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Gxpedttior»: Lauggafse No. 27.
Gelte 7
Tages-Kalender.
Freitag den 12. December.
Scivervelchnke at Wiesbaden. Vormittags von 8—12 und Nachmittags s von 2—6 Uhr: Gewerbliche Fachschule; von 2—4 Uhr: Madchen- Zeichenschule; Abends von 6—10 Uhr: Gewerbliche Modellirschule; von 8—10 Uhr: Gewerbliche Abendschule und Fach-Cursus für Schneider.
Aürqerauslchutz der Stadt Wiesbaden. Nachmittags 4 Uhr: Sitzung im Saale der Gewerbeschule, Wellritzstraße 34.
nlkaemeine Wähkervcrsammlnng der dritten Wahlabtheilung Abends 8 Uhr im „Saalbau Schirmer".
Turnverein. Abends 8 Uhr: Riegenturnen der activen Tumer. Männer-Turnverein. Abends v. 8—10 Uhr: Vorturnerstunde u. Kürturnen. Kecht-tzluv. Abends 8 Uhr: Fechten im „Römer-Saale".
Männergesang-Werein. Abends 8V2 Uhr: Gesammtprobe.
Mannergesangverein „tzoncordia". Abends 9 Uhr: Wichtige Besprechung. Gesangverein „Mcue ßoncordia". Abends 9 Uhr: Probe.
Deutscher Aellner-IZund. Abends 10 Uhr: Versammlung.
Königliche ||| Schauspiele.
Freitag, 12. Decbr. 238. Vorstellung. Bei aufgehob. Abonnement.
Zum Erstenmale:
Der Kauv der Savinerinnen.
Posse in 4 Akten von Franz und Paul von Schönthan. In Scene gesetzt von C. Schultes.
Personen:
! Martin Gollwitz, Professor . . Herr Köchy.
! Friederike, dessen Frau Frl. Widmann.
I Paula, deren Tochter Frl. Lipski.
• Dr. Neumeister ...........Herr Reubke.
: Marianne, seine Frau Frl. Butze
; Carl Groß.............Herr Rudolph.
: Emil Groß, genannt Sterneck, dessen Sohu - Herr Neumann.
» Emanuel Strlese, Theater-Director .... Herr Grobecker.
: Rosa, Köchin bei Gollwitz ......... Frau Rathmann.
> Auguste, Dienstmädchen bei Neumeister . . . Frl. Hempel.
! Meißner, Schuldiener.........Herr Holland.
| Ort der Handlung: Eine kleine deutsche Stadt. — Zeit: Gegenwart.
: Anfang «V2, Ende nach » Uhr.
: Samstag, 13. Decbr. (z. E. wiederh.): Aennchen von Tharart.
Curhaus zu Wiesbaden.
ßycln« von 12 tzonccrten unter Mitwirkung hervorragender Künstler.
Freitag den 12. December.
IV. C O I C E R T.
Mitwirkende: Herr Jules de Swert, König!, preuß. Concertmeister, und das auf circa 60 Musiker verstärkte städtische tzur - Hrchester unter Leitung des Kapellmeisters Herrn l.oni* Lüatner.
Programm.
1. Symphonie No. 2 (D-dur
2. Soli für Violoncell mit Orchester:
a) „Kol Nidrei“, Adagio nach hebräischen Melodien (Zum ersten Male.)
b) Finale aus dem 2. Concert.......
Herr de Swert.
3. „Phaeton**, Poeme symphonique
4. Soli für Violoncell mit Orchester:
a) Consolation.............
b) Scherzando I g 102
c) Berceuse | 1
d) Mazurka .............
Herr de Swert.
5. Ouvertüre zu „Benvenuto Cellini"
Anfang Abends Th Uhr.
Beethoven.
M. Bruch.
C. Schuberth. Saint-Saens. Liszt-de Swert. Schumann. Popper.
Berlioz.
Lokales und Provinzielles.
V (Oeffentliche Sitzung der II. Strafkammer des Kal. Landgerichts vom 11. December.) Vorsitzender: Herr Landgerichts- I Director Koppen. Beamter der Kgl. Staatsanwaltschaft: Herr Assessor Schröder. — Ein junger Mensch, schlecht gekleidet, die Hände über- sinander geschlossen, wird von einem Schutzmanne zur Anklagebank ge- sührt. Sein Gesicht ist der Typus der Gaunervisaae. Sein Aeußeres stimmt mit seinem Innern überein; er ist schon fünfmal von Gerichten ms Gefängniß gesperrt worden, weil er sich jedesmal an fremdem Eigen- . Mm vergriffen hat. Am 14. September d. I. hat er abermals gestohlen.
<ßenn man ihm glauben darf, so hat sich die Sache so zugetragen: A. I. 1 oonas — so heißt der 22jährige Mensch — ist seines Zeichens Tüncher
und kam im Anfang September nach Wiesbaden, um in seiner Branche Weit zu suchen. Er wurde bei mehreren Meistern^abgewnsen, verlor den Muth und glaubte, wenn er auch irgendwo Arbeit fände, doch nicht lange bleiben zu können; seine vielen Vorstrafen, wenn sie zur Kenntmß fernes Meisters gelangten, würden ihm dessen Vertrauen entziehen. Mft diesen traurigen Gedanken ging er am 14. September auf der Landstraße nach Sonnenberg. Die Straße war nicht sehr belebt, vor ihm rollte ein Wagen, der mit Kisten und Kasten beladen war. Jonas verspürte Hunger, er hatte keine Mittel, ihn zu stillen. Die Noch macht erfinderisch. Das Fuhrwerk hielt vor einem Landhause an, der Fuhrmann lud einen Pack Maaren von dem Wagen auf seine Schultern und ging in das Haus., Jonas trat rasch an den Wagen heran, ergriff eine Kiste, wandte sich damit den Curanlagen zu, versteckte sie dort im Gebüsche und ging fort. Am Abend kam er wieder dahin, erbrach die Kiste, nahm ihren Inhalt in ein Tuch und bot der Trödlerin Br. eine Menge Knabenanzüge, Strümpfe und sonstige Kleidungsstücke im Wcrthe von über 100 Mk. an. Die Trödlerin fragte ihn, woher er die Sachen habe? „Gezappt", erwiderte ehrlich der Spitzbube. Sie wurden handelseinig, Jonas bekam 7 Mark für den ganzen
Plunder". Die Kiste war adressirt an einen Herrn Molitor, der mit einem Sohne aus der Dieteumühle wohnte. Der Fuhrmann mußte später reu Werth der Kiste mit baaren 60 Mk. ersetzen. Jonas wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt, der bürgerlichen Ehrenrechte auf gleiche Dauer verlustig erklärt und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht Über ihn ausgesprochen. — In der Wirthschaft des Philipp Buch zu Niederhöchstadt saßen am Abend des 14. April — am zweiten Ostertag — 26 Mitglieder des Gesangvereins „Teutonia" von Steinbach und tranken Aepfelwein. Der Wirth war eifrig hinter den Gästen her, füllte die leergewordenen Gläser und freute sich der lustigen Zecher. Die Gäste verlangten von dem Wirth, er möge ihren Krug mit einem Achtel Aepfelwein, den sie bereits bezahlt, aber noch nicht getrunken hatten, nebst einer Anzahl Gläser mit auf den Heimweg geben. Der Wirth weigerte sich zuerst, gab aber nach, als der der Herr Lehrer von Steinbach, der zur Gesellschaft gehörte, sich für dm Krug verbürgte. Die Steinbacher aber wollten jetzt den Krug nicht mehr, fingen an zu lärmen Und auf den mißtrauischen Wirth zu schimpfen, und ließen sich auch dadurch nicht beruhigen, daß der Wirth erklärte, er wolle ben Wein zurücknehmen. Peter H„ der nebst August W. am lautesten gewesen war, nahm schließlich den Krug, schüttete den Aepfelwein dem Wirth vor die Füße und warf den Krug mit einer unanständigen Einladung auf ben Boben. „So ist's recht!" rief W., und auch Andere klatschten Beifall. Der Wirth Buch, der während dieses Vorfalles, wie ein geduldiges Lamm zwischen Wölfen mitten unter den aufgeregten Steinbachern gestanden hatte, fühlte das Mißliche seiner Situation und forderte die Gäste auf, das Wirthszimmer zu verlaffeu. Die Männer von Steinbach leisteten Buch's Aufforderung keine Folge und blieben. Der Wirth zog sich in seinen Hof zurück. Die Mitglieder des Steinbacher Gesangvereins waren Buch's Stammgäste; durfte sie Buch so mißachtend behandeln? Ihre Erregung wuchs; sie brachen auf und kamen ebenfalls in ben Hof. Buch trat auf Peter H. herzu unb sagte ihm, „bie anberen Steinbacher seien orbentliche Leute; er allein betrage sich unpassenb." Ihr Vereinsmitglied war beleidigt; das forderte Rache. Die Steinbacher wurden unruhig. Buch zog sich in feine Hausthür zurück und rief den Fremden zu, fein Hans zu verlassen; diese leisteten mdeß keine Folge und der Wirch soll darauf geäußert haben: „Nehmt Scheite und werft sie hinaus!" In der That schien fein Knecht, Damian Staubach, Mime zu machen, die Aufforderung zu verwirklichen, doch fünf bis sechs Steinbacher fielen über chn her. Er wurde befreit und eilte seinem Herrn zu Hilfe. H. faßte eine eiserne, 7 Pfund schwere Kartoffelschaufel mit beiden Händen und hieb damit dem Adam Klomann, der ganz unbetheiliat bei dem Strafte war und.eben ans dem Hof gehen wollte, mit voller Wucht auf den Hinterkopf. Klomann fiel bewußtlos nieder und kam erst wieder zu sich, als ihm von Johann Brech kalte Aufschläge gemacht wurden. Die Wunde eiterte drei Tage. Der Verletzte konnte nur mühsam seinen Geschäften nachgehen, hat auch jetzt noch unbedeutende Schmerzen in den Halsflechsen. Als der ebenfalls unbetheiliate Schlosser Anton Brech den Klomann zusammenstürzen sah, eilte er chm zu Hilfe, erhielt aber mit der Schaufel von H. einen Schlag über den linken Arm und fiel nieder. Er raffte sich wieder empor unb bekam, wie er glaubte, von August W. mittelst einer Schippe einen Schlag über ben Kopf, eilte einige. Schritte fort, stürzte am Hofthor zusammen unb blieb etwa eine Minute ohne Besinnung liegen. Durch ben Hieb über ben Kopf hat Brech an ber linken Seite des Vorderkopfes oberhalb der Stirne eine 2'/- Zentimeter lange Wunde davongetragen. Nach diesen Heldenchaten entfernten sich die Steinbacher lärmend wie Sieger. Von Seiten der beiden Angeschuldigten Maurer Peter H. II. unb Laudwirth August W. wird der Sachverhalt etwas anders dargestellt. Vor Allem behaupten sie, daß sie zum Verlassen des Hauses von dem Wirth überhaupt nicht seien aufgefordert worden. In Rücksicht der Mißhandlung will H. sich in Nothwehr befunden haben. Der Knecht Damian habe mit übereinander gekreuzten Armen im Hofe gestanden, als er mit seinem Kollegen dahin gekommen, Damian habe ihn erwartet, von chm sei er zuerst geschlagen worden; um sich vor weiteren Angriffen zu schützen, habe er draufgeschlagen. W. behauptet, ben Brech überhaupt nicht geschlagen zu haben; die Meinung, daß er dies gethan habe, sei wohl dadurch entstanden, daß er dicht neben Brech aus dem Saale gegangen und dieser gleich darauf den Schlag bekommen habe. Die beiden Angeschuldigten wurden des gemeinsamen Hausfriedensbruchs in je einem Falle, H. der vorsätzlichen Mißhandlung ebenfalls in einem Falle schuldig befunden, W. von der Anklage der Körperverletzung freigesprochen. Das Urtheil lautete gegen H. auf 3 Wochen, gegen W. auf 14 Tage Gefängniß. Beide An- geschuldigte werden außerdem die Kosten des Verfahrens zu tragen haben.
* (Immobilien-Versteigerung.) Bei der gestern abtheilungs- halber tiorgenommenen Versteigerung von Immobilien der Herren H einr. Jacob Haas und August Thomä blieb auf 78 Rüchen 69 Schuh
