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Verlag Langgasse 21

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Dienstag, 3. November 1914. Hr ° 515 ‘ * 62. Jahrgang.

NM im ro BBBBresiEsgapgseigsczw w^^

Der Vormarsch der Türken gegen Aegypten.

Br. Athen, 2. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus Mhthilenc wird gedrahtet, daß 15 0 0 0 T ü r k e n bereits auf ägyptischem Boden stehen. Die gcgcn Rnst- land gestellte Hccresmacht der Türkei wird ans 600 000 Mann geschätzt.

Ein Beduineneinfall in Aegypten.

W. T.-B. Konstantinopcl, 2. Nov. (Nichtamtlich) Durch das „Rcutcrsche Bureau" wird gemeldet, das? 20 00 bewaff­nete Beduinen in Ägypten eingefallen seien.

Oer Heilige Nrieg.

tut. Konstaittinopol, 2. Nov. Der Scheik-Ül-Jslam, das geistliche Oberhaupt der Mohammedaner, hat auch außerhalb der Türkei eine Proklamation des Kalifen an alle Moslems bekanntgegeben, in der alle Gläubigen zur Verteidigung des Kalifats aufgerufen werden.

Der Ausbruch des Engländerhasses in Aegypten unvermeidlich.

Br. Rom, 2. Nov. (Eia. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ein aus Ägypten zurückgekehrter Schriftleiter des „Matino" gibt seinem Blatte eine überaus düstere Darstellung der dortigen Lage. Hiernach wäre ein furchtbarer Anspruch des Engländcrhasses in Ägypten nicht zu vermeiden. Besonders die Küsten­gebiete des Noten Meeres feien für den Ausstand völlig reif. Auch die von den Engländern selbst seinerzeit mit Waffen und Munition versehene Sekte der S e n u s s i sei im Einverständnis. Das Bedenkliche sei aber, das, die nach Ägypten geschickten Hindu- tru p p en sich mit den Arabern zu verbrüdern be­ginnen.

Zuversichtliche Stimmung in der Türkei.

Br. Konstantinopcl, 2. Nov. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. Bln.) Der englische und der französische Botschafter sind, wie ange- kündigt, gestern abend abgereist. Auch der serbische Gesandte N e n a s o w i c z hat jetzt seine Pässe gefordert und reist heute ab. Obwohl die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Dreiverband und der Türkei abgebrochen sind, ist eine förm­liche Kriegserklärung bisher von keiner Seite erfolgt. Für 'die Türkei ist der Schwarzemeer-Zwischenfall damit erledigt, da die türkische Überlegenheit erwiesen ist. Die weiteren russischen Schritte iverden hier mit Zuversicht er­wartet. Aus allen Teilen der Türkei, namentlich aus den kleinasiatischen Provinzen, treffen Kundgebungen ein, die die Sympathie der Bevölkerung zum Ausdruck bringen., Nach einer offiziösen Mitteilung des „Tanin" Hai die türkische Flotte seit dem .gemeldeten Zwischenfall im Schwarzen Meer nichts weiter unternommen. „Unsere Flotte", so schreibt das Blatt, „hat der drohenden Gefahr gegenüber die notwendigen Maßregeln ergriffen und die Aktion zu Ende geführt, die dieser Gefahr entsprach. Sie hat jetzt in ^Er­wartung der weiteren Ereignisse ihre Tätigkeit eingestellt."

Dis Beteiligung der Türkei am Kriege eine Lebensfrage.

W.T.-B. Konstantinopel, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Das Blatt „Terdschuman-i-HaHidat" gibt der Meinung Ausdruck, daß die Zwischenfälle im Schwarzen Meere, sich notwendigerweise ereignen mußten und daß es unmöglich gewesen sei, sie zu vermeiden, denn es wäre ebenso schwierig gewesen, die Neutralität effektiv zu be­obachten, ivie am Kriege teilzunchnren. Das Blatt hebt hervor, daß England durch die Beschlagnahme der ottonranischen Dreadnoughts die russischen Pläne bezüglich einer Landung an den Küsten des schwarzen Meeres begünstigen wollte. Der Ankarts der Krregs- schisfe „Sultan Selim" und „Midrllr" habe diese Pläne zu nichts gemacht, denn er habe der Tür­kei Gleichheit, ja sogar Überlegenheit im Schwar­zen Meere gesichert. Die Türkei konnte auf diese Weise, ohne Rußland fürchten zu müssen, ihre Mobilisierung vollenden. Nach Aufzählung der Gebietsverluste, welche die Türkei seit 200 Jahren durch die Wirksamkeit der Mächte der Tripel-Entente erlitten habe, fordert das Blatt die Ottomanen auf. mit G o t t v e r t r a u e n ihre Pflicht zu erfüllen. Die Türkei stehe vor der Frage bon Leben oder Tod.

Znm englischen Angriff auf türkische Schiffe.

hd. Konstantinopcl, 2. Nov. Bei dem bereits gemeldeten Angriff der Engländer handelt es sich nach den jetzt vorliegen­den Meldungen um zwei türkische Schiffe, um den Han- delsdampfer „Kinali" und um die Jacht „Beirut". Da der Hafen von Smyrna geschlossen ist, lagen beide Schisf- a»f der Reede von Urla, wo sie dann von zwei englischen Torpedobootszerstörern zur Übergabe ausgefordert wurden. Apch das zweite Schiff beantwortete die Aufforderung damit, daß es sich in die Lust sprengte. Die Mannschaft des Schiffes vinnte sich gleichfalls retten.

Ein russischer Dampfer von den Türken beschlagnahmt.

W. T-B. Konstantinopcl, 31. Olt., 10 Uh- abends. Nichtamtlich.) Dre Hafenbehörden beschlagnahmten den

Dampfer „Koraljewa Olga" von der russischen Schiffahrts­gesellschaft. Man setzte die ottomanische Flagge und hat be­reits ottomanische Bemannung installiert.

Das Ende einer französischen Zeitung in Konstantinopcl.

W. T-B. Konstantinopcl, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Das Organ der französischen Botschaft erscheint seil gestern nicht mehr und, wie es heißt, wird es sein Erscheinen wirklich ein- stellen.

Türkenfreundliche Kundgebungen in Wien.

W. T.-B. Wien, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Am Sonntag­abend fanden Synipathiekundgebungen für die Türkei statt. Eine tausendköpfige Menschenmenge zog unter Entfaltung eines mächtigen türkischen Banners sowie österreichischer und deutscher Fahnen vor die türkische Botschaft, wo sic in stürmische Hochrufe auf die Türkei ausbrach. Als sich der Botschaftssekretär der begeisterten Menge zeigte, hielt ein Teilnehmer eine Ansprache, welche der Botschaftssekretär in deutscher Sprache beantwortete. Stürmische Hochrufe auf die Türkei, die Befreiung Ägyptens und auf die Verbün­deten folgten den Worten des türkischen Diplomaten. Die Menge stimmte hierauf die österreichische Volkshymne und die „Wacht am Rhein" an und setzte sich unter Abstngung patrio­tischer Lieder unter immer wieder sich erneuernden Hochrufen auf die Türkei und die türkische Armee wieder in Bewegung. Ein Tei! zog über die Ringstraße vor das Kriegsministorium, wo es zu neuerlichen patriotischen Kundgebungen kam.

Eine Kundgebung zugunsten Deutschlands und Österreichs in Jaffa..

Br. Jaffa, 2. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. BIr.) Hier hat gestern eine große Kundgebung zugunsten Deutschlands und Österreich-Ungarns sowohl in der Stadt Jaffa als. in der deutschen Kolonie stattgesunden. Alle Vertreter der türkischen Behörden und auch der deutsche Konsul war dabei zugegen.

Englandfeindlichc Kundgebungen in Damaskus.

W- T.-B. Kopenhagen, 81. Okt. (Nichtamtlich.) „Natio.. nal Tidende" bringt ein Telegramm aus Athen, daß in Damaskus antibritische Kundgebungen stattgefunden haben. Die allgemeine Stimmung sei dort dem Kriege günstig. Die Äbsendung syrischer Truppen nach der ägyptischen Grenze hat aufgehört, aber große.Scharen Beduinen werden zusammengezogen.

Ein Empfang beim türkischen Konsul in Bremen.

W. T.-B- Bremen. 1. Nov. (Nichtamtlich.) Aus Anlaß des Eingreifens der Türkei in den europäischen Krieg fand heute mittag 1 Uhr bei dem türkischen Konsul in Bremen, Herrn El seid t, ein Empfang statt, dem Vertreter und Mitglieder des Senats, Vertreter bremischer Behörden, des Reiches und der Militärbehörden, der österreichische Konsul, die Konsuln Preußens und der übrigen Bundesstaaten sowie Vertreter von Handel und Industrie Bremens beiwohnten. Vor dem türkischen Konsulat spielte eine Musikkapelle. Bei diesem Empfang kam die allseitig- Sympathie für den türki­schen Freund zum Ausdruck sowie die freudige Genugtuung über die bereits erzielten Waffenerfolge der Türkei.

Ein Ulageruf des Londoner Auswärtigen . Amtes.

Br. Zürich, 2. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der britische Generalkonsul teilt, der „N. Zürcher Zig." einen Bericht des Londoner Auswärtigen Amtes mit, wonach die Tripelentente der Türkei als Kompensation für strikte Neu­tralität v o l l e Unabhängigkeit zugesichcrt hat. Zum Danke dafür habe die Türkei die Neutralität fortgesetzt gebrochen und mutwillig russische Städte im Schwarzen Meer angegriffen. Die Anwesenheit der „Goeben" und „Breslau" bilde eine ständige Gefahr der Engländer. Statt die deutschen Mannschaften zu entfernen, habe die In­vasion der deutschen Offiziere in Konstantinapel zu- oenommen und der Zwang auf die Minister des Sultans wäre immer stärker geworden. Dann heißt es in der Erklärung weiter, die Botschafter Deutschlands und Österreichs, gestützt auf die Milirärgruppe, haben die Vorbereitungen für den Krieg und die hierzu notwendigen freigebigen Bestechungen immer weiter fortgesetzt. Das Kriegsministerium habe jedenfalls Streitkräfte gegen Ägypten mobil gemacht nnd ununterbrochen Truppen von Damaskus gegen die ägyptische Grenze entsandt. Ein Angriff auf den Suezkanal ist vorbereitet. Große Beduinenmassen sind ausgehoben und be­waffnet und einige von ihnen haben die Sinaigrenze bereits überschritten. ES sind Minen verteilt worden, um im Golf von Akaba ausgestreut zu werden. Der berüchtigte Scheck Aziz Schawisl hat einen hetzerischen Ausruf in Syrien und wahrscheinlich auch in Indien verbreitet. Er ruft die Mohammedaner zum Kampf gegen Groß­britannien auf. Keine deutschen Intrigen können die Loyalität der Mohammedaner des britischen Reiches in Stärke von 70 Millionen in Indien beeinflussen. Diese Mohammedaner sehen mit Erbitterung den fremden deutschen Einfluß und die Verwirrung, in Konstantinopel zunchmen. Diese Mohammedaner sehen, ioie die Türkei ihre eigene Existenz gefährdet nnd die mannigfachen Dienste Groß­britanniens mit Undank belohnt. Dieser Verfall ihrer ottomanischcn Glaubensgenossen ruft bei ihnen Erbitterung wach, zumal sie sehen, daß dieser deutsche Einfluß gegen den Willen der Volksmehrheit um sich greift.

Abreise des türkischen Botschafters in Petersburg

lick. Christiania, 2. Nov. Aus Petersburg wird telegra­phiert: Auch dem türkischen Botschafter sind heute die Pässb zugcstcllt wordene

Zur Abreise der Botschafter der verbündeten.

W. T.-B. Saloniki, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Der fran­zösische und der englische Botschafter sind gestern mit dem Personal ihrer Botschaften im Sonderzug hier eingetroffen. Sie reisen nach Italien weiter. Ein englisches Kriegsschiff ist hier in den Hafen eingelaufen.

W- T.-B. Bukarest, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Der rus­sische Botschafter in Konstantinopel, v. G i e r S, ist mit dem Personal der Botschaft und einer großen Zahl russischer Staatsangehöriger im Sonderzug hier eingetroffen.

Die ruhige Haltung des türkischen Publikums.

W. T.-B. Konstantinopcl, 2. Nov. (Nichtamtlich) Man bewundert allgemein die Haltung des türkischen Publikums, das anläßlich der A b r e i s e des russischen Botschafters und der anderen russischen Persönlichkeiten, entgegen den Vor­gängen, die. sich bei der Abreise der österreichisch-ungarischen und deutschen Diplomaten in Petersburg und Paris -abgespielt haben, die Ruhe bewahrte und die korrekte st e Haltung an den Tag legte. Die Polizei traf übrigens alle Maßnahmen, um jedem Zwischenfall bei der Abreise der rus.il- schen Botschaft vorzubeugen.

Die ersten russisch - türkischen Landkämpfe.

\V. T.-B. Trapezunt, 2. Nov. ’ (Nichtamtlich.) An der russisch-türkische» Grenze haben bereits Kämpfe zwischen den russischen und türkischen Truppen begonnen.

Eine englische Siegesmeldung aus Südafrika.

w. T.-B. Kapstadt, 2. Nov. (Nichtamtlich. Reuter.) Oberst Werts hat die-Aufständischen im Distrikt Lichtenberg geschlagen.

Der österreichische Tagesbericht.

Weitere Erfolge in Galizien.

W.T.-B. Wien, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbart: 2. November, mittags: Die Kämpfe in Russisch-Pole» dauern an.

In den Gefechten am San hatten die Russen, namentlich bei Roswadew, schwere Verluste. Wir brachten 400 Gefangene ein nnd erbeuteten 3 Maschinen­gewehre. „ ,,

Südlich Stary-Sambor nahm eine Gefechtsgruppe gleichfalls 400 Russen gefangen. In diesem Raume und nordöstlich Turkas machte unsere Vorrückung wei­

tere Fortschritte.

Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: n. Höker. Gcneralmaior.

Die trostlose Lage in Serbien.

Br. Wien, 2. Nov. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. Bln.) Aus Nisch wird über Sofia gemeldet: König Peter ist schwer krank, angeblich hat er ein G e h i r n l e i d e n. Er begibt sich oft nach dem Badeort W r a n j a. Sein Zustand ist kritisch. Ministervräsident Paschiisch ist so unpopulär gewor­den, daß er sich kaum noch auf der Straße zu zeigen wagt. Das im Verkehr befindliche Geld ist russischen Ur­sprungs. Über die Verluste wird niemals etlvas bekannt- gegeben. Auch haben die Serben iwch keine Kenntnis da­von daß B e l g i e n von den Deutschen erobert worden ist. Auswärtige, selbst russische Blätter dürfen nicht in das Land hörein. Das über Rumänien eingetroffene russische Okfiziersdetachemont ist in Risch sehr unbeliebt. Die'Offiziere erteilen fortwährend ihren serbischen. Kollegen Befehle. Es kamen bereits Duelle zwischen russischen und serbischen Offizieren vor. Allen gegenteiligen Gerüchten gegenüber soll es wahr sein, daß sich griechische Truppen in Serbien befinden. Der Unterschied Jet nur der, daß dm'e Leute sich Legionäre nennen, obwohl sie reguläre griechische

Oie türkische Armee.

Von Major a. D. M. v. Schrcibershofen.

'ach dem unglücklichen Balkankrioge, bei dem die >ächen und Mängel des türkischen Heenes offen Zu- getreten waren, hat eine vollkommene Reorga » und Neuordnung des türkischen H°eres statt- rden, die namentlich in dem schon m Kn g ten früheren Militär-Attachö in Berlin, dem wtz' Kriegsminister Enver, ihre größte Sttitze am. deutsche Militärmistion an derenbrtze dm che

r smssnäsr L.BWS äWÄ»»

oiS nach der Türkei beruhen worden, unter denen o manche Nanren von «Fem Klang :rnd großem Yen befanden, aber ihrer Tätigkeit waren unter dei­nen türkischen Herrschaft enge Grenze gezogen, konnten wohl Vorschläge machen, wie den ofstm- iaen Mängeln ani besten obgeholfen werden konnte, »8 frM+r Me Macht, die Vorschläge wirklich