Nr. 509.
Samstag, 31. Oktober 1914.
Wiesbadener TagbLatt.
Morgen-Ausgabe. Erstes Matt.
Sette 5.
ton 13 Stimmen ab gelehnt, der Antrag auf Bewilligung der Mag M. mit 17 Stimmen angenommen.
Auf einen Bericht des Stadtv. Reichwein wird einem "ertrag zugestimmt, durch welchen kleine Flächen des Anwesens Sonnenberger Straße 3 sowie der Stadt ohne Geld- MrauSgabe ausgetauscht werden.
„ Zum Schluß führt Stadtv. B a u m b a ch Beschwerde Uber die Verwüstungen, welche auf dem Fried Hof Zeitweilig durch das lediglich seine Neugierde befriedigende Publikum angerichtet werden, sowie über das pietätlose Vergüten vieler. — Beigeordneter Körner erklärt, die Stadt W bemüht, dem Mißstand zu steuern.
Es folgt geheime Sitzung.
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Bus Statt und £and.
Wiesbadener Nachrichten.
Das Eiserne Nreuz.
Mit dem Eisernen Kreuz wurden ausgezeichnet: der Leutnant der Reserve im Reserve-Husaren-Regiment Nr. 8 Alexis ßeintzmann, ein Wiesbadener; der Leutnant der Reserve '»> 80. Feldartillerie-Regiment Gerichtsassessor Dr. Knoo, «ahn des Rentners G. A. Knod in Wiesbaden; der Freiherr 'wlv.Thüngen, Leutnant im 6. Bayerischen Chevauleger- ">agiment, Sohn des hier wohnenden Barons Karl v. Thüngen;
Leutnant der Reserve im Infanterie-Regiment Hessen- vomburg Königl. Gymnasialdirektor Dr. Ernst Bieber, ^ohn des Rentners Peter Bieber in Wiesbaden; der Stabs- At im 3. Bataillon des Regiments 80 Dr. Geister aus Wiesbaden; der Gefreite Arno W eschen selber und der Unteroffizier der Reserve Otto L e i p o l d, beide im Füsilier- Regiment 80; der 18 Jahre alte Einjährig-Freiwillige im Pionierbataillon 20 Karl Schräder, ein Enkel des Hof- Mofsers Hch. Phtlippi in Wiesbaden; der Unteroffizier im ^egiment 88 Johann Egeno lf aus Limburg; der Gefreite "er Landwehr im Regiment 80 Johann Lauser aus Höchst " M.; der Katasterlandmesser Hugo Becht aus Wiesbaden.
Die Zeldpost.
Ein Notschrei folgt dem anderen. »Daß von meinen zahl- eichen, teils 80 Gramm, teils y 2 Pfund wiegenden Sendun- N an einen Kriegsteilnehmer an der ostpreußischen Grenze W 6 Wochen nicht eine einzige, ja nicht einmal eine Feldpost- ^rte trotz äußerst genauer Adresse angekmnmen ist, damit 'Ube ich mich bereits abgefunden", schreibt eine Leserin. „Jn- Wschen habe ich an einen f e st e n S t a n d o r t an der chlestsch-russisch-polnischen Grenze innerhalb 14 Tagen wieder ^inere und größere Paketchen resp. Briefe befördert, von °enen ein 80-Gramm-Brief in 3 Tagen, ein anderer in Tagen sein Ziel erreichte, ein Beweis, daß die Adresse '°rrett war. Der zuerst abgesandte Brief kam zuletzt an. Wie K es aber möglich, daß ein von Berlin abgeschicktes ^und-Päckchen an die gleiche Adresse in 8 Tagen erledigt
d-rr, während von W i e s b a d e n ans i n 1 4 T a g e n n r ch t
°>u einziges sein Ziel erreichte? Wir brauchten nicht den Khnten Teil der Wohltätigkeiten, wenn unsere Leute die Aaben der Anverwandten bekämen; sorgt doch fast jeder selbst ^ seine Lieben. Wenn die Sache undurchführbar ist, dann ]Pjfk die Feldpost offen ihre Unfähigkeit eingestehen nrw ihre Gütigkeit einstellen. Wir zu Hache sparten dann unser ge- zum Fenster hinansgeworfenes Geld und die Ärmsten Wrrßen müßten sich eben damit abfinden, daß in unserer Zer. ^ unbegrenzten Möglichkeiten kein Weg gefunden werden >7'chte. um die tapferen Kämpfer mit dem Notwendtg- [ te tt zu verfehem Die Einsenderin dieser Klage gehört den ^habenden Kreisen der Wiesbadener Bevölkerung an. Zimmer ist dte Sache noch, wenn zu der Sorge um die im 'seid stehenden Angehörtgen und zu dem Ärger über die mannhafte Funktion der Feldpost noch das Gefühl kommt, den ehten Pfennig fiir die Liebesgaben aufgewendet zu Wen, die nicht oder doch viel zu spat ihr Ziel erreichen. Von ?u>er Arbeiterfrau stammt dieser Notschrei: „Mein
^arrn ist seit 4 Wochen in M. und schreibt sehr fleißig, aber ^ine Sachen kommen nicht an. Ich habe schon vor 3 Wochen warme Unterkleider geschickt und außerdem noch zwei ?"dere Pakete, auch 8 Briefe und 10 Karten. Angekommen nur ein Paketchen, ein Brief und eine Karte. MerLvürdig % daß mein Mann von seinen Geschwistern alles erhält, die W im Schwarzwald wohnen, und hier in der großen Stadt Wert's. Ich bin leider nicht in der Lage, ein zweitesmal Msachen zu kaufen, und es ist mir fürchterlich, daß *** arme Mann, der Tag und Nacht im Wald liegt und fiteren "Ulß, von den Seinigen keine Nachricht erhalten kann."
^ Ein hiesiger Gemeindebecrmter schreibt uns zu demselben 'Herna: „Eine Verwandte von mir ist freiwillige Pflegerin in Wem hiesigen Krankenhaus. Sie bestätigt den Mißstand in Wem Umfang. Keiner der neuerdings hier eintreffenden ^ttounbeten hat wollenes Unterzeug, k e i n e r h a t j e Wivas von Liebesgaben gesehen. Die Füße 'Wer armen Dulder sind derart geschwollen, daß die Stiefel ^geschnitten werden müssen, um sie zu befreien. Beim lasche« der Füße äußerte einer, „wenn er es nicht sähe, wurde * es nicht glauben; die Füße seien wie tot." Wir stehen dicht •°t dem Winter. Was soll werden, wenn unsere Soldaten bei Wis 6 Grad Kälte Tag und Nacht in den Laufgräben liegen Wscn? Sw erfrieren die Füße unrettbar. Und was dann, "enn zu den vielen Tausenden Verwundeter und Kranker noch "eie Tausende Fußkranker kommen? Man kann ohne Über- ^eibung sagen, di e V er sor g u n g u n ser er Tr u p p en
?>t warmem Unterzeug ist jetzt eine Frage der
kchlagfertigkeit unseres Heeres. Wer helft aber?
Ohnmacht der Feldpost ist erwiesen. Die Vereinstätigkeit .'Ui nicht annähernd das Bedürfnis befriedigen. Nur die Heeresverwaltung kann helfen."
. Eine Erklärung, weshalb vielleicht manche Feldpostsen- Ungen und Pakete an Krieger nicht ankommen, sucht ein Postämter zu geben. Er stellt zunächst fest, daß die eingelrefer- en F e 1 d p 0 st b r i e f e, so weit Wiesbaden in Betracht gründlich vorsortiert und verpackt werden. Die Säcke Werden unter Aufsicht verschlossen und bei der nächsten Wesenheit der Sammekstelle Angeführt. So wie es hier ist, Wde es auch anderswo sein, meint er, und weist dann auf 'Me Notiz einer Dortmunder Zeitung hin, wonach Sendungen Soldaten gestohlen worden sind. In der Notiz heißt !f : „Jetzt endlich wurden mehrere junge Leute fest gekommen die bereits eingestanden haben, viele Sendungen M Soldaten im Feld, besonders nach Zigarren, Wokvlade, Briefmarken und Geld durchsucht und be- >bert zu haben. „Auf diese Weise", sagt _ die «iW ^erklären sich wahrscheinlich auch die vielen
Reklamationen wegen der im Feld nicht eingetraffenen Liebesgaben." Ans einer Mitteilung eines Regensburger Blattes sind in Bayreuth vier Soldaten verhaftet worden, die die Plünderung von Soldatenpaketen systematisch betrieben haben. Zum Teil mögen nicht angekommene Sendungen in der Tat Spitzbuben zum Opfer gefallen oder auf andere Weise (durch feindlichen Überfall ufw.) abhanden gekommen fein, unmöglich aber läßt sich auf diese Weise die ungeheure Zahl der „immer noch nicht angekommenen" Sendungen an Soldaten hinreichend erklären.
Zigarren und Zigaretten als Liebesgaben.
Der Z i g a r r e n h ä n d l e r v e r e i n in Wiesbaden schreibt uns unter Bezugnahme auf eine in der Abend-Ausgabe vom letzten Dienstag erschienene Notiz: Es ist allerdings vor- gekommen, daß Soldaten mit minderwertigen Erzeugnissen zu unverschämt hohen Preisen bedient wurden. Das geschah aber nicht von legitimen Zigarrenhänd'lern, _ sondern von gewissenlosen Menschen, die den Truppen ins Feld nachgefahren waren, und denen in der Zwischenzeit das Handwerk gelegt worden ist. Gegen derartiges unlauteres Gebaren kämpfen die reellen Zigarrenhändler mit derselben Entrüstung wie die davon Betroffenen. Die Ztgarrenhändler setzen ihre Ehre darein, gerade den im Feld stehenden Kriegern nur das Beste zu bieten,. Dagegen haben wir die Erfahrung machen müssen, daß von Kunden, und zwar leider gerade meist von solchen aus den besseren Kreisen, mit der Begründung, „es sei ja nur für gewöhnliche Soldaten", 3-, 4- und 8-Pfennig- Zigarren verlangt wurden, und daß Händler, die diese Qualitäten gar nicht führten, dadurch veranlaßt wurden, sie aufzunehmen. Vielfach geschieht ein solches Verlangen auch nur aus Unkenntnis der Sachlage. Sachkundige Händler erzielen häufig durch Aufklärung über die durch die Einführung der 40 Prozent Wertsteuer und die seit 10. Jahren bestehende gewaltige Verteuerung der Rohtabakpretse, daß ^unseren Kriegern w e n i g st e n s annähernd die Qualitäten gesandt werden, die sie im bürgerlichen Leben zu rauchen gewöhnt sind. Jedenfalls verwahrt sich die Zigarrenhändlerschaft entschieden gegen jeden Verdacht, sich auf Kosten unserer braven im Feld stehenden Truppen unrechtmäßig bereichern zu wollen."
Der Verein hat recht, wenn er sich gegen diesen Verdacht kräftig wehrt, wir glauben aber, daß der Einsender der Notiz in der Dienstag-Abend-Ausgabe gar nicht an die Mitglieder des Vereins gedacht hat, als er ans einen seiner Ansicht nach hier und da bestehenden Mißstand hinwtes. Im übrigen ist ja die Erklärung des „Zigarrenhändlervereins" sehr interessant; es gibt also in Wiesbaden wirklich wohlhabende Leute, die Zigarrenschund kaufen, weil's „ja nur fiir gewöhnliche Soldaten" ist, die allerdings weiter nichts als ihr Loben fiir die „freundlichen" Spender in die Schanze schlagen.
— Militärischer Nachruf. Im Namen des Offizierkorps des LanÄwehr-Jnsanterie-Reghnents 80 erläßt Oberst und Regimentskommandeur Petersen folgenden Nachruf: „An
den Folgen einer am 3. Oktober in Frankreich erhaltenen Verwundung starb am 19. Oktober in Dcrrmstaidt den Heldentod für Kaiser und Reich der Leutnant der Landwehr Bahnst ä d t, Ingenieur der Höchster Farbwerke. In den Kämpfen Anfang September fanden den Heldentod die Offizierstellvertreter Roer, Gerichtsfekretär, K ocni g. FabriZdirektor. Das Offizierkorps wird das Andenken der tapferen, in treuer Pflichterfüllung gefallenen Kameraden in hohen Ehren
^ ^ Kriegsabende. Im Mittelpunkt des nächsten Abends, der wieder Sonntag 8 Uhr im „Saalbau stattfindet, steht eine Ansprache von Herrn Pfarrer Lieber über dte si t tlich en Kräfte des Krieges. Die Umrahmung bilden Deklamationen von Fräulein Friedländer und das reizvolle Mozartsche Trio in Es-Dur für Violine, Bratsche und Klavier, wobei die bekannte vortreffliche Geigerin Fräulein Lampe und Herr Petsch, der sich auf dem letzten Kriegsabend durch sein schönes Spiel auf der Bratsche hervortat, Mitwirken werden. Die Leitung des Abends hat Herr Oberbürgermeister a. D. Dr. v. I b e l l übernommen. Der Vorverkauf der Eintrittskarten wird wieder von 2 Uhr ab an der Kasse stattfinden.
— Museums-Neubau. Dem Bildhauer Willy Bierbrauer aus Wiesbaden ist vom Magistrat der Auftrag erteilt worden, für den Mnseums-Reubau, besonders für_ die Fassaden der Rheinftraße und der Südseite, sechs über 2U, Meter hohe Figuren herzustellen. Einen wesentlichen Teil des bAdhauerischen Schmucks für die Fassade an der Kaiserstratze hat derselbe Künstler bereits fertiggestellt.
— Mit der Arbeitslosigkeit beschäftigte sich etne am 28. Oktober tm Saal der „Turngesellschaft" stattgefundene Versammlung von Meistern und Gehilfen 'des Schretnerhand- werks. Es wird uns darüber berichtet: EiNberufen wurde die Versammlung von der Schreiner-Innung und dem Arbeitgeber-Schutzverband auf Ersuchen der Ge- hi'lsenorganisaticm. Vorgeschlagen war von 'den Gehilfen, eine Verkürzung der Arbeitszeit von 9 auf 8 Stunden, um dadurch für arbeitslose Gehilfen für die.Dauer des Kriegs Berdienst- gelegenheit zu schaffen. Ohne Widerspruch wurde das von der Versammlung als eine Verbesserung der Lage anerkannt. Auch waren sich alle Anwesenden darüber einig, daß einzelne Betriebe, die sogar mit Überstunden arbeiten lassen, in dieser harten Kriegszeit wenig soziales Verständnis besitzen, den gerade jetzt so notwendigen Sinn für die Allgemeinheit vermissen lassen und sich damit auf die gleiche Stufe mit den Lebensmittelspekulanten stellen. Auch unter den selbstständigen Schreinern mache sich die Not bitter bemerkbar, mit dem, .'was einzelne nur mit Überstunden bewältigen, könnten mehrere andere schon beinahe vollständig leben. Behörden, Unternehmer und Private werden anfgefordert, sich eins zu fühlen mit dem werktätigen deutschen Volk, den selbstsüchtigen Jchstcmdpunkt weit von sich zu weisen und als etwas Undeutsches zu bekämpfen. Vereinzelt wurde die Ansicht laut: lieber die Arbeitsgelegenheit für die Schreiner zu vermehren, als die vorhandene Arbeit auf eine größere Anzahl Hände zu verteilen In dieser Weise kam die Meinung der Anwesenden zum Ausdruck. Die mäßig besuchte Versammlung war von einer Gehilfenvertretung beschickt worden. Viele Mitglieder der Innung stehen als Krieger in Feindesland und dre Arbeitgeber die acht oder mehr Gehilfen beschäftigen, fehlten ganz. Auf Grund dieser letzteren Tatsache, und weil sich die Versammlung für nicht zuständig hielt, ist zu dem Antrag der Gehilfenvertreter kein bindender Beschluß gefaßt Warden. Da- Eraebnis der Abstimmung löste bei den Gehilfenvertretern großes Bedauern ans, um so mehr, da sie auf eine von Arbelt- aebern geäußerte Befürchtung ganz bestimmt und glaubwürdig versicherten, daß die achtstündige Arbeitszeit nur für d i« K r i e g s d a u e x gelten solle, auf dieser Grundlage schon
in mehreren Städten bestände und in anderen noch erstreik
werde. Der Berichterstatter kann den: nur beipflrchten. Hoffentlich gibt es noch mehr Gelegenheit, wo mit mehr Ansicht auf Erfolg eine Brücke zu friedlicher Verständigung zwischen Meistern und Gehilfen geschlagen werden lamu Als Kämpfer fürs Vaterland werden beide ja auch ganz gleich gewertet.
— Eine Rechtfertigung schickt uns der Prediger Ph. R all aus Stuttgart, der den Vortrag über das Thema: „Der Spiritismus — ist er göttlich?" hielt, über den in der gestrigen Abend-Ausgabe referiert würde. Er schreibt: „In meiner Vortragsserie, welche bei vielen Besuchern dankbares Interesse fand, habe ich auch dem Wesen des Spiritismus einen Abend gewidmet. Da ich in meiner feelsovgerischen Arbeit schon viel mit Spiritisten zu tun gehabt habe und in dieser Hinsicht persönliche Erfahrungen besitze, hielt ich es für meine Pflicht, an Hand der hl. Schrift vor dem Spiritismus zu warnen. Daß durch den Vortrag irgend welche Gemüter in Angst und Schrecken verseht worden sind, habe ich nicht bemerkt. Daß unser liebes Vaterland einen gerechten Krieg führt, den Gott der Herr zum Sieg lenken wolle nnd^wir m ehret schweren Zeit leben, ist keine Ursache, daß eip gläubiger Christ nicht von der Wiederkunft des Heilands sprechen dürfte, die die hl. Schrift als den Trost eines jeden >gläubigen Christen bezeugt."
— Kein Andreasniarkt dieses Jahr! In nichtöfsentlichev Sitzung stimmte die Stadtverordneten-VerfaurmlMig gestern einem Magistratsbeschluß zu, in diesem Jahr den Andreas- markt ausfallen zu lassen.
— Geschästseröffnung. Die Firma Segall eröffnet heute mittag in dem Hause Langgasse 38, in welchem sich jahrelang das Geschäft von Hirsch Söhne befand, ein der Deuzeit entsprechendes Damen-Bekleidungshans. Der Firma, die Beziehungen zu den größten Damen-BekleidungsgeschäftM Deutschlands unterhält, geht der beste Ruf voraus.
— Schwindel? In einem Geschäft in der Kirchgasse sprach gestern ein Mann mit Lampion-Selbstanzündern vor. Als er das Geschäft verlassen hatte, probierte man den erstandenen Zünder, wobei sich hevausstellte, daß er überhaupt nicht funktionierte. Es scheint sich also um schlechtes Zeug zu handeln, das da vertrieben wird. Vorsicht ist sonach am Platze.
— Ein Täschchenräuber hat gestern nachmittag in der Sonnenberger Straße insofern mit Erfolg „gearbeitet, als ihm der Überfall einer Daine zunächst gluckte; Pech hatte er aber doch, denn er fiel alsbald der Polizei in dre Hände. Es handelt sich um einen Burschen von etwa 18 Jahren.
— Personal-Rachrichten. Geeichtsassessor FMtz Ad«m hiifcrei- ilt Wm Amtsrichter ernannt und als solcher an oas Amt^aeücht in SÄvä versetzt. — Gerichtsassessor Dr.Mul- h s hi AtviU ist MM Amtsrichter in Rvdenber« ernannt.
_ eiehtc Notizen. Die Nr. ü4 der „Anstellungs-
Nachrichten" liegt in der Geschäftsstelle oes „Wiesbadener Taablatts" zur unentgeltlichen Einsicht offeii. — Tre St eno - avbie schul e St 0 lz e- S chrey (Gewerbeschulgebcmde) eröffnet am Freitag, den 6. November, abends 8 Uhr. einen neuen Kursus. AwneLdungen können erfolgen (für attere Damen und Herren, SondembteilMig) bei dem Leiter her Schule Löhrer S Paul. Philippsbergstratze 25 und zu BANN des Unteriüchts. Für SHrUkinder, deren Vater im Felde stehen, ist der Kursus kostenlos.
Musik- und Vortragsabende.
(Ohne Gewähr.) Vorgestern abend nmvde den Verwundeten und Kranken des Lazarettes mn Pauli ne fisch lötzchen ein seltener Genuß, geboten. Mi v «vburg, Fvl. HAda und Gerda Schwenger lowie Herr Schibdbach batten ihre Mitwirkung an einer chusik all schon Abendunter Haltung in liebenswürdigster Weile zugesagt. ~re von Frau v. Syburg schön vorgctragenen Lieder fanden lebhaftesten Beifall, ebenso Ivie die ViohNvo^rage von Frl G. Schivenaer. Schuberts „Ave Marm" und „Tw bist dre Ruh wurden von Herrn SchiLbach in seiner bostimhen mmsterMten Weise auf dem Violoncello zu Gehör gebracht. Höchst sich war die glückliche Wahl des Vorgetragenen und dre diskrete Klabierbegleitung durch Fvl. H. F^Eer GeheiMrat Fresenius sprach den ausübenden Künstlern den Dank der Zuhörer aus und forderte zrrm gemeinsamen Gesang der Lieder „Am Brunnen vor dem Tore" und „In einem kühlen Grunde auf Der erste Vers von „Hell d,r ,m Sregerkranz wurde von den Anwesenden stehend gesungen. Frau Prinzessin zu Schaumburg-Livve äußerte sich sehr befriedigt über den s^nen Abend Br den einer der Verwundeten. im Namen feiner Kameraden den Veranstaltern und Dtitwirkenden dankte. Er gab die Versicherung, daß das deutsche Volk üch sest Ef seine wackeren Krieger vevlassen könne, und,daß J-f
sie erst wieder vot'?m Fernd standen, ihre Pflicht tun würden. _In 14 Tagen soll ein ähnlicher Abend st-crttftnDen.
vermischtes.
Nun wollen wir sie dreschen! Es ist znm geflügelten Worte geworden dies Kaiferwort: Nun wollen wir sie dreschen. Aber man sollte doch nicht dies Wort, so führt die „K. V.-Z." aus, welches unser Landesherr in einem so ernsten Augenblick sprach, zu solchen Plattheiten mißbrauchen, wie wir es m Witzblättern und auf Wkkarten leider so häufig finden. Unserem Kaiser hat es sicherlich ferngelegen. tn lener weihevollen Stunde trivial zu sprechen. So häufig hat er uns schon ein Zeugnis gegeben von seinem gläubigen Sinn und von seiner Belesenheit in der Heifigen Schrift; und so mag er auch, als er vom „Dreschen" sprach, an jenes kraftvolle Bibelwort gedacht haben, das wir bei Uaias 41. 15. finden: „Siehe, ich werde dich wie zu einem neuen Dreschwagen machen, der scharfe Zacken hat: du wirst Berge dreschen und zermalmen und Hügel wirst du zu Staub machen. Du wirst sie dreschen, daß sie der Wind verweht und der Wirbel zerstreut."
DaS Kriegslexikon des amerikanischen „Dcsperanto". Wer amerikanische Zeitungen seit dem Ausbruch des Krieges zu Gesicht bekommen hat. der wird die Setbshronre, die ein witziger Leser in einem Briefe an, den Heransgeüer der New Aorker Sun" übt. besonders zu wuvmgen wissen., Da werden verschiedene Redewendungen des Tresoeranto. wie dre Svrache der wild gewordenen Redakteure amerlkamscher Blätter getauft wird, folgendermaßen m die gemeinhin übliche Sprache übersetzt: „Schreckliches Gemetzel": Sechzehn Franzosen und siebzehn Deutsche verwundet. — „Zuruckgeiagt : Ruckzug eines weit vorgeichobenen Vorpostens. — "Tausende bon Gefangenen": Drei deutsche Bauern verhaftet. —- „3)Ü»rie- rische Luftschlacht": Fiauzöstsche Flugmaschmen ,n der Ferne gesichtet. - „Gigantische Jnvasionsarrnee": Zwei AbteMngen Reiterei auf dem Erkundungsntt. — „überwältigende Macht : Ein Sergeant und eine Abteilung von zwol, Mann - Wütende Seeschlacht": Geheimnisvolle Laure. dre auf dem Meere gehört wurden. — „Amerikaner abscheulich mißhandelt : Ein Amerikaner gefragt, warum er tri seinem Koffer Karten von deutschen Landstraßen hat. — ,^on dre Sattß gegangen . Win CSwr tin Laaer — „Wilde Flucht": Eine Truppe zuruck- genommen. — „Entscheidende Schlacht": Ein Vorpostengefechi.
_ (g§ Wtt den Anschein, als ob auch die Engländer und die
Franzosen dieses „Desveranto"-LeLikon gar erfiig benutzten.
