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„Tagblatt-HauS" Nr. 6-S0-SS.
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Freitag. 6. November 1914,
Kbend-Ausgabe.
Nr. 520. ♦ 62. Jahrgang.
ii DeitMer SM i in Me hi W !
schwere Schiffsverlufte der Engländer. Oie deutschen Schiffe unbeschädigt.
W. T.-B. Berlin, 6. Nov. (Amtlich.) Nach Meldun- f?ett des englischen Pressebureaus ist am 1. November durch unser Kreuzergeschwadcr in der Nähe der chilenischen Küste der englische Panzerkreuzer „M o n m o u t h" vernichtet. Der Panzerkreuzer „G o o d Hop e" ist beschädigt worden. Der kleine Kreuzer „G l a s g o w" ist beschädigt entkommen. Auf deutscher Seite waren beteiligt: S. M. Großer Kreuzer „S ch a r n h o r st" und „G n e i s e n a u" und S. M. Kleiner Kreuzer „N ü r n- b e r g", „L e i p z i g" und D r e s d e n". Unsere Schiffe haben anscheinend nicht gelitten.
Ter Stellvertreter des Chefs des Admiralstabes:
B e h n k e.
Br. Berlin, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Zn dem Seekamps an der chilenischen Küste erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Von der deutschen Flotte waren an dem Kampf beteiligt gewesen: Die großen Kreuzer „Scharn-
h o r st" und „G n e i s e n a u" und der kleine Kreuzer ->N ü r n b e r g". Ob noch weitere deutsche Schiffe, wie von englischer und amerikanischer Sette behauptet wird, in den Kampf verwickelt waren, ist hier nicht bekannt und mutz dahingestellt bleiben. Das englische Geschwader bestand aus dem Kotzen Panzerkreuzer „Monmouth" (9950 Tonnen), dem etwas älteren Kreuzer „G o o d Hop e" (9500 Tonnen), und “cm kleinen Kreuzer „Glasgo w" (4500 Tonnen). Rach einer Version ist auch das englische Linienschiff „Canopus" an kern Kampf beteiligt gewesen, und es ist bezeichnend, daß von diesem letzteren Schiff keine der englischen Meldungen etwas derrät. - Der Kreuzer „Monmouth" ist zum Sinken gebracht worden. Die beiden anderen Schiffe wurden s so vollkommen z u s a m m e n g e s ch o s s e n, daß sie nur ! Mit knapper Mühe den nächsten neutralen Hafen, nämlich den chilenischen Hafen, erreichen konnten. Der „C a n o p u s" scheint von den Engländern vermißt zu werden, so daß swmerhin die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß er das Schicksal des „Monmouth" geteilt hat. Der Si eg der deut- I ch e n Schiffe, die anscheinend keinen, oder nur ganz geangen Schaden davongetragen haben, ist darnach ein vollkommener gewesen. Er wird in Deutschland vollen Jubel ouslösen.
Unsere Kreuzer im Große» Ozean.
Über die Tätigkeit unserer Kreuzer im Großen Ozean Entnehmen wir dem Brief eines Kielers, der über den ^zean in San Francesco eingetroffen ist, nach der „Kieler «eitung" Einzelheiten. Es heißt dort: Die deutschen Kreu- Kr machen sich hier in Pacific einfach ausgezeichnet, hinter der „L e i p z i g" sind zwei englische, ein französischer Und ein japanischer Kreuzer her, und andauernd kommen Meldungen, daß die „Leipzig" feindliche Schiffe aufbringt,
„N ü r n b e r g" war eine Woche vor unserer Ankunft '? Honolulu zum Kohlen eingelaufen. Morgens früh kam Uo herein, nahm Kohlen, Lebensmittel, Mannschaften von deutschen Dampfern und ging abends unter nicht enden- soollendem Hurrarufen der tausendköpfigen Menge in See. ^ie Amerikaner waren wie verrückt vor B e g e i st e - ru n g. Sie warfen dem deutschen Konsul vor, daß er das Schiff so in den sichern Tod schicke, da ja japanische Kreuzer orauhen warteten. Nun, die „Nürnberg" ging, und zwei Tage wüter zerstörte sie die K a b e l st a t i o n in Fanning-Jsland, ssus Kabel von Honolulu nach Neu-Seeland. Da kann man u?lz sein, daß man ein Deutscher ist. Der Vriefichreiber beachtet auch über die „Scharnhorst" und „Gneisenau", ohne Ueue Angaben zu machen.
Ium Untergang der „Horst."
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schcistleitung.)
Berlin, 6. Nov. (Ktr. Bln.) Zu dem Untergang des Kotzen Kreuzers „Druck" wird uns noch mitgeteilt, daß die ^osamtziffer der Ertrunkenen noch immer nicht endgültig fest- Scstellt ist. Vermutlich wird die Zahl aber schon in den ,^sten 24 Stunden bekanntgegeben werden können. An- lchctnend ist sie noch etwas gering e r, als man anfangs "Nahm. Besonders sind die Verluste an Offizieren nur ?"nz gering. Über die Ursache des Unglücks ist ermittelt, dag ^ Sendest, Verschulden nicht vorliegt. Bei so dichtem *‘ e &el, mie er hier und in der ganzen Nordsee 24 Stunden . Kg herrschte, kann ein ähnlicher bedauerlicher Zwischenfall "wer und überall sich ereignen.
D'e ersten deutschen Bomben auf englischem Boden
^ Berlin, 6. Nov. Der „Voss. Ztg." zufolge haben zwei j Zutsche Leutnants als erste deutsche Offiziere üli ™ em Kriege den Kanal zwischen Calais und Dover w!.Kslogen. und auf ein Küstcnwcrk in unmittelbarer "he von Dover zwei Bomben herabgeworfcn.
Ein deutscher Fliegerstreich.
hcl Köln, 6. Nov. Über den jüngsten deutschen Fkieger- streich, der die kühnen Piloten sogar bis nach England führte, wird der „Köln. Ztg." noch berichtet: Am 26. Oktober überflog ein deutsches Flugzeug der in Nordfrankveich stehenden Truppen unter der Führung des Oberleutnants d. R. Caspar vom Dragoner-Regiment Nr. 5 mit dem Beobachter Oberleutnant R o o s (Infanterie-Regiment Nr. 75) den Kanal und warf nördlich von Dover zwei Bomben ab. Nach Opi-stündiger Fahrt kehrte das Flugzeug zu seinem Truppenteil zurück.
Oer heutige Tagesbericht.
weitere Erfolge.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Nov., vormittags. (Amtlich.) Unsere Offensive nordwestlich und südwestlich Bpern macht gute Fortschritte.
Auch bei La Bass6e nördlich Arras und in den A r g o n n e n wurde Boden gewonnen.
Unter schweren Verlusten für die Franzosen eroberten unsere Truppen einen wichtigen Stützpunkt im Bois B r u 16 südöstlich von St. M i h i e l.
Auf dem östlichen Kriegsschauplatz hat sich nichts Wesentliches ereignet.
Ober st e Heeresleitung.
Vor der Entscheidung im Westen.
W. T.-B- Berlin, 6. Nov. Die „Kreuzztg." meint: Die. für uns allein maßgebenden Berichte unserer obersten Heeresleitung lasten die Zuversicht als berechtigt erscheinen, daß in den Kämpfen im Westen die Entscheidung bald falle» wird.
Nicht unterbrochener Vormarsch westlich der User!
hd- Amsterdam, 6. Nov. Nach übereinstimmenden Berichten der holländischen Presse ist der Vormarsch der Deut- scheu nach Südwesten durch das überschwemmungsgebier westlich des Dserkanals verlangsamt, aber, nicht unterbrochen. Den Morgenblättern zufolgp sind Nordschoote und Nieukapelle südwestlich von Dix- m u i d e n von den Deutschen beseht worden.
Weitere indische Hilfstruppen für Frankreich»
W. T.-B. Berlin, 6. Nov. Einer Londoner Meldung der „Köln. VolkZztg." zufolge teilte ein aus Neapel eingetroffener Reisender mit, daß 50 000 Inder in Bombay zur Einschiffung nach Marseille bereit seien.
Französische Zugeständnisse.
IO T.-B. Berlin, 6. Nov. Während aus London gemeldet wird, die Deutschen hätten das linke Merufer geräumt, erwähnen die Franzosen die starken feindlichen Stellungen an diesem Ufer zwischen Dixmuiden und Nieuport. Namentlich geben sie aber zu, daß die Deutschen im Zentrum erfolgreich vorgcdrungen sind, denn sie erwähnen, daß die Franzosen in der Umgebung von Bailly viel Gelände verloren haben.
Da? Schießen bei Nicnport.
hd. Rotterdam, 6. Nov. Dem „Nieuwe Rotterdamsche Courant" wird aus Seeländisch-Flandern gemeldet: Gestern hat das Schießen bei Nieuport von der Seeseite her völlig aufgehört. Vom Küstenland her dröhnt aber noch Geschützdonner.
Der amtliche französische Kriegsbericht.
Br. Genf, 6. Nov. Der amtliche französische Bericht vom Donnerstag 3.25 Uhr besagt: Auf unserem linken Flügel
rückten die Verbündeten östlich Nieuport ans dem rechten Ufer der User vor. Auf der Linie von Dixmuiden bis Lys haben sich gestern die Angriffe der Deutschen wiederholt. Auf vielen Punkten wurde aber mit geringerer Energie gekämpft. Besonders trifft das auf die Aktionen der Infanterie zu. Die französisch-englischen Linien sind nirgends zurückgegangeu und unsere Truppen, die zur Offensive übergingen, rückten in verschiedenen Richtungen vor.
In der Gegend von La Bass« verlief der gestrige Tag g u t. ^ Er war durch einen von . Artillerie unternommenen Kampf ausgezeichnet. In der Gegend, von Rohe erhielten wir O u e s n o y c n S a n t e r r e. Weiter besetzten und gewannen wir merkbar gegen Andesah an Boden. Im Zentrum zwischen Oise und M o s e l meldet man wieder b e - lebtere Tätigkeit der Deutschen, die sich besonders in ihrem Artilleriefeuer kundgibt. Die feindlichen Angriffe auf verschiedene Punkte unserer Front wurden schließlich zurück- geschlagen. Der Kampf dauerte an einzelnen dieser Punkte den ganzen Tag. Auf dem rechten Flügel ereignete sich nichts Neues.
hd. Mailand, 6. Nov. Der amtliche Pariser Bericht von gestern, 11 Uhr nachts, besagt: Es ist keine bemerkenswerte Änderung der Lage zu verzeichnen. Im Norden sind kleine
Fortschritte gegen Messines zu gemacht worden. Auf einigen Punkten der Front fanden lebhafte Beschießungen ohne Ergebnis statt, so besonders östlich von Lens zwischen der Somme und Langres, in den Argonnen und im Walde von Apremont.
Vis jetzt über 430 000 Kriegsgefangene in Deutschland.
W.T.-B. Berlin, 6. Nov. (Amtlich.) Bis zum 1. November waren in den Gefangenenlagern, Lazaretten usw. nach den dienstlichen Meldnngen untergebracht: Franzosen: 3138 Offiziere und 188,618 Mannschaften, Russen: 3121 Offiziere und 186 779 Mannschaften, Belgier: 537 Offiziere 34 967 Mannschaften, Engländer: 417 Offiziere 15 736 Mannschaften, zusammen 7213 Offiziere und 426 634 Mannschaften. Die Kriegsgefangenen, die sich auf dem Transport nach den Lagern befinden, sind hierbei noch nicht mitgezählt.
Berlin, 6. Nov. (Ei,g. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In der amtlichen Veröffentlichung über die in Deutschland internierten Kriegsgefangenen, die mit der enormen Anzahl von 433 247 Köpfen abschließt, ist besonders interessant, das Verhältnis der Offiziere ju den übrigen Gefangenen. Während die Offizieren bei den Franzosen, wie bei den Russen und bei den Belgiern fast völlig üibereinstimmt mit 1,7 Prozent der gefangenen Mannschaften ist die Zahl bei den Engländern erheblich höher. Dort beträgt der Prozentsatz 2,7.
3um Seegefecht bei!)armouth.
Br. Haag, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach dem „Daily Mail" waren die versenkten Schiffe „Fraternal" ans Lowestost und „Copions" ans Aarmouth und das Unterseeboot D 5". Das Küsten - schiff „Halcyon" soll nur leicht beschädigt sein. Dem Blatt ist es rätselhaft, daß den Deutschen die Namen (?) der englischen Schiffe bekannt wurden, ehe diese in Sicht waren.
W- T.-B. Berlin, 6. Nov. Die englische Presse beschäftigt sich sehr erregt über das letzte Seegefecht bei Aarmouth. Ein Bericht unterstellt, daß irgendwo ein geheimer drahtloser Apparat sei, der die deutsche Flotte warne und informiere.
Weiler bemerkt unsere Berliner Schriftkeitnng hierzu:
Berlin, 6. Nov. (Ktr. Bln.) Das Seegefecht bei Darmouth kann als ein hoch erfreulich er Erfolg unserer Marine begrüßt werden. Es handelt sich nicht um ein Unternehmen kleiner deutscher Seestreitkräfte, sondern um einen Vorstoß nach der Nordsee, an dem große und kleine Kreuzer beteiligt waren, und bei dem zwei Schiffe bis in u n - mittelbare Nähe der englischen Küste vorgedrungen sind. Der Erfolg der Unternehmung war nur deshalb ein so verhältnismäßig geringer, weil nur zwei englische Schiffe, der Kreuzer „H al cy on" und das Unterseeboot „D 5", sich aus dem Hafen herausgewagt haben. „D 5" stieß auf, eine Mine, die unmittelbar vor der Hafeneinfahrt von uns gelegt worden war. Viel wichtiger ist aber der moralische Erfolg, der Eindruck, den das Erscheinen der deutschen Flotte an . der englischen Küste dort und im ganzen Ausland erweckt hat. Wie schon ,betont, ist es das erstemal in einer hrmderkjäh- rigen englischen Geschichte, daß feindliche Kriegsschiffe an der englischen Küste erschienen sind und sie beschaffen haben. Wenn englische Blätter den Anschein erwecken möchten, daß die deutschen Schiffe schließlich die Flucht ergriffen hätten, so ist das nicht zutreffend. Die deutsche Flotte hat stundenlang vor dem Hafen verweilt und die Beschießung fortgesetzt, und sie ist erst abgefahren, als sie ihre Aufgabe für erledigt hielt, und.als sie glauben konnte, iveiteren Erfolg nicht mehr erzielen zü können.
Die allgemeine Bewunderung über das deutsche Geschwader.
Br. Christiania, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Korrespondent der „Aftonckosten" telegraphiert aus London: Die gesamte Londoner
Presse rühmt es, daß die Deutschen eine stau neuer r e g e n d e Kühnheit an den Tag gelegt ha^en, indem sie ihre Kriegsschiffe bis an Englands, Ostküste sandten. Eine Mystifikation sei die Tatsache, wie es den Deutschen gelingen konnte, ohne Schaden durch das Minenfeld zu kommen. Man glaubt,, Grund zu der Annahme zu haben, daß die Deutschen mit Hilfe ihres umfassenden Spionagesystems in den Besitz der letzten Karten über das Minenfeld gekommen sind. Diese Karten wurden erst in den letzten Tagen von der Admiralität ausgegeben. Mehrere Granaten der deutschen Kriegsschiffe sind direkt in den Hafen von Narmouth gefallen. Sie sollen keinen großen Schaden angerichtet haben.
