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Samstage 3t. Oktober 1914»

Morgen - Ausgabe.

Nr. 369. * 62. Jahrgang.

Der Krieg.

Das Eingreifen der Türkei.

Abbruch der diplomatischen Beziehungen der Dreioerbandmachte mit der Türkei.

lid. Rom, 30. Oft. TicAgcncia Stcfani" meldet: Das italienische Ministerium des Äußern erhielt aus Koustantiuopel die Nachricht, daß der russische Bot­schafter in Koustantiuopel von dort ab gereist und den Schutz der russischen Staatsangehörigen der italienischen Regierung übertragen habe. Die Ab­reise des englischen und f r a nz ö s i s ch e n Bot­schafters tjeltc als b e v o r st c h c n d.

Ein außerordentlicher türkischer Ministerrat,

W.T-B. Konstantin-pcl, 30. Oft. (Nichtamtlich.) Das 1 SStener Korrespondenz-Bureau meldet: Gestern am späten ! Nachmittag trat auf der Pforte unter dem Vorsitz des Groß- < ivesirs ein außerordentlicher Ministerrat zusammen.

Die furäit der Engländer und der Küssen vor der(Soeben" und derBreslau."

^V.T.B. Berlin, 30. Oft. (Nichtamtlich.) Me heute chn-getroffene Nummer der römischenTribuna vom

Oktober meldet aus Athen vom 24.: DieGoeben" vvd dieBreslau" sind eilig in den Bosporus zuruck- gekahrt. Wie es scheint, werden sic nicht wieder im Schwarzen Meer auftreten. Die Botschafter Rußlands und Englands haben der Pforte erklärt, daß ihre Re­gierung den Ei gent umsüber gang dieser Schiffe als null und nichtig betrachten, wenn also die j ..Goeben" undBreslau" außerhalb der Dardanellen . lnit der englischen oder im Bosporus mit der russischen 1 Flotte Zusammentreffen sollten, würden sie ri s k i e r e n, jsi den Grund gebohrt zu werden^welche Flagge 4re auch führen möchten. Die Bewegung des russischen I Geschwaders gegen den Bosporus sei auf die Tatsache Mrüi-xzusithren, daß dieGoeben" und dieBreslau" l außerhalb der türkischen Gewässer signalisiert gewesen i wären. (Sollte diese Drohung nicht die Türkei in ihren Wchten bestärkt und ihr Heraustreten ans der Neu­tralität beschleunigt haben? Schrift!.)

Sollen der Beschießung der beiden russischen Jjüfest durch die Türken.

Ein angeblicher Druck der Drei derb a ndstaate n aus dir Valfanstaaten.

. Gens, 30. Oft. Begleitet von den Ministern Ribot Und MiLorand traf Präsident P o i n c a x. e in Paris ein und I erfuhr hier von der Beschießung von Feodosia und der Ent- I ichlossenbeit der Pforte, die Aufforderung zur Öffnung der Dardanellen kategorisch zurückzutveisen. Nach telephonischer j Verständigung mit Bordeaux wurden die den Umständen ent- ! sprechenden diplomatischen und militärischen Maßnahmen ge- j soffen, oic angeblich daraus abzielen, Rumänien, Griechenland und Bulgarien zur Erklärung sür ^ oder wider die Pforte zu nötigen.

Berliner Prcssestimmen.

Br. Berlin, 80. Oft. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Ausbruch des Konfliktes zwischen der Türkei und Ruß­land wird vomBerl. Tagebl." als die unausbleib- slichx Folge gewisser Entwickelungen der letzten Wochen bc- j äeicimet. Das Blatt schreibt: Seitdem die russische Schwarze- ! üieerfloNe. die augekündigt wurde, ausgefnhrcn war, mußte die Türkei sich b e d r o h t fühlen und auf die Abwehr j eines russischen Handstreiches bedacht sein. Der erste 1 Schlag pxr jetzt in solcher Abwehr der türkischen Flotte im ! schwarzen Meere geführt wurde, trifft Rußland, welches J Ende vorigen Jahres die Hand nach Armenien ausstreckte i Und auch bei Deutschland, natürlich vergeblich, Hilfe für ! dieses Unternehmen suchte. Der zweite Schlag wirb ! England empfindlich treffen, das nicht zuletzt nur die Schwächung der Türkei im Auge gehabt hat. Es wurde be- I reits darauf hingewiesen, daß dieses sonst so stolze Eng..

! land in den letzten Wochen von der Türkei alles gedul­dig hinnahm, die Dardanellensperre so gut wie die Auf- j Hebung der Kapitulationen und den internationalen Sani­tätsrat und dadurch deutlich seine Furcht verriet. Die Aktion der türkischen Flotte im Schwarzen Meere, die nur e i n A n - I sang, ein Prolog sein dürfte, dürfte wenigstens für Eng- . 'wnd und Frankreich eine Überraschung, und zwar keine ganz angenehme gewesen sein.

Dev Kufstemd öee RrLBen-

Vis man sich in England §u trösten sucht.

' Br. Kopenhagen, 80. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.)

Die neuen beunruhigenden Meldungen aus Südafrika über 1 .die Ausrührer in Transvaal und im Oranjestaat haben in I einen außerordentlich tiefen Eindruck gemacht. Man

» .tröstet sich damit, daß de Wet kein junger Mann ~i ä»ehr ist. In den letzten Jahren soll.er mehrere Schlag- ] ttnfäHe gehabt- haben. Beyer ist zwar tüchtig und tatkräf- I tig, so^s aber kein Zutrauen bei der Bevölkerung ge- i ließen, nämlich in Vergleich mit Botha und Smuts, die von | der Aiehrheit von der Burenpartei unterstützt werden, u. a. I den einer politisch so einflußreichen Persönlichkeit, lute Ex«

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Präsident Stein. In London bezeichnet man das Auftreten de Wet§ und Beyers als eine bittere Pille für die­jenigen britischen Politiker, die seinerzeit für die Unab­hängigkeit Südafrikas eintraten.

Hcrdogs Bemühungen um Frieden.

W. T.-B. Kapstadt, 30. Okt. (Nichtamtlich.) (Reuter.) General Hertz og hat Bloemfontein verlassen in der Hoff­nung, die Führer der Rebellen zu tr e f s e n, um ihnen zw raten, heimzukehren. Es gelang ihm vorläufig, weder d v Wet noch das Mitglied des Provinzialparlaments C o n » roh, der ein Rebcllenkommando anführte, zu treffen. Bis­her ist in der Oranjekolonie zu keinem Blutvergießen ge­kommen.

Kanadische Kavallerie zur Hilfsleistung.

Br. Ehristiania, 30. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der LondonerTimes" wird aus Toronto gerneldet: 10 000

Kavalleristen aus dem westlichen Kanada sollen wahrschein­lich nach Südafrika gesandt werden, um an der Unter­drückung des Aufstandes teilzunehmen. Dieser, so nimmt man in Kanada an, sei sehr ernster Natur. Von Kap­stadt wird telegraphiert, im O r a n j e st a a t seien die auf­ständischen Buren in der Mehrheit, in Transvaal machten sie die Hälfte der'Bevölkerung aus, in der Kap- k o l o n i e und in R a t a l seien sie in der Minderheit. Man sei davon überzeugt, daß die südafrikanische Regierung der Situation gewachsen sei.

Deutsche Verstärkungen an der Küste im Knmarsch.

hd. Ehristiania, 30. Okt. Der Spezialberichterstatter des Morgenbladet" drahtet am 29. Oktober aus London: Nachdem zwei furchtbare Nachtangriffe der Deutschen im Distrikt von Dixmniden Zurückgeschlagen worden sind, nimmt der Kamps an diesem Punkt an Heftigkeit ab. Dixmuidein soll vollständig zerstört sein. Ein englisches Schlachtschiff hat sich dem übri­gen Geschwader angeschlosien. Die Deutschen haben westlich von Brügge Befestigungen aufgeworfen, und es verlautet, daß 380 000 Mann deutsche Verstärkungen im Anmarsch seien.

Die angeblich gute Lage der Verbündeten.

lick. Rotterdam, 30. Oft.. Die belgische Regierung drahtete dem belgischen Gesandten im Haag- daß die Lage der Verbündeten an der User sich gebessert habe. Das Feuer der feindlichen Artillerie sei abgeflaut und durch die englischen Schiffskanonen unterdrückt worden. Die Operationen der Verbündeten bei Upern seien sehr befriedigend.

Der auitliche französische Bericht vom Donnerstagabend.

W. T.-B. Paris, 30. Okt. Amtlich wird am 29. Oktober, 11 Uhr abends, gemeldet: Nach den letzten Berichtet sind

keinerlei Nachrichten von Bedeutung zu melden.

Ein ungAnstiges Bild von der französischen Rrmee.

Br. Rom, 30. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Berichterstatter derTribuna" in Dünkirchen ent­wirft ein wenig schmeichelhaftes Bild von der französi­schen Armee. Er berichtet: Der französische Soldat ist völlig erschöpft und z u s a m m e n g e b r o ch e n. Nur der Territorialsoldat ist noch einigermaßen munter, der Liniensoldot und der Reservist dagegen schlafen kaum mehr. Seit . Anfang des Krieges haben sie keine Heit, an Körperpflege zu denken. Sie müssen alle drei bis vier Tage endlose Märsche zurücklegen, kämpfen und dann weitermarschieren. Der französische Soldat ist an sich robust, widerstandsfähig, mutig und patriotisch, abere r kann eins a ch n i ch t m e h r"! Das den Deutschen abgelernte Graben, das er früher verlachte, bringt ihn vollständig herunter. Die Kolonial- t r n p p e n, die noch große Dienste leisten könnten und sollten, sind vor Kälte erstarrt und wenden binnen kurzem samt und sonders nach Südfrankreich gebracht werden müssen, um nicht zu erfrieren. Etwas besser scheinen die Hindus die Kälte ertragen zu können; sie sind auch wärmer gekleidet als die Afrikaner.

Dis englische Beurteilung der Kriegslage.

W- T.-B- London, 30. Okt. (Nichtamtlich.) DieMor- ning Post" schreibt- über die Kriegslage: Deutschland

ist einig und entschlossen, auszuharren. Es wirft seine Hilfsquellen, die gewaltig und wohl organisiert sind, in den Kampf, seine Truppen sind diszipliniert, gut ausgebildet und gut bewaffnet. Ihre Tapferkeit ist wunderbar. Gegen eine Nation, die augenscheinlich bereit ist, den höchsten Preis für den S i c g zu zahlen, für die Herrschaft in Land, Meer und Luft, werden die Verbündeten schwei für den Erfolg zahlen müssen. Wenn Deutschland die Linie der Verbündeten zwischen der Schweiz und dem Meere nicht durchbrechen und das russische Heer nicht erschöpfen kann, ) unterliegt es. Für die Verbündeten sind Geduld und Ausdauer die Losung, für Englands unermüdliche Anstrengungen um Vermehrung seiner Streitkräfte vorzube- reiten, aber die Regierung kann die Männer nicht in schnel­lerem. Tempo aufrufen, als sie organisiert, ausgcbildet und ausgerüstet werden können. Die Zeit mag kommen, wo ein a l l g m e i n e r Aufruf zu den Waffen notwendig wird, aber auch eine solche Maßregel muß vorbereitet werden, wozu bisher keine Zeit war, obwohl wir darauf vertrauen, daß sie erwogen und geplant war. Die augenblickliche Aufgabe ist die Ausrüstung und Ausbildung einer größeren Zahl von Männern, die jetzt organisiert und gedrillt wird.

Die englische Furcht vor der Invasion.

hd. London, 29. Oft. Über die Jnvasionsgefahr schreibt dieDaily Mail": Während der napoleonischen Kriege hatte das Volk genaue Instruktionen, welches Verhalten es ein- schlagen sollte, wenn der Feind die Küste bedrohe. Das war ein Präzedenzfall, nachdem sich die Zivilisten heute richten sollten. Das Haager Schiedsgericht habe eine Waffen« ergreifung durch das Volk vorgesehen und als berech­tigt anerkannt, solange die Gebräuche der Kriegsgesetze respektiert würden. Es sei wünschenswert, daß sich mög­lichst viel geeignete Krieger in Bereitschaft hielten. Die Regierung würde zu spät sprechen, wenn sie erst Maßnahmen träfe, sobald die Deutschen bereits gelandet wären. Auch diu Times" befaßt sich in einem längeren Artikel mit der Be­drohung der Küste durch die Deutschen und tritt für eine um­fangreiche Rekruten Werbung ein. Niemals hätten die Briten tapferer gefachten als jetzt. Von dem Ansgang des Kampfes hängen gewaltige Folgen ab, insbesondere das Schicksal der Küste. Sowohl French wie Kitchener verlang­ten weitere Truppen. Das Blatt schließt: Alles, was uns

teuer ist, steht auf dem Spiel, deshalb müssen neue Rekruten eingestellt werden. Mit einem erfolgreichen Frieden würde England das Glück für seine Nachkommen wiedergewinnen.

Deutscher Vormarsch direkt auf Boulogne.

Ein Zeugnis für die englische Angst vor einem deutsch«:

Calais.

Br. Haag, 30. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Berichterstatter desDaily Chronicle" sucht seine Landsleute zu beruhigen durch die Versicherung, die Deutschen planen! gar nicht auf Calais vorzurücken/ sondern direkt auf das un« befestigte Boulogne zu marschieren.

französische Kriegsschiffe bei Ser englischen flotte.

Ein französisches Kanonenboot untergegangen.

hd- Haag, 30. Okt. Aus ©lut» wird gemeldet, daß vier französische Kriegsschiffe die englische Flotte an der bel­gischen K ü st e verstärkten. Gerüchtweise verlautet, datz ein französisches Flntzkanonciiboot gesunken sei.

Die Bcschicfiung von Reims.

hd. Berlin, 30. Okt. DieNationalztg." meldet au- Rotterdam: Flüchtlinge aus Reims erzählten in Epernay, wie der dortigeTi.mes"-Berichterstatter meldet, daß der Schaden in Reims erschreckend sei. Von den Bewoh­nern wurden 600' bis 700 durch Granaten getötet und eine große Anzahl verwundet. In der Stadt wurden 300 Häuser durch Geschützfeuer vollständig zerstört, 150 brannten bis auf die Grundmauern ab.

Unstimmigkeiten zwischen der englischen und belgischen Regierung.

Br. London, 30. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Pri-Vate Informationen aus englischen Banik- kreisen sprechen von Unstimmigkeiten zwischen >der eng­lischen und belgischen Regierung. In A n t w e r p e n kam es bereits zu heftigen Auseinanidersetzungein zwischen Churchill und König Albert, der glaube, auf.die Ritterlichkeit Deutschlands bei einem Frisdens- schlusse rechnen zu können. England hat der belgischen Regierung die Zinsenzahlnng der belgischen Staatsrente v e r w e i g e rt.

Der König von Lachsen in Belgien.

W. T.-B. Dresden, 30. Okt. .(Nichtamtlich) Der König von Sachsen ist gestern abend in Brüssel eingetrofsen und hat das dortige Generalgouvernement besucht. Dann bogaü sich der König nach M e ch ein und Antwerpe n. Er hatte auf dem Weg Gelegenheit, ein" sächsisches Landwehrbataill»» zu sehen und ließ sich im Gelände über die Eroberung Ant­werpens Vortrag halten und überzeugte sich in L i e r von der vernichtenden Wirkung der deutschen schweren 42-Zentimeter. .Geschütze.

In die belgische Zivilvcrwaltung berufen.

hd- München, 30. Okt. Der Legatioussekretär im bayerischen Ministerium des Äußern von Brentano ist in die Zivilverwaltnng nach Belgien berufen worden. Er Hatte sich bet dem Chef der Verwaltung zum Dienstantritt gemeldet.

Zwei italienische Dampfer von Engländern beschlagnahmt.

hd- Mailand, 28. Okt. (Spezialtelegramm der Tele- grapHen-Union.) Zwei Dampfer des Savoyischen Lloyd, die unter italienischer Flagge fuhren, dieKönigin von Italien" und derHerzog von Genua", sind in der Meerenge von Gibraltar von den Engländern angehalten und in den Hafen von Gibraltar geschleppt worden.

Ein fachmännisches Rrtsil »ber die Lage in Russisch-Polen.

W. T.-B. Wien, 30. Okt. (Nichtamtlich.) Zu Len letzten Maßnahmen der Verbündeten Armee in Rnssisch- Polen schreibt, der militärische Mitarbeiter desNeuen Wiener Tagebl.": Die Besorgnisse um

Warschau haben das russische Oberkommando ver­anlaßt, mit allen verfügbaren Kräften im Raunre Jvangorod-Warschau die Entscheidung erzwingen zu wollen und zu diesem Zwecke die Weichsel an verschiede­nen Stellen zu überschreiten. Die dleutsch-österreichisch- , ungarischen Armeen hatten sich daher zu entschließen»