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Fremde mit ihrem Herrn vorgehabt?

(Forti, folgt)

Und ohne den Director weiter eines Blicke« zu würdigen, chritt er aus dem Zimmer.

Mit der Entfernung des Kammermufikus war ein Alp von der Brust des DirectorS genommen; mit einem Satze fuhr.et in die Höhe, und beide Hände wie zu einer furchtbaren Beschwörung nach der Thür ausstreckend, schrie er in den allerhöchsten Tönen seines OrganS:

Daß Dich die Hölle verschlinge, Du infamer Saitenkratzer mit fammt Deiner tugendhaften Donna! Mir so etwas zu bieten ! Mir! . . . O, ich könnte rasend werden!"

Und mit beiden Händen sein edles Haupt fassend, rannte er wie besessen in dem Zimmer aus und ab.

Na, wie ist eS denn, na, nu, Herr Director! Der Wimmer wartet und die beiden Dame» werden auch gleich da sein; fie wollen sich bei Ihnen beklagen."

Diese Worte seiner HauSiyrannin, die mit in die Hüften ge­stemmten Armen in der Thür stand der grobe Fremde war ja fort und ihr Herr flößte ihr keine Furcht einsteigerten die Wuth des geplagten Directors bis zum Aeußersten.

Hole Euch Alle der Satan!" kreischte er und warf sich wie vernichtet in das Sopha, das ob solcher unwürdigen Behandlung in allen seinen Fugen ächzte und stöhnte.

Frau Schimmel stand wie erstarrt. Was hatte nur der

Mr unsere» Volkstheaters, der fich so warm in den Schafpelz ilstliwer Denkung-art zu hüllen versteht, ein recht eigenthümliches Mt werfen. Ferner werde ich Briefe der Oeffentlichkeit über- ,iben, die dieser Director einer achtbaren jungen Dame zu schreiben Lte, und in denen der Ehrenmann ihr den Vorschlag macht, zu seiner . . . »Freundin« »erheben« zu wollen. Da diese

Sriese jedoch nicht beantwortet und seine unsauberen Anträge mit Entrüstung zurückgewiesen wurde», rächte sich der edle Direktor (uj eine seiner würdigen Weise: er versagte dem armen Mädchen, das seiner Liebe zu trotzen gewagt, den erbetenen Urlaub, um der «erstorbenen Mutter die letzte Ehre zu erweisen .. . Was meinen kie pvhl, Herr Bendheim, war die Folge dieser meiner Mitthei- luiigen sein wird? Daß man auch in den hohen und höchsten ßreisen davon Notiz nehmen soll, lassen Sie meine Sorge sein. Als Director unseres Volkstheaters wären Sie damit unmöglich gewacht, und nur eine schleunige Entfernung von hier könnte Sie der allgemeinen Verachtung entziehen. Wollen Sie es daraus an- lommen lassen? Oder find Sie jetzt vielleicht geneigt, mir den verlangten Schein auszustellen? Entscheiden Sie fich kurz . . . meine Zeit ist gemessen." » .

Dar waren Worte von wahrhaft niederschmetternder Wirkung sLr den armen Director, in deffen aschsarbenem Gefichte fich Aerger, Verdruß und Angst fichtbar auSprägten.

Sie werden doch Das nicht thun, Herr Kammermufikus!" bat er in den kläglichsten Tönen.Bedenken Sie doch nur die bedeutenden Verluste, welche ich habe, wenn Fräulein Reinthal vierzehn Tage lang nicht spielt. Lassen Sie fich doch nur bedeuten, bester Herr . . ."

,Nichts da, Herr Director!" entgegnete der Kammermufikus, itibem er fich erhob.Es bleibt bei dem, was ich gesagt . . . und nun entschließen Sie fich!"

,Ich will Fräulein Reinthal fünf . . . sechs Tage Urlaub geben. Erlassen Sie mir wenigstens die vierzehn Tage!" bat er düngender.

Nicht eine Stunde. Der Schein wird so ausgestellt, wie ich ei will, oder . .. gar nicht. Das ist mein Ultimatum. Entweder . oder! Und nun kommen Sie endlich zur Entscheidung," «Hätte der Kammermufikus kurz und bestimmt.

Mit einem Seufzer, einem angstvollen Stöhnen ähnlich, Hob der Directsr fich von dem Sopha und nahm vor feinem Schreibtische Platz. Mit unficherer Hand legte er fich ein Paffen- der Papier zurecht und begann zu schreiben. Der Kammermufikus stand hinter ihm und merkte genau aus jedes Wort, das auf dem Papiere fichtbar wurde.

.. Ein Geräusch an der Thür ließ den Schreibenden in seiner erzwungenen Arbeit inne halten. Sollte fich ein Retter nahen, der ihn von seinem Quälgeiste Befreite ? Er wollte fich erheben. Ter alte Herr verhinderte ihn daran.

-.Lassen Sie fich nicht stören, Herr Director . . . schreiben Sie ruhig weiter!" gebot er.Sie kennen meine Alternative: entweder . . . oder!"

Die Thür wurde behutsam geöffnet, und in der schmalen Spalte zeigte sich das schmutzig gelbe, runzelige Gesicht der Frau Schimmel.

-Herr Director, der Wimmer ist da, und zwei Damen werden gleich nachkommen," meldete fie.

Sollen warten! Der Herr Director ist dringend beschäftigt," herrschte fie der Kammermufikus in so rauhem Tone an, daß fie erschreckt den Kopf zutückzog und die Thür hastig schloß.

Mit einem abermaligen Stöhnen fügte der Director fich in das Unabänderliche. Endlich war der unglückselige Schein fertig; mit zitternder Hand setzte er seinen Namen darunter. Kaum war bar geschehen, streckte der Kammermufikus auch schon seine Hand ebcm Papier aus, und nachdem er mit peinlicher Genauigkeit alt und Unterschrift geprüft, warf er Streusand darüber, faltete er hierauf forgsältig zusammen und ließ eS in der Brusttasche seines UeberrockeS verschwinden.

imSo, Herr Director! Wir Zwei wären fertig mit einander I" lachte der alte Herr recht seelenvergnügt und griff nach seinem Hute. Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen!"

Airs dem Reiche.

* Deutscher Reichstag. (Sitzung vom 18. Juni.) Der Vorsitzende theilt mit, daß der Abg. Paasch e sein Mandat, welches von der Com­mission für erloschen erklärt worden ist, uiedergelegt hat. Bei der Fort­setzung der zweiten Berathung des Unfallversicherungsgesetzes wendet sich der Abg. Richter gegen das Staatsmonopol auf dem Versichernngsgebiete und bittet, die Privatversicherungs-Gesellschaften auch ferner zuzulassen. Abg. Windthorst befürwortet die von der Commission vorgcschlagene Fassung; allerdings werde er bei der dritten Lesung durch eine Resolution versuchen, eine Entschädigung der Privatverstcherungs-Gesellschaften zu ver­anlassen. Staatssekretär v. Bötticher:Seit 1881 ist die Frage, ob die Privatveisicherung noch zuzulassen sei, so oft und so gründlich, nament­lich auch in der vorletzten, vom Reichstage zur Vorberathung der Unfall­versicherungs-Vorlage eingesetzten Commission discutirt worden, daß es mir verwunderlich erscheint, heute einem solchen Widerstande zu begegnen. Der Hauptgrund gegen die Zulassung ist der, daß die Privatverstcherungs- Gescllschaften, namentlich einem umfassenden Unglücke gegenüber, nicht die genügende Garantie für die Befriedigung des Arbeiters gewähren. Heute fungiren verschiedene Privatgesellschaften, die ein einzelner Betriebsunfall bankerott machen kann, wenn er hundert Arbeiter trifft, wie dies gar nicht selten ist. Auch nachdem die Vorlage in der von der Commission vor­geschlagenen Fassung in Kraft getreten ist, wird den Verficherungs-Gesell- schasten noch ein ausreichendes Feld für ihre Thäiigkeit übrig bleiben, wie dieVictoria" und andere Verstcherungs-Gesellschaften selbst, anerkannt haben." Abg. v. Maltzahn-Gültz schließt sich diesen Ausführungen an und befürwortet zugleich einen von ihm gestellten Antrag, der indessen das Wesen der Versicherung und den Inhalt des §. 9 nicht altertrt. Die Abgg. Grad und Oechelhäuser befürworten die Annahme der von der Commission vorgeschlagenen Fassung; Oechelhäuser weist überdies darauf hin, daß der von den Nationalliberalen zu einem der folgenden Paragraphen gestellte Antrag vollkommen ausreiche, um die Rechte der Privaiverstcherungs-Gesellschaften zu wahren. Abg. Barth empfiehlt die Annahme des Antrages, der das Monopol der Zwangs-Berufsgenossen- schaften beseitigen und Genossenschaften oder sonstige Verstcherungs-Gesell­schaften zulassen will. Redner tritt mit großer Entschiedenheit für die Bei­behaltung der privaten Verstcherungs-Gesellschaften ein; deren bisherige Praxis berechtige auch für die Zukunft dazu, ihnen Vertrauen zu schenken. Abg. Payer (VolkSpartei) tritt für die fernere Zulassung der Prtvat- verficherungs-Gesellschaften ein; die Volkspaitei stehe auf dem Boden der Sozialreform und komme der Majorität möglichst entgegen, aber über §. 9, wie er von der Commission formulirt worden sei, könne sie nicht Hinweg­kommen. Staatssekretär v. Bötticher tritt nochmals für die Annahme des §. 9 in der von der Commisfion vorgeschlagenen Fassung ein, gibt aber eventuell die Annahme des Antrages des Abg. v. Maltzahn-Gültz dem Hause anheim, welcher eine andere, ähnlichen Gesetzen konformere Fassung erzielen wolle. Abg. Buhl rechtfertigt dem Abg. Richter gegenüber die Haltung der Nationalliberalen und bestreitet, daß dieselben ihre Austcht vollständig verändert hätte». (Während der Rede des Abg. Buhl erschien Fürst Bismarck im Reichstage.) Abg. Schrader tritt für die wettere Zulassung der Privatgesellschaften ein. Bisher fei noch kein Fall vor­gekommen, wo Privatgesellschaften ihre Verpflichtungen nicht erfüllt hätten. Staatssekretär v. Bötticher wendet sich gegen die Ausführungen des Vorredners und weist auf die enorme Zahl von Prozessen hin, deren es bedurft habe, um die betreffende Gesellschaft zur Erfüllung ihrer Pflicht