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Skr. 519,

Freitag, 6. November 1914.

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cnd soundsoviel Deutsche sind zwecklos geopfert. Laßt uns benlgstens hoffen, daß es eine wirkliche Abrechnung zwischen ins und Großbritannien geben wird, und daß das britische Reich das Schicksal erleben wird, das es den Deutschen zuge­dacht hatte, nämlich die endgültige Vernichtung.

Die Gegenmatzregeln gegen die niederträchtige Behandlung der Deutschen in England.

Br. München, 5. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Pln.) Das Münchener Gemeindekollegium verlangt von dem Magistrat die sofortige Betreibung . von Vergel- tungsmatzregeln bei der Reichsleitung wegen der niederträchtigen Behandlung der Deutschen in England, unter denen sich auch zahlreiche Bayern, insbesondere Münchener, befinden.

Verbot deS englischen Gottesdienstes in Deutschland.

sich. Stuttgart, 5. Nov. Dem Stuttgarter englischen Geist­lichen Westen ist die Veranstaltung öffentlichen Gottes­dienstes in englischer Sprache von den Behörden untersagt worden.

auf einen Schelmen anderlhalbe!

fordern auch dieHamburger Nachrichten", indem sie schrei­ben: Im deutschfeindlichen AmsterdamerTelegraaf" hat eine ausführliche und rührende Schilderung von den Gefange­nenlagern gestanden, in den Deutsche und Öster­reicher von den Engländern zusammengetrieben worden sind und eingepfercht werden. Bon der gesunden Gesichts­farbe der Gefangenen und wie sie sich ihren Befehlshaber selbstwählen dürfen, von Briefen, Büchern, Geld, sogar von Zahnbürsten und Badewannen erzählte der Londoner Be­richterstatter des holländischen Blattes, als ob es ihm darauf onkäme, das Leben der in England gefangen gehaltenen Deutschen wie ein Schlaraffendasein zu besingen. Aber er verschwieg doch nicht, daß um das Gefangenenlager elek­trisch geladene Stacheldrahtzäune gezogen sind. Und wesentlich anders lautete, was derDaily Telegraph", eine Londoner Zeitung, von der OIYmpia zu berichten weiß, in der dieinternierten" Deutschen verwahrt werden. Da ist zwar auch von Lesen, Kartenspielen, Musizieren einiges zu finden, aber von der Schlasftätte heißt es, daß sie in einer Pritsche bestehe, auf die sich der Gefangene eine Matratze, Docke und Kiffen legen kann; kann: vorausgesetzt, daß er Matratze, Decke und Kissen hat. Auch von der Be­schäftigung, mit der man den Gefangenen die Zeit vertreibt, wird da einiges gesagt: Wegebaüten und Kanalräumung. Unsere deutschen Brüder dürfen also den Engländern die Kloaken reinigen und die lieblichen Düste der Kana­lisation einatmen. Dafür entlohnt man sie mit 4 bis 6 Pence, 32 bis 48 Pfennig am Tag, also 1,62 bis 2,88 M. in der Woche. Im heftigen Zorn krampst sich sedes deutsche Herz zusammen. Während das ganze deutsche Pal! jedes Opfer bringt, das unser Vaterland irgend fordert, dürfen dcutschi: Volksgenoffen derart von der infamsten ehrlosesten verächt­lichsten Nation behandelt werden, die die Erde trägt! Die Engländer wissen ganz genau, daß zahlreiche ihrer Lands­leute auf deutschem Boden leben und ungefährdet frei herum wandeln, und sie trumpfen darauf, daß Deutsch­land an diesen ihren Landsleuten keine Vergeltung übt. Jahrzehnte haben »ns gelehrt, daß s c d e deutsche Lie­benswürdigkeit van den Engländern nur als Schwäche gewertet wird. Die Sprache der Vergel­tung ist es allein, die England versteht und die cs achtet.

EnglischeRapsrungen".

Ein weiterer empörender Bruch des Völkerrechts durch England.

Für die Art und Weise, in der dieKaperungen" deut­scher Dampfer durch englische Kriegsschiffe zustande kommen, 'st sehr bezeichnend ein Bericht, der kürzlich aus Ägypten eingetroffen ist und von Ende Oktober stammt. Es hatten sich, als der Kriegsausbruch drohte, eine größere Anzahl deut­scher Dampfer nach den Häfen des Suezkanals geflüch­tet, die als neutral anznsehen waren. Nach den Regeln des Völkerrechts wäre» diese Schiffe dort geschützt ge­wesen, sie hätten die Häsen nur vor Ende des Krieges nicht verlassen dürfen. Inzwischen aber haben die englischen Be, Hörden die in Port Said und Suez liegenden deutschen Dampfer auf die folgende originelle Art gekapert: Am

13. Oktober erschienen an Bord aller deutschen und öster­reichischen Dampfer Abteilungen der ägyptischen Polizei unter dem Kommando eines Offiziers, der den Kapitänen er­klärte, daß niemand mehr an Land gehen dürfe, und daß die Schiffe die Häfen zu verlassen hätten. Selbstverständ­lich weigerten sich die Kapitäne, dieser Anordnung nachzu» kommen. Daraufhin haben die ägyptischen Hafenbehörden durch besonders dazu herbeigeschafftes Personal die Maschi­

Kanonendonner. Die Frauen schrecken dann jedesmal zu­sammen und drehen noch schneller am Rosenkranz. Ein junger Mensch nstt langsamen und schweren Beivegungcn steckt nun Wachslichte auf den Altar.

Noch einmal mache ich draußen Halt und gehe in eines der niedrigen Holzhäuser, um genau nach dem Weg zu fragen. Durch einen winzig kleinen fensterlosen und deshalb dunklen Kramladen, in dem armselige Eisensachen znm Verkauf stehen, stolpere ich in die große zweifenstrige Stube. An der einen Längswand ist eine starke Lage Stroh gehrestet, als Lager für die deutsche Einquartierung. Im Hintergrund an der Ofenbank, vor der ein kleiner Tisch steht, sitzt die ganze Fa- sttilie. Ein alter Mann, der während der ganzen Zeit, da sch im Zimmer weile, stumm an der kalten Pfeife raucht, ein jüngerer Mann, der Schwiegersohn, wie ich erfahre, eine Tochter und eine Schwiegertochter Beide junge Frauen öabe» tleine Kinder auf dem Arm, die Tochter verläßt sofort de»,Raum, als ich eintrete. Auf dein Stroh schläft in zu­sammengekrümmter Lage ein baumlanger Kürassier, ein anderer sitzt auf dem Sofa an der gegenüberliegenden Wand und schlä't auch sehr fest, den Kopf auf die Hände gelegt, die wieder auf einem großen runden Tisch ruhen. Am Fenster steht ein Kamerad von ihnen und spricht mit der alten Frau, °se das Regiment hier zu führen scheint. Ich frage, ob man eine Lasse Kaffee bekommen kann,Filizanke, kawv?" Sie erzählt eine große Geschichte darauf, die meine polnischen Kenntnisse in Unordnung bringt und sie schließlich zum Rück­zug zwingt,

.Da liegt der Krüppel beim Hunde", sagt der Kürassier. "Hier ist nichts, alles, was wir essen, bringen wir uns selbst wit. Die Russen haben alles mitfortgeschleppt, nicht wahr, Frauchen?" wendet er sich an die Alte. Die lacht ganz m'ollig:Ach, gehen Sie doch", sagte sie. Cs scheint eine Art NeckverhältniS zwischen dem mächtigen Kürassier und der

nen instand setzen lassen, haben neue Mannschaften an Bord gebracht und endlich die Dampfer auch mit Kohlen und Pro­viant für sieben Tage ausgerüstet. Danach muhten die Schiffe am 16. bezw. 16. Oktober unter deutscher Flagge auslaufen. Einige Meilen von Port Said entfernt, wartete der englische KreuzerWarrior". Als dieser nun die große Zahl der feindlichen Handelsschiffe ent­deckte, beeilte er sich selbstverständlich, sie regele e ch t zu kapern" und nach Alexanderen zu hrmgen. Alle üblichen Formalitäten würden von dem Führer des Kreuzers mit der peinlichsten Genauigkeit erfüllt. Die ge­kaperten Schiffe wurden sodann bei Ankunft in Alexandrien dem Marschall des Pxisengerichtes übergeben. Der betref­fende ägyptische Gewährsmann fügt seinem Bericht hinzu, daß dieser Tatbestand vielleicht genügend Stoff zu einem. Lustspiel geben könnte, daß er aber zur Begründung von Rechten jedenfalls ungenügend sei, und daß zweifellos die ägyptischen Behörden, die das Auslaufen der Schiffe anord­neten, schadensersatzpflichtig seien.

Kanadisckie Ausfuhrverbote.

hd. Ottawa, B. Nov. Die kanadische Negierung hat eine Verordnung erlassen, die den Export von Nickclerz nach Europa, ausgenommen nach Großbritannien, verbietet. Nach den Vereinigten Staaten ist er unter der Bedingung er­laubt, daß die Erze nicht zu Fabrikationszwecken in Deutsch­land und Österreich verwendet werden. Ferner verbot die kanadische Negierung den Export von Nahrungsmit­teln und Vieh nach den europäischen Staaten, mit Aus- nähme von England und seinen Verbündeten.

Lügen und kein Ende.

Zu welch schamlosen Lüge» unsere Feinde ihre Zuflucht nehmen, erhellt aus einem dicht neben dein offiziellen Eom> muniquö stehenden Artikel i'-HM a t i n" vom 1. November, der die Überschrift trägt: Unerwartete Kundschaft in Gent.

Telegramm des Londoner Sonderberichterstatters des Matin". In Gent passieren seltsame Dinge. Zu sämt­lichen Schneidern der Stadt strömen ungeheuere Mengen deutscher Soldaten, die sich alle Z i v i l k l e i d u n g machen lassen, um nach Holland desertieren zu können. Einer großen Anzahl ist das auch geglückt. Infolge dieser zahlreichen Fälle von Desertionen hat die Militärbehörde Nachforschungen bei allen Schneidern anneitellt und bobe Strafen verhängt." Dieser lächerlichen Erfindung reiht sich würdig eine andere imFigaro" vom 1. November veröffent­lichte an, derzufolge die Deutschen inihrer wilden Wut gegen Gott selbst sich die teuflische Freude gemacht haben, das Tabernakel in einer französischen Kirche in Grund und Baden zu zerschießen." Dieselben Franzosen, die so meisterlich zu lügen verstehen, scheuen sich nicht, uns m der­selben Nummer desFigaro" der ungeheuerlichsten Erfin­dungen zu bezichtigen. Unter der SpitzmarkeDer Mameluckenkaiser" lesen wir da:Nichts sollte uns mehr von seiten dieser Deutschen, die im Lügen das Menschenmögliche leisten, verwundern. Doch haben sie jetzt im Aussprengen phantastischer Gerüchte den Gipfel dos Unglaublichen erreicht. Um sich die Türken geneigt zu machen, verbreiten die deut­schen Agenten die Nachricht, daß Wilhelm II. zum Jsbam übergetreten wäre, und daß deshalb alle Moham­medaner mit ihm i» den heiligen Krieg des Halbmondes gegen das Kreuz ziehen müßten." Solch blühender Unsinn kann nur noch in Paris gedeihen.

Eine russische Generalstabskarte.

Professor Dr. Trampe (Karlshorst) schildert dem 83. T." eine sehr eigenartige russische Generalstabskarte: Sie stammt aus der ostpreußischen Beute. Größe 63 ;47 Zentimeter. Sie umfaßt die Mark Brandenburg, ein Stück von Pommer» und Mecklenburg, ungefähr umschlossen durch die Linien: Greifenberg (Pommern), Drie- sen (Neumark), Belzig, Schwerin, Matzstab 1:42(1000, Die Karte ist sehr schön ausgeführt, Wälder grün, Höhenzüge und Hügel bräunlich, Ostsee, die beiden Haffe, See» und größer«, Flüsse blau, Namen natürlich überall russisch, z. B. Nei- brandenburk, Schtargart, Greifenchagen, Kleine Große Gaff (der Russe hat und spricht kein h), Schtetinn, Schenflis (Schönfließ). So wett dachten also die Herren zu kom­men: Stettin, Berlin, Potsdam, Schwerin alles dachten sie wegzunehmen- Die Einbildung war ja ein bißchen stark; das Schönste aber kommt noch. Diese Karte ist vom russischen General st ab herausgegeben, und zwar schon im Jahre 1611. Warum auch nicht? Haben wir doch auch hoffentlich genaue Karten von Ostfrankreich und Westruß­land. Aber links oben am Rande dieser Karte steht: spomoknojs karta jewropeiskoi Rossli Spezial« karte des europäischen Rußlands, d. h. schon im Jahre 1911 hatte man in Petersburg Deutschland geteilt;

kleinen, klagen, alten Person zu bestehen. Er vermittelt mir denn auch in kurzer Zeit ein GlaS ausgezeichneten Tee. Ich habe ein Fünfundzwanzig-Pfennigstück und einen Zehn­pfenniger in der Hand und will die größere Münze der Alten geben. Sie lacht wieder ihr:Gehen Sie doch", und nimmt den kleineren Nickel;deutsche Soldaten sollen nicht sagen, daß sie zu viel gezahlt haben."Ordentliche Leute in diesem Haus", sagt der Kürassier,komische Leute, sie haben nicht mal Läuse." Die kleinen Schlafkammern sehen sehr sauher aus. Die Schwiegertochter nestelt ruhig ihren Brustlatz ans und gibt ihrem Säugling zu trinken. Man hört das schmatzende Sangen des Kindes, der Kürassier blickt plötzlich angestrengt zum Fenster hinaus. Dann fragt er mich, ob ich wüßte, wo die Reserve-Ulanen stände».Es ist nur, mein Rittmeister von früher ist da wieder eingetreten. Göttchen, und das eine Bein hat doch schon damals nicht gewollt. Aber was der Mann will, das will er." Ich kann dem Kürassier nur sagen, daß sein Rittmeister vor acht Tagen mit mir Suppe aus der Gulasch-Kanone und über die Russen gotts­jämmerlich schimpfte, weil sie ihm sein bestes Pferd enizwei- geschossen hatten, als der Bursche zur Feldschmiede ritt.

Draußen geht der Chauffeur trotz des Pelzes auf und ab und schlägt die Hände übereinander. Ich gehe zum Auto zurück.

Gefecht.

Wir fahren- Bei einem kleinen Dörfchen lasse ich das Auto halten, Gin paar hundert Meter auf den Hügeln vor uns geht ein Feuerwerk von Schrapnellkugeln nieder. Unsere Batterien zur Rechten und zur Linken der Straße gaben schnell hintereinander Salvenfeuer. Es dröhnt, daß man meint, der Hügel müßte zittern. Seitwärts, dann wieder vorwärts, zur Rechten, einmal zur Linken platzen die russi­schen Schrapnells. Das Funkengeprassel gegen den sternen- losen, dunklen Nachthimmel ist grandios.

Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.

die Mark Brandenburg mit Zubehör sollte ein russisches Gouvernement werden, und nicht einmal das westlichste. Denn am obere» Rande steht weiter die Nummer II; mit­hin gibt es n o ch eine Karte gleicher Größe, die westlich an­schließt und bis an die Elbemündung und tief in Hannover hineinreichen muß. Die phantastischen Zeichnungen eines unter die drei Verbündeten geteilten Deutschlands sind dem­nach nicht bloße Spielereien müßiger Köpfe, sondern aller- bitterster Ernst. Seit mindestens drei Jahren waren die drei Jäger einig über die Zerteilung des Bären­felles. Unsere wackeren Truppen haben ihnen gründlich den Kontext verdorben; es wird gehen wie in der berühmten Fabel.

Der Erzherzog-Thronfolger an der Rampfsront.

W, IVB. Wien, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Gleich »ach dem An­

griff der Kriegsmarine aus Pola eilte Erzherzog Karl Franz Joseph auf Befehl des Kaisers zu den im Felde stehenden Truppen, um ihnen die Grüße des Allerhöchsten Kriegsherrn zu übermitteln. Diese mehrere Tage währenden Besich­tigungen führten den Erzherzog von dem rechten bis zum linken Flügel der Kampffront an der San-Linie. Der Erzherzog hatte Gelegenheit, neben den Truppenstellungen die Standorte zahlreicher höherer Kom­mandos zu besuchen und sich eingehend über deren Dicnst- betrieü zu informiere» und einen Einblick in die Wirksam­keit der Etappeneinrichtungen zu gewinnen. Ein Tag war der Festung Przemhsl gewidmet, ihrer tapferen Be­satzung und jenen Forts, die so tapfer dem Ansturm des Feindes standgehalten hatten. Während der Fahrt nahm Erzherzog Karl Franz Joseph jede Gelegenheit wahr, um Offiziere anzusprechen und sich eingehend nach den Lebens­und Gesundheitsverhältnissen der Mannschaften zu erkun­digen. Bei den Mahlzeiten, die grundsätzlich tnt Kreise der Offiziere eingenommen wurden, lösten die von dem Erz­herzog gehaltenen Ansprachen unendlichen Jubel und stür­mische Kundgebungen für den Kaiser aus. Wo cs die Ge- fechtsverhültnisse zuließen, besuchte der Erzherzog ganze Truppenkörper, um ihnen direkt Grüße des Kaisers zu über­mitteln. Bei dem Besuch des zweiten Landwehrinfanterie­regiments heftete der Erzherzog angesichts der vor die Front gerufenen bereits dekorierten Mannschaften sechs weiteren Helden die ihnen verliehenen Tapferkeitsmedaillen an die Brust. Der Erzherzog, zeichnete auch die Mannschaften per­sönlich durch Ansprachen aus, wobei ihm die vorzügliche Be­herrschung der ungarischen und tschechischen Sprache sehr zu statten kam. Besondere Anerkennung drückte der Erzherzog jenen Abteilungen der technischen Truppen ans, die mit der raschen Wiederherstellung von Eisenbahnen und namentlich mit dem Wiederaufbau von Brücken ganz hervorragende Leistungen vollbracht hatten. Auch die Spitäler besuchte der Erzherzog. Die schlichte, überaus gewinnende Art, mit welcher der Erzherzog den Verwundeten Trost zusprach, hinterstes; einen unauslöschlichen Eindruck. Auch der vom Kriege heimgesuchten Zivilbevölkerung bezeugte er warm» Teilnahme. Er erkundigte sich bei den Zivilfunktionären eingehend nach dem Umfang der Schäden. Hoch befriedigt über die bei den Feldarmeen gewonnenen Eindrücke kehrte der Erzherzog am Montag zu dem Armeeoberkommando zurück, wo er dem Armeeoberkommandanten Erzher­zog Friedrich, der durch die Leitung der Operationen zu seinem Bedauern derzeit verhindert war, die Truppen an der Front zu besuchen, Meldung erstatten konnte, daß der Geist der Truppen vorzüglich und ihre Leistungen bewunde­rungswürdig seien.

Die ausschrettungen der Russen gegen die Rumänen in der Bukowina.

Wi- T.-B. Wien, 5 Nov. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Gegenüber den in

Rumänien verbreiteten tendenziösen Nachrichten, daß die Russen in den von ihnen vorübergehend besetzten Teilen der Bukowina den Angehörigen der rumänischen Nation eine günstige Ausnahmestellung eingeräumt, unsere Truppen ober die rumänische Bevölkerung drangsaliert hätte», ist durch amtliche Erhebungen sowie durch Augenschein und Vernehmungen von durchaus verläßlichen angesehenen Persön­lichkeiten sichergestellt worden, daß die Russen an' den Bukowi »er-Rumänen und deren Habe bar­barische Gewaltakte verübt haben, Sie verteilten das den rumänischen Bauersleuten geraubte Vieh sowie sonstige Habseligkeiten unter die von ihnen aus den rumä­nischen Ortschaften eingesetzten rutheirischen Bauern aus der Bukowina und aus Rußland, um die Ruthenen für Rußland zu gewinne». Den griechisch-orientalischen Erz- bischof Repta versuchten sie durch wiederholte

ES mögen 4 bis 6 Grad Kälte sein. Der Wind ist messer­scharf. Der General enipfiehlt sich nach einiger Zeit, hier ist nicht viel zu erwarten. Ich bin hinweggefahren, weil in dem Städtchen, in dem ich Quartier hatte, wieder einmal die Furcht umging. Jeder sah den anderen mit ängstlichen Angen an, jeder packte heimlich, und cs war wieder das selt­same Huschen und Flüstern mif der Straße: Die Russen sind durchgebrochen. Unsere Truppen gingen vor überstarkem russischem Anvrall zurück und stehen jetzt in vorzüglicherer Stellung als vorher, stelle ich fest. Die Russen scheinen auch schon wieder den kurzen Angrisfsmut verloren zu haben. Ihr Geschützdonner wird schwächer, aber ununterbrochen feuern zur Rechten unsere schweren Batterien. Der Horizont Wird hellrot, bald dnnkelrot, neun russische Dörfer flammen auf. Eine Patrouille fragt mich nach dem Weg. Beim Licht der Taschenlaterne suche ich auf der Karte die Strecke. Grade als ich sie gefinrden habe, erscheinen wieder russische Schrapnells, dir den Weg, den der Mann weiter muß, förm­lich bestreuen.Da entlang", zeige ich. Der Mann trabt an. Man hört den scharfen Hufschlag auf dem harten Weg. Die Nacht verschlingt den Reiter.

Dicht vor mir stehen die schwarzen Gestalten der Kanoniere. Ununterbrochen richten sie, arbeiten sie, feuern sie. Der Wind kann ihnen nichts anhaben, und es ist, als ob sie von dem russischen Feuer bei ihrer ruhigen Arbeit überhaupt nichts wüßten. Schuß auf Schuß rollte. Beim Aufblitzen sieht man die geschwärzten Gesichter und daß Weiß der Augen. In den FcldzugSbärtcn blitzen Eisperlen.

Das russische Feuer schweigt jetzt ganz. Unsere Maschinengewehre, die vorhin noch^ hämmerten, scheinen weiter nach rechts vorn zu arbeiten. Man hört nur den Nacht­wind, der an den Mänteln zerrt.

Ltolf Brandt, Kriegsberichterstatter.