Sette 8
Wie-daderrer KagbLatt.
o.
Lost's, boarische Landsleut', Und hört's mer schö zua, Sonst tappt's umenanda
In Leipzig g'rad gnua.
Zerscht lernt's dischkuriren, Wie's da reden die Leut: »Ei Herr Cheses" hoaßt: »Sacra! Und .Helle" hoaßt: »g'scheut".
Dös Land iS net bucklet. Na na, ganz schö eb'n, Und in Aeckerlein's Keller
IS lusti zu leb'n.
Es iS gar koa »See-Stadt", S'is a Buch- und Papier- Und a Thee- und Kaffee-Stadt, Hot ä a guat's Bier.
Druck und Verlag der L. Schelleoberg'schm Hof-Buchdruckeret tu Wiesbaden. — Für die Herausgabe verantwortlich: Louis Schellenberg tu Wiesbaden? (DU heutig« Stummer «uthält 80 Seite».)
lautet: Samstag den 26. Juli c.. Abends 8 Uhr: Große Kneipe im Vereinslocale (Gehrhard'jcher Bierkeller). Sonntag den 27. Juli, Morgens 6 Uhr: Tagesreveille; bis 9 Uhr: Empfang der «ivtreffenden Vereine: um 9 Ubi: Beginn des Preisturnens; während desselben: Großes Früh- fchoMn-Concert; Mittags halb 3 Uhr: Aufstellung des Festzuges in der Bahnhofstraße; um 3 Uhr: Festzug durch die Straßen der Stadt nach dem Festplatze; dortselbst: Fortsetzung des Preisturnens, dann Stab- Übungen, Ringen und Kürturnen; während dessen: Concert; Abends 7 Uhr: Rückzug zum Vereinslocal; um 8 Uhr: Preisvertheilung mit darausfolgendem großartigen Feuerwerk; italienische Nacht und Garten-Concert. Während des Festtages wird die Jnfanterte-Regimentsmusik von Landau unter Leitung ihres CapellmeisterS Herrn Löwe concertiren. Sollte der Himmel ein gutes Gesicht dazu machen, so ist rege Betheiligung von auswärts sicher, und werden hiermit alle Turner und Turnfreunde zu diesem Feste freundlichst eingeladen. Gut Heil!"
— (Festgruß.) In Leipzig ist bereits die Festzeitung für das am 19. d. M. beginnende Bundesschießen erschienen. In derselben gibt Felix Dahn den bayerischen Schützen folgenden Rath:
* (Eine originelle Idee) ersann ein Landwirth in Mosback. Er brachte an einem in seinem Garten siebenden Kirschbaum eine Glocke an, um die liebe Jugend von demselben fernzuhalten. Als vor einigen Tagen abermals ein Junge den Baum bestieg und sich die Taschen füllen wollte, ertönte die Glocke, worauf der Besitzer in seinen Garten eilte und den verblüfften Kirschenltebhaber gründlich abstrafte. Seitdem ließ sich kein Junge mehr blicken. Probatum ost!
* (Der Besuch des Ntederwald-DenkmalS) war auch am letzten Sonntag wieder ein wahrhaft erdrückender, wie der »Rheing. Anz." meldet, um dann noch hinzuzufügen: »Wenn dem Wunsche, die König!. Etsenbahn-Direction möge durch Einrichtung ermäßigter Fahrten an einzelnen Wochentagen etwas zum Ausgleich dieser Sturmfluth beitragen, nicht bald entsprochen wird, so muß auf diesem Wege von dem sonntäglichen Besuche des Niederwaldes abgerathen werden. Das entsetzliche Gewühl, Getriebe und Getöse, wie es auf der sonst von weihevoller Ruhe poetisch umfloffenen Stätte des National-Denkmals sich breit macht, leider auch öfters zu Ausschreitungen Ungebildeter Anlaß gebend, bietet alles Andere eher, als Gelegenheit und Muße, sich an den gewaltigen Eindrücken des deutschen Kunstwerkes und großartigen Landschaftsbildes würdig zu erfreuen."
* (Der 13. Juli), der Jahrestag der ewig denkwürdigen Begegnung, die König Wilhelm am 13. Juli 1870 um 9 Uhr 10 Min. Vormittags in Ems mit dem französischen Gesandten Grafen Benedetti hatte, ist auch in diesem Jahre in der Erinnerung aufgefrischt worden. Jene Stelle, wo der König dem dreisten Ansinnen des Franzosen mit den Worten, »daß hier nicht der Ort sei, um über so wichtige Dinge zu unterhandeln", den Rücken zuwandte und dann hinüber nach der königlichen Wohnung im Curhause schritt, ist bekanntlich mit einem Granit-Bedenkstein geschmückt, der obige Daten trägt, aber der starken Passage wegen nicht über die Bodenfläche hervorragt. Alljährlich ist dieser Stein am 13. Juli mit Blumen und Kränzen geschmückt worden und so geschah es denn auch diesmal wieder. Das Programm des Emser CurorchesterS verzeichnete durchweg Nummern patriotischen Characters.
* (Personalie.) Herr Amts-Gerichtsschreibcr Witzky ist vom 1. August ab von Langenschwalbach an das Köntgl, Amtsgericht zu Weilburg versetzt worden.
Aber döS g'schlcht uns g'rad recht, Kost'S Münch'ner Bier mehr:
DöS macht's »Reservat Recht', Umsunst ist koa Ehr'.
Trefft's oan, der hoaßt »Bohrmann', So grüaßt's en von mir
Und gebt's eam — i zahl'S scho - A Spatenbräu-Bicr.
Und trefft's es den Bliemche,
Den Partikulier,
So trinkt's nur — um Gottswill'nl-
Bei Den koan Kaffee!
Seid's net grob mit de Sax'n, San gar höfliche Leut';
Hebt'S d' Gröben für z'Haus aus, Bal's ent gar a so freut!
» (Turnfest.) Aus Frankenthal, 12. Juli, schreibt man uns: Bei der gestrigen Generalversammlung der Turn-Gesellschaft hier wurde einstimmig beschloffen, das übernommene Bezirks-Turnfest mit Preisturnen am 27. Juli c. abzuhalten. Als Festplatz wurde der Walter'sche Pachtacker, am Wormser Thor gelegen, bestimmt. Das definitive Programm
— (Ein junges Paar) ließ sich von dem Standesbeamten trauen. »Die Frau muß ihrem Mann überall folgen," sagte der Beamte, als er die übliche Formel aussprach. — »Das kann ich nicht versprechen," erwiderte die Braut mit großer Entschiedenheit. — „Wie meinen Sie denn das» fragte der Beamte. — „Mein Mann ist Briefträger in den Vorstädten, antwortete sie.
* Gchiffs.Ntachricht. Dampfer .Schiedam" von Rotterdam am 12. Juli in New-Bork anaekommeu.
— (Blitzschlag.) In Elberfeld wurden am Sonntag bet einem Wettrennen im Circus Krembser auf den Höfen bet Rtttershausen durch einen Blttzfcklag 11 Personen betäubt und 4 getödtet. Dieselben befanden sich außerhalb der Arena auf einem Baume.
— (Abgeschaffte Polizei.) In Zell am See, einem herrlich gelegenen kleinen Curort bei Gastein, ist, tote ein soeben von dort zurückgekehrter Tourist erzählt, kürzlich — die Polizei abgeschafft worden! Da nämlich durch ein ganzes Jahr keine einzige Arrestation, überhaupt kein einziges Vergehen vorgekommen, so hat der Gemetnderath beschlossen, die einzige Person, welche dort die Polizeigewalt und Erecution des Straf- geseLbuches repräsentirte, den — Nachtwächter abzuschaffen. Also geschehen im Jahre des Heils 1884.
— (Eine Theater-Reform.) Aus Paris schreibt man: „Ein jedenfalls neues Mittel, um bei der gegenwärtigen tropischen Gluth das Publikum in's Theater zu locken, hat der rührige Director des kleinen Theaters in Montpellier in Süd-Frankreich zur Anwendung gebracht. Derselbe läßt nämlich nach dem eisten Act den Besuchern des ParquetS und der ersten Ränge gratis je nach Belieben ein Gläschen mit Fruchtoder Vanille-Eis serviren. Die Inhaber der kleineren Plätze erhalten nur eine halbe Portion. Wie es heißt, soll nach Einführung dieser süßen Reform das genannte Theater namentlich von der Damenwelt äußerst stail frequentirt werden."
— (Von der Cholera.) Obwohl in Marseille das Mittel bet dortigen Cholerea-Todesfälle von 70 auf 65 heruntergegangen, so ist der Instand daselbst noch trostlos. Die Krankheit forderte ihre Opfer in den letzten Tagen hauptsächlich in der überfüllten Irrenanstalt. Sieben von der Cholera befallene Schiffe, darunter zwei Griechen, zwei Italiener, ein Franzose, ein Spanier, ein Norweger haben aus dem Hafen entfernt werden müssen. In Toulon ist die Seuche leider wieder im Steigen. 144 Cholerakrauke sind in Behandlung. Professor Koch, der gleich nach dem ersten Cholerasall in Lyon eintraf, ist der Ansicht, daß dieselbe auch für Lyon unvermeidlich ist. Mit Rücksicht auf die guten sonstigen gesundheit- lichen Verhältnisse der Stadt vermuthet er aber dort ein mildes Auftreten. Ein Fall sporadischer Cholera ist in Autun und soeben ein neuer Fall in Atx signalisirt. In Paris ist bis jetzt kein Cholerafall festgestellt. Unter oen Kindern ist aber die Sterblichkeit in Folge von Dysenterie bei der großen Hitze im Steigen.
— (Paul Morphy), der rümlichst bekannte Schachspieler, ist in New-Uork am 11. d. Mts. gestorben.
Knust «ud Wissenschaft.
—. (Königliche Schauspiele.) Von den Novitäten, welche uns die Mitglieder der „Friedrich-Wilhelmstadt" bis jetzt zu Gehör brachten — „Marquis von Rivoli", »Donna Juanita", »Hoffmann's Erzählungen" und »Eine Nacht in Venedig" — ist die am Montag in Scene gegangene letztgenannte Operette des genialen Wiener Tanz-Componisten Johann Strauß unstreitig die ansprechendste gewesen und zwar sowohl hinsichtlich ihrer characteristifchen musikalischen Form und des prickelnden Reizes der Melodik, als auch der äußerst glanzvollen Jnsceuirung. Wohl birgt Strauß' jüngstes Werk nicht die gleiche köstliche Melodienfülle wie dessen „Fledermaus" oder „Lustiger Krieg", allein nichtsdestoweniger athmet auch in »Eine Nacht in Venedig" die sprühendste Lust, die keckste Laune musikalischer Eifindung; das Textbuch von Zell und Geuse verräth nicht minder die geschickte Hand. Die Ausführung der Operette war in a l l e n Theilen eine ganz vorzügliche, das Ensemble ein selten abgerundetes. Die de- corativen Arrangements, die Costüme und Requisiten sind als hervorragend schön zu bezeichnen. Die Berliner Gäste beendigen morgen ihr Gastspiel an unserer Bühne mit Snpps's neuester Operette »Die Afrikareise", deren Ausstattung eine noch glanzvollere sein soll, wie die der Strauß'schen »Eine Nacht in Venedig". Die Hauptrollen befinden sich in den Händen der Damen Fritzsche-Wagner, Koch und Victorin, sowie der Herren Wellhof, Szika, Steiner, Hambrock und Rosen.
Aus dem Reiche.
* (Der Kaiser) hat am Montag Früh die Mainau verlassen, ist Abends 61/» Ut)r in München eingetroffen und von da nach dem Maschinenwechsel alsbald weitergeretst. Um 7*/a Uhr kam der Kaiser in bestem Wohlsein in Rosenheim an, woselbst er im »Marienbad" Logis bezog.
* (Die Prinzefsin Wilhelm) ist am Montag den 14. c. Nachmittags 2a/< Uhr in Potsdam von einem Prinzen glücklich entbunden worden.
* (Geheimrath Dr. Koch) ist auf Einladung des Schweizer Bundesraths von Toulon nach Bern gereist, woselbst er mit der Cholera- Commission conferirte.
* (Unfallversicherung) Der gestrige .Reichs-Anzeiger" enthält eine Reihe von Bekanntmachungen, die Unfallversicherung betreffend, worauf wir Jnteresfenten aufmerksam machen. Das Reichs-Versicherungsamt ist mit dem 14. Juli in Thätigkeit getreten. Zum Präsidenten desselben ist der bisherige Geh. Regierungsrath und vortragende Rath im Reichsamt des Innern, Bödiker, ernannt worden. Die Geschäftsräume befinden sich vorläufig Wilhelmstraße 74 zu Berlin.
Vermischtes.
