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Sette «.

Abend-AuSgabe. Erstes Matt.

i§shade«eV Tsgblait.

sonders schwer, denn bei diesem entsetzlichen Wetter, das hier geherrscht hat, liefen die Gräben voll, so daß unsere Leute die Nacht über im Wasser st ehe n mußten. Die feindlichen Scheinwerfer suchten immer unsere Stellung ab, und zeigte sich irgend jemand, wurde sofort die Stelle mit Schrapnells zugedeckt. . . Die herzlichsten Grütze! Karl Eduard.

Opfer deS Krieges.

W- T.-B. Berlin, 2. Nov. Der „Berliner Lokalanzeiger" meldet aus Stuttgart: Die Gräfin Maria von Bis­sin g e n - N i p p e n b u r g hat sich als Rote - Kreuz- Schwester im Felde bei der Pflege von Verwundeten eine Infektion zugezogen. Sie ist in Straßburg im Alter von 40 Jahren gestorben.

Das Eingreifen der Türkei.

Russisch-türkische Grenzkämpfe am Kaukasus. Versehentliche Vernichtung eines griechischen Torpedobootes durch die Engländer.

W T.-B. Konstnntinopel, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Ein offizielles, durch die Agence Ottomane veröffentlichtes Com- munique besagt: „Nach amtlichen Nachrichten von der kau­kasischen Grenze haben die Russen an mehreren Punkten unsere Grenztruppen angegriffen, wobei sie zum Teil dank dem energischen Widerstand, der von den türkischen Truppen ihnen entgegengesetzt wurde, Verluste erlitten

Im M i t t e l m e e r haben englische Kreuzer das Feuer eröffnet und ein griechisches Torpedoboot, das sich ihnen näherte, zum Sinken gebracht, da sie es für ein türkisches hielten. Diese beiden Ereignisse zeigen, daß unsere Feinde zu Wasser und zu Lande die Feindseligkeiten gegen uns eröffnet haben, die sie seit langer Zeit gegen uns varhattcn. Die ganze ottomanische Nation ist be­reit. vertrauend auf den Schutz Gottes, den einzigen Schützer von Reckt und Billigkeit, auf diese Angriffe zu antworten, die darcn'.f abzielen, unsere Existenz zu vernichten."

Die Türken am Suezkanal.

Eine Brücke über den Kanal auS Sandsäcken?

sich. Rom, 3. Nov. Einer Erklärung des Direktors des „Messaggero" zufolge werden nicht weit vom asiatischen Ufer des Suezkanals starke türkische Truppenmassen kon­zentriert. Die Truppen fübren mit sich K a m e l e und 800 000 Säcke, die, mit Sand gefüllt, in den Suez­kanal geworfen werden sollen. Gegen eine solche auf diese Weise gebaute Brücke könnten die englischen Kanonen wenig ausrichten. Die englische Regierung hätte längs des ägyptischen Ufers ungefähr 80 000 Soldaten konzentriert. Die offiziellen Kreise seien sehr pessimistisch gestimmt, um so mehr, als man eine große Gärung in den musel­manischen Kreisen bemerkt habe. Die Türken würden in Ägypten wie Befreier von der Bevölkerung begrüßt werden.

Der vereitelte Minenangrisf der Russen auf die Türken.

W- T.-B- Konstantinopel, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Eine amtliche Mitteilung gibt bekannt, daß die Offiziere und Mannschaften des russischen Minenschiffes „Pruth" in dem Verhör zugestanden haben, daß der „Pruth" in Sewastopol mit Minen beladen worden sei. Die Offiziere und die Be­setzung des „Pruth", die jahrlang auf dem russischen Stations­schiff in Konstantinopel dienten, waren mit dem Gewässer im Bosporus vollkommen vertraut. Als die russische Flotte er­fuhr, daß sich ein schwacher Teil de- türkischen Flott« zu einer Übung in das Schwarze Meer begeben habe, ging , sie am 27. Oktober von Sewastopol endlich in See und ließ nur ein Verteidigungsgeschwader dort. Auch der „Pruth" fuhr in südlicher Richtung ab. Die Absicht der russischen Schiffe war, vor der Mündung des Bosporus Minen zu legen und das kleine, sich im Schwarzen Meer aufhaltende türkisch eGe- sch Wader anzugreifen sowie die türkische Haupt­flotte, wenn diese dem Geschwader zu Hilfe eilte, durch Minen zu vernichten. Die türkische Flotte bemerkte das russische Minenschiff, das von Torpedobooten begleitet war, rechtzeitig und brachte es, wie in den letzten Darstellungen geschildert, zum Sinken.

Die Türkei überlätzt auch weiter Rußland die Verantwortung.

W. T.-B- Konstantinopel, 2. Nov. (Nichtamtlich.) In der Besprechung der Lage geben die inspirierten Blätter zu, daß die Zwischenfälle im Schwarzen Meer Wohl die Form_ des Krieges angenommen haben, erklären aber, daß sie nicht einen

offiziellen Kriegszustand geschaffen haben. Obwohl die Pforte im Recht sei, wolle sie doch vor der Geschichte und dem Ge­wissen der Menschheit beweisen, daß sie im Zustand gerechter Verteidigung zur See gewesen sei. Es werde nicht die Türkei lein welche den Krieg zuerst erklären werde; wenn man aber den Krieg um jeden Preis wolle, werde die Türkei ihm nicht ausweichen. Der „Tanin" meldet, daß die türkische Flotte gestern keine Bewegungen im Schwarzen Meer ausge- führt habe; sie erwarte nun den Befehl, vor- oder zurückzu­gehen. Der „Tanin" erklärt die Ereignisse im Schwarzen Meer fiir einen Grenzzwischenfall und sagt, wenn Rußland wolle, so werde man nicht weitergehen; der Schlüssel zum Friedensproblem liege in Petersburg. — Um zu be­weisen, daß Rußland seit langem den Plan zum Angriff vor­bereitete, stellt man das gemeldete, in dem Communique^ an­geführte Untersuchungsergebnis der Tatsache gegenüber, daß, wie man hier allgemein wußte, die Bot­schafter Rußlands, Englands und Frankreichs seit mehreren Tagen den wichtigsten Teil ihrer Archive in Sicherheit ge­bracht haben. — Eine aus Sofia hier eingetroffene ver­trauenswürdige Persönlichkeit erklärt im „Tanin", daß die Russophilen seit einigen Tagen besonder- Nervosität zeigten. Man habe sogar die Anwendung von Gewaltmitteln gegen das Kabinett Radoslawow befürchtet. Man glaube, daß Rußland durch seine Aktion gegen die türkische Flotte eher einen Druck auf Bulgarien und Rumänien auszuüben beab­sichtigte, denn nach Zerstörung des türkischen Geschwaders würde Rußland freie Hand gehabt haben, in Bulgarien eine Revolution hervorzurufen; alle diese Pläne seien jedoch dank der Wachsamkeit der türkischen Flotte gescheitert. — Der Jkdam" brückt seine Befriedigung aus über den Entschluß Bulgariens, in dem türkisch-russischen Konflikt neu­tral zu bleiben.

Die Flucht russischer Handclsdampfcr im Schwarzen Meer.

hd. Bukarest, 3. Nov. In die Prnthmundun^ haben sich ans Furcht vor der -türkischen Flotte 70 russische ^racktsch-ffe und 40 Schleppdampfer geflüchtet, die bisher den Verkehr zwischen den russischen und rumänischen Donauhafen ver­sahen. Der russische Personendampfer -Bulgarm ■ bex bte Verbindung mit Odessa versah, hat ebenfalls auf dem Pruth Zuflucht gesucht. . ^.

3ur Vernichtung zweier türkischer Schrsse.

Ein neuer Bölkerrechtsbruch Englands

W. T.-B. Konstantinopel, 2 Nov. (Nichtamtlich) amtlichen Meldungen handelt es sich bei dem Vorfall v Dachaschme um das Handelsschiff „Kinali ^ge die Jacht „Beyruth". die infolge der Sperrung des H<ÜenS von Smyrna auf der Reede von Burla verankert waren. Zwei englische Torpedo-ootzerstörer forderten die bo.den Sc^ffe auf. sich innerhalb von 10 Minuten zu ergeben. Die Kapitän, lebnten die Übergabe kategorisch ab. setzten die Mannschaften an Land und brachten salbst beide Schiffe zum Sinken. Be­züglich dieses Vorfalles wird herdorgehoben, daßstch England eine Verletzung des Völkerrechts schuldig gemuckst bat indem es einen Angriff auf Schiffe umernahm. die al- neutral anerkannt waren. Die „Beyruth war w das Rote Meer gesandt worden, um dort Bojen zu legen und war lange Zeit nüt dieser Arbeit beschäftigt. Auf dis Lrsuckxm von Eng­land hat sich damals ein englischer Fachmann an Bord des Schiffes befunden. Nachdem die „Beyruth' Mffwn er- füllt batte befand sie sich nunmehr auf der Heimfahr^ nach Konstantinopel. Somit hat England ein Schiff lx>jg wissenschaftlichen Zwecken dumm und dm- vom Völkerrecht als neutral anerkannt wird.

Ein ägyptisches Ultimatum an England.

Br. Rotterdam, 3. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Wie Londoner Blätter Mitteilen, überreichte der dortige tür­kische Botschafter vor seiner Abreise ein Ultimatum des Khediven. das die sofortige Zurückziehung der englischen Truppen aus Ägypten verlangte.

Der ratlose Grey.

Rvm, 2. Nov. Die Ratlosigkeit in den leitenden politischen Kreisen der Verbündeten über die türkischen Angriffe erhellt sich aus der Tatsache, daß Grey in Bordeaux und durch die Gesandten nnd Konsulate über­all im Auslände eine langatmige anklagende Er- klärung gegen die Türkei erläßt, worin der schänd­liche Angriff gegen Rußland und die Erregung der Araber und Beduinen in Ägypten auf Verführung durch Deutschland Mrückgeführt wird, wahrend die Nachricht von der Abberufung der Diplomaten der

Berliner Theaterbriese.

i.

Fahre nach dem Tod Geijerstams hat sich sein LieMngs- ivnnsch erfüllt, daß sein eines und einziges dramatisches Werk, das Spiel vom „Großen und kleinen Klaus", m Berlin aufgeführt wurde. In einem Haus, das es zu seinen Lebzelten noch gar nicht gab, dem „Künstlertheäter, uiid in einer Zeit, deren furchtbar blutige Zeichen diesen Weichen nnd Gütigen, diese — im tiefsten Sinn des abge­brauchten Wortes — „Seele von Menschen vielleicht zerstört

hätten. . . '.

Nun, da der Dichter längst in schwedischer Erde feine Ruhe fand, gingen die Humorigkeiten und die idyllischen Bilder seines Märchens, aufgübaut auf einer echt gelungenen putzig- possierlichen Guckkastenbühne, unterhaltlich nnd beruhigend vorbei. Und es schien sich zu bestätigen, daß, wenn man nicht ganz stark künstlerisches Kaliber zu verschießen hat, das Harm­los«, Zeitlose, Entrückende jetzt die wohltätigste geistige Kriegs-

kost ist. .

So ganz harmlos ist nun vieUeicht Geijerstams Umschrei­bung der Andersenschen Fabel nicht. In schärfere Beleuchtung gerückt, hätte aus dem Stoff sogar eine ätzende, bitterböse Satire werden können. Denn so lange der kleine Klaus fromm und demütig ist, sich alles von dem bösen, großen Klaus ge­fallen läßt geht cs ihm miserabel; als er aber, drolligerweise gerade durch Peter über das Welttreiben aufgeklärt, gewitzigt und pfiffig i« skrupellos, seinen Vorteil wahrnimmt., hat er Glück und Erfolg und legt den plumpen großen Klaus durch seine Behendigkeil gründlich hinein, so weit, daß sich der lange dumme Schlingel von dem Kleinen m einen Sack binden und in den Teich karren läßt.

Solcherlei Späße, die das Grausliche streifen, gibt es hier mehrere. Sie bleiben aber in der Sphäre des Komisch-Nuß- knackermätzigen, Menschenfresserlichen, in der Mord und Tot­schlag nicht Ernst wird, sondern nur em voruberhuschender Traum ist. Geijerstam, der natürlich „im kindischen Spiel tieferen Sinn" suchte, wollte vermutlich hier zeigen, daß ein

Kind Gottes, -das, unbewußt „im Stand der Unschuld" ist, alles tun und begehen kann, voller Unbefangenheit . und _ ohne Schaden zu nehmen an seiner Seele. Also die Philosophie des jenseits van Gut und Böse aus Zarathustrahöhen rn eine Klein-Mchtelwelt übersetzt. , m •

Das gelang nun weder klar noch überzeugend. Am besten kam das Genrehafte, Buntbilderbogenhafte. Schnurrig-Un­wirkliche. heraus. Die Darstellung betonte dies auch mit wirk­samen Mitteln. Und das Publikum hielt sich daran, nahm den Sinn nicht zu schwer und genoß die Erscheinung.

H.

Alke Possen.

Unsere Bühnen versuchen es jetzt, wie ich schon gestern bei Besprechung des Geijerstamschen Märchens andeutete, mit der „Entrückung", mit Eimullen, Vergessonmachenwollen (tvenig- stens' fiir Stunden), mit dem heiteren Schein der Unwirk­lichkeit. , „ ,

Einen schöpferischen Griff tat Max Reinhardt, als er m den Kammerspielen unter jubelndem Beifall Kotzebues „D e u t s ch e Kleinstädter" tanzen ließ.

Wie soll man diese Wirkung nennen? Ich finde kein an­deres Wort als quietschvergnügt. Der Witz der Aufführung lag darin, daß die drei komischen Alten, Muhmen und Klatsch­basen von drei Schauspielerinnen gegeben wurden, die nicht nur die hübschesten des Theaters, sondern vor allem zur Ge­stalterin tragischer Geschicke berufen sind. Else Heims, Lucie Höflich, Leopoldine Konstantin. Das bleibt das Lebensfrische an Reinhardt, daß es bei ihm nicht Schema noch Kategorie gibt/ daß er als Regisseur wahrhaft ein großer Menschenspieler ist, der mit sicherer Hand aus seinen Geschöpfen immer wieder neue überraschende Maskenzüge herausholt.

Erschütternd war dies Terzett: Else Heims, die Frau Untersteuer-Einnehmerin in Pcnse-Reifrock und Haube, mit der Stahlbrille auf der leicht angeröteten spitzen Rase, rmt der ewigen Kaffeemühle und dem Wort-Wasserfall, der sich nimmer erschöpft und leert; Leopoldine Konstantin, die Frau Oberfloß- und Kischmeisterin, die „Lange, Stfü**"- va» kait

Dienstag, 3. No vember 1914. _ Nr. 514.

Bundesgenossen aus Konstantinopel amtlich vorbereitet wird und „Reuter" noch gleichzeitig aus Petersburg -und London mitteilt, -die Kriegstätigkeit d-er turkrjchen Flotte sei von deren deutschen Offizieren begonnen ohne Befehl der türkischen Regierung. In Kon- stantinopel habe man nichts -davon gewußt. Man sm peinlich überrascht. „Reuter" deutet sogar an, daß man immer noch darauf hoffe, daß die türkische Regie­rung zur Einsicht kommen wirb. Die jedenfalls in der ersten Aufregung verfaßte Note Greys rnachte in hrest- gen politischen Kreisen einen überaus klaglrchen Eindruck, da aus fader Zeile die unverhohlene A n -g st hervorleuchtet.

England und daS Schicksal Ägyptens.

W- T.-B- London, 2. Nov. (Nichtamtlich.) „Morning- post" schreibt: Lord Kitchener hat zweifellos Vorberei­

tungen zur Verteidigung Ägyptens getroffen und kann eine beträchtliche Streitmacht nach Ägypten verlegen. Sobald die Türkei England bekriegt, fallen die Verträge und Verein, barungen weg, die den Stand Ägyptens zwischen England und der Türkei regeln. Die britische Regierung werde die bisher als türkische anerkannte Suzeränität über­nehmen.' Der bisher an die Türkei für Ägypten nnd Cypern gezahlte Tribut würde wegfallen. Die Aufgabe der britischen Regierung sei bereits die schwerste, die je einer Regierung dieses Landes zufiel, daher legt die Haltung der Türkei England und den Kolonien, sowie Indien die Not­wendigkeit zu neuen Anstrengungen auf. Rußlands Verbün­dete können nicht im Frieden mit der Türkei bleiben, während sie Rußland bekriegt. Man darf annehmen, daß die britische Regierung gemeinsam mit Frankreich und Rußland das Zusammenwirken gesichert hat.

Die Abreise des türkischen Botschafters in London.

W- T.-B- London, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Der türkische Botschafter hat Sir Edward Grey einen Abschiedsbesuch ge­macht. Er reist morgen ab.

Die angebliche Aufnabme der Nachricht in Britisch-Jndie«.

Von der holländischen Grenze, 2. Nov. Reuter meldet aus Simla vom 1. November: Die Nachricht über das Auftreten der Türkei und die türkischen Feindseligkeiten ist heute in ganz Britisch-Jndien bekannt gegeben worden, nnd zwar in der Form eine" ruhig gehaltenen Mitteilung des Vizekönigs, worin dieser evMrt, er bedaure, daß chauvinistische Elemente den Versuch machen, die Türkei in einen Krieg mit England .hinelnzuziehen. zum Vorteil Deutschlands und Österreich- Ungarns, die jahrhundertelang die F e i n d e der türkischen Nation gewesen seien. Es wird einige Zeit verfließen, sag» die Meldung weiter, ehe man erfährt, wie die Bevölkerung in den weit abgelegenen Teilen Indiens diese Mitteilung des Vizekönigs aufnimmt. Die tonangebenden Leiter der moham­medanischen Gemeinden halten Versammlungen ab, um Eng­land zu stützen. Reuter fähri fort: Noch ehe diese Er­

klärung des Vizekönigs erschien, ist in den Moscheen in allen Teilen Indiens für den Sieg der englischen Waffen gebetet worden, und in ihren Predigten haben die Mullahs die Türkei ermahnt, entweder neutral zu bleiben oder sich auf die Seite der Verbündeten zu stellen.

Die Schwierigkeiten in Algier.

W- T B. Amsterdam, 2. Nov. „Handelsblad" meldet, auch der Madrider „Jmparcial" vernehme, daß in Algier ziemlich ernste Schwierigkeiten entstanden zu sein scheinen. An verschiedenen Orten soll sich die Bevölkerung dem Beschluß der Regierung, daß alle Männer vom 17. bis zum 45. Lebens­jahr dienstpflichtig sein sollen, widersetzt haben. Gen­darmen sollen getötet worden sein, worauf fianzösische Artillerie' und Kavallerie den Zusammenrottungen ein Ende gemacht hatten. (Vermutlich handelt es sich bei dieser Mel­dung uni dieselben Vorgänge, von denen schon vor zwei Tagen die Rede war.)

Ärger und Verlegenheit in Paris.

Genf, 2. Nov. Pariser Blätter machen Stimmung -dafür, daß -die Entente-Mächte gnädig mit der Türkei ins Gericht gehen, weil ein Einlenken noch möglich -wäre. Der Eingriff sei lediglich durch deutsche Offiziere verschuldet, um die Türkei in den Krieg hineinzutreiben. Zugleich arbeitet die Diplomatie fieberhaft, damit ein neuer Balkanbund entstehe unter der Führung Italiens, währeiid Bulgarien eine Entschädigung bekäme.

Zum 70. Geburtstag des Sultans.

Der Sultan vollendete heute fein 70. Lebensjahr. Muhammed Reschad Chan V. ist am 3. No-

giftiger Häßlichkeit schottischkariert, die ihre „Spinösigkeiten" durch schwarze Zahnlücken zieht; Lucie Höflich, ine Frau Akzisekassaschreiberin Morgenrot, empfindsam fett, mit Waberbusen, aus dem sie zum Ziiherklang des Spinats eine steiner-weich-ende Koloratur-Schmacht-Arie steigen ließ. Die drei um den Rundtisch mit bauchig, geblümter Kaffeekanne und eigengebackenem eingestippten Napfkuchen, und dazu die drei Männerschönheiten. Der Herr Bürgermeister auch Ober­ältester (Georg Baselt), der Tyrann von Krähwinkel, kurz­beinig, dicklich, aber voll Vehemenz in die Lüfte gehend, wie ein Chcnnp'agnerpfropsen. Der Herr Bau-, Berg- und Wege- inspektors-SuLstitut Sperling (Hans Waßmann), der lhvik- geladene semmelblonde Sonnenstrahl in blauen Hosen mit dem allzeit gezückten Carmen im Gewände; und nicht znm mindesten der Herr Vize-Kirchenvorsteher, Gewürzkrämer und Leihbibliothekarius Staar (Paul Biensfeld), gelbleberfarben, im kaffeebraunen Frack, mißmänlig und essigsauer. Mit einer Totengräbermiene — nnd daS ist erschütternd komisch sagt er zu seinen Lieben ermunternd: „immer heiter, immer

heiter", und nach der Mahlzeit stimmt er salbungsvoll, iw Kirchenton, fa-en Berbauungskanlus an: „Man knöpft sich dann die Weste auf und freut sich an dem Lebenslauf". . Zu solchen komischen Wirkungen aus seßhafter Ruhesituation, kamen steigernd verblüffende Exzentriks eines zappelnden, strudeln­den, holterdiepolter stolpernden Durcheinanders. Hier tobt sich diese Regie aus und läßt nun wirklich die lebendigen Mimen wie die Puppen tanzen.

In atemstockendem Tempo kreischt's, fiiegt's, wirbelt 3 quer über die Szene; man denkt manchesmal an explosiv Zeichnungen von Wilhelni Busch, wo es auch prasselt und stiebt, und man die Beine nicht mehr auseinanderkennt.

Nnwiderstehlich war so das Scherzo der Jagd auf die ve^ lorengegangene Bürgermeisterbrille, mit dem gleich einem Ulkkanon ahgestimnlten Geschrei, und dazu als Gegensatz' Wirkung dieser aufgeregt-brodelnden Konfusion die schernung der tranflötigen Magd, die die Worte kaut und iw Stehen schläft —, der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht. Unwiderstehlich auch das Quodlibet j-ener von de«»