Aeite 24
Wiesbadener Tagblatt
Sto. «,
UranLf»rtex Gourse tzonr 8. Januar 18&6,
Pf.
Marktberichte.
Wiesbaden, 7. Januar. (Fruchtmarkt.) Die Preise stellten sich per 100 Kilogramm: Hafer 12 Mk. 60 Pf. bis 14 Ml., Richtstroh 3 Mk. 40 Pf. bis 4 Mk. 50 Pf., Heu 5 Mk. bis 7 Mk. 20 Pf. y
Geld.
Holl. Silbergeld Dukaten . . .
20FrcS.-Stücke.
Sovereigns . .
Imperiales . .
Dollar» tu Gold
SsätTesgltoä®, Heute Freitag: Geschlossen.
$.;aar&aisae ss Abends 7l/s Uhr: VII. Concert der
städtischen Cur-Direction
SSeaeMldle'P-allerSe Aea Wasa. KHasivea-efisäs (im Lass ns). Geöffnet: Sonntags, Montags, Mittwochs und Freitags von 11—1 und von 2—4 Uhr.
MsMseri. Telegrsphen*Ant (Rheinstrasse 19) ist uuuster brachen geöffnet,
M*«**rt. Uost (Rheinstrasse 19, Schüteenhofstrasse 3 und Mittel »avillon der neuen Colonnade). Geöffnet vor. 7 Uhr Morgen bis 8 Uhr Abends.
KsroS«staa*8Be&e (am Markt). Küste? wohnt
in der Kirche.
Beargitirsä® (Lehrsirrsae). Küster wohnt aebesan.
HeOmUKke VsthkMksi (FHedii<MrM«e 28). D<® «sg* Tag geöffnet.
BjraMsjroge (Michelsborg). Wochentage Morgans 71/* und Nachmittags 4 Uhr. Synagc>sca-Diener wohnt nebenan.
6y®®^oB-e (Friedriehatraese 26). Wochentage Morgens 7 und Nachmittags 4 Uhr. Synagoges-Diener wohnt LsstWW.
Berliner Stimmungsbilder. *
per Kaisertag in Merlin.
Festfreudig und festfröhlich ist das neue Jahr für Berlin angebrochen und sein Beginn verspricht viel für die Folge, denn kaum waren die Sylvester-Katzenjammer ausgeschlafen, kaum die letzten Prosit-Rufe verhallt und die ambulanten Holzbuden, in denen tausenderlei Arten von Neujahrswünschen feilgehalten wurden, verschwunden, da regten sich schon wieder zahllose fleißige Hände, um die Straßen und Plätze äußerlich zu schmücken „für ihren Herrn und Kaiser". Freilich flog dabei manch' sorgenvoller Blick zu dem dunkel bezogenen Himmel, dessen Schleusen sich immer von Neuem öffneten, empor, aber tief im Innern regte sich doch die Hoffnung auf das oft genug schon bewährte „Hohenzollernwetter", und auch diesmal ließ es Berlin nicht im Stich, der 3. Januar brach au, zwar nicht mit Sonnenschein, aber auch nicht mit Regen!
Welch' hei^ensbewegender Blick die breiten Straßen hinunter: Fahne an Fahne, Banner an Banner, und dazwischen Guirlanden von Tannengrün und wirkungsvolle Draperien mit der Büste des Gefeierten oder dem stolzen Reichsadler in der Mitte, überall zugleich die Vorbereitungen für die wahrhaft glänzend ausgefallene Illumination: Namenszüge, Kronen, Vignetten, Lorbeerkränze, Monogramme und dergleichen mehr; unten auf den Straßen aber, welch' Leben, welche Bewegung vom frühen Morgen an! Wie aufgescheuchte schwarze Ameisenhaufen kribbeln und wimmeln die zahllosen Schaaren zwischen den hohen Häuserlinien dahin, bald in dichten Knäueln stockend, dann sich allmälig auflösend, zwischen den Berlinern, die bei dem langsamen Vorwärtskommen manchen „echten" Kraftausdruck erschallen lassen, viele Fremde, auch sehr viele alte Krieger, die Ehrenzeichen auf der Brust, in den Augen Stolz und Freude, diesen Tag an dieser Stelle erleben zu können.
Alles strebt den „Linden" zu; sie bilden ja für Berlin das eigentliche Herz, von dem die verschiedenen Adern nach den verschiedenen Stadttheilen auslaufen, und immer neue, ungezählte Massen strömen dem Schauplatz des Tages zu und versuchen es, bis zum kaiserlichen Palais, bis zum Denkmal des alten Fritz vorzudringen. Vergebliche Müh'! Vom Brandenburger Thor an bis zum alten, mächtigen Königsschlosse hinauf säumt ein zehn-, zwölffacher Menschenwall die „Linden" ein, und gibt auch dieser an einzelnen Stellen den unaufhörlich Drängenden und Drückenden nach, so läßt doch die festgeschlossene Postenkette der Schutzleute Niemanden durch: die Straßen sind gesperrt, ein Vorwärts gibt's nicht mehr, auch kein Zurück, denn die ersten Carossen rollen auf dem glatten Macadam daher, die Schaubegierde
* Nachdruck verboten.
ist erregt, jetzt weicht Keiner mehr von seinem herb erkämpften Platze, wi3 sich in der Menge befindet, muß darin bleiben, erst nach Stunden wirh sich dieser festgedrängte, gcwalttge lebende Ring von selbst wieder lösen, und wehe dem Unglücklichen, der hinter einigen großen Vorderleuten steh/ er sieht nichts von dem Trubel, sondern hört ihn nur gellend in den Ohren und fühlt ihn schmerzhaft an seinen Gliedem! Der Zeiger rückt vor, es ist bald elf Uhr; den ersten spärlichen Wagen folgen jetzt unaufhörlich neue, ein langer, ununterbrochener Corso, gebildet von den Equipagen der verschiedensten Art, von einfachen Droschken, schwerfällige» Miethskutschen, eleganten Chaisen. Ihr Inhalt ist ziemlich derselbe: ordensbesäete Generale, goldstrotzende Kammerherren, Diplomaten, Attache's, hohe Beamte, Admirale, Johanniter- und Tempelritter mit weitem, ordensgeschmücktem Mantel, auch viele Damen in kostbaren Gewänden:, mit sorgsamer Hand noch dies und jenes Bändchen zurechj- zupfend, denn die Rößlein greifen munter aus und bald ist das impe- nirende Portal des Schlosses erreicht, wo viele kritische und geübte Blicke die Aussteigenden mustern.
Der erste, leichtere Troß ist nun vorüber, jetzt kommt allmälig der schwerere: die Botschafter und Gesandten mit ihren Gemahlinnen fahre» in prunkvollen Staatskaleschen heran, blitzblank sind Wagen und Geschirre, Kutscher und Diener stecken in ihren neuesten Livreen und mit hoch- müthigen Mienen sehen sie auf das Menschengewühl herab, gerad' so, alz ob ihretwegen die Wache in das Gewehr träte und vor ihnen präsentire! — Die arme Wache! Sie hatte doch bis jetzt wenigstens einige Ruhepausen, aber nun muß sie fottwährend stramm auf Posten sein, denn die Anfahrt der fremden Fürstlichkeiten beginnt. Würdevoll nahen sie, die mächtigen, von Gold und Silber blitzenden Galawagen mit den alte», berühmten Fürstenwappen auf dem Schlag, auf dem Bock der Kutsch« mit weißgepudetter Allonge-Perrücke, auf dem Hinteren Trittbrett die reich gallonirten Diener mit sauber gewickelten Haarbeuteln. Manch' erstauntes und bewunderndes „Ah!" und „Oh!" wird aus dem Publikum laut, denn einzelne der Carossen zeichnen sich ganz besonders durch schillernde Farbenpracht aus: bald scharlachroth, bald tiefblau, oder schneeweiß, oder dunkelgrün, und aus denselben Farben sind dann die Livree» der Kutscher und Bedienten zusammengesetzt. Prunkvoll und pomphaft sind diese Wagen, aber sie erinnern zu sehr an die selige Zopfzeit und sie stechen doch etwas ab gegen die eleganten Berliner Hofgefähtte, die tu»: auftauchen; zunächst erscheinen die einfachen, wohlbekannten prinzliche» Equipagen, von schnell und gleichmäßig ausgreifenden Rappen gezogen, und nun rückt der Menschenwall ein wenig vor: Spitzenrefler, in knappem, gold- nnd silberbordirtem Jockey-Costüm werden sichtbar, ihnen folgt ein mit sechs kostbar aufgezäunten Rossen bespannt« schmucker Wagen, die Kronprinzessin sitzt in demselben und ihr gelten die ersten laut werdenden Hochrufe, die rasch zuuehmen, denn unmittelbar folgt in gleichem Gefährt der Kronprinz. Neues Pferdr- trappeln läßt sich vom Palais her vernehmen, neue Hochrufe erschalle», in mit acht Pferden bespanntem, von Vor- und Nachrettern begleitetem Wagen naht die Kaiserin, überall lebhaft begrüßt. In das Hochrufen mischen sich jetzt, dumpf vom Königsplatze herübertönend, die ersten, dem Jubeltage geltenden Kanonenschüsse; die Erwartung der Abettausende», die seit zwei Stunden auf einem Platze ausharren, ist auf das Höchste gestiegen: der Hauptmoment naht, der Kaiser muß ja gleich komm« Berittene Schutzleute jagen die Menschenlinien entlang, Befehle werde» noch hier und da ausgetheilt, die Ordnung soll bis zum letzten Augenblick stramm aufrecht erhalten werden. Alle Köpfe sind nach dem Palais z» gewandt, hoch im Winde flattert die Purpurstandarte und ein leichter Sonnenblick huscht über sie hinweg; horch, jubelnde Hochs, und wie stürmisches Meeresbrausen brandet es näher und näher zu uns heran, ein Jubeln und Jauchzen, wie es selten diese erinnerungsreiche Straße der Linden erlebt, alle Ordnung schwindet, die Schutzleute sehen ein, daß jegliches Hindern nutzlos wäre, die Menschenmassen stürzen auf beit Damm, Hüte und Tücher werden geschwungen, immer stürmischer, allgewalfig« wird das Hochrufen, uud nun, ganz langsam, naht der vierspännig! kaiserliche Wagen, umwogt von dem Jubeln einer begeisterten, vieltausendköpfigen Menge, zu welcher der greise kaiserliche Herr sichtlich bewegt und erschüttert immer wieder und wieder freundlich lächelnd hinausgrüßt.
Der Wagen ist verschwunden, der Jubelklang ist verhallt, dicht um uns und an uns vorbei strömen die Menschen, die mächtigen Fahnen wallen und flattern im Winde, dröhnend schallen die letzten Kanonenschüsse zu uns herüber, aber trotz des Lärmens und Trubels ist in nur eine heilige und feierliche Stille, und unser Herz ist übervoll von M einen Wunsche: Glück und Segen heut' und immerdar dem Kaiser.' Ä
Paul Lindes" otXft.
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