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»och zu beschaffen .. . Aber wie schlugen wir uns wenige Wochen darauf vor unsere undiplomatischen Köpfe! Hätten wir damals vor den russischen Herrschaften, so schlecht wir konnte», die »Wacht am Rhein" gesungen, die deutsch-russischen Differenzen der jüngste« Zeit wären der Welt erspart geblieben. Der offiziöse Federkrieg, die chinesische Allianz, die Reise Manteuffel'S, die Monarchenzusammenkunft, sie alle wären nicht nöthig gewesen und der politische Himmel Europas würde auch nicht von der kleinsten Wolke getrübt worden sein. Aberkleine Ursachen, grobe Wirkungen" ....

Wie mußten wir uns daher freuen, als wir endlich an einen Ort kamen, wo wenigstens keine russische Politik getrieben wurde: nach Bayreuth. Wir befanden uns nun in S e i n e m Zauberkreise und das Erste, waS wir hier unternahmen, war natürlich der Besuch des Wagner-Theaters. In Begleitung des in Berlin bekannten Pianisten Kellermann, welcher an dem Hof des Meisters sich aufhält, und unter Führung des freundlichen Inspektors Moritz, durften wir selbst die geweihten Räume des interessanten Museutempels betreten und unserer Phantasie stand nichts im Wege, mit Hilfe deS gewaltigen scenischen Apparates, der da vor uns ausgebreitet war und thellweise unseretwegen in Bewegung gesetzt wurde, das ganze, große Göttergesindel der Nibelungen-Trilogie vor uns aufmarschiren zu lassen. Auf Anregung unseres Onkelchen Tannhäuser und Papachen Lohen- grin konnten wir uns aber auch nicht versagen, auf der Bühne und im unsichtbaren Orchester je ein Stück zu singen und Palestrina, welcher seine« Hefen Baß in letzterem vortrefflich fand, beabsichtigte alle« Ernstes für die Parthie desParstfal" sich dem Meister zur Verfügung zu stellen, doch nur mit der Bedingung, sieunterirdisch" zu fingen ....

Unser Concert in der Pfarrkirche war zu Ende; der Meister, welcher sonst niemals Concerte besucht, hatte das unsere mit seiner ganzen Familie beehrt und war was als unerhört bezeichnet wurde bis zum Schluffe geblieben. Doch wie Moses das gelobte Land haben wir ihn nur von ferne gesehen, gesprochen haben wir ihn njcht

In heiterer Gesellschaft saßen wir noch am späten Abend bei Anger­mann, als es Einem der Unseren einfiel, daß in Bayreuth einst noch et« anderer großer Mann gelebt, der daselbst auch begraben sei:>Jean Paul. Seinem unsterblichen Geiste sei ein Lied geweiht . . . Der Gedanke zündete. In begeisterter Stimmung, in der wir uns befanden, brachen wir mtt unseren Freunden sofort auf, und bald standen wir an dem Grabe des großen Dichters. Voll und mild blickte der Mond auf uns hernieder, die wir au dieser Stätte des Todes und des Friedens von heiligem Schauer uns ergriffen fühllen. Und in langgezogenen, wehmuthsvollen Aecorden tönten wir all unser Empfinden aus. Erhabener Geist in höheren Sphären, Du lächeltest wohl der sonderbaren Schwärmer, die in tiefer Nacht Dir noch tat Gesäuge huldigten, doch Du zürntest ihnen nicht . . .

Und so mögen auch meine freundlichen Leser mir nicht zürnen, wenn ich dieselben an allen Extravaganzen unsererSängerfahrt" habe Theil nehme« lassen, und fie in tiefer Nacht sogar bis hierher geführt. Ich bestrafe mich dafür, indem ich meine Sängerfahrt hiermit beende.

Aus dem Reiche.

* (Prinz Wilhelm) begibt sich anläßlich der Großjährigkeits- Erklärung des Großfürsten-Thronfolgers von Rußland, begleitet vom Geueral-Quartiermeister Grafen Waldersee, heute Donnerstag Abend nach Petersburg.

* Deutscher Reichstag. (Sitzung vom 13. Mai.) Der Reichstag genehmigte den Gesetzentwurf über den Feingehalt der Gold- und Silber- waareu nach kurzer Debatte in dritter Berathung in der Fassung der zweiten Berathung. Es folgt die dritte Berathung des Gesetzentwurfes, die Dotatton für die Cholera-Commission betreffend. Abg. Virchow sagt der Regie­rung für die Vorlage seinen herzlichen Dank und hebt die Verdienste der Regierung um die Einsetzung der Commission und die Verdienste der Com­mission um die Erforschung bisher wissenschaftlich gar nicht oder unvoll­kommen durchgearbeiteter Gebiete hervor. Abg. v. Unruhe-Bomst schließt sich den Ausführungen von Virchow an. Die Vorlage wird hierauf einstimmig defiuitw genehmigt. Der Gesetzentwurf über die Abänderung der Maß- und Gewichtsordnung führt nur eine kurze von dem Abg. K a r st e n, dem Bundes-Commiffar Bödiker und dem Abg. Ruppert geführte Debatte herbei, worauf derselbe in erster und zweiter Berathung genehmigt wtth- (Fürst Bismarck kitt in das Haus ein.) Das Haus tritt in die erste Berathungdes SpreugstoffgesetzeS. - Abg. Sasenclever meint, die Bestimmung, daß der bloße Besitz von Sprengstoffen mit Zucht­haus zu bestrafen sei, gebe dm Polizeispitzeln die beste Gelegenheit, die Sozialdemokraten in's Unglück zu bringen. Die sozialdemokratischen Ab- geordneten würden die Vorlage nicht ablehnen, sondern fich der Abstimmung enthalten. - Abg. Windthorst bedauert, daß die Verhältnisse so liegen, paß solche Gesetze gegeben werden müssm; aber wir dürfen der Regierung

die zweite Berathung und nimmt 1 7, bei dem 8.8 fragt Abg. Windi. ! Sprengstoffen strafbar sein feile,

hier nicht entgegentreten, da sie ja nur einem vom Reichstage mit großer Mehrheit gefaßten Beschlüsse nachkommt. Es meldet sich Niemand weiter zur Generaldebatte. Das Haus tritt in die zweite Berathung und nimmt den 8.1 ohne Debatte an, ebenso bie §§. 27, 1

horst, ob der wissentliche Besitz von tT------------ . ..... ____

Staatssecretär v. Schelling bejaht die Frage. §. 8 und der Retz der Vorlage werden hierauf angenommen. DaS Haus berieth schließlich üb-r die WM des Prinzen Handjery. Die Commisstou beantragte, die. selbe als ungültig zu erklären; die Ungültigkeitserklärung wird nach länger« Debatte mit 119 gegen 100 Stimmen beschlossen. Der Antrag der Com­mission, einem Gensbarmenwachtmeister in Groß-Beeren eine Rüge wegen seines incorrecten Verhaltens bei der Wahl zu ertheilen, wird abgelehnt und »schlossen, diesen Punkt zur nochmaligen Prüfung an die Commission zn verweisen. Für Mittwoch stehen Jnüiativ-Anträge auf der Tagesordnung.

* Preußischer Landtag. (Abgeordnetenhaus.) Sitzung vom 13. Mai. Der Präsident zeigt das Ableben des Abgeordneten de Syo an, dessen Andenken das Haus in der üblichen Weise ehrt. Der Gesetzentwurf, betreffend den Verkehr auf bett schleswig-holsteinischen Landstraßen, wird nach kurzer Generaldebatte einer besonderen Commission von 14 Mitgliedern überwiesen. Es folgt die zweite Berathung des Gesetzes über die Unter, bringuug verwahrloster Kinder. Die Commission hat den Herren. Hausbeschlüssen die Bestimmung hinzugefügt, daß die Zwangserziehung sich bis zum 16. bis zum 18. Lebensjahre ausgedehnt werden kann, daß fetaek! statt der Ausdehnung der Zwangserziehung bis zur Großjährigkeit durch Beschluß des Vormundschastsgerichts die väterliche Gewalt vom Ende der Swangserziehung bis längstens zur Großjährigkeit ruhen soll. Regierung?, ommiffar Bitter wendet fich gegen diese Zusätze, weil durch die einfache Ausdehnung der Zwangserziehung um 2 Jahre unnöthigerweise den Elte« ihr Recht an die Kinder, besonders bezüglich ihrer Arbeitskraft, entjogetf' werde, ferner, weil durch das Ruhenlassen der väterlichen Gewalt etwa? Neues in die Zwangserziehung gebracht werde, das undurchführbar, kost, spielig, nutzlos und hart wäre. In der Abstimmung wird der Commission?.! beschluß beseitigt und durch den Antrag des Abg. Andrä mit unwesend, lichen Einschaltungen ersetzt. Hierauf vertagt fich das Haus auf Mittwoch. Morgens 10 Uhr. Tagesordnung: Der Rest der heutigen und BetiHoneit*

Vermischtes.

* (Das Pferde-Rennen des Mittelrheinische« Reu«. Vereins in Mainz) findet am Sonntag den 18. Mai Nachmittogi 3 Uhr auf der Ingelheimer Aue in folgender Weise statt: 1) VersuM Hürden-Rennen (Herrenreiten) 400 Mk.; 2) Rennen des Mainzer Relikt Vereins (Ehren- und Geldpreis); 3) Jagd-Rennen (Herrenreiten) 700 Ml.; 4) Hürden-Rennen (Herrenreiten) 500 Mk.; 5) Preis vom Niederwald (Offiziersretten) Ehrenpreis und 1000 Mk. Preise der Plätze: 1. Tribünl 5 Mk., 2. Tribüne 2 Mk., Stehplatz 50 Pfg; Kinder unter 10 JaE zahlen auf 1. Tribüne 2 Mk., auf 2. Tribüne 1 Mk., Equipagen 5 Mk., jede darin befindliche Person muß mit einem Bittet zur 1. Tribüne ver­sehen fein. Alle Karten find sichtbar zu tragen. Die Besucher der 2. Tritmi können das Innere des Rennplatzes betreten, werden indcß dringend ge­beten, die Bahn während der Rennen frei zu lasten. Auf dem Rennpla? werden keine Billets verkauft. Die Casten befinden sich auf der Rbeinall« an Station Gartenfeld, auf der Rheinallee am Rheinthor, auf der ChauW jenseits des Rheinübergangs, auf der Au an der Landungsbrücke, auf i" Mainzer Schiffbrücke, für die mit den Localbooten Fahrenden in Biebri an der Caste der Localboote. Der Rennplatz (Ingelheimer Au) ist bui einen festen chaussirten Damm für Fußgänger und Equipagen mit di

Mainzer Ufer verbunden. Die Verbindung mit dem Rennplatz auf d« Rhein wird von der Mainzer Schiffbrücke und von Biebrich (Eltvitte-WaW durch Localboote von 12 Uhr Mittags ab regelmäßig unterhalten. W Dampfboote legen am Rennplatz (Landungsbrücke) an und wird hierdnch die bequemste und billigste Fahrgelegenheit geboten. Preis 20 Pfg. M Hessische Ludwigsbahn gewährt den Besuchern des Rennplatzes am SonM- den 18. Mai auf sämmtlichen Strecken freie Rückfahrt. Das EisenbaM Bittet muß jedoch auf dem Rennplatz abgestempelt werden. .

(Prozeß Kraszewski-Hentsch.) Leipzig, 13. Mai. M, 9lO/t Uhr fand nichtöffentliche Sitzung statt. In der darauffolgend« öffentlichen Sitzung wurden ein Gutachten des preußischen Kriegsministerm««' über einen Brief KraSzewski's vom 14. Juli 1878 und zwei Schreiben d« deutschen Botschaft in Paris über Zaleski verlesen. Hierauf fand die M nehmnng des Majors Perthes vom preußischen Generalstabe, der ZeuM Flora Heinitz und des Zeugen Bohdanowicz, russischen Majors nutz«. Diensten, statt. Auf Beschluß des Gerichts wurde ein amtliches Sch«W verlesen, demzufolge bereits seit 1864 in Paris eine polnische GesellM bestand, deren Zweck die Wiederherstellung Polens war. Dieselbe war lag 1870, 1873, 1877 und 1878 activ aufgetreten und hatte militärisch-statistM Notizen au8 ganz Europa gesammelt. Nach Auflösung deS Bureaus v«. Gesellschaft wurden die Mitglieder derselben von der französischen RegierM- namentlich von Gambetta, benutzt, um das Bureau für Nachrichten Deutschland, Oesterreich und Rußland zu organifiren. Der Witielpu«» der Organisation war Dresden. Kraszewski besorgte die Zahlungen die Mitglieder. Kraszewski stellt dies in Abrede.

(Ein Vorzug.)Weißt Du, waS mir an Deiner VorgWÄ am besten gefallen hat, das war der große Ernst, der sie nie vernn- sagte eine Dame zu ihrem neuen Dienstmädchen.Ach," erwiderte om-" »jnetaer ist auch groß und wird mich auch nicht verlassen, er heißt tw*