Verlag Langgasse 21
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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.
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Samstag, 3l. Oktober tM4.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 510, ♦ 62. Jahrgang.
Beite MSM Sri M«. AWm« m- WieSe«r«MMii WMMam. MKiWsen Uer die Mse MWemrse«! SWm vnW SK WWseil Sei Bette»«lonl.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 31. Okt., vormittags. (Amtlich.) Unsere Armee in Belgien nahm gestern R a m s c a p e l l e und B i x s ch o t c. Der »Angriff auf Ypern schreitet gleichzeitig sort. Sand- uoorde, Schloß Hollcbcke und Wambeke wurden gc- st ü r m t. Auch weiter südlich gewannen wir Boden.
Östlich Soissons wurde der Gegner gleichfalls angegriffen und im Lause des Tages ans mehreren stark verschanzten Stellungen nördlich von Vailly vertrieben. Am Nachmittag wurde dann Vailly gestürmt und der Feind unter schweren Verlusten über die A i s n e z u r ü ck g e w o r f c n. Wir machten 1000 Gefangene und erbeuteten zwei Maschinengewehre.
Im Argonnen Walde sowie westlich von Verdun und nördlich von Toul brachen wiederholt feindliche Angriffe unter schweren Verluste n für die Franzosen zusammen.
Der Kampf auf dem n o r d ö st l i ch e n Kriegsschauplatz hat noch nicht zu einer Entscheidung geführt.
Westlich von W a r s ch a u folgen die Rüsten l a n g- ; et nt unseren sich neu g r u p p i - r e n d e n Kräften.
Oberste Heeresleitung.
Won den Kümpfen an der Äser.
Br. Amsterdam, 31. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Dem „Telegragf" wird gemeldet, datz es am Donnerstag auf bent Schlachtfeld an der Äser verhältnismäßig ruhig war. Es gingen wieder neue Truppen nach der Front ab. In den letzten Tagen sollen die Belgier sehr tapfer gekämpft haben. Man horte durch das Kampfgetümmel die Rufe: Löwen, Dender- mmtdl. Die belgischen und französischen Verluste bei dem Merfluß werden auf 10 000 geschätzt.
Neuer Kanonendonner bei Gsiende.
W. T.-B. Berlin, 31. Okt. über neue schwere Kämpfe au der belgischen Küste bringt der „Lok.-Anz." eine Meldung aus Vlifsingcu, daß schwerer Kanonendonner, der in den letzten drei Tagen abgeflaut, war, und zwar südwestlich von Ostende, vernehmbar sei. Aus Oostburg wird gemeldet, daß außer dem l?el"gen Kanonendonner auch heftige Explosionen gehört
werden.
Verluste der englischen Marine im Kanal.
- IV. T.-B. Berlin, 31. Okt. Der englische Gesandte im Haag teilte laut „Voss. Ztg." mit, daß auf dem englischen M , n c n ä c r ft c r c r „Falcan" an der Ostender Küste eine Statute explodierte, die einen Offizier und 8 Mann tötete, während ein Offizier und 15 Mann verwundet wurden. — Es heißt dann weiter, daß deutsche Unterseeboote noch immer an der belgischen Küste tätig seien. — Ebenfalls auf den Kampf bei Ostende dürfte sich folgende Drahtmeldung des. Züricher Korrespondenten der „Dost. Ztg." beziehen: Der Trrester „Piccolo" vernimmt aus Rotterdam, am 29.' Oktober seren tn dem Hafen von Harwich vier' kleine englisch» Kriegsschiffe eingelaufen, die von feindlichen Geschossen beschädigt waren. ,
400 000 belgische Klüchtllnge in Frankreich.
W.T.-B. Paris, 31, Okt. (Nichtamtlich.) Nach einer von Hern. Ministerium des Innern vorgenominenen iFählunq betragt btc Zahl der nach Frankreich geflüchteten Bstssier 4 f Jt» Oüu Personen.
3offrcd „Zerknapperungstaktik".
Br. Rotterdam. 81 Okt. (Eig. Drahtbericht, Ktr. Bln,) Einem alten Freunde gegenüber soll General Joffre. der - „Times" zufolge, geantwortet haben : „Stör mich nicht, ich zerknappere fee. Der Korrespondent führt danit aus. wie der Kriegslarif stn der Front in Dixmuiden, Nperu. Roye, . Nohon. von Nenns Big Verdun und weiter südlich bis Belfort lvirktich einer 3e kuapperung des Gegners ähnlich sei. überall : lnavperten die emsigen und unermüdlichen Mäuse an der
Front.
AaP^^Skeit der „Emden". — 51 Dampfer versenkt!
Br. Rotterdam, 31 Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Än.) Angeblich zuverlässigen Feststellungen L 0 n- 0 0 n e x Zeitungen zufolge, soll der deutsche Kreuzer
„Emden" bisher 51 Dampfer versenkt haben, darunter 34 englische, 10 französische und 7 japanische.
Der Kommandant der „Emden" Ehrenbürger von Blankenburg am Harz.
Br. Magdeburg, 31. Okt. (Eig. DAhtbericht. Ktr. Mn.) Der Kommandant der „Emden", Kapitän von Müller, wurde von der Stadt Blankenburg am Harz, in der er geboren ist, zum Ehrenbürger ernannt.
Die neue Heldentat Her „Emden".
Eine russische Bestätigung.
W. T.-B. Berlin, 30. Okt. (Nichtamtlich.) Eine verspätet hier eingetroffene amtliche Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur aus Tokio bestätigt, daß der russische Kreuzer „Schemtschug" und ein französischer Torpedojäger auf der Reede von Penang durch Torpedoschüffe des deutschenKreuzers „Emden" zum Sinken gebracht worden sind. Weitere Einzelheiten.
IV. T.-B. Berlin, 30. Okt. (Nichtamtlich) Die Kriegs- zeitung des „Berl. Lok.-Anz." meldet aus Kopenhagen: Der russische Marinestab teilt folgende Einzelheiten über den Untergang des russischen Kreuzers „Schemtschug" bei Penang mit: Am 28. Oktober, 5 Uhr früh, näherte sich.die ; „Emden", tue durch Ausstellen eines vierten Schornsteins unkenntlich gemacht war, den Schiffen, welche die „Emden" für ein Kriegsschiff der Verbündeten hielten. Die „Emden" fuhr mit voller Kraft -gegen den „Schemtschug". Sie eröffnete das Feuer und schoß einen Torpedo ab, der am Buy 'des russischen Kreuzers explodierte. Der „Schemtschug" erwide r t e das Feuer. . Die „Emden" schoß einen neuen Torpedo ab, der den „Schemtschug" zum Sinken brachte. 83 Mann der Besatzung ertranken, 250 Mann, darunter 112 Verwundete, wur- . den gerettet.
Die erfolgreichen Kämpfe der Oesterreicher.
Bisher über 80 000 Russen gefangen.
W. T.-B. Wien, 30. Okt. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 30. Oktober, mittags: In Russisch- Pole n wurde auch gestern nicht gekämpft. Am unteren San wurden stärkere, südlich Risko über den Fluß gegangene feindliche Truppen nach heftigen Gefechten zurückgeworfen. Bei Starh Sambor sprengte unser Geschützfeuer ein russisches Munitionsdcpot in die Lu f t. Alle feindlichen Angriffe auf die Höhen westlich dieses Ortes wurden abgeschlagen. Im Raume nordöstlich von Turka gewannen unsere angreifenden Truppen mehrere wichtige Höhenstellungen, die der Feind fluchtartig räumen mußte. Unser Landsturm machte in diesen Kämpfen viele Gefangene.
Die Gesamtzahl der in der Monarchie internierten Kriegsgefangenen betrug am 28. d. M. 649 Offiziere und 73179 Mann, nicht eingerechnet die auf beiden Kriegsschauplätzen sehr zahlreichen noch nicht ab geschobenen Gefangenen aus den Kämpfen der letzten Wochen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Generalmajor.
Der russisch-türkische Konflikt.
Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Rutzland.
W- T.-B. Rom, 31. Okt. Die „Ngcnzia Stcfani" meldet aus Petersburg: Nachdem die Türkei die Feindseligkeiten
gegen Rußland eröffnet hat, hat die russische Ncgiernug ihre Konsuln angewiesen, die Türkei zn verlassen und den Schütz der Russen Italien übertragen. Der russische Botschafter wurde angewiesen, Konstantinvpel zu verlassen. Rußland wird den türkischen Untertanen in Rußland gegenüber dieselbe Haltung einnehmen wie die Türkei gegenüber den russischen Untertanen.
Sine amtliche Mitteilung der Pforte.
Die russische Niederlage im Schwarzen Meer.
Au? Konstantinovel, 30. Okt., meldet die „Franks. Ztg.": Die türkische Regierung teilt amtlich mit: Während ein kleiner Teil der ottomanischen Flotte am 28. Okt.- im Schwarzen Meer Übungen vornahm, er öffnete die russische Flotte, nachdem sie längere Zeit diesen Übungen folgte und sie zn stören suchte, am Donnerstag die Feindseligkeiten, indem sie die ottomanischen Schiffe angriff. Im Verlaufe des sich nunmehr entfpinnenden Kampfes gelang es unserer Flotte durch die Gnade des Allmächtigen, den Minendampfer „P r u t", der 5000 Tonnen verdrängte und ungefähr 700 Minen trug, zu versenken, einem
der russischen Torpedoboote schwere Beschädigungeit beizubringen und einen Kohlendampfer zu kapern. Ein vom türki- . scheu Torpedoboot „Hairet Millie" abgeschossener Torpedo hat den russischen Torpedojäger „Kubanez", der 1100 Tonnen verdrängte, versenkt und ein anderes vom Torpedoboot „Monavenet Millie" abgeschossener Torpedo hat einent anderen russischen Küstenschiff sehr schweren Schaden zugefügt. Drei russische Offiziere und 72 Matrosen wurden von den Unseren gerettet und, da sie zur Bemannung der versenkten imd zerstörten Schiffe gehörten, gefangen genommen. Die Kaiserliche Flotte hat durch die Gnade Gottes keinerlei
chad en erlitten und der Kampf geht günstig fürunsere Flotte weiter. Die Kaiserliche Regierung wird ohne Zweifel mit äußerstem Nachdruck gegen diese feindselige Handlung Einspruch erheben, die von der russischen Flotte gegen einen geringfügigen Teil unserer Flotte unternommen ivor- den ist.
Die zuversichtliche Stimmung in der Türkei.
W. T.-B. Konstantinopel, 30. Okt. (Nichtamtlich) Die Beiramfeier war in der ganzen Türkei von einem Gefühl freudig e r E r w a r t u n g getragen und von der Empftu-, düng, datz man am Vorabend grotzer Ereignisse stehe.
Deutschland der einzige Zreund der Mohammedaner.
V/. T.-B. Konstantinopel, 31, Okt. (Nichtamtlich.) Die Blätter geben einen Artikel des Teheraner Blattes „Resobag" wieder, der die Überschrift trägt: „Der deutsche Kaiser und die mohammedanische Welt." Es wird in ihm! hervorgehoben, datz der einzige Freund der Mohammedaner Deutschland sei, nach welchem sich die Blicke allior Muselmanen! --wenden. Die Tatsache, daß Deutschland immer mit denk Sitze des Kalifats herzliche und freundschaftliche Beziehungen unterhalten habe, habe ihm die Sympathie aller Muselmanen gewonnen.
Grosze Zustimmungskundgebungen vor der türkischen Botschaft in Berlin.
W. T.-B. Berlin, 31. Okt. Vor 'der türkischen Botschaft fanden gestern abend große ZustimmungskundgLbunycn statt. Aus der Mitte des Publikums wurden mehrere Ansprachen! gehalten, die in brausend aufgenommene Hochs aus den Sultan und den deutschen Kaiser ausklangen. Der Botschafter, General Mahmud Mukhtar-Pascha, hielt ebenfalls eine kurze Ansprache, in welcher er seiner F reud e Ausdruck gab, Grütze der Deutschen nach seiner Heimat übermitteln zu können. Er wolle nicht viele Worte machen in dieser schweren Zeit, in der die Türket an d er Sesite Deutschlands kämpfe. Er fordere die Menge aus, in die deutsche Rationale Hymne einzustimmen.
Ein Angriff der Türken auf Odessa.
W. T.-B. Frankfurt a. M., 31. Oft. Die „Franks. Ztg." meldet ans London: Ein Telegramm meldet, daß verschiedene, jedenfalls türkische Torpedoboote, deren Namen unbekannt sind, einen Angriff gegen Odessa unternahmen und das russische Kanonenboot „D 0 n e tz" am Eingang des Hafens zuut Sinken brachten. Ei» Teil der Bemannung ertrank, wurde getötet oder verwundet. Drei russische Dampfboote und ein französisches Dampfboot wurden beschädigt und einige Ein-! wahner getötet oder verwundet.
Beschießung Sewastopols durch die Türken.
W- T.-B. Frankfurt n. M., 31. Okt. Die „Franks. Ztg." meldet ans Konstantinvpel: Der türkische Kreuzer „Sultan
Jawus-Sctim" hat Sewastopol erfolgreich beschossen und die Stadt in Brand gesetzt.
800 000 Türken schlagfertig!
Syrien in Erwartung französischer und englischer Feindseligkeiten.
Die „Köln. Volksztg." berichtet: Tab gha am See Genei sareth, 1. Oft. 1014. Die Furcht:vor einer Beschießung und Landung seitens der englischen oder französischen Flotte hat Regierung und Bevölkerung in Haifa und Akk 0 (auch Beirut) zn verschiedenen Vorsichtsmaßregeln veranlaßt. Soi ist von den betreffenden Eisenbahnstationen alles Betriebsmaterial, Kohlenvorrnte und dergl. in das Innere des Landes geschafft worden. In Voraussicht eines später eintretendctt ! Kohlenma Igels sind die Eisenbahnzüge in der Richtung Damaskus und Nablus beschvKÄkt worden. Ängstliche Familie^, besonders mohammedanische, ziehen sich gleichfalls in das Innere des Landes zurück: Die hiesige Schiffbrücke liegt
augenblicklich voll von Möbeln, Bettzeug trab dergl. solcher Familien,. die diesen Morgen aus Akko oder Haifa kamen! und nach Säfed ziehen wollen. — Durch die vollständige Mobilisation verfügt die Türkei über ein schlagfertiges Heer von mehr als 500 0 00 Mann, das, abgesehen: von anderen^ England, und Rutzland sehr unbequem werden könnte bei der augenblicklichen Kriegslage. Die im italieni-. scheu wie Laikanischen Kriege gemachten Erfahrungen kommen;
