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fftt. 508.

Freitag, 30. Oktober 1814.

Wiesbadener TagblalL.

Abend-Ausgabe. Erstes Blatt.

Sette 3.

angriffen.Es ist unbegreiflich", ruft einer der Ent- tvaffneten aus,wie die Deutschen imstande sind, sich bis auf ganz kurze Distanz anzunähern,, ohne daß, man sie bemerkt. Ihre Ausnutzung der Örtlichkeit ist fabel­haft und wird von unseren Offizieren bewundert. Das bringen weder Franzosen noch Engländer zustande. Die deutschen Bataillone haben einen eisernen-Schritt., Das klingt, als kämen gerade zweimal soviel anmarschiert." Unter den entflohenen Belgiern gibt es nur eine Mei­nung :Die Deutschen werden siege n." Die Berichte über den Zustand in der französischen Region, die am Borabend der deutschen Besetzung steht, sind für die Verbündeten sehr ungünstig. Geflüchtete Ein­wohner des Städtchens Bergues erzählten den Belgiern, daß es an der nördlichen Front an Soldaten fahle. Die irischen englischen Truppen seien soh schlecht ansge­bildet, daß nran sie nur in geringer Anzahl ins Gefecht schicken kann. Die Artillerie werde nur von Franzosen bedient. Das Durcheinander sei unbeschreiblich. Nichts gehe in Ordnung vor sich.

Der deutsche Teilsieg bei Verdun.

Berlin, 30. Okt. Der deutsche Deilsieg südöstlich von Verdun (nicht südwestlich, wie es infolge eines jetzt berichtigten Übermittelungsfehlers des W. T.-B. hieß) wird von den Morgenblättern als bedeu- tungsvoll eingeschätzt und als großer Erfolg be­wertet, der seine starken Nachwirkungen ausüben werde.

Der Kommandant von Verdun.

Der Kommandant der Festung Verdun ist General B o y e r. Der Name ist durch Zufall bekannt geworden, da Bayer als Zeuge vor dem Kriegsgericht in Paris auftrcrt. Zu Beginn des Krieges kämpfte Bayer an der Spitze der französischen Truppen in Belgisch-Limburg.

Der König von Württemberg auf dem westlichen Kriegsschauplatz.

W. T.-B. Stuttgart, 30. Okt. (Nichtamtlich) LautSchwab. Merkur" begibt sich der König dieser Tage zu längerem Auf­enthalt auf 'den westlichen Kriegsschauplatz.

Das Eiserne Kreuz 1. Klasse.

Haupimann und Batteriechef im Feldartillerie-Regiment 86 K l a p p ist mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klaffe aus­gezeichnet worden.

Das Eiserne KreiH 1. Klasse erhielten ferner: Hanptmann Und Batteriechef im Feldartillerie-Regiment 41 Friedrich Wiebe; Leutnant und Regimentsadjuiant im Kolbevgischen Grenadier-Regiment 6 Otto Berendes; Major und Bataillonskommandeur eines Infanterie-RegimentsR o e d 'Lü­beck; Hauptmann und Bataillonsführer Fischbach; Ge- richtsassesfor und Leutnaiit der Reserve im 3. Grenadier-Re­giment Dr. Bolle, Hilfsarbeiter im ReichsverstcherunMimt; Generalstabschef des 7. Armeekorps Oberst v. Wolf; Mcgor Teschner vom Infanterie-Regiment 168 und Fliegeroffizier, Oberleutnant Fritz Richter.

Endlich Gegcnmaßregeln gegen die Behandlung der Deutschen in England.

Der stellvertretende kommandierende General v. R o e y l W. Armeekorps) gibt folgendes bekannt:Die Frage der Be­handlung der Deutschen in England ist in jüngster Zeit mehr­fach Gegenstand der Erörterung in der Presse gewesen. Von besonderem Interesse ivaren dabei die veröffeutlichten Mittei­lungen eines kürzlich aus England zuruckgekehrten Mannes, die sich auf das Gefangenenlager in Newburh bezogen und f-ststellen daß die Behandlung unserer dort untevgebrachten Landsleute nicht nur der Kriegsgefangenen, sondern auch der übrigen Deutschen in England geradezu men­schenunwürdig sei. Infolgedessen ist em berechtigter Sturm der Entrüstung in den breitesten Schichten der Bevölkerung darüber entstanden, daß die Behandlung der sich hier aufhältenden Engländer im Vergleich zu unseren Lands­leuten in England viel zu milde fei. Diese Tatsache hat den zuständigen Behörden Veranlassung gegeben,' dem ameri­kanischen Botschafter in London mitzuteilen, daß die hier be­findlichen englischen Männer vom 17. bis zum 48. Lebensiahre 8 l e i ch f a l l s g e f a n g e n g e s e tz t würden, trenn nicht bis zum 8. November eine amtliche Nachricht über die Frei- Fassung der wehrfähi-gen Deutschen in Enchnnd eingmige.

Nationalstiftung für die Hinterbliebenen.

W. T.-B- Berlin, 30. Okt. Der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen sind u. a. von Herrn Hugo Preutz lHamburg) 20 000 M. uberwiesen worden.

in

Gnomenreiches, denenHelling" entstammt, herrscht

düsterer Pracht dieGe,sterkön,gin". Frl. Englerth hatte bei üppigster Stimmentfaltung für das großartige Pathos dieser Figur alle vollentsprechenden Akzente zur Hand so daß jede ihrer drei Szenen von durchgreifendem Eindruck blieb.

Neben der Zeichnung des unheimlich-düsterenElements 'st e8 der Sinn für das Einfach- oder Derb-Volksinaßige, das sich in MarschnerS Oper wie überhaupt m der Musttnatur dieses Komponisten aufs lebensvollste auspragw So ist auch inHans Helling" ein kräftiger Gegensatz zwischen dem Geisterreich und der kleinbürgerlichen Sphäre geschaffen, in. der das Empfinden derAnna" Hellings Braut und ihres heimlich GeliebtenKonrad". wurzelt. Für die Partie derAnna" war hilfsbereit Frau Hans Zoepffel als Säst eingetreten: mit ihrem stets sicheren theatrali^en

Spürsinn wußte sie der Figur, die der Textdichter E. Dev- rient etwas unbestimmt in der Zeichnung ließ, doch ziemnch feste Konturen zu geben: am besten gelang ihr wohl der erste, wehr leicht und einfach gehaltene Teil der Partie; besonders jenes Terzett des ersten Aktes, wo die Freude über das Brautgeschenk Hellings und über das bevorstehende Fest sich Meist ungezwungen aussprach. Herr Schubert m-> ..Konrad" fand für den lyrischen Gehalt Weser Partie den befriedigenden Ausdruck; namentlich glückte ihm das lustige Eingangslied und späterhin die zärtliche, ein wenig senti- Me,italische Liebeserklärung. Frl. Haas mit ihrer tief­gründigen, blühenden Altsftmme sang dieMutter Gertrud . Eine der gelungensten Seiten der Partitur ist die Szene, wo Gertrud in der Sturmnacht der Rückkehr ihrer Tochter harrt. Ern wahrhaft genialer Wurf. Das Windesbrausen, fernes Hundegekläff, allerlei gespenstiger Spuk, das Summen der Alte», das mählich zum leisen Spinnlied übergeht: all das eint sich zu einem musikalischen Stimmungsbild von packen- !de,n Reiz. Ä '

Vergessen wir auch nicht die Herren Haas und von Scheu ck, die in den kleineren Partien jener als forscher USHfltiS", dieser cfl§ furchtsamerStephan" «»» für ergötz-

Die Stadt Berlin spendete 100 000 M. für Elsaß-Lothringen. 2

W. T-B. Berlin, 29. Okt. (Nichtamtlich.) Die Stadtver- ' ordnetenversammlung erklärte sich auf Antrag des Magistrats einstimmig damit einverstanden, daß an die kaiserliche Staats- deposttenverwaltung zu Stratzburg i. H. durch Vermittlung des Bürgermeisteramtes Stratzburg zur Verwendung rn Elsaß-Lothringen ein Beitrag von 100 000 M. geleistet wird.

General v. Bcselcr au den Wiener Oberbürgermeister.

W. T.-B. Wien, 20. Okt. (Nichtamtlich.) Bürgermeister Weißkirchner hat folgendes Telegramm erhalten: Tief empfundenen Dank für den freundlichen Glückwunsch der Stadt Wien zu dem Fall von Antwerpen, den die kraftvolle Mitwirkung treuer und tapferer österreichischer Kameraden hat herbeiführen helfen. Mit deutschem Gruß General von Beseler.

Tine Erklärung der Seldpost.

W. T.-B. Berlin, 29. Okt. (Amtlich) Es wird vielfach darüber geklagt, daß in Feldpostbriefen (Päckchen) an Ange­hörige dos Heeres bei der Ankunft ein Teil des Inhalts fehlt oder auch, daß der Inhalt manchmal nicht stimmt. Demgegenüber wird darauf hingewiefen, daß es sich hierbei keineswegs immer um eine Beraubung der Sendungen handelt. Die Mehrzahl der Fälle ist vielmehr auf die nicht i'nimer ausreichende Verpackung auch infolge der Benutzung von unzulänglichen Klammerverschlüssen, zurückzu- fiihven. Die Sendungen gingen infolgedessen unterwegs enft zwei und die Gegenstände sielen dabei heraus. Bei dem nach Offnen der Feldpoftbeutel im Feld von den Post- oder Mlli- tärpersonen im Interesse der Empfänger vielfach unternom­mene Versuch, solche Sendungen richtig wieder zusammen­zubekommen, können i,atürlich leicht auch Verwechslungen von Teilen des Inhalts unterlaufen. Zumeist lassen sich die her­ausgefallenen Stücke überhaupt nicht wieder nnterbringeni, so daß sie nach Vorschrift für unanbringliche Gegenstände behan­delt werden müssen, während sie dem Empfänger fehlen. Daß im Bettieb der heimischen Postanstalten neuerdings hier und da auch Diebstähle oder Deraubungen_ von Feldpoftwaren- briefen vorgekommen sind, ist der Feldpostvevwaltung bekannt. Es kann dies auch Nicht auffällig erscheinen, da die Reichspost- Vevwaltung bei der Mobilmachung mit einem Schlag 70000 Köpfe eingeschulten und bewährten Personals verloren har, das zu den Fahnen gegangen ist, und dafür unerprobte, oe- schäftigungslose Zivilpersonen als Ersatz eingestellt werden mußten. Vorkommnisse'dieser Art lassen sich auch durchs d,e besten Kontrollmaßmchrnen nicht verhindern. Die Postbehorde übergibt einen jeden solchen Fall dem Gericht zur Aburter- luntz. Wenn bei der Besprechung derartiger Angelegenheiten in einem Berliner Lokalblatt sogar die Beraubung festver- nageltet, verschnürter und versiegelter Kisten au'f das Kon.o der Feldpost gesetzt wird, so ergibt sich das Unrichtige eines wi­chen Vorgehens am besten daraus, daß die Feldpost Postpakete vorläufig nicht befördert.

Dfe Widerstandsfähigkeit van Tsingtau.

w. T-B. Paris, 29. Okt. (Nichtamtlich.) Die »Agence Havas" meldet aus Tokio: Der geschützte KreuzerTschi-

tose" hat am 18. und 19. Oktober die Angriffe zweier deutscher Fahrzeuge abgeschlagen und sie in die Bucht von Kiautschau zurückgetrieben. Das Wetter verhindert einen sofortigen Angriff auf Tsingtau. Die fortdauernde Be­schießung von der Land- und der Seeseite verursacht ,n der Festung große Verluste. Mehrere Minen, die sich von ihren Verankerungen losgelöst haben, gefährden die Schiff­fahrt im Großen Ozean.

Die richtige Antwort des ehemaligen deutschen Botschafters für Japan.

Die jetzt in Berlin eingetroffene Nummer derJapan Post" vom 12. September berichtet derFranks. Ztg.". zu­folge aus der japanischen ZeitungAsahi", daß der Privat­sekretär des Ministers des Äußern, Uoshida, dem schei­denden deutschen Botschafter Grafen v. Rex an Bord derMinnesota" in der höflichsten Weise habe Lebe­wohl sagen wollen, daß aber der Botschafter ihm nicht mir für diese Höflichkeit nicht gedankt, sondern ihn nicht einmal eines Wortes gewürdigt habe. Wenn dem so gewesen ist, so wird das Verhalten des Botschafters die vollste Billigung aller Deutschen finden.

Ausweisung der Deutschen aus Hongkong.

W. T-B. Berlin, 29. Okt. (Nichtamtlich.) DerB. L.-A." meldet: Nach einem Telegramm, das das hiesige Exporthaus Arnhold, Karberg u. Co. von seinem Vertreter aus Hongkong erhalten hat, müssen unsere Landslendc innerhalb acht

t/m mm Hier griff

-ras«

liehen Bauernhumor in den Volksszenen sorgten, auch der Chor lebendig ein und die Regie (Herr M e b u s) batte für muntere Bewegung gesorgt-

Hans Helling" wurde im Jahre 1883 zuerst aufgesuhttc 80 Jahre gehe,- nicht völlig spurlos an cindm dramatischen Kunstwerk vorüber. Manches in der Oper, die weniger in Szenen" als in einzelnenNummern mit verbindendem Dialog angelegt ist, erscheint schon ein wenig verblaßt. Das instrumentale Kolorit, das für all die verschiedenartigen Stimmungen der Oper die geeigneten Tonfarben aufweist, Hai sich noch merkwürdig frisch erhalten, und das O r ch e st e v unter Herrn SchlarS Leitung ließ es auch gestern an möglichst glänzender Belichtung nicht fehlen. Und so wandtv sich der gemütvolle Sang und Klang dieser echt deutschen Oper nicht vergeblich an die Sympathien der Hörer:HanA Helling" gefiel. __jj_ 0. I>.

Aus Kunst und Leben.

Theater und Literatur. Soeben beginnt ein Unter­nehmen zu erscheinen, Kriegsbuch für die Jugend und das Volk. (Mußestunden 6. Jahrgang, Heft 1.) (Stuttgart, Franckhsche Verlagshandlung.), das sich aus der Fülle der Veröffentlichungen über den Krieg ganz besonders bervorhebt, da es sich an die Jugend und die weitesten Volks­kreise wendet. Bei diesem Kricgsbuch handelt es sich um eine Ktieg§au§gabe bet befcnittien, unb beliebten ,- v jiuQcnb 3 , 1 ijCit2 schriftMußestunden". Es ist ein ernsthaftes Unternehmen, das seinen Hauptwert darauf legt, der Belehrung und Unter­haltung zugleich zu dienen. Der Bilder- und Kartenschmnck ist gut ausgewählt, der Preis billig.

Bildende Kunst und Musik. Kammersänger Hans Tanz!er ist auf dem westlichen Kriegsschauplatz ge-

^ 01 Wisienschaft und Technik. Nach derBerl. Morgenpost'' haben die Professoren der Universität Löwen das Angebot der Universität Cambridge, die Löwencr Hochschule zeit­weise dorthin zu verlegen, abgelehnt.

a g e n die Insel verlassen. Von diesem Befehl werben

zahlreiche Firmen betroffen.

Wie die russische Klotte ihre Untätigkett zu bemänteln versucht.

Br. Christiania, 30. Oft. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) DerTimes"-Korrespondent telegraphiert aus Petersburg; Die Deutschen versuchen mit jedem Mittel, sich der Aufmerk­samkeit des russischen Admirals v. Essen zu entziehen. (!) Neulich zeigten sich deutsche Kreuzer, begleitet von mehreren Torpedobooten, in der Nähe der ruffischen Flotte, aber Admiral v. Essen war mißtrauisch, er ahnte eine Kriegslist, was auch durch eine Rekognoszierung russischer Flieger Jsc* stätigt wurde. Diese entdeckten näinlich zahlreiche deutsche Kriegsschiffe, die versteckt lagen und nur daraus warteten, anzugreifen, sobald die russischen Schiffe in einen Kampf ge­lockt worden wären.

Ein Sild über die Schlacht bei Warschau.

W- T.-B- Berlin, 30. Okt. Über die Schlacht bei Dar­chau entnehmen derBerl. Lok.-Anz." und andere Blätter derDaily Chronicle" folgende Schilderung: Das heftige

Ringen dauerte vier Tage unaufhörlich an." Vier Rächte dröhnte die ganze Stadt von dem entsetzlichen Kanonen­donner. Die Fensterscheiben zitterten in einer Entfernung von 50 Kilometer. Unaufhaltsam zogen neue Regimenter aus der Stadt heraus den Deutschen entgegen. Ein Strom von Verwundeten flutete in die Stadt zurück und füllte die Straßen. Da draußen ging Tod und Verderben um, Dörfer und Straßen standen in F l a m m e n. Granaten platzten zu Hunderten zu gleicher Zeit, ihre Split­ter mähten oft ganze Reihen von Mannschaften weg, die in den Schützengräben fielen oder unter dem mörderischen Feuer der Maschinengewehre vorwärts stürmten. Oster kam es zu B a j o n e t t k ä m p f e n, abwechselnd hatten die Russen oder die Deutschen die Oberhand, und die Schlacht­linie wogte hin und her.

Nussischc Verluste.

Die russische Verlustliste, die nur Offiziere aufzähtt, schwillt, wie dieFranks. Ztg." aus der Schweiz berichtet, ungeheuer an. Vom 17. bis zum 20. Oktober sind weitere 8 00 Namen veröffentlicht worden. Bis jetzt umfassen die Verlustlisten 320 Offiziere mit dem Rang eines Obersten cber Generals. In ben Spitalern Petersburgs befinden sich jetzt nach den Angaben der Presse mehr als 1000 kranke Offiziere außer den vielen verwundeten. Aus anderen Städten werden ähnliche Ziffern gemeldet. So liegen nn Lazarett Riga 180 kranke Offiziere.

Angriff der Bulgaren auf ein russisches Kanonenboot.

W- T-B. London, 29. Oft. (Nichtamtlich.) Nach Blätter- meldungen haben die Bulgaren auf ein russisches Kanonenboot geschossen, das der serbischen Armee aus der Donau Vorräte zuführen wollte.

Zranzösische Rnmatzung in Rumänien. Die muselmanische Gefahr fftr England.

w. T-B. Konstantinopel, 29. Oft. (Nichtamtlich.) Die türkischen Blätter berichten von folgendem kleinen Zwi­schenfall, der hier starken Eindruck hervorgerufen ^hat: Der französische Gesandte in Bukarest begegnete jüngst dem Bürgermeister von Jassy, der, wie der Gesandte erfuhr, sich bereit erklärte, von dem Magistrat der Stadt Berlin Kriegstelegramme entgegenzunehmen, und sprach rhn mit den Worten an:Mein Herr, ich bin mit Ihnen unzu­frieden." Der Bürgermeister fragte erstaunt nach dem Grunde der Unzufriedenheit. Als er ihn erfahren hatte, er­widerte er mit Entrüstung, daß er von dem rumänischen Ministerium des Innern Befehle annehme, nicht aber von einem fremdländischen Diplomaten. Die türkischen Zei­tungen heben hervor, daß der französische Gesandte auf diese Art erfuhr, daß Rumänien kein Vasallenstaat istt

Darauf greift das indisch-mufelman,sche Blatt »Btts- seiihba" ein englisches Organ an, welches behauptet, daß un Falle eines englisch-türkischen Krieges die Muftlmcmen Indiens notwendigerweise gegen die Truppen des Kalifats kämpfen ivürden. DerJkdmn" weist diese B-H^ptung zu­rück und hebt hervor, wie sehr alle Muselmanen dem Kalifat anhängen und. wie viel die Türkei-ls einziger noch unab­hängiger muselmanischer Staat für den Islam (gern Jabe.

DemDänin" zufolge stno die englischen Konsuln aus Syrien einer nach dem anderen abberufen wo^en, well ihre vor dem Kriege abgefaßten Berichte über ine Lage durch die Ereignisse Lügen gestraft werden.

Zur Beschlnguahme eines italienischen Dampfers durch die Franzosen.

W. T-B. Rom, 29. Okt. (Nichtamtlich.) Die Zeitungen besprechen lebhaft >md ausführlich die Tatsache, daß ern französisches Kriegsschiff .den italienischen Dcnnpfw: ^Enrico Miller" aufgebracht und^ nach Brserta geM-t hat. Man erörtert namentlich die Frage, 06 der Darnpfer^

italienischen Territorralgewassern fortgv- nommen worden sei. He>:te abend hat d,e -AgeiiziaStesani folgende Note veröffentlicht: Die Admiralitat in D-serta

hatauf Befehl der französischen Regierung den Dampfer Enrico Miller" auf die mündliche Zusage des italienischen Konsuls freigelassen, daß die Ladung rn dem italie­nischen Besttmmungshafen untersucht werden lourde, und daß die italienischen Behörden die Auslieferung etwa vor. handener Konterbande an die kriegführenden Staaten per« hindern würde, und daß das Ergebnis der Untersuchung der französischen Regierung mitgeterlt wurde.

Deutsches Netch»

* Die Kaiserin i» Posen. Die Kaiserin besuchte in Posen, nachdem halbwegs zwischen Breslau und Posen aus der Station Ljssa die Erfrischungsstatron besichtigt und em nach Oberschlesien durchfahrender Zug w't Ersatzmannschaf, teii begrüßt worden war, das Auguste-Vittor,a-Haus (Ver> einslazarett des Vaterländischen Frauenvereins), ferner das Depot der Freiwilligen Krankenpflege und das Hauptlaza» reit. Nachmittags wurde die Kaiserin am Pottal des Diako- nissenhaus-Lazaretts vom Generalsuperintendenten Blau, von den anderen Herren des Vorstandes und den Ärzte« empfangen. Zur Abendtafel waren Fürst und Fursttn Thurn und Taxis, der Erbprinz und die Umgebung der fürstlichen Herrschaften geladen. Der Fürst betättgt sich h,er als KorpS- delegierter, und der Erbprinz ist zum Stabe des 8. Korps kommanbiert. Spät abenbs begnb sich bie Kniserin mit bet Prinzessin August Wilhelm zum Bahnhof, wo ein Zug mit 700 leicht- und erncr Anzahl schwerverwundeter Wann-