmt ja Alles int Ganzen zu den gewählten Modellen, doch kommen in Einzelheiten auch merkliche Unterschiede vor, und es wäre das wirkliche Verdienst des Merkchens, das Referent als spezieller Fachkenner mit vollem Lobe anerkennt, durch näheres Eingehen in solche noch erhöht worden.
Kalender für 188 7.
1) „Gro her Volkskalender des Lahrer Hinkenden Boten." (Lahr, I. H. Geiger fM. Schanenburgf.) Preis 1 Mk. Dieser Kalender hat sich schon so gut eingebürgert, daß man jedesmal seinem erneuten Erscheinen mit Interesse entgegensieht. Das Kalendarium hat den großen Druck, tote mau ihn früher au solchen Publikationen so gerne sah, und ist durchschossen; die Erzählungen sind gut gewählt, volkrthümlich in Inhalt und Fassung und sehr reichlich mit Illustrationen ansgestattet. Au frischem Humor fehlt es nicht. Die äußere Ausstattung dieses 100 Seiten umfassenden und in steifer Pappe gebundenen Kalenders ist gefällig.
2) „Hebel's Rheinländischer Hausfreund." (Tauberbischofsheim, I. Laug.) Dieser von I. P. Hebel vor 82 Jahren gegründete Kalender hat pietätvoll die alten Traditionen beibehalten, in Folge dessen er auch bis zur Stunde noch alte Freunde sich erhalten hat und neue findet. Das Kalendarium ist ähnlich wie bei dem vorgenannten, und ebenso ist es mit dem Inhalt und der etwas minder reichen illustrativen Ausstattung, in welcher die Portraits besonders gut ausgeführt sind.
3) „Deutscher Landes-Kalender." (Tauberbischofsheim, I. Lang) Unterscheidet sich von seinen oben besprochenen Collegen nur durch minderen Umfang, ca. 60 pag., kleinere Erzählungen und entsprechend rebucirter Anzahl der Illustrationen.
4) „Volks-Kalender des »Israelit«." (Mainz, Oscar Lehmann.) Das mit dem October beginnende jüdische Kalendarium ist in hebräischer Sprache gegeben. Der textliche Theil enthält interessante Aufsätze („Der jüdische Witz", „Moses Mendelssohn"), Gedichte und Erzählungen. Von den 142 Testen (Kleinformat) des Kalenders nehmen Annoncen den 3. Theil ein,
