Witsbsdkm Tagblstt.
Verlag Langgape 21 V?%. «ö« 12 HUSOtCtöStt« „Tagblatt-Haus- Nr. kkso-s».
„Tagdlatt-Hans". wvQJßHlHU} * ® S8on 8 Uhr morgens bis 8 Uhr adrndS. autzer Sonntags,
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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.
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BerlinerSchriftleitmrg desWiesbildenerTaffbl-tts: Ber!i>i-SLilmersr>orfG>intzc!sfr.66,F':r„spr. : AmtNhwfld 4o0 u.4,,1. Tagen n„d Plätze» wird kein- Gewabc nb-rnommen.
Nr. 508 . ♦ 62 . Jahrgang.
Srsttag. 30. GKLotz-sr 1914.
Kbend-klusgabe.
ü zsBsw-T F v mmt
Die Türkei bricht los
Der heutige Tagesbericht.
Trfslgreichs Fortsetzung der Angriffe im Nord- ws-tsn. Vergebliche Angriffs der Franzosen Hei
Verdun. Unveränderte Lage im Osten.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 30. Okt., vormittags. (Amtlich.) Unser Angriff südlich Nieu- dort und östlich Ypern wurde erfolgreich fortgesetzt. 8 Maschinengewehre wurden erbeutet und 200 Engländer zu Gefangenen gemacht.
Im Argon nen Walde nahmen unsere Truppen Mehrere Blockhäuser und S t ü tz p u n k t c.
Nordwestlich B e r d u n griffen die Franzosen o h n e Erfolg an.
Im übrigen ist im Westen und ebenso auf dem öst- Kriegsschauplatz die Lage unverändert.
O b e r st c Heeresleitung.
Der Vormarsch über den Yserkanal.
Berlin, 30. Okt. Der Vormarsch der Deutschen über den Yserkanal dauert holländischen Blättern zufolge wrt. Rousbrugge soll von den deutschen Vorsuppen besetzt worden sein.
Die feindlichen Stellungen bei Dixmuiden
zusammengeichoffen.
bck. Köln, SO. Okt. Der „Köln. Ztg." wird aus Ostende "ach der holländischen Zeitung „Tijd" gemeldet, daß von den verstärkten Stellungen der Verbündeten bei Dixmuiden nur "°ch Trümmer übrig geblieben sind. Ein Bajonettangriff folgte dem anderen.
^in englischer Bericht über die Wirkung der Schiffsgeschütze.
Br. Rotterdam, 30. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Den letzten Meldungen aus Westflandern zufolge bekommt vor Kampf an der User mehr und mehr den Charakter eines uositionskriegs. Ein ,.Times"-Berichterstatter, der mit einem ^sglischen Offizier in einem Fesselballon, der die Wellung der Deutschen auszuforschen hatte, war, konnte alle Phasen der Schlacht verfolgen und beobachtete die Wirkung oos Feuers der britischen S ch i f f e an der Küste. Mit seinem Feldstecher sah er Ostende und mehrere Küstendörfer. So weit ee beobachten konnte, stand keine Mauer mehr in den Dörfern Westkerke, Slype und Rovie. Die ganze Zerstörung !?ar durch das Feuer der englischen Schiffe verursacht, jd o u r n h o u t im nordöstlichen Belgien wurde gestern von
deutschen Soldaten besetzt.
Umwandlung Brüssels in eine Festung?
Br. Turin, 30. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die -Stampa" bringt eine Pariser Meldung, nach der gegenwärtig von den Deutschen daran gearbeitet wird, Brüssel in oine Festung umzuwandeln.
Eine neue Heldentat der „Emden"-
3wei feindliche Uriegsschiffe in den Grund gebohrt!
m Leipzig, 3«. Ott. Die „Leipziger
Neueste» Nachrichten" verbreiten folgcndss Extrablatt: Kopenhagen, 20. Okt.: Nach ?iner amtlichen Petersburger Meldung aus *oi'iu wurden der russische Kreuzer „Schernt- schug" und ein französischer Terpedvjäger k« der Reede von Pnlo-Pinang durch Torpedo sch üsse des deutschen Kreuzers "t^mden" zum Sinken gebracht. Der deutsche Grenzer halte sich durch Anbringung eines b.ierre» falsche» Schornsteins nnkennt- uch gemacht und kounte sich auf diese Weise ve» vernichteten Schiffen unerkannt nähern.
Der „Schemtschug" ist ein neuerer geschützter Kreuzer aus dem Jahre 1903, Er hat 3180 Tonnen Rauminhalt, eine Geschwindigkeit von 24 Seemeilen, eine Bewaffnung von acht 12-Zentimeter- und sechs ^-Zentimeter-Geschützen ilnd eine Besatzung von 366 Alaun. Die Insel P u I o Pinang (auch Prinz-Wales vtnfel), zu den englischen Straits Settements gehörig, Mtzt an der Westseite der Halbinsel Malakk a, von «exs sie durch einen 3 bis 8 Kilometer breiten Kanal geflennt ist. Die Hauptstadt der Insel ist Georgene w n, über dessen Hafen, außer den Erzeugnissen der "östiel, auch Produkte von Malakka, Borneo und dem gegenüberliegenden Sumatra verschifft werben.
wieder zwei englische Schiffe von deutschen Kreuzern gekapert!
Br. London, 30. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. ln.) An der Versicherungsbörse ivurden zwei englische Dampfer als überfällig angegeben. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind sie von der „Emden" und „Karlsruhe" gekapert ivorden. Es handelt sich um den Dampfer „Farquar" von 000 Tonnen, der im Indischen Ozean unterwegs war, und den Dampfer „A r d g a r r o ch" pon 7800 Tonnen, der in den atlantischen Gewässern sich befand.
Die Jagd nach der „Karlsruhe".
Br. New York, 30. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mw) Der britische Generalkonsul in New York teilt mit, daß der amerikanische Handelsdampfer „Lorenzo" und der norwegische Dampfer „Thor" von britischen Kreuzern in der Nähe der westindischen Küste abgefangen worden seren, als sie den. deutschen Kreuzer „Karlsruhe mit Kohlen versorgten. Beide Schiffe wurden nach St. Luzia verbracht. Die „Karlsruhe' entkam.
Der erste Lord der englischen Admiralität tritt zurück.
M. Amsterdam, 30. Okt. Nach Londoner Blättermeldungen hat der Admiral Franz Louis b e r g, der erste Lord der geben.
Der österreichische amtliche Kriegsbericht vom 29. Oktober.
W T.-B. Wien, 29. Okt. (Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbart: 29. Oktober, mittags. Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz fanden gestern kerne größeren Kämpfe statt. In den letzten Tagen wurden Versuche der Russen, gegen den Raum von Turka vorzu- drinqen, erfolgreich a h g e s ch I a g e n.
’ Der Stellvertreter des Chefs des Gcncralstabs: v. H ö f e r, Generalmajor.
Türkische UreuZer beschießen russische
Häfen am Schwarzen Meer!
Okt. (Nicht- Telegraphem
von Batten- Admiralität, seine Demission ge-
W. T.-B. amtlich.)
Petersburg, 20. Die Petersburger
Agentur meldet: Zwischen 0.:MJ itufc 10.30 Uhr vormittags beschoß ei» türkischer .Kreuzer »nt drei Schornsteine» den Bahnhof und die Stadt Theodosia. Gr beschädigte die Kathedrale, die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und'die Mole. Ein Soldat wurde getötet, die Kiliale der russischen Bank für auswärtige» Handel geriet in Brand. Um 10.30 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab; in Noworossijsk kam der türkische Kreuzer „Hamidie" an und forderte die Stadt aus, sich z» ergeben sowie das Staatseigentum ansz-i- liesern, die Bombardierung im Falle der Ablehnung androhend. Der türkische Konsul und die Beamten wurden verhaftet. Der Kreuzer entfernte sich.
Zwei russische Torpedoboote bei der Ausfahrt der türkischen Flotte vernichtet.
Dir ersten russischen Gefangenen der Türken.
Br. Berlin, 30. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Nach einer offiziellen Nachricht ans K o n st a n- tinvpel haben einige russische Torpedoboote versucht, die Ansfahrt der türkischen Flotte aus dem Bosporus im Schwarzen Meere zu verhindern. Die türkischen Schisse eröffneten das Feuer und brachten zwei russische Fahrzeuge Zum Sinken. Über 30 r u s s i- s ch e Seeleute wurden von den Türken zu Gesänge- n r n gemacht.
Das Unwetter im Südosten unseres Erdteils und an der Grenze-. Europas und Asiens, das lange im Anzuge war, scheint nach der Meldung der heutigen Nacht nun sich 'zu entladen. Die Türkei bricht los: die Nachricht von dem Erscheinen türkischer Schiffe vor den Häfen des östlichen Mittelineers, von der Beschießung Feo- dosias bedeutet für uns und das treuverbündete, Öster- t-eidö — auch wenn man noch so zurückhaltend das Urteil wägt —- doch so viel wie: eine gewannene Schlacht: wir stehen vor einem neuen Abschnitt dieses ungeheuren Weltkrieges: es ist kauin ein Zweifel mehr möglich: der Islam greift ein«
Zunächst die Türkei! Was folgen wird, werden wir ' sehen. Langsam, aber sicher bereitete
die Welt des Islams sich vor, gegen den Dreiverband in Bewegung zu kommen. . Das bemerkenswerteste Anzeichen dafür war schon die Sperrung der Dardanellen durch die Türkei. Diese entschlossene Maßregel war die Antwort auf das bedrohliche Kreuzen der englisch-französischen Flotte vor den. Dardanellen, der die Bewegungen der russischen Flotte im Schwarzen Meer in der Richtung auf den Bosporus entsprachen. Daß die Pforte, jetzt auf die, Drohungen und Übergriffe der englisch-französischen Flotte vor den Dardanellen und die Kundgebung der russischen Schwarze-Meerflotte mit einer energischen Tat antwortet, bezeugt die erfreuliche Entschloss e n h e i t der Türkei, unzulässige Beeinträchtigungen ihrer Rechte nachdrücklich abzuweisen, bezeugt vor allem, daß man in der Türkei erkannt hat, daß der Ausbruch des Weltkrieges auch für das Türkenreich die S ch i ck s a l s st unde bringen würde: entweder mit dem Siege des Dreiverbandes und seiner Trabanten, mit dem Anheimfallen Konstantinopels an Rußland den Todesstoß für die Hauptmacht des Islams, oder aber mit einem entschlossenen A u f r a f f e n, zu dessen Vorbereitung man jetzt Zeit genug gehabt hat, die Möglichkeit zu einer N e u- befestigung und dauernden Sicherung eines auf seine asiatischen Besitzungen sich stützenden osmanischen Reiches. Die Würfel also sind im Rollen.
Daß die Entscheidung der Pforte nach allen geschichtlichen Notwendigkeiten gar nicht anders aus- fallen konnte als gegen den Dreiverband, dessen Mächte überall den Islam unterdrücken, lag auf der Hand. Es handelt sich mit dem Losbrechen der Türkei denn auch nicht um ein türkisches Eingreifen, sondern um einen Ausfluß einer a I l i s l a m i t i sch e n Bewegung, von deren Anzeichen wir aus Afghanistan, aus Persien, aus Indien und Afrika, von Ägypten bis an die Nordwestküste Afrikas hin, Marokko, in den Letzten Monaten hörten. Die Mobilnrachung des Islam war schon geraume Zeit langsam, aber sicher in der Vorbereitung. Welche auch bei uns bald fühlbar werdende Schwächu n g, .zunächst also für das zuerst betroffene Rußland, das Vorgehen der Türkei bedeuten wird, braucht kaum erst gesagt zu werden. _ Im übrigen braucht mau über die G r ü n d e und Ziele dieser Bewegung nicht im unklaren zu sein. Es handelt sich selbstverständlich nicht, so h o ch e r f r c u l i ch , auch die von uns stets so herzlich erwiderten türkischen Sympathien für uns sind, nicht um eine „Hilfsaktion" zugunsten Deutschlands und d>er Donaumonarchie. Wenn sich die Türkei gegen den Dreiverband aufrichtet, so ist das eine reine Jnteressenpoli- t i k. Das türkische Blatt,„Terdschuman-i-Hakikat" be- nierkte kürzlich ebenso offen wie zutreffend, daß die.allgemeine Bewegung iin Islam nicht etw>a aus einem Haß der Mohammedaner gegen die Regierungen des Dreiverbandes stamme, sondern aus ihrem Streben, bei der großen Abrechnung nach dem Kriege ihre E x i st c n z zu sichern. Wenn die russische Presse offen verkündet hat, daß Konstantinopel über Berlin und Wien erobert werden müsse, wenn Großbritannien in seiner Dardanellenpolitik vor dem Zarenreich kapituliert hat, und wenn dieses ebenso wie Frankreich den Einspruch gegen eine endgültige englische A n n e x i o n Ägyptens mtfgegebert hoben, so konnte es allerdings für die Türkei keine, Wahl inehr geben. Sie hat jetzt die letzte Möglichkeit, die bei den Balkankriegen erlittenen Verluste wettzumachen.
Der Islam ist im Marsche. Der im Kalifats- gedanken liegende Zusammenhang in der islamitischen Welt ist nach wie vor ein starker Faktor, das wird man in London, Paris und Petersburg bald genug zu spüren bekommen. Es ist unschwer zu erkennen, daß mit der zunehmenden Gärung in Ä g y p- t e n, von der in den letzten Wochen, wiederholt die Rede war, die Ereignisse in engen: ZusamMenihang standen, die kürzlich aus dem Somalilande berichtet wurden. Die britische Herrschaft in diesem, an dem wichtigen Flottenstützpunkt Aden angrenzenden Gebiet stand von jeher auf schwachen Füßen, und der „tolle Mullah", der den Engländern seit 16 Jahren arg zu schaffen macht, soll die Stadt Berbern, den Hauptort des Somal:- landes, besetzt und die englische Garnison gefangen ge- nomnleu haben, während gleichzeitig ein deutscher Kreuzer die Hafenstadt Dschibuti, die Hauptstadt des französischen Somaliaehietes, beschossen hat. Der Zusammenhang der mohammedanischen Bewegung im Somalr-
