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„SogUatt-fittuS". WS(beNtllÄ» K^XjaSfe’ 12 Knsgaven. „T-gbl-tt-H-ns" Nr.e«50-S8.
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Kreitag. 6. November 1914.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 819. ♦ 62. Jahrgang.
Der Krieg.
Verluste der englischen Flotte an der belgischen Küste.
Br. Gens. 5. Nov. (Eig. Drahtbericht.. Ktr. Bin.) Pariser Nachrichten besagen, daß gelegentlich der Beschießung der englischen Flotte vor Nieuport ^ deutsche Geschütze drei Kreuzer schwerer beschädigten, als anfänglich geglaubt wurde. Man befürchtet, daß die Kriegsschiffe unbrauchbar seien, doch handle cs sich nur um „F a l c o n", „B r i l l a n t" und „R i n a l d o", Kreuzer von höchstens 3600 Tonnen in älterem Typ.
Der Kampf um Ppern.
Dr. Rotterdam, 8. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Gestern fielen englischen Meldungen zufolge die deutschen Artillcriegeschasse ganz in der Nähe der Stadt Dpern nieder. Samstag und Sonntag verließen die Bewohner schon zu Tausenden die Stadt. Die Vorposten der feindlichen Streitkräfte stehen auf einen Steinwurf entfernt. Die Posten der Verbündeten hören die Grammophone und denGesang der deutschen Soldaten in den Schützengräben. Die Engländer haben wiederum große Verstärkungen nach ihrem äußersten linken (!) Flügel gebracht. Auch ihre Flotte greift dort von neue m heftlg ein. Brügge ist mit Verwundeten überfüllt. Tie Deutschen stehen in der Nähe von Thorhout, während an der Seeküste die Batterien dicht bei den Autzerwierteln von Ostende stehen.
Ein englischer Bericht über die Kämpfe cm der t)fcr.
Br. Ehristiania, 5. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus London wird dem „Morgenbladcd" telegraphiert: Neue Berichte scheinen zu bestätigen, daß die Deutschen ihre Stellungen an der User zwischen der Küste und Dpern ge- r ä um t haben. Trotz ihrer gewaltigen Angriffe ist es ihnen nicht gelungen, südlich von Dpern durchzubrechen. Hier haben sie ihre Vorstöße mit Hilfe neuer großer Verstärkungen ausgeführt. Die Deutschen haben Middelkerke geräumt. (?) In Paris herrscht große Freude.über die Mitteilung, daß die Deutschen sich vom westlichen Ufer der User jetzt ganz zurückgezogen haben. Zwischen Zonneöckc imd dem Lysfluß haben gestern hartnäckige Kämpfe stattgefunden. Drei deutsche Flugzeuge wurden gestern in der Nähe von Souain heruntergeschossen. Nachdem die Überschwemmung bei Nienport den deutschen Vorstoß nach dieser Richtung zum Aufhören gebracht hat, ist setzt der Kamps von der Dser i:ach Rousselaere verlegt worden- wo die Alliierten mit grüner Energie Vorgehen.
Schwere Kämpfe der Engländer.
Amsterdam, 3. Nov. „Daily Mail" meldet aus Calais: Das britische Heer hat eine schwere Prüfung durchgemacht. An einigen Stellen sind die Truppen auf e i n V i e r t e l vermindert. Es scheint, daß die Deutschen gern die heftigsten Angriffe aus uns konzentrieren. Als wir in der Gegend von Rousselaere drei Tage lang in Marschorduung wettergezogbn waren, während die Franzosen die Deutschen in Lille bekämpf- tat, und auf dem linken Flügel am Dserufer die Belgier, durch die Franzosen unterstützt, in der Gegend von Dixmuiden operierten, wurde plötzlich der Schwerpunkt der «chlacht von Nienport nach Dpern verlegt. Um Mitternacht zogen die 'Engländer immer in Ordnung weiter. Der Feind schien schlvach und mutlos, und die Engländer dachten nicht daran, sich Laufgräben im Rücken zu graben. Aber gerade,^ als u n - s e re Kavallerie im Feld ankam, wurde ein mächtiges ,z-e ue r auf sie eröffnet. Die zweite und vielleicht ernstere Phase der Schlacht wickelte sich nördlich von Dpern ab, bei D i x m u t - den. Hier unternahm deutsche Infanterie von schweren Geschützen unterstützt einen Bajonettangriff. Unsere Truppen leisteten tapferen Widerstand, erlitten aber große Verluste. Auf dem rechten Flügel wurde unsere Infanterie zuerst aus Messines vertrieben, wo die Bayern trotz der heldenhaften Angriffe unserer Artillerie den ganzen Tag über blieben.
Ioffres falscher Optimismus.
Br. ®cnf, 5. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die °n mehreren Hauptpunkten errungenen deutschen Erfolge ver- nnlaßten eine allgemein gehaltene Anfrage des Großfürsten N i ko l a i an I o ff r e, welcher antwortete: „G esamt-
l a g e gut ; die Perbündewn dürften bald eine günstige Entscheidung erhoffen." Einen solchen Optimismus rechtfertigt der heutige Bericht des französischen Hauptquartiers keineswegs. Der Militärkritiker R o u f f e t lenkt vielmehr die Aufmerksamkeit auf einen möglicherweise neugeplanten deutschen Weg zur Küste über St. Omer und erklärt damit die H a r t n ä ck i g k e i t der deutschen Aktion am Lysfluß, wo die gestrigen französischen Anstrengungen, die Deutschen bei Messines zu überrumpeln, zum Schaden der Angreifer scheitern mußten. Betont wird ferner die stetige Bedrängung der französischen Stellungen westlich und südwestlich Lille, ferner bei Lens, wo die Deutschen gestern eine erfolgreiche Offensive erösfneten.
Eine trübe Schilderung der Lage in Frankreich.
Ein hartes Urteil über die englische» Söldner.
W.T.-B. Wien, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Die „Reichs- Post" gibt ein Gespräch ihres Genfer Berichterstatters mit einem. in der Angelegenheit des Roten Kreuzes vorübergehend
dort weilenden Pariser Großindustriellen wieder. Auf die Frage nach dem Verlaufe einer Autofahrt antwortete dieser: Die Fahrt durch den Fortgürtel von Paris erfordert eine nicht geringe Geschicklichkeit des Lenkers. Man hat die Straßen sehr vorteilhaft hergerichtet, d. h. man ist noch immer daran beschäftigt. Das sind keine Straßen inehr, eher Fallen. Daß ich nicht mehr sagen kann, werden Sie begreiflich finden. Späterhin war ich trotz der Legitimation angesichis der S p i o n a g e f u r ch t meines Lebens nicht mehr sicher. Es werden da viele Unschuldige noch ins Gras beißen müssen. Es wimmelt übrigens überall von Zuaven und anderen dunkelhäutigen Truppen. Mit dem Pack kann man sich nicht verständigen. Ein paarmal waren wir hart daran, von den schwarzen Burschen angeschossen zu werden. Auf eine weitere Frage über die englischen Truppen lautete die Antwort: Was ich von unseren Offizieren vernommen habe, bestärkt leider das Urteil, das ich seit jeher von den englischen Truppen gehabt habe-, auch dieser Krieg ist ihnen ein Geschäft. Sie betrachten jedes Wagnis zuerst von allen Seiten. Sie kämpfen zwar tapfer, sind aber, wie mir ein kommandierender General sagte, aus den Erdbc- festigungcn einfach nicht herauszubringen, wenn die Lage einen Angriff auf die deutschen Stellungen es erfordert. Ihre Kavallerie i st gänzlich untauglich, einfach unverwendbar. Während der Franzose begeistert für sein Vaterland kämpft, betrachten diese Herren den Feldzug mehr m- sofern als eine ernste Sache, als die Gefährlichkeit in Frage kommt. Seit wir bei dem ersten Zusammentreffen mit den Deutschen bte Fürchterlickkeit des gegnerischen Angriffes kennen lernten, läßt ihr Elan sehr zu wünschen übrig. Es gebe ernste V e r st i m in u n g e n im Hauptquartier; allein wir brauchen sie nun einmal. Schließlich drückte der französische Industrielle seine Betrübnis aus über das hinter d e r A r m e e y e r r s ch e n d e E l e n d. Dort würde tausendfach gesündigt, weil die Hilfe zu spät komme. Die Organisation des Sanitätsdienstes sei vollkommen vernachlässigt.
Feldmarschall French schwer verunglückt.
W.T.-B. Berlin, 5. Nov. Der „L.-A." meldet: Ein aus Holland nach Berlin zurückgekchrter Freund unseres Blattes berichtet uns, daß nach zuverlässigen Meldnn- gen der Oberkommandierende der englischen Armee m Frankreich, Feldmarschall French, vor einiger Zeit bei einem An t om ob iIu n faII schwer verunglückt und noch zurzeit an der persönlichen Ausübung des Oberkommandos verhindert sei.
Dis Veickietzung der englischen Küste.
Erzählungen von Augenzeugen.
Br. Kopenhogcn, 5. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Kapitän eines ; n Lowestost erngelaufenen Dampfers erzählt, daß er nachts schießen hörte. Bei Tagesgraucn sah er die deutschen Kriegsschiffe- die er zunächst für britische hielr. Nach zehn Minuten verschwanden die Schiffe. Auf dem Weg nach Lowestost sah er vier Torpedo;äger, die in voller Kraft. :n der Richtung der deutschen Schiffe fuhren. Ein anderer Kapitän erzählt- er sah ein britisches Unterseeboot plötzlich erst mit dem Heck, dann mit dem Vorderteil über das Wasser sich erheben. Darauf versank es allmählich und verschwand in den Wellen. Eine weitere Londoner Meldung besagt, die deutschem Schiffe seien n u r z e h n Meilen von der englischen Küste entfernt gewesen, als sie den „Halcyon" beschossen. „Halcyon" entkam nur mit der allergrößten Rot.
Tic Zcppclinsurcht in London.
bä. Rotterdam, 5. Nov. Das verdunkelte London ist noch immer nicht dunkel genug, so daß die geltenden Bestimmungen weiter verschärft wurden. Die Läden müssen ihre Beleuchtung von 6 Uhr nachmittags cm, oder falls der Polizoikommissar das für notwendig hält, noch früher einschränken. Die Beleuchtung von Bahnhöf e n, Rangierbahnhöfen und Güterbahnhöfen muß vermindert werden, sobald dies den Anforderungen der Sicherheit entspricht. Auch die oberste Hälfte der Glaskugel muß undurchsichtig gemacht werden. In den Straßenbahnwagen und Omnibussen darf nicht mehr Licht brennen, als für das Lösen der Fahrkarte erforider- lich ist Beim Passieren von Brücken müssen die Lichter gelöscht werden.
wieder zwei Dampfer von der „Emden" versenkt.
Br. Rom, 5. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der in Neapel eingetroffene italienische Dampfer „Roma" begegnete bei Aden einem englischen G lisch w a d e r, das auf die „Emden" Jagd machen' soll. Die „Emden" hat wieder zwei Dampfer versenkt, nachdem sie ihnen Lebensmittel und Kohlen ab,genommen hatte.
Bulgariens strenge Neutralität.
W. T.-B. Sofia, 5. Nov. (Nichtamtlich. Agence Bulgare.) Die Leiter der Oppositionsparteien sind heute von R a d o s l a w o W empfangen worden, der ihnen die Lage Bulgariens unter den gegenwärtigen Umständen auseinandersetzte. Am Schlüsse der Audienz hatten die Leiter eine Besprechung, nach der sie den Pressevertretern rnitteilten, daß nach den Erklärungen Radoslawows Bulgarien in der gegenwärtigen Lage entschlossen ist, die Haltung strenger Neutralität zu bewahren.
Oer amtliche türkische Tagesbericht.
Siegreiche Gefechte an der Kaukasusgrenze. — Die Beschießung der Dardanellen.
W. T.-B. Konstantinopcl, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht aus dem Großen Hauptyuartier: Die R u s s e n begannen ihre Stellungen nahe der Grenze zu befestigen und wurden aus den Gebieten von Taraklissa und Jskhau vollständig zurück- geworfen. Die Stimmung und Ausbildung unsere, Truppen ist ausgezeichnet.
Nach späteren Meldung nahmen an der Beschießung der Dardanellen die englischen Kreuzer „Inflexible", „Jndcfatigablc", „Gloucester" und „Defence", ferner eines der französischen Panzerschiffe „Räpubliyue" oder „Roudet", sowie zwei französische Kreuzer und acht Torpedoboote teil. Sie gaben 240 Schüsse ab, von denen einer ein e n g l i s ch e s P a n z c r s ch i f f traf, worauf eine Explosion entstand.
In Ä i v a l l y in Kleinasien wurde ein e n g l i - scher Dampfer zum Sinken gebracht, nachdem Besatzung und Ladung gelandet war. Die Bemannung des russischen Dampfers „Korolewo Olga", die hier verhaftet wurde, ist zu Kriegsgefangenen gemacht worden.
Oer türkische Einmarsch in Aegypten Die ersten Erfolge.
bä. Konstantinopel, 5. Nov. Nach dem „Tasvir-i- Eskiar" haben die türkischen Truppen, die zusammen mit 3000 Beduinen die ägyptische Grenze überschritten, ihre Angriffe an verschiedenen von den Engländern besetzten Punkten begonnen. Die Beduinen haben einige Stellungen angegriffen und beunruhigen diese nun unausgesetzt, wodurch die Operationen der türkischen Truppen erleichtert werden. Ihr letzter Angriff hatte den Erfolg, daß die Engländer aus Bei Sabbah bei Nachrl ans der Sinaihalbinsel vertrieben wurden. Der Platz wurde danach von den Türken besetzt.
Keine deutschen Offiziere bei den Beduinen.
W. T.-B. Berlin, 5. Nov. (Amtlich.) Jy auswärtigen Blättern finden sich die Meldungen, daß die Beduinen bei ihrem Vorgehen gegen Ägypten von deutschen Offizieren geführt worden seien. Wir können feststellen, daß diese Meldung erfunden ist.
Enver-Pascha» Kntwort an den Kronprinzen.
Br. Berlin, 5. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Auf das Telegramm, das der deutsche Kronprinz an den türkischen Kriegsminister Enver-Pascha richtete, antwortete dieser mit folgender Drahtung: „Die kaiserliche otto- manische Armee dankt Eurer Kaiserlichen Hoheit sowie der fünften Armee für die brüderlichen Grüße und hofft fest, alle ihre Feinde gemeinsam mit der Armee Sr. Majestät des deutschen Kaisers ' zu besiegen, deren Tapferkeit weltberühmt ist." _
Das neue Kabinett Salanbra und die Neutralität Italiens.
bä. Rom, 5. Nov. Die endgültige Zusammensetzung dcS italienischen Kabinetts wurde heute bekannt- gegeben. Danach übernimmt den Borsitz und das Ministerium des Innern der bisherige Ministerpräsident S a l a n d r a. S o n n i n o hat nunmehr das Portefeuille des Äußern angenommen. Der Kolonial- minister Martini, der Ackarbanminister Cava- sola, oer KricgSminister Zupclli und der Post- minister R i c c i o behalten ihre Psrtcfrniües. Da8 Schatzministerium übernimmt E a r c a » o, die Finanzen D o n e o. An deffcn Stelle tritt im Unterrichtsministerium Crippo. Justizminister wird Orlando, Marineminister Admiral B i a k c. Die Vereidigung der neuen Kabinettsmitglieder erfolgt
heute abend.
Das neue italienische Kckoinett Salandra ist nicht ne Schwierigkeiten Mstan'degskormnen, die ihren rund in der durch den Weltkrieg 1914 geschaffenen iae haben. Der Ministerpräsident Salandra hatte, s er nach dem Tode dt San Giulianos das Mimste- xm des Auswärtigen übernahm, mit der gleichen Ent- nedenheit allen Versuchen, Italien unter Aufgave ner Neutralität und rinter schnödem Bruch, ubcrnom- ener Verpflichtungen ins Lager des Dvewerbandes ziehen, Widerstand geleistet, und die Agitation der rnzosenfreundlichen Elements sowie derjenigen L>eltun- n, die mit französischem Gelde gespeist werden, rst auch j der jetzigen Umbildung des Kabinetts ohne^ Erfatg blieben. ' Die Mitglieder der offiziellen >woziQlisten- irtei und der Radikalen, Sa^cchr und Bissolati, -lche offen für den Anschluß an den Drewerband em- ateii, sind dem Kabinett fern geblieben, das ferner inzen Zusammensetzung nach bis auf werteres — man tri> angesichts der Verhältnisse und der Strömungen Italien immer aut tun, eine solche Einschränkung zu achm — als Ncutralitäts Ministerium ay- fprochen werden kann.
