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Montag, 2. November 1914.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 512- » 62. Jahrgang.
Der Krieg.
Der heutige Tagesbericht.
Weitere Kortfchritte bei tfpern und im strgonnen- rvalde. KbgeWiesene russische Angriffs.
>v.T.-B. Großes Hauptquartier, 2. Nov., vormittags, (Amtlich.) Im Angriff auf Ipern wurde weiteres Gelände gewonnen. Mcssines ist rn nnjerc» Händen.
Gegenüber unserem rechten Flügel sind jetzt mit Sicherheit Inder festgestellt. Diese kämpfen nach bisherigen Feststellungen nicht in eigenen geschloffenen Verbände», sondern sind auf der ganzen Front der Engländer verteilt.
Auch in den Kämpfen im' A r g o n n e n w a I d e wurden Fortschritte gemacht. Der Gegner erlitt hier starke Verluste.
Im Osten ist die Lage unverändert. Ein russischer Durchbruchsversuch bei Szittkehmen wurde a b g e w i e s c n.
Oberste Heeresleitung.
Ein englisches Kriegsschiff beim Rüftenkampf kampfunfähig gemacht.
Berlin, 2. Nov. Laut „Berl. Tagcbl." ist das englische Schlachtschiff „B e n e r a b l c", das 14 Tage lang die Belgier durch Bombardement gegen die Deutschen unterstützte, das einzige englische Schlachtschiff, das an dem Bombardement der deutschen Linie zwischen Ostende und dem Kanal teilgenommcn hat und nach England zuruckkchrte, von einer deutschen Granate oder einem Ünterseeboottorpedo kampfunfähig gemacht worden.
Siebsn englische Rriegsschiffe im Rüstenkampf schwer beschädigt.
DaS ganze Geschwader vertrieben.
Br. Berlin, 2. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der Rotterdamer Bcrichtcrstnttcr der „Berk. N. N." meldet: Wie ich aus z u v e r l 8 s s i g e r Quelle höre, sind bis zum 28. Okt. sieben der bei den Kämpfen von Ostende mitwirkcndcn englischen Schisse von deutschen Geschossen getroffen worden und haben teilweise schwere Beschädigungen erlitten. DaS ganze Geschwader ist durch die Wirkung des deutschen FeuerS vertrieben worden.
Für Vernichtung des englischen Rreuzers„Hsrmes<
Eine Reuter-Meldung.
W. T.-B. Dover, 1. Nov. (Nichtamtlich.)' (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der englische Kreuzer . „Hermes" wurde gestern morgen durch zwei Torpedos getroffen. Das Schiss blieb 48 Minuten über Wasser, bis es kenterte und sank. Bon de: Besatzung wurden 40 Mann vermißt.
Die Stelle des Sinkens des englischen Kreuzers wird auch in dieser offiziellen Auslassung verschwiegen. Hier glaubt man, daß sie vielleicht eher in der Nähe von Dover als in der von Calais zu suchen sein wird.
Französische Marincformativncn bei den Kämpfen um Dixmuiden.
W. T.-B. Bordeaux, 1. Nov. (Agcnce Havas.) Die ' Marine hat aktive Formationen gebildet, und zwar eine Bri. gadc mit 6000 Mann Füsilieren und eine Maschinengewehrkompagnie, die sich unter dem Admiral H o n a r ch bei D i x m u i d e n ausgezeichnet haben, ein Regiment von 1000 Marineartilleristen, eine Gruppe von' Automobilschein» Werfern und eine Flußflotte.
Französische Eingeständnisse.
Niedergrdriicktc Stimmung in Paris.
W. T.-B. Berlin, 2. Nov. Aus Genf vom 1. Nov. meldet der Sonderberichterstatter der „Deutschen Tagesztg.": Der amtliche französische Bericht gab in Paris Anlaß zu großein Pessimismus, ivcil er ein Eingeständnis mehrerer Niederlagen der Verbündeten enthielt. Das belgische Communiqnö gibt ebenfalls das siegreiche Vordringen der Deutschen zu. — üw „B. L.-A." werden diese französischen Zugeständnisse wrer Verluste bestätigt. Der Verlust der, zwei wichtigsten Stützpunkte der Verbündeten südlich Hollücke und Zandvoorde lebt ihren angeblichen Fortschritt im Osten von Dpern auf. -on der Richtung Paffchendael, um einen südlich von Nieu- port gelegenen Ort, wurde am letzten Oktober der Kampf fortgesetzt Die Deutschen behaupteten Bischoote heldenmütig hegen einen heftigen Bajonettangriff. Ramscapelle war wehrinals in deutschem und französischem Besitz. Sehr emp- Vn^lich berühren in Paris und in Bordeaux die großen deut- Illicn Waffentaten der Einnahme von Vailly und die Zu- rnckwerfung der Franzosen über die Aisne.
Der „Matin" über die deutschen Absichten.
... llck. Kopenhagen, 1. Nov. Nach einer Depesche von „Poli- ohv auS Paris schreibt der >,Matin": Es sieht so aus, als b die Deutschen nicht mehr einen direkten Vorstoß gegen ^unkirchen und Calais versuchen- sondern statt dessen sich mit "ubr Kraft in die Linie Dixmuiden-Dpcrn werfen -
wollen. Es heißt, daß die Deutschen hier einen Durchbruch vorbereiten. Sie wollen versuchen, die Verbündeten auf einen etwas südlicheren Punkt zwischen der User und der Straße Upern-Hazebrouck und St. Omer zu treiben. Das erste Ziel dieser Bewegung wäre dann B o u l o g n e, von wo man später nach Calais und Dünkirchen zu kommen versuchen würde, durch Isolierung des umgebenden Terrains und Vernichtung der Festungen mittels der schweren Artillerie.
Ein nichtssagender französischer Tagesbericht.
W• T.-B. Paris, 1. Nov. (Nichtamtlich.) Eine amtliche Mitteilung vom 81. Oktober abends besagt: Nach den
letzten Nachrichten ist kein bemerkenswerter Zwischenfall zu melden. Im Zentrum machten wir in der Gegend nördlich Souain Fortschritte. Überall sonst behaupteten wir unsere Positionen.
Ein holländischer Bericht.
bä. Amsterdam, 2. Nov. Vom Kamps in Westflandern wird dem „Telegraas" gemeldet, daß einige Flieger am Donnerstag auf Kriegsmaterial, das die Deutschen auf dem Bahnhof Lichtervelde aufgestellt hatten, drei Bomben geworfen haben. Angeblich wurde bedeutender Schaden angerichtet. Drei deutsche Soldaten wurden getötet. Die deutschen Truppen sind bei Gits, eine Stunde nördlich von Rousse- laere, die englischen in Paschendale, eine Stunde südlich dieser Stadt. Die Verbündeten haben das hügelige Terrain zwischen Rousselaere und Upern kräftig verstärkt. Am Dserkanal hat sich wenig Neues ereignet. Es ist immer noch keine Entscheidung gefallen. Das W a s s e r, das jetzt infolge der Schleusenöffnung in weitem Umfang die Felder überschwemmt, ist der beste Bundesgenosse der Belgier und macht das deutsche Vorrücken schwierig.'
Das Eingreifen der Türkei.
Die amtliche türkische Darstellung über die Vorgänge im Schwarzen Meer.
W. T.-B. Koiistantinopcl, 1. Nov. (Nichtamtlich.) Ein amtliches Communique besagt: Ans den Aussagen gefangener russischer Matrosen und aus der Anwesenheit eines Minenlegers bei der russischen Flotte geht hervor, daß sie die Absicht hatte, den Eingang des Bosporus durch Minen zu sperren, um die t ü r k i s ch e Flotte, durch die Minensperre in zwei Teile getrennt, vollständig zu vernichten. In der Annahme, daß sie hierdurch einem Überfall ausgcsetzt sein würde, und in der Voraussetzung, daß die Russen die Feindseligkeiten ohne vorhergegangene Kriegserklärung eröffnet hätten, begann die türkische Flotte die Verfolgung der russischen.
Das bisher im Schwarzen Meer Geleistete.
bä. Konstantinopel, 1. Nov. (Aus amtlicher Quelle.) Der Panzerkreuzer „Sultan Jawus Salim" hat ein russisches, mit 300 Minen beladenes Schiss versenkt und ein Kohlentransportschiss sowie ein russisches Kanonenboot schwer beschädigt, Außerdem hat er Sewastopol mit Erfolg beschossen. Der Kreuzer ..Midilli" hat in Naruski die Petroleum- und Gc- treidelager zerstört und 14 Transportdampfer versenkt. Der Torpedobootszerstörer „Bero-i-Satwest" hat in Noworossisk die fnnkentelegraphische Station zerstört. Der Torpedobootszerstörer „Jadig-Hiar-i-Millet" hat ein russisches Kanonenboot versenkt. Der Torpedobootszerstörer „Muavenet-i- Millij?" hat ein anderes Schiff derselben Gattung beschädigt. In Odessa sind die Petroleumbehälter und fünf russische Schisse beschädigt worden. Der Kreuzer „Hamidije" hat Theodosia beschossen und in Kertsch ein Transportschiff versenkt.
Zur Beschießung von Sewastopol.
bä. Kopenhagen, 1. Nov. Die „Politiken" meldet ans Petersburg: Die Beschießung Sewastopols begann früh um 8 Uhr und dauerte sechs Stunden. Der Hafen und die Docks ivurden stark beschädigt. Während des Bombardements von Feodosia durch ein türkisches Kriegsschiff wurden die Hafen- kais teilweise zerstört.
DaS Kabel Barna-Sewastopol zerstört.
W. T.-B: Sofia, 1. Nov. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung aus Varna ist das Kabel Varna-Sewastopol zerschnitten worden.
Eine neue Seeschlacht vor Odessa?
bä. Kopenhagen, 2. Nov. Aus London wird der „Ber- linske Tidende" mitgetcilt: Hier lief Samstagfrüh die
Meldung ein von einer neuen Seeschlacht zwischen der Schwarzenmeerflotte und den türkischen Kriegsschiffen vor Odessa. Das Ergebnis ist noch unbekannt.
Die Eröffnung der Feindseligkeiten Englands gegen die Türkei.
Br. Pera, 2. Nov. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. Bln.) Die Engländer vernichteten honte von Tscheschme bei Smyrna das türkische Kanonenboot „Durak Reis". Das Schiff sprengte sich. vor dem Untergänge s e I b st in die Luft.
Gegen den Rankasus, Aegypten und Indien!
W. T.-B. Berlin, 2. Nov. Der Mailänder „Secolo" meldet, in Palästina feie« unter Lekli-Pafcha Truppen gegen Ägypten zusammcngczvgrn. In Samsun stehen 200 099 türkische Truppen mit der Front gegen den Kaukasus. Das 13. Armeekorps unter Kiamil-Pascha geht durch Persien gegen Indien.
Große Straßcnkundgebungen in Koiistantinopcl gegen den Dreiverband.
bä. Konstantinopel, 1. Nov. Die Nachricht von dem türkischen Seesiege über die russische Flotte löste hier riesige Begeisterung aus. Es kam dabei zu großen Straßenkundgebungen, wobei eine Volksmasse auch das Wappen von dem russischen Konsulatsgebäude entfernte. Schon in den letzten Tagen haben die hier weilenden Russen, Engländer und Franzosen fluchtartig die türkische Hauptstadt verlassen, woraus man schließt, daß sic von jener ruffischen Herausforderung an die Türkei, die dem Fasse endlich den Boden ausschlagen sollte, Wind bekommen hatten. Besonders groß- artig gestalteten sich die Stratzenkundgebungeu der Bevölkerung für Deutschland und.Österreich-Ungarn.
Türkische Humanität.
bä. Konstantinopel, 2. Nov. Wie aus guter Quelle verlautet, wird die türkische Regierung nicht mit der Ausweisung der Staatsangehörigen der Tripel- Entente Vorgehen und diejenigen, die abreisen wollen, an der Ausführung dieser Absicht nicht weiter behindern. Die Regierung gebe damit einen Beweis ihres Humanitätsgefühls und der Zivilisation, die wohl höher stehe als die jener Mächte, welche nicht zögerten, die deutschen und österreichisch-ungarischen Staatsbürger auszuweisen.
Die Abreise d'r Botschafter.
W. T.-B. Konstantinopel, 1. Nov. (Nichtamtlich) Der russische Botschafter ist am 31. Oktober mit Familie im Sonderzug abgereist. Mit demselben Zug haben auch die übrigen Herren die Bolfchaft verlassen, ebenso verließen ihre Familienangehörigen sowie eine Reihe von russischen Persönlichkeiten die Stadt. Die Reise geht über Bulgarien und Rumänien. Die Mitglieder fast sämtlicher diplomatischer Missionen der nicht am Krieg beteiligten Staaten waren am Bahnhof erschienen, um sich von den: russischen Botschafter zu verabschieden. Allgemein fiel es auf, daß die Botschafter von England und Frankreich fehlten.
W. T.-B. Konstantinopel, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Der französische und englische Botschafter sind mit dem Personal ihrer Botschaften gestern abend 9 Uhr mittels Sonderzuges abgereist. Sie fahren nach Dedeaghatsch .wo sie an Bord eines Dampfers gehen. Bei der Abfahrt herrschte völlige Ruhe und Ordnung.
Ein vergsblicherfranzösischervermittlungsversuch
Rußland als der angreifendc Teil auch vom französischen Botschafter anerkannt.
W■ T.-B. Berlin, 2. Nov. Aus Konstantinopel loird dem «B. T." berichtet: Ein Vermittlungsversuch, den der franzö- sische Botschafter Bompard gestern unternahm, scheiterte. Er ist aber interessant, weil bei diesem Versuch zugegeben wird, daß sich Rußland als der a n g r e i f e n d e Teil bekannt hat und bereit sei, wegen der Vorfälle im Schwarzen Meer Zugeständnisse zu machen. Die türkische Regierung verlangte darauf die Demobilisierung der russischen Schwarzemeerflotte, was Rußland ablehnte — Aus Äußerungen von Gefangenen, die vernommen ivurden, hat sich ergeben, daß der russische Minenleger „P r u t h" bereits vor acht Tagen mit Minen von Sewastopol unterwegs war. Der kommandierende Offizier hatte ehedem auf dem russischen Stationär in Konstantinopel Dienst getan.
Der Eindruck in Petersburg, bä. Haag, 1. Nov. In Petersburg fanden große Kundgebungen statt, in dären Verlauf Verwünschungen egen die Türkei und Deutschland laut wurden. Vor dem Linterpulais kniete die Menge nieder und sang dreimal bar- äuptig die Vollshhmne „Gott schütze den Zaren". Der kriegsminister Suchomlinow dankte vom Balkon des Kricgs- rinifteriums für die patriotische Kundgebung. Über die militärischen Vorkehrungen der Türkei scheint man in Pctcrs- urg gut unterrichtet zu sein.
Rußland unterschätzt nicht den türkischen Feind.
W- T.-B. London, 31. Okt. (Nichtamtlich.). In russischen militärischen Kreisen sieht inan, lvie die „Evening News" aus sttersburg melden, die Türkei keineswegs als einen zu v c r - cht enden Feind an. Obwohl die türkische Hceres- cganisation Mängel habe, könne sic doch cme halbe Dnllwn -oldaten ins Feld fiihrcn und außerdem 300 000 Mmnr teservetruppen. Die Russen seien vollständig auf die üdiauna des kaulasffchen Gebietes vorbereitet. - -lall Gazette" glaubt, das Vorgehen der Türke, werd^ anzen Balkan in Flammen setzen, alle «ander mrh zi Republik San Marino mußten m den Krieg ,1 ezogen werden.
Die Wut in London.
Kopenhagen, 31. Olt. Wie aus London gedrahtet wird, endet sich dort die öffentliche Meinung nnt großer Wut nen die Türkei. Man macht den türkischen Botschafter in indon in verschiedener Weise lächerlich. So wird der Politiken" aus London folgendes gedrahtet: Man behaupte
London, daß der türkische Botschafter noch vor ein paar igen feierlichst versichert habe, daß d,e Absichten der Turker gen Rußland die friedlichsten seien, .lls der Botschafter i Hotel Astoria Mitteilung davon bekommen habe, daß tür- che Kriegsschiffe ohne Kriegserklärung russische Hafen» idte beschießen, habe er seine Kaffeetasse auf den Bode»
