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„Tagblalt-Hans" Nr. 6650-53.
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vieuZlag, 3- Novsmbsv W14.
Kbenö-Ausgabe.
Nr. 514. - 62. Jahrgang.
Die Kämpfe an der Hser-Linis.
W- T.-B. Berlin, 2. Nov. An der Dser-Linie ist nach übereinstimmenden Meldungen der Blätter am letzten Oktober und am 1. November auf der ganzen Front ohne Unterlag gekämpft worden. Obschon die Angriffe der Deutschen durch die durch die Öffnung der Schleusen herbergesuhrten Überschwemmungen erschwert wurden, dringen die Deutschen mit Todesverachtung vor und gewinnen ständig an Raum. Augenzeugen berichten, daß der Mut der Deutsch eit ungebrochen sei, und daß die Deutschen alle Hindernisse durch die hochentwickelte Technik ihrer Kriegführung zu überwinden verständen. Längs der Küste gelang es ihnen, viele belgische Soldaten, die in Zivilkleidung fliehen wollten, gefangen zu nehmen.
Grosze deutsche Verstärkungen.
w. T-B. Berlin, 2. Not). Der „Deutschen Tageszeitung" wird berichtet, daß Leute, die von der belgischen Grenze kamen, große deutsche Verstärkungen wahrgenommen haben, die in der Richtung Zeebrügge marschierten. — Eni.Mitarbeiter des „Berner Bund" äußert, es sei zweifelhaft, wte lange die französische Front noch de,n deutschen Druck wider- stehen könne. — Nach dem „Sortiere della Sera" schreitet die Überschwemmung langsam fort und zwingt die Deutjchen, ihre Angriffe weiter südöstlich zu verlegen.
- kln der vser immer noch keine Entscheidung.
hd. London, 3. Nov. Die „Times" berichten aus Amsterdam: An der Dscr liegt immer noch keine Entscheidung
vor. Das Zurückgehen des deutschen Heeres, von dem man sprach, ist n o ch n i ch t e r f v l g t. Im Gegenteil sind neue Truppen zur Front abgegaugcn.
hd. Rotterdam, 3. Nov. Die Nachricht der „Times", daß die Verbündeten sich Ostende näherten, findet i c i rt e n Glauben. Zeitweilig rücken die Verbündeten wohl einige Meilen vor, aber es sind keine Anzeichen dafür vorhanden, daß die Deutschen sich zurückziehen. Wenn die Deutschen angeblich schwere Verluste haben, so gilt das gleiche auch von den Verbündeten. Die „Times selbst bringen eine Verlustliste vom 26./27. Oktober, dre 46 Gefallene und 56 Verwundete sowie 6 vermißte Offiziere angibt.
Ein schweizerisches Urteil über die Lage,
Zürich, 2. Nov.. Der militärische Mitarbeiter des „Bund" beurteilt heute die Lage in Frankreich wie folgt: „Aus allem gebt hervor, daß die Deutschen mit einer starken Armee aus östlicher Richtung auf N i e u p o r t - D i x m u r d e n und einer zweiten aus dem Raume Lille über Menmn-Ypern Vorgehen. Schwächere Kräfte bilden die Verbindung über Roulers und sind nun von den Verbündeten bei Haschen- daele festgehalten worden. Es ist klar, daß diese &er* Pressung der belgisch-französischen Stellung östlich Dpern für die Verbündeten selbst am gefährlichsten ist. dl-» bezeichnend für die Technik der französischen Meldungen nennt der militärische Fachmann, daß die Franzosen die Einnahme von Ouesnohen Santerre berichteten, denn daraus gehe hervor, daß ihr linker Flügel zwischen Lasstgny und Albert früher weiter zurückgedrängt worden sei, als ste j e zugegeben haben. Er fahrt fort: „Wichtig ist der s ^or) oß
der Deutschen nördlich der AiSne zwischen Sorssons und Berry au Bac, der die Franzosen um den- Besitz ihres Stutz- Punktes V a i l l y am Nordufer der Aisne gebracht hat. Dadurch werden auch ihre Stellungen weiter östlich am Plateau von Craonne gefährdet." Die Nordfront von Verdun unterliege offenbar bereits stärkerem Druck, und die Bewegungsfreiheit der Garnison habe auch nach Westen und Südolten schon starke Einbuße erlitten. Znsammenfaßend urteilt der militärische Fachmann: „Im ganzen scheint die
französische Front heute eine Anzahl empfindlicher Punkte aufzuweisen, und es ist zweifelhaft, wie lange sie noch dem allgemeinen Drucke widerstehen kann. Nur Glücksfälle können den Verbündeten noch Erfolge sichern, welche ihnen gestatteil würden, die Initiative wieder an sich zu reißen."
Ein neues französisches Heer!?
WaS Joffrc dem König Albert zu verspreckfen wagt.
Ar. Rom, 3. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Korrespondent des „Corriere della Sera" in Dünkirchen meldet, daß in der ganzen dortigen Gegend ungeheuerer Zugverkehr herrsche. Die französische Armee habe mit größter Schnelligkeit ein neues schlagfertiges Heer aus der ^ rde gestamPst.
Zwischen General Joffrc und dem König Albert fand dieser Tage eine Begegnung statt, worüber der Korrespondent von einem Gcneralstabsoffizier erfährt: Der König
batte geschworen, Belgien ii i ch t zu verlassen, solange "och ei,, Quadratmeter Boden noch vom Feinde frei sei, auch wenn dieser Raum von f e i n d l i ch e r A r t i l - lerie beschossen werde. Joffre sagte zum Komg: garantiere Eurer Majestät, daß in Erwartung ihres End- Triumphes die Verbündeten Heere den vom Feinde noch freien Teil ihres Bodens.nicht berühren lassen werden. — Die Seele der neuen Armee, von dem die Franzosen so große Dinge erwarten, ist General Pan.
3» neue französische Generale.
Br. Kopenhagen, 3. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) "Journal Officiel"" in Paris veröffentlicht die Ernennung
von 30 neuen Generalen. Die Erriennuiigen waren dadurch notwendig geworden, daß viele Generale gefallen oder in Gefangenschaft geraten waren oder wegen ihres Alters und körperlichen Gebrechen aus dem aktiven Dienst ausscheiden mußten.
Der letzte Mann in der Front.
W. T.-B. Paris, 3. Nov. (Agence Havas.) Der Kriegs- minister hat verfügt, daß alle Leute des bewaffneten Dienstes, die in den der Armee angegliederten Dienstzweigen oder zu solchen abkommandiert sind, unverzüglich wieder in ihre Truppenverbände eingestellt werden sollen.
Die beabsichtigte Rückkehr der französischen Regierung.
W. T.-B. Mailand, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Nach einem Pariser Telegramm des „Corriere della Sera" hat die französische Regierung den Zeitpunkt ihrer Rückkehr nach Paris aus den 2 0. November festgesetzt. Die Kammer wird ungefähr am 15. Dezember zu einer kurzen Reihe von Sitzungen zusammentreten. Einen Monat vorher wird sich die Bilanzkommission zur Beratung von Finanzprojekten vereinigen.
Die Nervosität in Paris.
Bon der Schweizer Grenze, 2. Nov. (Meldung der „Frankftr. Ztg.".) Die französische Presse wird durch das Herannahen der Entscheidung in dem langen Kampf im Norden und Osten in eine fühlbare Erregung versetzt. Das Vertrauen auf den eigenen Sieg, das rioch vor wenigen Tagen fest begründet erschien, hat einer nervösen Hoffnung aus die baldige Erschöpfung des Gegners Platz gemacht. Die militärischen Mitarbeiter der Zeitungen halten eS sogar für richtig, die Deutschen auf die Fehler ihres Feldzngsplaites aufmerksam zu machen. General Berthaud kritisiert im „Petit Journal" und Oberstleutnant Rousset im „Petit Parisien", daß die deutsche Armee unter allen Umständen die Beherrschung dcs K a n a l s an- srrebe, um England direkt angreifen zu können, was aber nicht gelingen werde, selbst wenn die Deutschen bis Dünkirchen und Calais Vordringen würden. Der „Figaro" jammert unter den üblichen rohen Schimpfereien auf den deutschen Kaiser, über die große Menge von Opfern, welche die Schlacht im Norden den Deutschen verursache, denn er darf über die Größe der französischen Opfer natürlich überhaupt nicht reden.
8000 Verwundete in Calais.
Berlin, 2. Nov. Die „Vossische Zeitung" meldet aus Kopenhagen: Nach Mitteilungen aus London lägen augen
blicklich in Calais 6000 Verwundete, für welche Betten und Krankenpfleger aus England erbeten werden mußten. Bisher sind 200 Betten angekommen.
Der HelLsnkampf um Tsinatau.
hd. Mailand, 3. No». Die „Agenzia Stefani" meldet aus Tokio: Die Beschießung von Tsingtau dauert fort. Die Forts antworten noch hartnäckig auf die Angriffe zu Wasser und zu Lande.
Eine frühere japanische Meldung steht mit dieser .tu Widerspruch; sie lautet:
Tokio, 2. Nov. Das Marineministerium teilt mit, die Beschießung Tsingtaus zu Wasser und zu Land dauere an. Die Forts seien, größtenteils zum Schweigen gebracht, nur zwei erwidern energisch die Beschießung. Infolge der Explosion eines Petroleumbehälters sei ein Brand beim Hafen entstanden. Die Festung Siaosch au sch au brenne.
Die Vernichtung der „Hermes" dsuikchamtUch bestätigt.
W. T.-B. Berlin, 2. Nov. (Amtlich.) Die nichtamtliche Meldung über die am 31. Oktober erfolgte Vernichtung des englischen Kreuzers „Hermes" durch ein deutsches Unterseeboot wird hierinit anttlich bestätigt. Das Unterseeboot' ist wohlbehaltn zurückgekehrt.
Der stellvertretende Chef des Admiralstabs: Behncke.
Österreichische Pressekiußerimgen zur neuen deutschen Unterseebootsheldentat.
W. T.-B. Wien, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Die Blätter beben die Bedeutung des Umstandes hervor, daß es den deutschen Unterseebooten gelungen ist, bis in den Ärmelkanal porzudringen und dort ein englisches Schiff zum Sinken zu bringen. Die „Reichspost" sagt: Der Verlust des alten Kreuzers „Hermes" mag immerhin ahne größere militärische Bedeutung sein, wie das britische Publikum vertröstet wird; wohl aber ist es von großer militärischer Beden- t u n g , daß die gefürchteten deutschen Unterseeboote auch schon den Ärmelkanal der Briten sperren und den Truppen- und Kriegsmnterialtransport zu unterbinden drohen. Vielleicht nicht der Verlust des Kreuzers, wohl aber der Schauplatz der Katastrophe dürfte in England die schmerzlichsten Empfindungen auslösen. — Die „Neu e Freie Presse" betont, daß die „Hermes" als Mutterschiff für Luftfahrzeuge Mt gebaut war. Wenn auch zweifellos der Umbau eines anderen Schiffes für die Zwecke der Luftschiffahrt in absehbarer Zeit beendet sein kann, ist doch in einem Augenblick, tvo c§ sich wegen der Entscheidung in Belgien um Tage handeln kann, die Vernichtung der „Hermes" von großer Bedeutung.
Eine norwegische Anerkennung.
Christiania, 2. Nov. „Tidens Tegn" schreibt Heute zum neuen Erfolg der deutschen Unterseeboote: Selbst wenn der Kampfwert des englischen Schiffs' nicht besonders groß war,
wird doch der Verlust deZ Kreuzers einen starken moralischen Eindruck machen, nicht zum wenigsten, weil er m i t t e n im K a n a l in Grund geschossen wurde, wo die britische Seemacht aus Rücksicht aus die Truppentransporte von England nach Frankreich besonders stark vertreten ist, und wo die Engländer zum Schutz gegen Angriffe durch feindliche Schiffe neulich einen Minengürtel anslegen ließen, der den Kanal für die Schiffahrt sperrte. Das deutsche Unterseeboot, das den „Hermes" in Grund gebohrt hat, ist also ungehindert an diesem Minengürtel vorbeigesahren. Dieser Umstand wird sicher dazu beitragen, den Eindruck des Ereignisses in England zu verstärken, wo man im voraus so viele Beweise dafür erhalten hat, welche gefährliche Waffe die Deutschen in ihren Unterseebooten besitzen. *
Die Kaiserin int Hilfslazarett in einem sozialdemokratischen Gewerkschaftshaus.
Br. Königsberg i. Pr., 3. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Kaiserin besuchte vormittags das Hilfslazarett im sozialdemokratische» Gewerkschaftshans.
W- T.-B. Berlin, 3. Nov. (Nichtamtlich.) Die Kaiserin ist heute morgen hiek wieder eingetroffen.
Eilt neues schönes Kaiserwort.
Einem übersandten Briefe eines Düsseldorfer Kriegsteilnehmers voin 4. Oktober 1914 von der Westfront entstammt folgende Stelle: Heute ist Sonntag mit Feld-
g o t t e s d i e n ft, an dem ich auch das Glück hatte, teilnehmen zu können. Seit langer Zeit sah man hier zum ersten Male wieder einett Priester im Meßgelvande. Es macht jedem von uns einen erhebenden Eindruck, mitten im Felde und dann so kurz vor dem Feinde einer deutschen Messe beiwohnen zu können. Lautlose Stille, überall ernste, sehr ernste Gesichter. Der Geistliche, der die bl. Messe las, war schon in diesem Kriege in französische Gefangenschaft geraten. Nach der Entlassung hatte er eine Audienz beim Kaiser. In seiner Predigt erwähnte er, der Kaiser habe ihn entlassen mit den Worten: „Grüßen Sie m e i n e Kameraden
dort oben im Felde und sagen Sie ihnen, sie m ächten auf Gott vertrauen, dann wird er uns schon bald siegreich zurück! ehren lassen." Hoffentlich geht dieses schöne Kaiserwort recht bald in Erfüllung.
Ein Dankbrirf deS Prinzen Joachim.
Der Feldwebel H e l m o I d aus Northeim, der dem am 9. September verwundeten Prinzen Joachim mitten im Gefecht die erste Hilfe hatte zuteil werden lassen, erhielt von dem Prinzen folgendes Dankschreiben:
„Mein lieber Feldwebel!
Sie werden mich schon lange für undankbar gehalten haben, Ihnen nicht früher für Ihre freundliche Hilfe gedankt zu haben. Ich hätte es schon längst getan, wenit ich nicht noch durch den Abtransport nach Berlin in Anspruch genommen gewesen wäre. Heute nun las mir Ihre Majestät Ihren treuen Brief vor, durch tvelchen Sie mir und Ihrer Majestät eine große Freude bereitet haben. Wie Sie damals mit Ihrer Kompagnie ivieder voreilten, fand ich nicht so schnell Gelegenheit, Ihnen für Ihre treue Hilfe zu danken. Vergessen werde ich es Ihnen niemals. Das war echte Kriegskameradschaft. Hoffentlich sind Sie noch gesund, wenn mein Brief Sie erreicht. Hat nun der arme Gefreite Ewe sein Verbandpäckchen ersetzt bekommen? Ich habe mir Vorwürfe gemacht, ihm dasselbe geraubt zu haben. Und nun leben Sie wohl, grüßen Sie alle die lieben 83er, meine Kasseler Freunde, und sagen Sie ihnen, ich k ä m e bald wieder, w enn ich laufen könnte. Ihr dankbarer Kriegskamerad
Joachim, Prinz von Preuße n."
Inzwischen hat sich bekanntlich der Prinz wieder zur Front begeben.
meralstabschef Moltke in Erholungsurlaub. ’
W. T.-B- Berlin, 2. Nov. Der Chef des Generalstabcs Feldheeres, Generaloberst v. M o l t k e, über dessen Erkling' kürzlich berichtet worden ist, bedarf zu seiner gen Wiederherstellung eines Erholungsurlaubs. Kaiser hat ihm zu diesem Zweck sein Schloß in Hom- ca zur Verfügung gestellt. Generaloberst v. Moltke hat mit 1. November dorthin begeben. Seine Vertretung ver- it wie bisher in den Händen des Kriegsministers, Gcneral- nants v. Falkenhayn. — Zu dieser Meldung bemerk „Kreuzztg.": Es handelt sich um einen Rückfall d--
>enS, das den General schon wiederholt zum Besuch lsbad veranlaßte. Wir wünschen chm von H^sen ige Genesung, damit er sich von neuem derSaifer n Aufgabe zu widmen vermag, vor die 1 1 s
Die lieben Bundesgenossen unter sich- V. T.-B. Berlin, 3. Nov SB« «a Karlsruhe gemeldet
entstanden inl Gefangenlager: vm 2 Diese
Engländern und S/anzpsen gege> s « bic Komman-
en emen 1° ernsten Charakwp an, ^
ir sich genötigt sah, oie Engw tscheu Festung transportieren zu raye
' ■ • tz-rzoqS von Sachsen-Koburg-Gotha.
Feldpost Der'Herzog hat an den Staatsral
koburg, . - gerichtet: Vielen, herz-
fe aus der Heimat ist so wohltuend. Jetzt in wir endlich von • • ■ weg, wo das Regiment sett 14 t im Schützengraben lag. Sie hatten es ganz be-
