Schwarze Cachemir-Reste von 2—9 Meter Länge in nur besseren Qualitäten sind zu sehr billigen Preisen
g£ zum Ausverkauf gestellt. 5g
S. Luttmann & C°->
8 Webergasse 8.
Auf jedem Rest steht Metermaaß und Preis
• deutlich mit Zahlen vermerkt. 74
S. Eichelslieim-Axt,
Costüm- und Mäntel-Confection,
SS Langgasse 39, beehrt sich den Empfang einer reichen Auswahl eleganter Herbst- & Wintermäntel ergebenst anzuzeigen. Alle in die Mäntel-Branche ein» ^^gendeil Artikel werden auf Wunsch nach Maaß prompt und billig ausgesührt. 11619
Der Kohn der Gräfin.
Ein Roman aus dem Schanspielerlcben von Clara Panse (167. Forts.) ——
Es war dem Grafen gelungen, den Johanniter für seinen Plan zu gemimten; nur der Wagen fehlte noch, den Verwundeten zu transportiren. Schon vor Stunden hatte er seinen Diener ausgesandt, einen solchen herbeizuschaffen; dieser war noch nicht zurückgekehrt. Freilich war es nicht leicht, Pferde und Wagen ru einer durch Requisitionen und die Flucht der Bewohner verödeten und verlassenen Gegend aufzutreiben. Eben wollte der Graf weitere Befehle zur Herbeischaffung eines Wagens geben, als sein Duner mit der Meldung auf ihn zukam, daß er das Gewünschte glücklich aufgetrieben habe und auch einen Kutscher, der des Weges durch das Gebirge kundig sei. In einer halben Stunde werde er mit den Pferden und dem Wagen hier sein.
Der Graf zeigte sich lebhaft erfreut über diese Botschaft. Nun konnte er sich doch selbst noch überzeugen, daß Alles nach fernen Angaben ausgeführt wurde; es blieb ihm sogar noch Zeit, dem Verwundeten ein Stück Weges das Geleit zu geben. Nachdem er seinem Reitknecht befohlen, die Pferde bereit zu halten, wandte er sich mit der Frage an den Diener, ob er die Briefe nach Hohenfels dem Courier übergeben.
Dieser bejahte mit dem Bemerken, daß derselbe bereits nach Deutschland unterwegs sei.
„Dann könnte die Gräfin in spätestens acht bis zehn Tagen in Sorbey sein. Du begleitest den Verwundeten, Ernst . . ; feiue Widerrede," befahl der Graf, da der Diener Einwendungen erheben wollte. „Ich lasse mich vom Reitknecht bedienen. Ich muß eilten zuverlässigen Menschen in der Nähe des Verwundeten wissen. Du bringst ihn nach dem Gute bei Sorbey. Dem Besitzer desselben übergibst Du diesen Brief. Er wird sich meiner gewiß noch erinnern. Daß die Mutter des Verwundeten kommen wird, denselben zu pflegen, habe ich ihm in dem Briefe mitgetheilt. Ist der Verwundete untergebracht, reitest Du nach Sorbey und holst einen Militärarzt für ihn. Er soll Alles aufbieten, das Leben des Verwundeten zu retten. Wenn Du Alles besorgt mußt Du versuchen, mit einem der Züge nach Saarbrücken zu kommen. Wende Dich mit diesem Schein an einen der Herren Offiziere. In Saarbrücken erwartest Du die Gräfin, und zwar im Hotel zum „Löwen", und geleitest sie z» dem Verwundeten nach dem Gute des Herrn Noir. Da die Reise mit der Bahn sür eine Dame in solcher Zeit zu umständlich ist, so sorge in Saarbrücken für einen bequemen Wagen und einen des Weges kundigen Kutscher. In dieser Brieftasche findest Dil die nöthigen
Gelder. Ich verlasse mich auf Dich, Ernst ... sei gewissenhaft, und ich werde Dich reich dafür belohnen. Vor Allem sorge gut für den Verwundeten!"
Der Diener versprach es.
Bald darauf fuhr der Wagen vor, der den Verwundeten fortbringen sollte. Man hatte die Sitzkissen aus demselben ent° serut, um ein bequemes Lager Herrichten zu können. Ein Bauer in blauer Blouse leitete das Gefährt.
Während die Lazarethgehilfen noch mit Herrichtung des Wagens beschäftigt waren, näherte sich der Stabsarzt, aus dem Lazareth tretend, dem Grafen.
„Ich habe den Verwundeten verbunden ... die kurze Fahrt wird ihm nichts schaden, Sie können beruhigt sein, Herr Rittmeister," sagte er. „Der Kutscher soll nur nicht zu toll drauf los fahren und die allzu holprigen Wege etwas vermeiden. Doch jetzt, Herr Rittmeister, dächte ich, wir sehen auch einmal nach Ihrer Kopfwunde... ein frischer Verband könnte nichts schaden."
„Ah bah!" versetzte der Graf kurz abweisend. „Der Ritz ist nicht der Rede werth. Wenn der Verwundete fort ist, werde ich zu Ihnen kommen."
Das Lager im Wagen war fertig; gleichzeitig brachten vier Krankenträger den Verwundeten und betteten ihn mit größter Sorgfalt auf das Lager.
Nachdem dies geschehen und der Arzt sich mit den Trägern entfernt, blieb der Graf einen Augenblick allein im Wagen mit dem Verwundeten.
Dieser Ivar noch immer ohne Bewußtsein. Ein schwarzes Tuch war um den Verband an der Stirn geschlungen und hob die Todtenblässe des schönen jugendlichen Gesichtes noch mehr hervor.
Ernst und gedankenschwer ruhten die Blicke des Grafen auf diesem Gesichte.
„Wie wird sie diese Trauerbotschaft aufnehmen?" mußte cr sich fragen. „Für mich hat er sich geopfert, der Geliebte für den ungeliebten Gatten! „ . Möge er gerettet werden und leben ... leben für sie! . . . Deine heldemnüthige Thal macht seine Schuld — wenn es eine solche und nicht vielmehr ein Unglück war — vergessen. Und muß es sein, will ich weichen und ihm den Platz einräumen, der mir nun einmal nicht gebührt."
Er beugte sich zu dem Verwundeten nieder; wie mühsam niedergekämpfter Schmerz zuckte es in seinem gebräunten Antlitz; leise berührten seine Lippen die kalten Lippen des Bewußtlosen.
„Lebe wohl und auf Wiedersehen!" flüsterte er.
Dann erhob er sich und verließ den Wagen.
Der Johanniter trat ihm entgegen.
„Ich habe Ihnen ein Anerbieten zu stellen, Herr Rittmeister," sagte er. „Sie bedürfen einer Pflegerin für den Verwundeten, welche ihn im Nothfalle auch verbinden kann. Ich bin in der Lage, Ihnen eine außerordentlich zuverlässige Person empfehlen zu können. Vor einer Viertelstunde kam sie selbst zu mir und bot sich an, den Verwundeten zu begleiten. Sie scheint Interesse an dem jungen Helden zu nehmen. Ich fragte sie, ob sie ihn kenne; sie verneinte es jedoch. Lassen Sie die Person mitfahren, Herr Rittmeister ... ich stehe Ihnen dafür, daß der Verwundete bei ihr in den besten Händen ist."
„Das nehme ich mit Dank an, Herr Hubert! Wie heißt die Person?"
„Fräulein Therese nennen wir sie hier . . . ihren anderen Namen kenne ich nicht."
Damit eilte der Johanniter fort und kehrte wenige Minuten später mit der Krankenpflegerin zurück.
Diese trug die einfache dunkle Kleidung der freiwillige» Krankenpflegerinnen. Das in der Mitte der Stirn gescheitelte Haar bedeckte ein schlichtes Häubchen, über welches ein schwarzer Schleier geschlungen war. Das Alter des Mädchens ließ sich schwer bestimmen; dasselbe mochte wohl älter erscheinen als es eigentlich war, und daran war jedenfalls die unvortheilhafte Haartour und die dunkle Haube schuld, die das ernste bleiche Gesicht des Mädchens einrahmte. Ein Zug tiefen Grames prägte sich in diesem Gesicht aus, herbe Bitterkeit sprach aus den scharfen Linien um beu festgeschloffenen Mund und verlieh dem Gesicht des Mädchens^ etwas Düsteres, deutete auf ein Seelenleiden, das in strenger Selbstkasteiung Heilung sucht. (Forts, frißt)
