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Verlag Langgasse 21

„Tagblati-Hans".

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„Tagblatt-Haus" Nr. «KS0-53.

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Donnerstag, 5. November 1914.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 517. - 62. Jahrgang.

Oer Urieg.

Die großen Anstrengungen der Deutschen bei I)pern

Sr. Genf, 4. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Auch die französischen Meldungen stellen fest, daß die Deutschen bei D p e r n ungeheuren Kräfteauswcnrd entwickeln. Wenn ihr I Versuch gelinge, so werde der linke französische Flügel gezwun­gen, den Rückzug anzutrctcn. Wenn ihr gewaltiger Ansturm an dem zähen Widerstand der Verbündeten scheitere, so sei das von neuem eine jener Schlachten, die so lange dauern, bis einer der Gegner vollständig erschöpft sei und das H-ervortreten neuer Kräfte dem anderen den endgültigen Sieg verschaffe.

Die Kämpfe um Nonsselaer.

Sr. Amsterdam, 4. Nov. (Eig. Drahtbericht. 54h:. Bln.) Der Berichterstatter des „Telegraaf" in Sluis meldet am 3. November: Die Vorposten der Verbündeten wagen sich

jetzt näher an Rousselaer heran, wo man am Sonntag Ge­wehrfeuer hören konnte. Am gleichen Tage wurde eine französische Abteilung von 125 Mann, die bis auf 3 Kilometer von Rousselaer vorgedrungen war, durch deiltsche Truppen überrascht und gefangen genommen. Am Samstag sind einige Bürger in der Stadt durch verirrte Kugeln getötet worden. Ein heftiger Kampf findet in der waldigen Gegend längs der Eisenbahn Dpern-Rousselaer statt, wo die Deutschen sich hinter Baumstämmen ver­schanzten. Am Yser ist die Lage unverändert. Am Sonntag sind englische Patrouillen bis Lophen, fünf Kilo­meter südlich Brügge, vorgedrungen. Wahrscheinlich wollten sic die Eisenbahnbrücke Rousselaer zerstören. Sie wurden nach eineni heftigen Scharmützel znrückgetrieben. — Slu§ dem englische» Hauptquartier schreibt ein Augenzeuge über die Verschiebung zahlreicher englischer Truppen von der A i s n e nach der N o r d k ü st e Frankreichs. Er ver­gleicht diesen Vorgang mit den Operationen der Japaner bei Mukden, die auch große Trnppenmaffen vom Zentrum nach dem linken Flügel dirigierten, aber die Engländer seien noch merkwürdiger, weil die Zahl der Truppen und die Entfer. tiung größer gewesen sei. Der Transport habe mit dev Eisenbahn und mit Automobilen stattgcfunden. Ein großer Teil sei auch gegangen. Man habe die Nacht für diese Be­wegungen gewählt und die Deutschen hätten nicht viel be­merkt, obwohl manchmal beide Heere kaum 100 Meter von einander entfernt gewesen seien. (Also, die Engländer ver­lassen die Aisne und die Franzosen und ziehen sich nach der Küste zurück, um dem Kanal nähet zu sein, von wo die Flucht ins Heimatland leichter ist. Die .Schlacht steht also für uns sehr gut. Schriftl.)

Ein englischer- Bericht über die Kämpfe.

Der Berichterstatter der „Daily News" schreibt: Die deutsche Hauptmacht machte den Verbündeten das flache Ge­biet nördlich von Zinepezeele, das von fünf kleinen Flüssen ~ durchschnitten wird, streitig. Die Deutschen hatten sich im Walde befestigt. Sie hatten viele Bäume umgehauen und aufgeschichtet und Maschinengewehre hinter den gelben Blättern versteckt. Diesen Wald haben wir wieder und wieder mit Gewehr- und Geschützfeuer angegriffen. Hier zeichneten sich die G h u r k a s aus, die jede indische List benutzten. Ein Panzerzug wurde von Upern gesandt. Er fuhr stets am Wald­rand entlang und war den Deutschen sehr hinderlich, die ver­suchten, die Bahn zu zerstören und den Zug abzuschneiden. Vorgeschobene Stellungen wurden erobert und zurückerobert. Der Kampf 'N diesem Walde ist sehr heftig und dauert nun schon seit drei Tagen und wird wahrscheinlich noch während einer Woche fortgesetzt werden. - Die Deutschen sind wie Kaninchen in ihren Höhlen. Wenn unsere Kaninchenjäger sie in einer Höhle ausgraben, kriechen sie in eine andere.

Der amtliche französische Bericht vom I.November.

W. T.-B. Paris, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Das amt­liche Communiquö von 3 Uhr nachmittags besagt: Aus unserem linken Flügel scheint der Feind das linke Mer- ufer stromabwärts Di x m u i d e n gänzlich preisgegeben zu haben. Die auf den Chausseen im Überschwemmungs- gebiet vorgeschobenen Rekognoszievungsabteilungen ve- setzton die Übergänge der Äser ohne große Schwierig- ketten. Südlich Dirmuiden und gegen Chelevelt hrn sind unsere Vorwärtsbewegungen besonders nrerkbar gewesen. In der Gegend nördlich der Lys wurde trotz von den Deutschen mit beträchtlichen Be­ständen ausgesührter Angriffe unsere Front überall gehalten oder vor Dagesende wicderhergestellt. Neue Angriffe der Deutschen gegen die Vorstädte von A r ra s gegen Lihons und Le Quesnay en Sansterre scheiterten.

Im Zentrum in der A r s n e g e g e n d und rm Walde de l'Aigle verzeichneten wir einige Fortschritte. Westlich Vailly mutzten diejenigen unserer Streit­kräfte, die sich auf den Abhängen der Hochebeire nördlich der Dörfer Gavoirne rind Soupir festgehalten, laut letz- ten Nachrichten sich auf das Tal weiter westlich zu r ü ck- ziehen. Wir behaupteten unsere Stellungen ober­halb Sourg und Comin ans dem rechten Flutzufer.

Eine kräftige Kanonade fand während des Tages zwischen Reims und der Maas und ebenso auf den Hautes de Meuse statt. Neue Anstrengungen der Deut­schen im Argonnenwalde wurden vechiuderk wir

sind fortgefahren, Fortschritte zu machen nordwestlrch von P o n t ü M o u s s o n.

Auf unserem rechten Flügel gab cs einige unseren Waffen günstige Detailaktionen längs der Selle.

hd. Christiania, 4. Nov. Aus Bordeaux wird vom 3. November weiter gemeldet: Amtlich wird mitgeteilt, die französischen verstärkten Truppen, welche die Gegend in dein Überschwemmungsgebiet zwischen der Eisen­bahnlinie Nieuport und Dixmuiden an dem Ipern- kanal durchstreift haben, konnten an den zahlreich dort gefundenen Toten fest,stellen, daß die V e r I u st e der Deutschen in dieser Gegend sehr hohe gelvesen sind. Die Alliierten haben einen geringen Fortschritt auf der ganzen Front gemacht, ausgenommen bei dem Dorfe Messines, das zum Teil von den Deutschen ge­nommen ist.

Dänemark und die Nordseesperre.

W. T.-B. Kopenhagen, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Jur Sperrung der Nordsee schreibt das Regierungsblatt „Politiken": Keine Maßregel in diesem Kriege berührt

Dänemark so unmittelbar wie diese, die für die dänische Schiffahrt tiesei ngr e ifend e Folgen haben wird, die sür den Augenblick noch nicht zu übersehen sind. Nach Blättermeldungen hat die größte Schiffahrtsgesellschaft Däne­marks, „Forende Dampftibselkab", vorläufig alle Fahrten nach England eingestellt.

Zur letzten Heldentat der „Emden".

W. T.-B. London, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Die „Mor- ningpost" meldet, daß nach Privatnachrichten aus Liverpool vom 1. November die Behauptung unrichtig ist, daß die „Emden" unter japanischer Flagge in den Hafen von Penang eingefahren sei. Sie habe vielmehr den Überfall mit dem Unternehmungsgeist und dem Schneid ausgeführt, die sie bei früheren Taten bewiesen habe.

Ein Fluchtversuch in Natal internierter Deutscher und Oesterreicher.

Sr. London, 4. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Einem Telegramm aus Pietermaritzburg (Natal) zufolge hoben Tausende von Deutschen und Österreichern, welche dort interniert siird, zu fliehen versucht. Einer Anzahl ist die Flucht gelungen. Die Posten konnten mit Hilfe von Freiwilligen aus der Stadt die Ruhe wiederherstellen. Die Flüchtlinge wurden von neuem festgenommen.

Angebliche englische Erfolge gegen die Bure».

Amsterdam, 4. Nov. Aus Pretoria meldet ein Reuter- Telegramm vom 3. November: Eine Patrouille von 60 Mann der Abteilung des Obersten B r i t s fand 150 Rebellen von Marth' Kommando in der Gegend von S ch u i t s d r i f t ein- getroffen. Viele Rebellen wurden getötet: oder verwundet, acht gefangen genommen, darunter zwei Leutnants. Eine andere Äufrührerabteilung unter Kapitän Bukes übergab sich freiwillig. Man darf annehmen, daß diese Abteilung aus dem Lager von Maritz fortgelaufen war und 300 Meilen unter sehr schwierigen Umständen marschierte.

Oer Angriff auf Tsingtau abgewiesen.

W. T.-B. London, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Der „Daily Telegraph" meldet aus Peking vom 30. Ok­tober: Chinesische Pressemeldungen aus Schantung be­richten, das; das deutsche A r t i l l e r i e f c u c r plan­mäßig alle vorgeschobenen japanischen Verschan- zungen vernichtet und damit jeden Angriff auf unbestimmte Zeit h i n a u s g e s ch o b e n hat. Das ge­samte Glacis von Tsingtau ist mit Minen übcrsät, die elektrisch geladen werden.

Die Schantungvahn.

W. T.-B. London, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Reuter meldet: In Tokio wurde am 1. November amtlich bekannt­gegeben, daß die Schantungvahn noch unter japanisch er Kontrolle stehe, trotz der beständigen Versuche Chinas, die Entfernung der japanischen Mannschaft herbeizuführen.

Das Leben in den franzö­sischen Schützengräben.

Amsterdam, 2 . Nov. Eng­lische Blätter veröffenllichen einen Brief eines jungen französischen Offiziers, der seit Wochen in der Nähe von Reims den deutschen Truppen gegenübersteht und interessante Bilder über das Leben der französischen Truppen gibt. Der Offizier schreibt: So

liegen wir jetzt bereits einen vollen Monat vor den deut­schen Schützengräben, selbst tief in die Erde eingegraben und nicht iinstande, auch nur einen Zoll weiter vorzu­dringen. Wir können die Deutschen ans 5- bis 600 m vyn Mvgesicht zu Angesicht sehcni Besonder eircdrucks- voll und abwechslungsreich siird die Abendstunden. Dann scheint der Himmel zuweilen in Brand zu stehen, und man hört das Krachen der Ge­schütze und das Rattern des Aioiors einer Taube, die durch Leuchtkörper ihrer schweren Artillerie Signale gibt. Zwei Minuten später hagelt es Ge­schosse und unsere Geschütze fangen an zu antworten. Da­gegen sind die Rächte eine wahre Erholung. Kein Laut in der dichten Finster­nis, obwohl wir wissen, daß die Deutschen so nahe sind. Plötzlich hören wir Gemurmel, es ist ein Priester/ der den Deutschen den Aberrdsegen en­teilt, und nach dem Gebet hören wir Musik und die heimatlichen 'Lieder, die die deutschen Truppen singen.

Die mitteleuropäische Seit in Belgien.

Br. Berlin, 4. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Wie die „Tägl. Rundsch." erfährt, sit am l. November über ganz Belgien die mitteleuropäische (deutsch e) Zeit zur Ein­führung gelangt.

Heftige Nämpfe an der russisch-türkischen Grenze.

Die Aufstandsbewegung im Kaukasus.

Br. Konstantinopel, 4. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus T ä b r i s und E r z e r u m eingetroffe- nen Meldungen zufolge haben bei Ordnlia an der russisch-türkischen Grenze heftige Kämpfe stattgefuuden. Eine Abteilung Kosaken war über die Grenze ge­kommen und plünderte mehrere Ortschaften. Eine Redif- abteilung nahm die Verfolgung der Plünderer auf. Die Kosakenabteilnng wurde fast v o l l st ä n d i g a n f ge­rieben. Die Türken überschritten die russische Grenze, und nahmen dort eine günstige Stellung ein. Die Be­völkerung bewaffnete sich, um sich vor den Kosaken zu schützen. — Im Ararat- Gebiet und im Kaukasus greift der Aufstand der mohammedanischen Bevölke­rung immer mehr um sich.

Oie Beschießung der vardanellenforts.

Russische Grenzbefestigungen im Kaukasus. Rückzng der Engländer über den Suezkanal.

Br. Künstantinopel, 4. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Acht englische und französische Kriegsschiffe beschossen gestern (wie bereits gemeldet), in 16 Kilometer Entfernung die Dardanellen. Die Türken erwiderten das Feuer. Einige Granaten fielen aus ein englisches Fahrzeug. Die englische Beschießung hielt 10 Minuten lang an. Danach zog sich die,englisch-französische Flotte zurück. — Die Russen beschäftigen sich im Kaukasus mit Grcnzbescstignugcn. -— 3 n Ägypten räumten die Eng­länder die arabische Grenze und Zogen sich über den Snezkanal zurück. w .