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Nr. 811.Sonntag, 1« November 1914.

Weber 3 (Lampoldshausen) tot: Füs. Albert (Bermersheim) tot: Füs. Heinz (Büdesheim) tot: Füs. Julius Menk

(Wiesbaden) leichtv.; Füs. Roßbach (Nisderbrechen) leichtv.: Füs. Karl Christ. Wilhelm Fischbach (Wies­baden) leichtv.; Gefr. Barth (Wallhausen) leichtv.; Füs. Weitzel (Eideugssütz) leichtv.; Füs. Lober (Frankfurt a. M.) schwerv.; Füs. Wiegand (Kirberg) schwerv.; Füs. Ataycw (Fischbach) schwerv.; Füs. Bücking (Mendorf) leichtv.

3. Komp.: Leutn. v. Alt-Stutterheim tot; llnteroff.

Spieß (Vilbel) leichtv.; Füs. Kmupf (Plittershagen) leichtv.; Füs. Preis (Gießen) leichtv.; llnteroff Loeble (Stuttgart) leichtv.; Füs. Emil Petry (Wiesbaden) leichtv.; Füs. Bichelmeier (Egalhausen) leichtv.: Vizeseldw. d. R. Kraul

(Rittergut Gr.-Golden) tot; Füs. Wolf (Namschicd) tot; Pizefeildw. Hermann Schulze (Wiesbladen) leichtv.; llnteroff. Alexander Bartholomae (Wiesbaden) leichtv.; Füs. Denninger (Unteralbdorf) leichtv.; Füs. Becker 2 (Lstrich) leichtv.; Füs. Theis gen. Buhl (Olpe) leichtv.; Füs. Fischbach (Mönchhofen) leichtv.; Füs. Langer (Berlin) leichtv.; Srrg. Schwarz (Westernohe) leichtv.; Einj.-Freiw Steinebach (Ouirmbach) leichtv.; Einj.-Freiw. Gefr. Wilhelm Patzer (Wiesbaden) leichtv.; Unterosf. d. L. Friedrich Schön­berger (Wiesbaden) leichtv.

4. Komp.: Füs. Lindemetzer tot: Füs. Mohr (Ste'mbach) leichtv; Gefr. Klein 1 (Grorotherhof) leichtv.; Gefr. Klein­klaus (Minversheim) schwerv.; Füs. Bernhardt (Dautphe) tot; Eini.-Freiw. August Bosch er (Wiesbaden) schwerv.; Gefr. Fiebig leichtv.; Füs. Holzel (HÄpoltsteiu) schwerv.; Gefr. Grosse leichtv.: Gefr. Euler (Delkenheim) tot; Gefr. Anton Bremser (Wiesbaden) leichtv.; Füs. Wagner 2 (Hausen v. H.) tot: Füs. Strobel (Hausen) tot; Füs. Präckter (Heßloch) leichtv.; Füs. Sundheim (Eschwege) schwerv.-; Füs. Ney (Gum­binnen) schwerv.; Ans. Gill schwerv.; Füs Strebe! leichtv.; Gefr. Fick (Buschhütten) leichtv.: Unterosf. Arnold K l e e - mann (Wiesbaden) tot; Unterosf. Decker (Obergeis) tot: Füs. Schmidt 5 (Niederahr) schwerv.: Füs. Hochheimer (Sindlingen) schwerv.; Füs. Bender (Busckhütten) schwerv.; Füs. Simon (Hangen-- Miningen) leichtv.; Füs Cäsar (Edels- beug) leichtv.

Deutsches Reich«

* Silberprägungen. Zur Verstärkung unseres Bestandes von S i l b e r m ü n z e n kaufen die amtlichen Münzanstalten, da die Beschaffung von Präg-silber aus den Silberländern zunächst ausgeschlossen ist, gegenwärtig auch entbehrliches Prunk- und Gebrauchssilber, das keinen Kunstwert besitzt, an; es kommen dabei z. B. silberne Bestecke, Löffel, Teller, Leuchter, alte Münzen, Medaillen, Ketten usw. in Frage. Durch die Zuführung solcher Gegenstände an die Münzen wird den wirtschaftlichen und vaterländischen Interessen gedient. Nach dem Reichs-Münzgesetz vom 1. Juni 1909 können aus einem Kilogramm Feinsilber, dessen Durchschnittswert auf etwa 80 M. zu berechnen ist, 200 Einmarkstücke, 100 Zwei­markstücke oder 40 Fünfmarkstücke geprägt werden. Durch die Ausmünzung können also die alten unverwertbar ge­wordenen Silbersachen für den Staat nach erhöhten Wert erhalten.

* Verschiebung der Ergänzuugswahlc» in Hessen. In einer Besprcchurig zwischen den Vorständen der beiden hessi­schen Kammern der Landstände und der Regierung machte die Regierung die Mitteilung, daß sie die ursprünglich für den November festgesetzten Ergänzungswahlen zur Zweiten Kammer in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres anberaumen werde. Nach.dem neuen Wahlgesetz behalten auch die Abgeordnetenmandate, die eigentlich in diesem Sommer abgelaufen sind, noch ihre Gültigkeit.

Rechtspflege und Verwaltung.

TM Justiz-Personalien. Dem Landgerichtsrat Geheimen Justizrat Roth in Wiesbaden ist die nachgesuchte Dienst­entlassung mit Pension erteilt. Im Kriege fanden den .Heldentod: Landrichter Dr. Ernst Frohenius aus Wies­baden, die Referendare Helmut Hengsten bet a aus Wies­baden und Werner Landschütz aus Frankfurt a. M.. Aktuar Peter Linder aus Wiesbaden.

Heer und Flotte.

Personal-Veränderungen. Dürkopp, Oberleut d. R. des Dvag.-Reats. Nr. 14 (Wiesbaden). jetzt bei der Fuhrpark- Kolonne 3 des 15. Armeekorps, zum Rittmeister befördert. * Baumann (Wiesbaden). Vizefsldw. des Jnf.-Regts. Nr. 171. * Albert und Niewöhner (Wiesbaden). Vize- feldw. des Jns-Reqts. Nr. 172, zu Leuts, der Res, befördert. * Romeiß (Wiesbaden), Leut, des Jnf.-Regts. Nr. 96. zum Oberleut, befördert. * Müller (Oberlahnstein), Vizeseldw. des Jnf.-Regts. Nr. 171. * Becker. Ludwig (Höchst),. *

Sachs (Limburg a. L.), Vizeseldw. des Jnf.-Regts. Nr. 172, zu Leuts, der Res. befördert.

Ku§ Stabt und Land.

Wiesbadener Nachrichten, vie Woche.

Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen)" An welchem Allerfeclentag haben wir den bitteren, weh­mütig stimmenden Ernst dieses Spruchs stärker empfunden als diesmal, wo im Osten und Westen unsere Heere im Feld stehen? Eine reiche Ernte hält nun seit vielen Wochen schon der Tod, und die er hinübersührt in die dunkle Welt, in die nur der Glaube und die Hoffnung einen Lichtstrahl -werfen, sind des Volkes lebenskräftigste und lebensmutigste Söhne.

Wir haben gesehen, wie sie auszogen, um mit dem Schwert das Vaterland, den heimischen Herd zu schützen. Der Mut blitzte aus ihren Augen, grüne Zweige, Zeichen des Vertrauens und der Hoffnung, schmückten ihre Helme. Und viele trugen als letzten Gruß der Liebe eine rote Rose auf der Brust. So zogen sie aus in den Kampf für die Ehre des deutschen Volkes und für den Schutz des deutschen Bodens. Und noch ziehen sie -> aus, selbst die, die verwundet von den Schlachtfeldern zu­rückkamen und nun» wo sie geheilt sind, zum zweitenmal den Feinden entgegengehen. Wo so viel Mut und Vertrauen ist, da ist kein Raum zu sorgenden Klagen.

Auf jedem Grab unserer gefallenen.Vaterlandsverteidiger, mag es sein ein Massengrab oder ein einsamer kleiner Hügel in Feindesland, über den noch die Kanonen ihre donnernden Stimmen erheben, oder mag eS auf einem stillen ftiedlichen Kirchhof der teuren Heimat liegen, blüht die Hoffnung. Tränen fließen um die toten Soldaten, Herzen bluten, aber wir dürfen die tröstende Gewißheit haben, daß sie ihr Leben nicht umsonst geopfert haben. Und diese Zuversicht gießt auch lindernden Balsam in die schmerzzerrissenen Herzen der Frauen und Kinder, der Bräute und Eltern, die in dem Toten, ach. wie oft! ihr eins und alles verloren haben!

Mit Worten heilt man freilich nicht Wunden der Art, wie sie dieser ftrrchtbare Krieg tausendfach schlägt, aber wir haben das Wort, um auftichten zu helfen, was zusainmengebrochen ist. Heilen indessen kann nur die allmächtige Zeit, vor der kein Glück und lein Unglück, keine Freude, aber auch kein Schmerz bestehen kann..

Wiesbadener Tagblatt»

Ein trüber, schwerer Allerseelentag, gewiß. Aber doch kein Dag der erhebender Gedanken und Gefühle bar ist. Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen wir alle, aber es gibt auch keinen Tod, der nicht zu neuem Leben führte. -n-

Das Eiserne Kreuz.

Mit dem Eisernen Kreuz wurden ausgezeichnet: der Ritt­meister H. Hertz, Oberamtmann aus Claventhal bei Wies­baden; der Leutnant der Reserve im Füsilier-Regiment 80 Paul Wüst aus Düsseldorf; der Unteroffizier Adolf Streck im Infanterie-Regiment 88 und der Unteroffizier Ludwig Schmidt im Reserve-Ersatz-Regiment 80, beide aus Ram- bach (Streck ist inzwischen auf dem Feld der Ehre gefallen); der Oberjäger Nach ts h ei m, Sohn des Försters Nachtsheim in Bornhofen; der Wehrmann Ernst Braun aus Miehlen; der Vizewachtmeisier Ant. Mallach aus Limburg; der Ober­leutnant und Kompagnieführer Landmesser Adolf Bill aus Limburg; der Bataillonsarzt Dr. F. W i t t aus Hadamar; der Gefreite H. Feiler und der Gefreite im Reserve-Regiment 87 Holzbach, beide aus Limburg.

Oie Feldpost.

Vom Kaiser!. P o st a m t 1 in Wiesbaden wird uns mitgeteilt, daß dort täglich Sendungen aus dem Feld in großer Zahl zurückkommen, die den Kriegern wegen unrichtiger oder unvollständiger Adresse nicht zugestellt werden und die auch an die Absender nicht zu- rückgegeben werden können, weil diese sich auf der Sendung nicht genannt haben. Man ersieht daraus, daß die Adresse mit größter Gewissenhaftigkeit hergestellt werden muß, und daß es unbedingt notwendig ist, auf jeder Sendung den Absender ge­nau anzugeben. Mit den in dem sogenanntenPostbureau in der Kaserne" abgegebenen Paketen hat die Post nichts zu tun. Weiter teilt uns das Postamt mit:Wir würden in Fällen, in denen Feldpostsendungeu die Empfänger überhaupt nicht erreicht haben sollen, versuchsweise neuaufge- lieferte Sendungen mit A n s ch r e i b e n an die Postsam­melstelle weitergeben, damit diese die Sendungen der zustän­digen Feldpoststelle mit dem Ersuchen zuführt, wegen der bis­her in Verlust geratenen Sendungen Feststellungen vor­zunehmen. Es ist ein großer Irrtum des Publi­kums, wenn es annimmt, daß die Feldpostsendungen nur im Bereich der Landespastanstalten , oder der Feldpostexpeditionen in Verlust gerieten. Die Sen­dungen fiir die Truppenteile müssen durch Kommandierte bei den Feldpostanstalten abgeholt werden; was dann weiter mit den Sendungen geschieht, entzieht sich der Aufficht der Feld­post. Es sei noch bemerkt, daß bei uns Feldpostsendungen von auswärtigen Absendern, selbst solchen in Westfalen, mit dem Ersuchen eingelaufen sind, sie von hier aus nach dem Feld weiterzusenden, weil in Wiesbaden eingelieferte Sendungen die Empfänger regelmäßig erreichten, die Sendungen aus Gevelsberg, Haspe usw. aber nicht ankämen."

Es hält offenbar außerordentlich schwer, eine zureichende Erklärung für die Ursachen der Beschwerden über die Feldpost und die Paketbeförderung an Soldaten im Feld zu geben. Alle möglichen Zufälle, die der örtlichen Postbehörde selbstverständ­lich kein Vernünftiger zur Last legen wird, scheinen die Unbe- stellbarkeit zahlreicher Feldpost- und Feldpaketsendungen zu verschulden und ihre Ankunft bis zur Unerträglichkeit zu ver­zögern. Wir nehmen wahrhaftig die zehn von hundert Be­schwerden nicht aus Nörgelei auf, sondern weil wir überzeugt sind, daß eine Besserung des herrschenden Zustandes un­bedingt im Interesse der im Feld stehenden Soldaten sowohl wie dem ihrer mit Recht besorgten Angehörigen mit allen Mitteln angestrebt werden muß. Welche Stimmung über­all nicht nur in Wiesbaden über das teilweise Versagen der Feldpost und der Paketbeförderung an Soldaten herrscht, geht auch aus der folgenden Zuschrift hervor:

In den letzten Wochen hatte ich beim Einsammeln von Obst und Gemüse für die Kanservenabteilung des Roten Kreuzes Gelegenheit, die Stimmung der Bewohner unserer umliegenden D o r f ge me i nd e n über unsere Feld­post kennen zu lernen. Ich kam fast in jedes Haus und über­all stellte man mir dieselbe Frage: Warum bekommen unsere Männer, unsere Söhne und Enkel die ihnen gesandten Sachen nicht? Wöchentlich, ja täglich, schicken wir ihnen warme Kleidung, Tabak und a. m., und immer wieder wird uns die Nachricht, daß sie nichts erhalten, daß wir sie wohl gang vergessen hätten. Einer schrieb sogar seiner Mutter, er Wme nie mehr nach Hause zurück, da sie ja, trotz seiner Bitten, nichts mehr für ihn übrig hätte! Viele Tränen sah ich und viel Verdrossenheit! Das darf nicht sein, der letzteren muß gesteuert werden. Daß unsere Truppen unbe­dingt der gesandten Sachen bedürfen, das ist ja oft genug in Ihrem geschätzten Blatt dargetan worden. Daß aber auch der Stimmung daheim Rechnung getragen werden muß, darf nicht außer acht gelassen werden. Ver­drossenheit darf nicht aufkommen! Die Leute müssen wissen-, daß ihre Männer und Söhne gut versorgt sind, daß vor allen Dingen die Sachen, die sie mit schwerem Geld zum Wcchl der Ihren gekauft haben, auch in deren Hände gelangen."

Aus Belgien schreibt ein L a n d st u r m m a n n un­term 22. Oktober:Vor 4 Wochen ungefähr wurde in Wies­baden bekanntgegoben, daß Pakete in der Oranien- st r a ß e n sch u le beim Ersatzbataillon zur Weiterbeförderung abgegeben werden könnten. Unsere Frauen haben denn auch Pakete mit tvarmer Wäsche, Unterkleidern, Zigarren, Tabak und sonstigen nützlichen Kleinigkeiten dort abgegeben. Be­denkt man, mit wie viel Opfern und Entbehrungen am eigenen Leib die Frauen der Landsturmleute diese Sachen eingekauft haben, so kann man wohl verstehen, wie sehr sie sich freuen würden, diese Liebesgaben in den Händen ihrer Männer zu wissen. Bereits sind schon 4 Wochen ver­gangen, und immer ist davon nichts in unseren Händen. Auch alle Anfragen unserer Angehörigen haben bis jetzt zu keinem Ergebnis geführt. Es heißt immer: die Auto sind abgegan­gen oder die Auto gehen bald ab. A b e r k e i n s k o m m t a n. Wenn man sieht, wie andere Städte für ihre Lcmdstnrm- leute sorgen die hier durchfahrenden Autos zeigen das> so muß man sich fragen, wo bleibt Wiesbaden? Den Land­sturmleuten ist es gar nicht darum zu tun, Liebesgaben zu empfangen, wenn sie nur ihre eigenen, ge kauften Sachen bekommen könnten! Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, dahin zu wirken, daß unsere Pakete bald an ihre richtige Adresse gelangen."

Die Iugendrvehr im Krieg.

Wiederholt sind Stimmen laut geworden, und zwar, wie besonders bemerkt zu werden verdient, gerade von militä- r i f ch e r S e i t e, die sich g e g e n die Hinanssendung von noch im Knabenalter stehenden Mitgliedern der Jugendwehr in die Schlachtlinien wenden. Das tut auch ein Wiesbadener Stellt»

Morgen-Nusgabe. Erstes Blatt. _ Seite 5.

nant der Reserve beim Feldartillerie-Regiment 27 in einem an seine Eltern gerichteten Brief. Er schreibt aus einem Schützengraben in Frankreich:Ich las jetzt einen Artikel über die Verwendung der Jugendwehr. Ich sah letzten Sonntag in . . . . auch so ein k le i n es Bit r s chche n mit seinem Zwei­rad. Ich halte es für einen riesengroßen Unfug» daß diese kleinen Jungen hierherkommen. All das Elend und die Verwüstung und nach einem Gefecht die toten, oft zur Un­kenntlichkeit verstümmelten Menschen, das ist für uns schon schwer. Aber für solche Knaben ist es der Verderb. Außer­dem können sienichtvielhe lf en und stör en nur. Das ist' nicht nur meine Meinung, sondern die fast aller Offiziere. Es herrscht Entrüstung darüber. Zu Hause sollen sie sich betätigen und in die Schule gehen, damit sie später etwas können."

Das ist auch die Meinung der vernünftigen Leute daheim. Vor den Feind gehören Männer, aber keine Kinder!

Wie sich ein Wiesbadener Lehrer daS Eiserne Kreuz verdiente. Einem Soldatenbrief aus Frankreich, von einem hiesigen Arzt geschrieben am 19. Oktober, entnehmen wir fol­gende Schilderung: Am vergangenen Mittwoch hat sich ein Kompagnieführer bei einer nachts 1 Uhr mit zwei Mann un­ternommenen Streifwache das Eiserne Kreuz verdient. In der größten Dunkelheit sind sie teils gebückt, teils auf dem Bauch kriechend, bis 500 Meter vor den feindlichen Schützen­graben herangekommen. Hier sind sie eine Stunde lang auf dem Bauch liegen geblieben und haben gelauert. Die feindliche Patrouille kommt heraus aus dem Graben. Leutnant A. K. macht einen Sprung, faßt einen Franzmann an der Kehle und am Genick, der andere fängt an zu brüllen, aber in demselben Moment trifft ihn eine Kugel von Leutnant K. Der Leutnant ist Lehrer an der Blücherschule in Wiesbaden. Run ging es unbemerkt Marsch-Marsch zurück mit dem gefangenen Franzos in unseren Schützengraben, ohne daß der Feind einen Schutz abgegeben hat. War das nicht eine kühne Tat? Die Aufgabe war erfüllt, wir wollten gerne wissen, mit was für Truppen wir es zu tun hatten, ob Kolonial-, Provinzial- oder Jäger­truppen uns gegenüberliegen."

Kricgshcimarbeit. Immer noch gibt es leider wenig Arbeitsgelegenheit, und so sehr die Stadt bemüht ist, für Kriegerfrauen und durch Len Krieg Geschädigte zu sorgen, und so gern auch das Rote Kreuz Hilst: bei vielen Frauen ist den­noch der Wunsch nach Arbeit groß. Geradezu flehend bitten viele, in der Nähestube, Kapellenstratze 28, um Arbeit. Über 600 Frauen wurden dauernd beschäftigt, aber bei dem gro­ßen Andrang mußten auch viele abgewiesen werden. Ein sehr großer Posten Näh- und Strickarbeit wurde wieder an das Rote Kreuz albgeliefert und 500 Hemden für die Stadt genäht. Der Arbeitsausschuß bittet, diese viel Segen stiftende Kriegs- arboit tatkräftig zu unterstützen; sie läßt sich nur aufrecht er­halten, wenn reichlich geholfen wird. Gaben bittet man an Frau L. Fresenius, Kapellenstratze 63, zu schicken oder im Ver­lag desWiesbadener Tagblatts" abzugeben. Allen, die auch in diesem Monat wieder geholfen haben, sagt die Leiterin der Heimarbeit herzlichen Dank. Auch Gaben für die Notleiden­den im Elsaß sind noch willkommen.

Eine Bitte um Liebesgaben schickt uns auch das Ersatz- Bataillon des Infanterie-Regiments 117 in Mainz, in dem sich auch viele Wiesbadener befinden. Der Oberleutnant und Adjutant Heinrich des Bataillons schreibt: Um den im Feld stehenden Kameraden dieses Bataillons ihren harten Dienst nach Möglichkeit zu erleichtern, ergeht die Bitte uai Samm­lung von Liebesgaben. Es werden vor allen Dingen dringend benötigt: Wollsachen (Unterzeug, Leibbinden, Strümpfe, Fuß­lappen, Puls- und Kniewärmer. Kopfschützer), Unterwesten, Hosenträger, Stearinkerzen, Zißarren, Tabak, Pfeifen, Dauer­wurst, Schokolade usw. Beilegen von Zündhölzern ist streng verboten. Geldspenden mit der Bestimmung z-um Ankauf er­wähnter Gegenstände sind gleichfalls willkommen. Alle Gaben (Pakete wohl verpackt) wolle man mit dem VermerkLiebes­gaben für Brigade-Ersatz-Bataillon 50" richten: an das Ersatz- Bataillon 117, Mainz, Alice-Kaserne, oder an Herrn Haupt­mann Fitting in Darmstadt, Martinstraße 59. Der großen Nützlichkeit solcher Gaben und des lebhaften Dankes der emp­fangenden Kameraden möge alle Geber sicher sein.

Hemden und Socken für die Krieger. Das Rote Kreuz in Wiesbaden hat insgesamt bis zum 23. Okwber einschließlich 12 380 .Hemden und 15 896 Paar Socken unseren Kriegern übersandt. Die Soldaten haben keine Zeit, die verbrauchten Sachen zu waschen und zu flicken, neue Sachen sind deshalb

immer wieder notwendig.

Wcihnachtsgebäck für die Truppen. Die Abteilung 4 des Roten Kreuzes beabsichtigt, da das Obst allmählich zur Neige geht, nunmehr auch nahrhaftes Gebäck und Weih- nachtsgebäck für unsere tapferen Truppen herzustellen. In dem Anzeigenteil der vorliegenden Ausgabe wendet sich die Slbteilnng an die Einwohner Wiesbadens mit der Bitte um Liebesgaben zu diesem Zweck.

Kunstgewerblicher Unterricht in der Gewerbeschule. Unsere Gewerbeschule hat. nunmehr auch in den bau- und kunstgewerblichen Tageskursen ihren Unterrichts­betrieb wieder ausgenommen. In dem Baukurs wird unter­richtet im Freihandzeichnen und Skizzieren, Werkplanzeichuen, titrieret Ausbau., Bauausführu-ngsl-ehre, Kostenberechnen, Bau- rechnen und Vamnessen, Baumaterialienlehre, Geschäftsfüh­rung, Baumaschinen- und Werkzcugkunde, Statik, Schatten­konstruktion, Perspektive, Feldmessen, Algebra. Den Unter­richt erteilen die Herren Direktor Beutinger, Architekt Fr. Werz, Maler Gätzl, die Gewerbelehrer Schiemann) U n g e r e r, K r e ß n e r und Kunstgetoerbelehrer B ö t t l g e r. In den kunstgeiverblichen Klassen wird Fchm:ei> und Draperiezeichnen, Portrait- und Aktzeichnen, Mobelzeichnen und Kleinarchitektur, Entwerfen und Fachzeichnen aller Ar., Stilkunde, Modellieren, Pslanzenzoichnen und St-Irneren, Schattenkonstruktion und Perspektive, Darstelluugsichungem Zeichnen und Malen, Entwerfen für weibliche Modezeichnen, Batik und Kiirbelsticken gelehrt. Es.untermch- ten in diesen Klassen Direktor B e u t i n g ° r. Fr - Hedwig B r u g m a n n, Bildhauer W. B i e r b r a u e r, Maler G a ß l, Kunstgewerbelehrer B ö t ti g e r und Archtekt Sch em a n n. Neben diesen Kursen bestehen weiter noch die Zc^n und Modellierschule für schulpflichtige Knaben und Mädchen mH verschiedene Fachgeichenkurse für Handwerker. Der gärtneri­sche Fachkursus erfreut sich auch in diesem Winter wieder e iner guten Beteiligung. In allen Abteilungen können icht noch Schüler und Schülerinnen ausgenommen werden. Das Be- legen einzelner Stunden ist gestattet.

Hoflieferantentitcl. Der Firma Ang. Kortheuer, Delikateffenhaus hier, wurde von der. Frau Prinzessin

verliehen.