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Wiesbadener Tagblatt.

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sitzer desselben war deutsch gesinnt; dort fand der Verwundete ein i sicheres Asyl; dort konnte die Mutter deu Sohn Pflegen, ohne

daß die Schrecken des Krieges an sie herantraten.

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Rasch entschlossen schrieb der Graf, in sein Quartier zurück- gekehrt, an Adele, theilte ihr so schonend als möglich alles ihre» Sohn Betreffende mit, und forderte sie auf, die Pflege des Ver­wundeten, den er nach einem ruhigen und sicheren Ort schaffen lassen werde, zu übernehmen. Er wußte, daß die Mutter nicht eine Secunde zögern werde, an das Lager ihres verwundeten Sohnes zu eilen. Briefe schreibend verbrachte der Graf fast die ganze Nacht; nur wenige Stunden Schlaf gönnte er sich, nach den heißen Kämpfen des Tages, und der frühe Morgen fand ihn, von seinem Diener gefolgt, bereits wieder auf dem Wege nach Gorze, um dort selbst alles Nöthige zur Fortschaffung des Ver­wundeten aus dem überfüllten Lazareth anzuordnen, was nicht ohne große Schwierigkeiten von Statten ging.

Man hatte nach den heißen Schlachten der letzten Tage alle Hände voll in den Lazarethen zu thun, daß man, wo Tausende von Verwundeten und Sterbenden nach Hilfe jammerten, sich um das Leben und Sterben eines Einzelnen nicht eben groß kümmern konnte. Trotzdem beharrte der Graf bei seinem Entschlüsse. Sein Plan war, den Verwundeten nach einem unweit Sorbey gelegenen Gute bringen zu lassen, woselbst er vor zwei Tagen mit seinen Husaren ein treffliches Quartier gefunden. Dieses Gut lag einsam, ziemlich abseits von der großen Heerstraße des Krieges; der Bc-

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Aer Sohn der Gräfin.

Ein Roman aus dem Schauspielerleben von Clara Pause (166. Forts.) -----

Es war ein heißer, blutiger Tag gewesen, der Tag des 18. August. Graf Erich hatte Befehl erhalten, mit seinen Husaren crnen Hohlweg und das dahinter gelegene Terrain von dem Feinde zu säubern, eine ebenso wichtige wie gefahrvolle Mission. Kaum haben die Husaren, ihren kühnen. Rittmeister an der Spitze, den Hohlweg pafsirt und ein kleines Plateau erreicht, als eine Ab- theilung afrikanischer Reiterei sich ihnen entgegen wirft, ihnen zugleich den Rückweg abschneidend. Der Feind war der kleinen muthigen schaar weit um das Dreifache überlegen; nur ein Aus­weg - blieb dieser, sie mußte versuchen, sich nach dem Hohlwege durchzuschlagen- Gelang ihr das nicht, dann war sie rettungslos verloren. Die Husaren, durch das Beispiel und den Zuruf ihres heldenmnthigen Rittmeisters angefeuert, kämpften wie die Löwen, und schon viele der afrikanischen Teufel wälzten sich in ihrem Blute auf dem zerstampften Rasen oder wurden von ihren wild gewordenen Pferden fortgeschleift; doch die Uebermacht war zu bedeutend, und die Heine tapfere Schaar der Husaren blieb meist auf die Defensive beschränkt. Im Eifer des Kampfes und von der Nothwendigkelt durchdrungen, daß der Hohlweg um jeden Preis erreicht werden müsse, hatte der Rittmeister sich zu weit von feinen Husaren entfernt und sah sich plötzlich von den Feinden umringt, die ihm in ihrem Kauderwelsch zuschrieen, sich zu ergeben Daran dachte jedoch Erich von Hohenfels nicht, so lange noch Athem in seiner Brust war und seine Hand noch kräftig genug den Säbel zu führen. Er focht wie ein Verzweifelter. Hageldicht stelen rechts und links seine kräftigen Hiebe; doch sein Arm begann

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nach und nach zu ermatten; aus einer Wunde an der Stz ** strömte ihm das warme Blut über das Gesicht und blendete i die Augen; doch noch immer focht er. Nicht lebendig wollig sich den Feinden ergeben. Da, es war die höchste Zeit, dringe deutsche Laute an sein Ohr. „Drauf, Kameraden, rettet k Die Rittmeister!" hört er rufen. Die Stimme klingt ihm bekantk! Stadta und mit der Gewißheit der Hilfe kehrt die schwindende Kilt astgeuo zurück. Im nächsten Augenblicke drängt ein Freiwilliger von d(!Bern schwarzen Husaren sein Pferd dicht an das seine heran und nee halten sich zu ihm. Der Rittmeister kennt dieses edle, schöne, jetzt üi 3^' Kampfesmilth leicht geröthete Jünglings-Antlitz. „Gabriele!" rii nehme der Freiwillige ihm leise mit blitzenden Augen zu. In der nächst, wollen Minute reißt ihn das Getümmel des Kampfes von der Seite bi cmpfeh Rittmeisters. Das Gefecht rast weiter ... mit aller Wuth wend« die Afrikaner sich gegen den neuen Feind. Unterdessen ist es de Rittmeister gelungen, seine Husaren zu sammeln, und sich an ih, Spitze stellend, dringt er auf's Neue vor; seine Blicke suchen seine Lebensretter; da kämpft er todesmuthig, als habe er zwanzi Leben zu verlieren. Bald sind die Feinde total geschlagen u« versprengt, und die Husaren behaupten das blutgetränkte Schlach selb. Die kleine Schaar musternd, sorscht das Auge des Riö Meisters angstvoll nach dem jungen Freiwilligen — da liegt t bleich, blutend, mit geschlossenen Augen unter seinem tobten Pferd! Wie dem Offizier auf sein Befragen von einem der schwarz« Husaren mitgetheilt wird, war der Freiwillige der Anführer einet aus zehn Mann bestehenden Patrouille gewesen, die den Besch gehabt, oberhalb des Hohlweges zu reeognoseiren. Das ©etöli des Kampfes lockte sie; sie erkannten sofort die Gefahr, in welch» vk« die kleine Schaar Husaren schwebte, und rasch entschlossen eilt» -■ sie, von dem Freiwilligen geführt, den Bedrängten zu Hilfe. $e Rittmeister neigt sich über den Schtoerverwundeten, den die Husarei unter seinem tobten Pferde hervorgeholt hatten. Noch ist Leben in ihm. Schnell herbeigerufene Krankenträger bringen ihn ml die übrigen Verwundeten nach dem nahegelegenen Gorze. Erf nachdem der Rittmeister sich überzeugt, daß sein muthiger Rettei sich in sorglicher Pflege befinde, besteigt er sein Pferd und sch sich auf's Neue an die Spitze seiner Husaren. Der Gedanke m Richard Günther, der für ihn den Todesstreich empfangen, verlies ihn während der heißen Stunden dieses blutigen Tages nicht mehr.

Nachdem der große Erfolg des Tages entschieden und untei! dem Jauchzen und Hurrahrufen der Soldaten der Sieg verkünde! worden war, eilte Graf Erich, weder der späten Stunde noch seiner Müdigkeit achtend, nach Gorze. Er mußte Gewißheit über' Richards Schicksal erhalten. Zum Glück lag sein Quartier nm etwa eine halbe Stunde von Gorze entfernt.

Der Stabsarzt gab wenig Hoffnung; nur wenn der Schwer- verwundete in Privatpflege komme, sei einige Aussicht vorhanden, sein Leben zu retten.