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Verlag Langgaffe 81

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Berliner Schriftleitnng des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Güntzelstr. «6. Fernspr. - AmtUhland 450 u. 451. fSÄftSÄSKS

Donnerstag, 5. November 1914.

Kbenö-Kusgabe.

Nr. 518. ♦ 62 . Jahrgang.

Der Krieg.

Der heutige Tagesbericht.

Ein Ausfall über Meuport mühelos abgeschlagen. Kortfchreitende Angriffe auf der ganzen übrigen Krönt.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Nov. (Amtlich.) Gestern unternahmen die Belgier, unter­stützt von Engländern nnd Franzosen, erneu heftigen Ausfall über Nienport zwischen Meer und Überschwemmungsgebiet. Sie wurden mühelos a b g e w i e s c n.

Bes Ipern nnd südwestlich Lille sowie östlich Berry au Bac, in den A r g o n n e n und den Vogesen schritten unsere Angriffe vorwärts.

Aus dem östlichen Kriegsschauplatz hat sich nichts Wesentliches ereignet.

Oberste Heeresleitung.

Die französischen Berichte.

W■ T.-B. Berlin, 5. Nov. Nach einer Meldung des „Ber­liner Lokalanzeigers" sucht der französische Generalstab das deutsche Vordringen gegen ArraI durch einzelne Angaben ab­zuschwächen. Dem gegenüber muß sestgestellt werden, daß der G r u n d t o n der in den letzten Tagen eintreffenden französischen Nachrichten den früheren überschwänglichen Optimismus vermissen läßt. (Vergl. Letzte Drahtberichte.)

Oie Überschwemmungen im Hsergebiet.

Br. Mailand, 6. Nov. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über die Überschwemmungen in Belgien erhält der „Corriere dclla Sera" von Paris folgende Er­klärungen: Weder die Meevdämme noch die Iserdcunme wurden geöffnet, sondern nran unterbrach das -funktionieren des dichten Netzes kleiner K a n ä l e, die das Wasser des immer feuchten Bodens anffangen und in einem schwarzen Schlamm zn>m Meere führen. Die Kanäle laufen in Röhren unter den schiffbarckr Kanäler und unter den Straßen hindurch. Ohne sie wäre der Boden unbenutzbar. Der Damm der 8 p e r n ist höher als die ihn umgebenden Ebenen ge­legen und aus der großen Schlammfläche erhebt sich nur noch der Ipern dämm, der E i se nbah n d am m und die hochgebauten gepflasterten Stra­ßen. Eine Schlacht in'dieser Gegend würde an Lie- lenige an der Brücke von Arcole unter Napoleon er­innern.

Ei» tetertäw NM «fern ffistiae.

Der Krenjcv „t)or<fe" auf eine deutsche Mine gestoßen und gefunken. Mehr als die Hälfte der Besatzung gerettet.

^ M I.-8. Berlin, 5. November. (Amtlich.) '&>. M. großer Kreuzer „Worck" ist am 4. Nov. vormittags in der Jade auf die Hafen- mincnsperre geraten nnd gesunken. Nach bisherigen Angaben wurden 382 Man», also rnelix als d'e Hälfte der Besatzung, gerettet. Die Neltungsardeite» waren durch dichten Nebel erschwert.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabs:

B e h n rk e.

*

Unsere Marine hat bas erste größere Schiff ver- lorens nicht ini Kampf mit dem Feinde ist die „Jorck" gefunken, sondern einem unglücklichen Zufall, dem Nebel, vielleicht auch einem gewissen eigenen Berschul- uen ist das schöne Schiff znm Opfer gefallen. Der Ver­lust der „Jorck" stellt sich auch noch nicht einmal in eine steche mit dem der „Magdeburg", die wenigstens weit­ab vom Heimathafen im feindlichen Gewässer bei «wem Angriffsvorstoß am Eingang des finnischen -Ueevbnsens auf Grund geriet und dann von der eigenen Besatzung gesprengt wurde; denn die „Jorck" ist im Eigenen Gewässer, in der Jade, an der unser Nord- lfkckriegshafen Wilhelmshaven liegt, auf die ^genen deutschen Minen ausgelaufen und dann ge­lunken. Das macht das Mißgeschick nicht weniger wm,erzhaft, um so mehr. da es sich, wie gesagt, um oas erfte große Schiff handelt, deren unser Gegner l-erlich schon eine ganze Anzahl verloren hat. Wir ver­loren bisher, wie erwähnt, die „Magdeburg", durch Un- M, und außer vier Torpedobooten und einem Unter- >°eboot bekanntlich nur die kleine „Heia" durch ein kindliches Unterseeboot und die „Ariadne", „Mainz" Pld „Köln" in dem Vorpostengefecht mit den großen pUlllischen Großschlachtschifflreuzern der „Lion"-Klasse.

„Jorck" ist also das sechste größere, das erste große ^chrff auf unserer Verlustliste. Doch ist „Jorck" kein WUi m o -d e r n e r Schlachtkreuzer, die wie die „Goeben" o 000 ^Tonnen, die „Seydlitz" 25 000 Tonnen Raum-

inhalt haben, sondern sie stammt schon ans dem Jahre 1904 und hat nur 9500 Tonnen Rauminhalt. Die Maschinen entwickelten 19 000 Pferdestärken und gaben dem stattlichen Schiff eine Geschwindigkeit von 21,4 Seemeilen. Die Artillerie umfaßte vier 21-Zentimeter-, zehn .. 16-Zentimeter° und vierzehn 8,8-Zsntimeter- Geschütze und 4_ Torpedorohre. _ Die Besatzung bestand aus 15 Seeoffizieren, 5 Marineingenieuren, 2 Marine­ärzten, 1 Zahlmeister, 12 Fähnrichen z. S., 26 Deck- offizieren und 672 Unteroffizieren und Mannschaften, insgesamt 638 Mann. Da bisher 382 Mann gerettet sind, haben etwa 256 tapfere Offiziere und Blaujacken un grauen Novembernobel in der Außenjade ihr nasses Grab gefunden. Die Flagge wird heute halbstock wehen an der Wasserkante um diesen harten Schlag, um den wir alle — um den Verlust an Menschenleben wie um den Panzerkreuzer, von deren Schiffsklasse wir gerade nicht genug haben, — herzlich mittrauern; aber zum Kopfhängenlassen ist kein Grund. Wir brauchen nicht Erst M sagen, daß der Verlust, so schmerzlich er uns auch be­rührt, kein Grund ist, auch nur einen Augenblick trübe zu sehen. Jeder Mißerfolg, jeder Verlust, deren w die Flotten unserer Feinde dank den: Schneid un­serer Unterseeboote v i e l, v i e I mehr zählen als wir, wird unserer tapferen Flotte nur ein weiterer, neuer Ansporn sein zu neuen Taten, die durch Schädi­gung des Feindes den eigenen Verlust wettmachen.

Ein deutsches Geschwader an der englischen Rüste!

Ein englisches Unterseeboot vernichtet.

- , W /. T --p- London, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Der Sekretär der Admiralität meldet: Heute am frühen Morgen feuert- ein feindliches Geschwader ans das zrir Uustenwache gehörige., Kanonenboot „Halchon", das auf einer Erknndungsfahrt begriffen war. Ein Mann des „Halchon" wurde verwundet. Nachdem das Kanonenboot die Anwesenheit der feindlichen Schiffe gemeldet hatte, zogen sich diese zurück. Obgleich diese von leichten Kreuzern verfolgt wurden, konnten sie doch vor Einbruch der Dunkelheit nicht zum Kamps gestellt werden. Der hinterste der deutschen Kreuzer streute bei dem R u ck z u g eine Anzahl Minen aus. Durch me Explosion eurer derselben wurde das Unter- s c e b o o t o" zum Sinken gebracht. Zwei Offiziere -p Mann, die sich ans dem Verdeck des an der Oberfläche des Wassers schwimmenden Unterseebootes befanden, wurden gerettet.

Weitere Einzelheiten. — Die Angst vor einem LandiingS- versuch!

<?n,r7w; Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.)

Englische Fischer erzählen, daß gestern früh auf dar Sähe von ,)arm„uth sieben bis acht deutsche Schiffe er- £?' 'hrer Schätzung etwa 120 Schüsse abgaben.

Von der engliscyen Küste bei flarmouth konnte das Seege­fecht beobachtet werden. Die Bewohner der Küste wurden rurch he,tigen Geschützdonner geweckt. In dichtem Nebel (?1 feuerte das deutsche Schiff in einer Entfernung von zehn Merlen von der Stadt ans englische Schiffe. Die Häuser bebten, die Scheiben klirrten. Als ein englisches Schiff sich in der Richtung nach G o r l e st o n entfernte, fielen Granaten I" der Nähe der Küste. Vier oder fünf Granaten fielen in o00 Meter von der Mole. Die Militärbehörde befürch­tete anscheinend einen Landunqsversuch, denn die Truppen wurden alarmiert, erhielten scharfe Patronen und besetzten die Straße von der Küste nach der Stadt.

^.Mailand, 6. Nov. (Eig, Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ein Londoner Telegramm des „Eorriere della Sera" meldet- Das von den deutschen Schiffen beschossene Küstenwachschiff „Halcyon" landete gestern abend in Lownstoft. Die radio- telegraphische Stange des Schiffes ist zerbrochen, die Brücke und der Schornstein beschädigt. Die Verwundeten wurden in das Spitalschiff getragen.

Auch zwei Dampfbarkaffen durch Minen zerstört.

V/. London, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Die „Times" melden: Ein Seetampf fand gestern bei Uarmouth, ganz dickst unter Englands Küste, statt. Mehrere deutsche Kriegsschiffe .amen gestern früh auf der Höhe von Iarmouth in Sicht und eines eröffnete eine furchtbare Kanonade gegen die Küste. Von dem Dampfer „Halchon", der leicht beschädigt wurde, ist ein Mann schwer, vier oder fünf leicht verwundet. Außer dem Unterseeboot „D 5", das wenige Stunden später auf eine Mine lief, sind noch zwei Dampfbarikassen auf Minen gestoßen und im Laufe von 20 Minuten ge­sunken. Die starken Detonationen riefen ungeheure Auf­regung in Iarmouth hervor, wo die Leute zum Strande stürmien, jedoch infolge Ncbeles nichts sehen konnten. Nur die Umrisse der großen Schiffe mit vier Schornsteinen waren sichtbar. Einige Geschosse fielen auf das Ufer in der Nähe der drahtlosen Station. Die meisten jedoch fielen ins Wasser.

Di- Bedeutung des Gefechtes von Uarmouth.

Br. Berlin, 5. Rov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Zu dem Seegefecht an der englischen Küste schreibt die „B. Z.": Was sich hier abgespielt hat, war gewiß keine kriegerische

Operation von einschneidend er Bedeutung, aber dennoch ein Ereignis, das sich die Weltgeschichte merken wird, denn zum erstenmal seit endlos langer Zeit ist die englische Küste selbst von fremden Schiffen angegriffen wor­den, fielen feindliche Geschosse auf britischen Boden! Sie haben diesmal noch keinen Schäden cmgerichtet, doch ihr Donner wird bis hinab nach London vernommen werden, wird als vernehmliche Warnung dem Volke des Insel- reiches in die Ohren donnern. Wir fragen: Wollte England nicht mit raschen Schlägen den „preußischen Militarismus" vernichten, nnd steht nun zum Staunen und Entsetzen, wie es mehr und mehr in eine Defensive gedrückt wird? Die Deutschen stehen aus der belgischen Küste, auf dem Haupi- damm von Ostende, auf der Düne von Middelkerk. DaS deutsche Heer drängt nach N i e u p o r t und späht nach <5 a l a i S, Die „Pest" der Unterseeboote taucht in der Nord­see vor der Themsemündung, sogar im Kanal auf, nahe bei Dover erhielt der „Hermes" den tödlichen Torpedoschuß in seinen gepanzerten Leib, und nun gar treffen an der O st - küste des Britenlandes die ersten Grüße der deutschen Granaten ein!

W. T.-B. Berlin, 5. Nov. Zu dem Seegefecht an der englischen Küste, bei dem das englische Unterseeboot „D 5" vernichtet wurde, sagt die „Post": Ein deutsches Geschwader

vor der englischen Küste! Die Nachrichten aus eng­lischer Quelle lassen erkennen, welch heillosen Schrecken den Briten das Erscheinen der deutschen Kriegsschiffe am Gestade Albions eingejagt haben mag, hat man doch allen Ernstes mit einer deutschen Landung auf Britanniens geheiligtem Boden gerechnet.

Line Veruhigungserklärung gegen die englische Invasions-Ängst.

W. T.-B. London, 5. Nov. Das Kriegsamt teilt mit, daß nichts in der gegenwärtigen Lage die Annahme rechtfertige, daß eine Invasion wahrscheinlich sei oder bevorstehe. Verschiedene Berteidignngswerkr, die im vereinigten Königreich errichtet seien, bedente« mir eine notwendige Kriegsvorsichtsmaßrrgel, die jede Seemacht zu Kricgszeiten treffe.

„Scharnhorst", „Gneisencru" und „Nürnberg" in Chile!

Bon Tsingtnn bis Chile!

W. T.-B. Santiago de Chile, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Die beiden deutschen Kreuzer „Scharnhorst" und „Gncisenau" und der kleine Kreuzer „Nürnberg" sind hier eingetroffen. Nachdem der deutsche Gesandte und der deutsche Konsul an Bord gewesen waren, nahmen die Schiffe Vorräte ein.

Die Kämpfe um Kiautschau.

Der österreichische Kreuzer „Kaiserin Elisabeth" von der eigenen Besatzung in die Luft gesprengt?

W. T.-B. London, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Reuter. Eine amtliche Meldung aus Tokio besagt, man glaube, daß sich der Kreuzer „Ka i s e r i n EI i s a b e t h" ans der Reede von Tsingtau selbst in die Luft gesprengt habe. Das Schwimmdock ist ebenfalls vernichtet. Die Beschießung dauert fort.

Ein japanischer Trnppendampser durch eine Mine vernichtet.

Von befreundeter Seite wird den „Leipz. N. N." folgende Meldung übermittelt: „Nach brieflicher Mel­dung aus China ist ein Transport mit japanischen Kerntruppen vor Tsingtau auf eine Mine ge­laufen und mit Mann und Maus untergegangen." Der Vorgang dürfte etwa drei Wochen zurückliegen. Es ist aber erfreulich zu hören, daß unsere Minen bei Tsingtau ihre Schuldigkeit tun.

Vor drei Monaten und jetzt!

Den Kleinmütigen, denen es nicht schnell ge­nug mit unseren Fortschritten geht, sei empfahlen, sich zu fragen, was sie vor drei M o ck a t e n gesagt hätten, wenn man ihnen folgendes Zukunftsbild entworfen haben würde:

Ganz Belgien unter d e u t f ch e r Boimüßig- keit, die Nordsee von der belgischen Küste aus unter dem Feuer deutscher Batterien, Eng­länder und Franzosen im Verzweiflnngskampf um die Fernhaltung unsere r Heere von Dünkirchen und Calais, fünf oder sechs englische Kreuzer, davon fünf große, durch unsere Unterseeboote versenkt, der Kanal durch unsere Unterseeboote bedroht, ein großes russi­sches Heer in den masurischen Sümpfen er­st ickt, unsere Truppen weit in Russisch-Polen hinein vorgedvungen. Und nun weiter: wir mußten

vor drei Monaten mit der Möglichkeit großer wirt­schaftlicher Störungen rechnen, wir haben sie bis heute nicht erlebt, dafür aber die ver­heißungsvollen Anfänge einer kräftigen Er- halilng verzeichnen können. Wir haben die gewaltige Stärke unserer finanzieIlen Rüstung siegreich