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Wiesbadener Tagblatt

Veite s

und Kern,

* Schiffs-Nachricht. Dampfer „Westernland" von Antwerpen am 23 März in New-Uork angekommen.

\ „Die Perle vom Königstein“ In Mm BuchhaMungm M haben.

— (Der Raubmord an den Fach'schen Eheleuten tn Darmstadt) beschäftigte dieser Tage das dortige Schwurgericht. Die Geschworenen vernemten die Fragen bezüglich des Mordes an Fach und des Mordversuches an Frau Fach, und die Angeklagten Oldendorf und Kern, Burschen im Anfang der zwanziger Jahre, wurden deshalb tilgen Raubes unter erschwerenden Umständen zu lebenslänglichem Zucht-

80 Pfennig die einspaltige Petiizeüe.

Ueverrascht werden Sie sein, wenn nach nutzlosem Gebrauch aller möglichen Mittelchen Sie sich endlich entschlossen haben, W. VoßW Katarrhpillen gegen Ihren hartnäckigen Schnupfen, Husten oder Katarr? anzuwenden und oft schon einige Stunden nach deren Gebrauchin«’’ Ihrem Uebel befreit finden. Voß'sche Katarrhpillen sind.erhältlich '» Wiesbaden in den bekannten Apotheken, in Brebrich rn der V' apotheke. Jede ächte Schachtel trägt den Namenszug Dr. mea. Wittlinger's. (M.-No. 2550.) “

Bewilligung der Etats-Position für die Universität in Halle von 567,915 Mark." (Stürmische Heiterkeit.)

- (Unter den Wiener Carnevals-Figuren) nimmt ein alter Ballgast, ein Bankbeamter von Berns, eine bemerkenswerthe Stelle ein. Er treibt den Scherz soweit, bei allen Faschings-Lustbarkeiten als „Gratisbesucher" zu erscheinen, und es isi ihm kein Weg zu abenteuerlich oder entlegen, um zu diesem Ziele zu gelangen. Er hat mit den Comite- Mitgliedern der hervorragendsten Carnevalsfeste feierliche Wetten abae= chlossen, das; er, trotz der sorgfältigsten Controlle an dem Einlaß, ohne Billet eindringen werde, und bisher die Wette stets gewonnen. Einmal kam er in der Uniform eines Wachmannes, das andere Mal als Geheim­polizist mit dem Adler im Knopfloch in so täuschender Maske, daß kein Mensch es wagte, ihm den Eintritt zu verwehren. Als die erste Opern- Redoute in Wien abgehalten wurde und die Wagen sich auf eine Ent­fernung von einer halben Stunde stauten, durchbrachen plötzlich zwei Krankenträger mit einer überdachten Bahre die geschlossene Kette. Man glaubte allgemein, daß im Saale ein Unglück geschehen sei, und ließ sie ungehindert das Vestibüle passiren. Kaum dort angelangt, entstieg zur Ueberraschung unser Ballgast der Bahre in tadelloser Toilette. Das vierte Mal tauchte an der Treppe, die in das Tanzlokal führte, ein kaiserlicher Leibjäger, den weißen Federhut unterm Arm, auf. Mit seinem kurzen Jagd- stock suchte er sich in der Menge der Neugierigen Platz z» verschaffen. „Wer ist vom Hofe gekommen?" stürmten Hunderte von Personen auf ihn ein. „Seine kaiserliche Hoheit . . . ." Die folgenden Worte verloren sich im Gedränge, durch das getragen und geschützt der Leibjäger, der Niemand anders als unser Bankbeamte war, kostenfrei und anstandslos in den Saal trat. „Sauce, meine Herrschaften, Sauce!" rief ein behender Ganymed, die Schüssel mit Lungenbraten vor sich herschwenkend, und stolz lief der artige Gratisgast in der Eigenschaft eines Kellners den Billeteuren an der Nase vorüber. Bei einem der letzten Maskenfeste provozirte zum Schrecken des Comite's ein Kutscher im Foyer einen Höllenspektakel. „Ich bitte, meine Herren," rief der faule Rosselenker unaufhörlich, „ein Passagier ist mit dem Fahrgeld durchgegangen, aufhalten, aufhalten!" Trotz alles Sträubens stürzte der Mann, auf eine Maske mit dem Peitschenstiel weisend, in den Saal. Die Arrangeure erkannten zu spät, daß sie leider wieder von dem „Ballblitzer" dupirt waren und ihre Wette verloren hatten.

— (Nachahmenswerth!) Mehrere vornehme Pariser Damm haben kürzlich darüber bcrathen, wieso es komme, daß die Geselligkeit, der freundschaftliche Verkehr der Familien unter einander allenthalben so schi im Niedergange begriffen sei. Einstimmig wurden als Grund hierfür die Ansprüche namhaft gemacht, die man, was Bewirthung betrifft, an die modernen Hausfrauen stelle. Jede einfache Jause verschlingt ein paar hundert Francs, von der Opulenz der Soupers, den Kosten des Tasel- schmuckes, Blumen ?c. gar nicht zu sprechen. Um nun den alten, unge­zwungenen Verkehr wieder herzustellen, haben die Damen beschlossen, m ihren Häusern mehrmals wöchentlich Tanz- und Plauderabcnde zu veran­stalten, die um >/-9 Uhr beginnen und um 12 Uhr enden. Servm wird nichts als Thee, Backwerk und Limonade, einfache Toilette ist tiorgefd)rteben und die Dienerschaft darf bei Strafe der Entlassung keine Trinkgelder annehmen. ,, .

— (Ehrenbeleidigung — oder Licht?) Dre Londoner Schauspielerin Mrs. Abrams klagte kürzlM gegen den Kritiker Hud­son, weil er in der Besprechung eines neuen Stückes von ihr ae Wieben: „Mrs. Abrams erinnert an die Ausgrabungen des Professors Schliemann — sie ist eine echte Antiquität." Der Richter versuchte umsonst, die er­regte Künstlerin zu beruhigen, indem er meinte: „Wie werthvoll die au8= gegrabenen Dinge sind, das beweist am Besten der hohe Preis, den u erzielen." Zornig erwidert die Künstlerin: „Ja, aber das große Publi­kum besteht nicht aus Alterthumsforschern, und seit jener Kritik bekomme ich täglich anonyme Briefe, in denen man mir schreibt: „ob ich mm lateinischen Inschriften trage," oder die Verwunderung ausgesprochen wird, daß „die Gliedmaßen so gut erhalten seien" rc. Endlich kam ein Vergleich zu Stande und am nächsten Tage war in Hudson's Journal zu lesen. „Wie wir erfahren, feiert unsere treffliche Künstlerin Mrs. Abrams dem­nächst ihren achtzehnten Geburtstag. Kinder und Enkel werden sich Ml- reich an der Feier betheiligen."

wogen Raubes unter erschwerenden Umstanden zu lebenslänglichem Zucht- hause^verurtheilt.. $ H $ c ? Unglück) ist anläßlich der Geburtstagsfeier des Kaisers in Arolsen vorgekommen. Beim Abfeuern der üblichen Kanonenschüffe waltete auch der Füsilier Hesse aus Auraff seines Amtes. Gerade hatte derselbe eine neue Ladung in den Lauf des Geschosses ge­schoben, als der Schuß plötzlich losging und dem Unglücklichen beide Arme, sowie das Gesicht theilweise zerschmetterte. Die Finger der einen Hand lagen auf dem Casernenplatze umher und wurden von tn der Nahe stehenden Personen zusammengesucht. Die hinzugernfenen Aerzte hielten die Amputation der Arme für nöthig, und so wurden denn beide Arme bis zum Ellenbogen abgenommen. Das linke Auge hing fast vollständig aus dem Kopfe heraus, doch glaubt man, daß dasselbe erhalten werden könne. Die Ursache des Unglücks ist jedenfalls darin zu suchen, daß vom vorhergehenden Schüsse ein Funke im Hintertheile des Kanonenrohres stecken geblieben ist und die Entzündung des Pulvers bewirkte. Die Auf­sichtsmannschaft soll durchaus keine Schuld treffen.

— (Ein Bruder des Attentäters Nobrling), der frühere Lieutenant Edeling, wurde in K ö l n der Unterschlagung von 60,000 Mark für schuldig befunden und zu einem Jahre Gefängniß und drei Jahren Ehrverlust verurtheilr. .. ,

— (Studenten-Krawall.) In München entstand am letzten Sonntag zwischen einer Anzahl von deutschen und griechischen Studenten und Akademikern in einem Gasthause ein politischer Streit, der m eine heftige Schlägerei ausartete, bei welcher von Seiten der Griechen Schuß- und Stichwaffen gebraucht wurden und zahlreiche Verwundungen vor­gekommen sind. Die Affaire wird jedenfalls ein Nachspiel vor dem Straf­richter finden. Die Deutschen haben allein Schwerverwundete. Sie selber waren nur mit Spazierstöckcn bewaffnet, aber, wie es heißt, in großer Mehrzahl vertreten. Em schwerverwundeter Schlesier, Namens Glaubitz, hat einen Stich in die Lunge, ein Stud.jur. Glaser drei Stiche erhalten.

«-(Eine Bataillons-Kasse gestohlen.) In Brieg bei Breslau erregt eine Diebstahls-Affaire großes Aufsehen. Beim Ma,oc Schmidt wird die Kasse des dortigen Füsilier-Bataillons des 4. meder- schlesischen Infanterie-Regiments No. 51, bestehend tn Effecten und Baarem Geld, in einem großen eisernen Kasten aufbewahrt. Der Kasten ist stets am Fußboden angeschraubt und mit Schlössern versehen. Wahrend der militärischen Feier von Kaisers-Geburtstag in einem Vergnugnngs- Etablissement, der auch der Herr Major Schmidt beiwohnte, wurde der Kasten vom Fußboden losgebrochen und mit seinem Inhalt geraubt. Einige Sparkassenbücher ließen die Diebe zurück. Der Kasten wurde tu der Morgenstunde von Passanten auf der Straße aufgefunden. Es fehlen 42 000 Mk. an Baarem (Selbe, mehrere Sparkassenbücher und Werthpapiere. Wie es heißt, sollen die Einbrecher eine Anzahl Geldbeutel mit dem In­halte am Orte der That zurückgelassen haben.

— (Zwei .alte Herren".) Wir entnehmen der „Köln. Volksz.": Die Abgeordneten Schmidt und v. Meyer (Amswalde) gehören zu den sehr „alten Herren , sie stehen nahe am hundertsten Semester. Schmidt, der Theologie und Philologie stndtrte, war bereits Fuchsmaior, also Jungbursch, als der „schöne Meyer" noch Fuchs oder Brandfuchs war. Hierüber gehen aber die Erinnerungen beider „alten Herren" auseinander, wie sich bei der Berathung des Cultusetats in hochkomischer Weise gezeigt hat. Der fast dreiviertel Jahr ältere v. Meyer will erst „crasser Fuchs gewesen sein, während Schmidt chn zum Brandfuchs machte. Schmidt erzählte: „Unvergessen ist mir, daß namentlich in den sogenannten Bier- conventen sich das juristische Talent schon zu zeigen pflegte. (Heiterkeit.) Ein hochgeachtetes Mitglied dieses Hauses, Herr v. Meyer (Arnswalde) hat öfters mit mir im Bierconvent zu Halle als Borusse gesessen nnd seine Entscheidungen waren immer sehr vernünftig und verständig. (Große Heiterkeit!) Abg. v. Meyer: „Der Abg. Schmidt hat die Gute gehabt, mir ein Compliment zu machen; ich bin ihm sehr dankbar. Aber

in der Thatsache irrt er sich etwas. Es mag daher kommen, daß er ebenso tote ich von dem Abgeordneten Windthorst als ein sehr würdiger Greis bezeichnet werden kann. (Große Heiterkeit.) Ich habe mit ihm im Bierconvent gar nicht gesessen, denn ich war damals noch Fuchs tm ersten Semester und also noch gar nicht reif für das Amt eines Bier­

richters. Er aber hatte schon eine sehr hervorragende Stellung, er war Fuchsmajor (stürmische Heiterkeit); er führte über uns Füchse auch em sehr scharfes Regiment. Nur tn besonderen Stunden der Weihe sielen chm mitunter die Zügel aus den Händen, das schadete aber seiner Autorität nicht. Dieses Regiment äußerte sich besonders darin, daß er reden Sonn­tag nach der Kirche um 12 Uhr säinmtliche Füchse bei sich antreteu ließ, um ihnen ein Privatissimum zu lesen über ein Gesetzbuch, das zwar nicht so alt sein mag, wie der Sachsen- und Schwabenspiegel, aber mindestens ebenso dunkel. (Heiterkeit.) Heine nennt es in seinen Reisebildern eine lex barbarorum. Es war nämlich der Hallenser Cotnment! Wir horten sehr eifrig zu. Er war in der Auslegung der abstrusen Tiefen dieses Gesetzbuches ebenso lichtvoll, wie er heute immer präcis und lichtvoll ist in der Auslegung des Seerechts. (Große Heiterkeit.) Wenn ich nun trotzdem kein eigentlicher Jurist geworden Bin, so könnte es doch vor­kommen, daß Sie hin und wieder doch eine Spur von leichtem inristlschem Wissen Bei mir merken. Seien Sie dann üBerzengt, das sind lediglich die Folgen davon, daß ich zu seinen Füßen in Halle Bei diesem Privatissimum ----------------...

gesessen habe. Indem ich mich nun zur Sache wende, empfehle ich die ' , —....

'Druck und Herfag der L. Achellenberg'scheit Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden. - Für die Herausgabe verantwortlich: Loms schellenBerg tn Wtesbave

(Die heutige Nummer enthält 28 Seiten und eine Extra-Beilage.)