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Wiesbadener Tagblatt

No. 280

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täten Mißstände zu beseitigen, theils um denselben ein besseres Ansehen zu geben.

Das am meisten dazu verwandte Object, der den ganzen Boden deckende Teppich, ist zugleich dasjenige, welches vom hygienischen Stand­punkte aus am meisten zu verdammen ist. Der Teppich ist ein Staub­fänger ersten Ranges und gibt seinen Staub bei jedem Schritt und TM, welcher auf ihm gemacht wird, auch ebenso leicht wieder an die Respiratiouz- lüft ab. Von Wasserdichtigkeit kann keine Rede sein, im Gegentheil, dem' geringsten Quantum zersetzungsfähiger organischer Flüssigkeit, welche aus i Nachlässigkeit, oder in Folge eines Versehens in denselben eindringt, uud sei dieselbe auch an und für sich ganz unschuldiger Natur, wie z. B. Milch uud bergt, ist durch die Capillarität des porösen Materials die Möglichkeit der größten Ausbreitung gegeben, während andererseits die Möglichkeit einer Reinigung nahezu ausgeschlossen ist, denn das Abreiben mit Gemüse- resten, abgebrühten Theeblättern u. s. w., wie das allgemein üblich ist, ist keine Reinigung im eigentlichen Sinne des Wortes; eS vollzieht sich dadurch nur eine ganz oberflächliche Entfernung des das Auge verletzenden Schmutzer und der Teppich erhält wieder ein frischeres Ansehen, während der gefähr­liche organische Schmutz durch diese Methode unentfernbar haften bleibt und nur durch die Bewohnung frei wird, dann aber alle seine gesmd- heitsschädlichen Einflüsse ganz unzweideutig entfaltet. Diese Reiniguugr- methode bedeutet also nichts anderes als eine Vorspiegelung falscher Thai­sachen, Die Benutzung solcher Teppiche führt in erster Linie zu chronisch« Rachen- und Bronchialeatarrhen, höchst langwierigen und lästigen, mitunter nicht ungefährlichen Krankheiten, von welchen ich viele Fälle ohne Anwen­dung irgend welcher Medicamente oder sonstiger Maßregeln ganz allein dadurch geheilt habe, daß ich mit aller Energie auf der Entfernung dü Teppichs bestand. Einer meiner allerwiderspenstigsten Patienten mußte utlt schließlich zugestehen, daß sein durch diese Maßregel fast ganz geheilt« chronischer Catarrh sich sofort verschlimmere, • sobald er längere Zeit gezwungen sei, sich in mit Teppichen belegten Räumen aufzuhalten uub daß dann namentlich der Auswurf sofort wieder jene gräuliche Fack

Unsere Fußböden.

Ein Beitrag zur häuslichen Hygienie. Von Dr. Th.

(2. Forts.)

Eine große Zahl von Erkrankungen — man könnte fast sagen die größere Mehrzahl derselben — ist parasitärer Natur und beruht auf der Einwanderung eines microseopischen Organismus in unser Blut. Dahin gehören gerade unsere am allgemeinsten verbreiteten Krankheiten, wie Tuberkulose, Scharlach, Masern, Pocken, Keuchhusten, DiphteritiS u. s. w. Die Keime zu diesen Krankheiten dürfen wir den neueren Untersuchungen gemäß als allgemein verbreitet voranssetzen und wenn nichtsdesto­weniger verhältnißmäßig wenige Menschen daran erkranken und sterben, wenn wir sehen, daß gerade die Jnfectiouskrankheiten nur zu gewissen Zeiten eine größere Zahl von Opfern fordern, so läßt sich dies nur darauf zurückführen, daß eben zu gewissen Zeiten die Bedingungen für das Ge­deihen der Krankheitskeime, sowie die Empfänglichkeit des Menschen für das organische belebte Gift besonders günstige stad. Die Existenz­bedingungen für alle diese lebendigen Ansteckungsstoffe sind ziemlich genau studiri, und es ist schon seit langer Zeit bekannt, daß die Entwickelung der­selben durch Wärme und Feuchtigkeit begünstigt, hingegen durch Kälte und Trockenheit hintangehalten wird.

Wo also diese Kraukheitskeime vorhanden sind — und sie sind ja eigentlich überall vorauszusetzen — ohne den nöthigen Boden für ihre Ent­wickelung zu finden, da können sie ruhig liegen bleiben; sie werden keinerlei Schaden stiften. Wo sie ober einen günstigen Boden für ihre Entwickelung finden, da liegt die Gefahr einer Uebertragung auf den Menschen nahe. Nun läßt sich aber schwerlich ein günstigerer Boden denken, als eben der traditionelle und von der größeren Mehrzahl des Mittelstandes bewohnte Fußboden. Für das nöthige Nährmaterial an organischen Stoffen sorgt die erwähnte Vorbewohnung durch das Arbeiter- personal. Für die nöthige Wärme sorgt im Sommer die Sonne und Hitze, iui Winter der Ofen, und für die nöthige Feuchtigkeit ist ausreichend durch die Putzfrau gesorgt, die allen Schmutz, welchen die Stiesel der In­wohner von der Straße mitgebracht haben, fein säuberlich in die daumen­dicken Spalten hineinschwemmt, um ihn dort recht schön gar werden zu lassen. Und ohne einen wahren Bodensee von Wasser Pflegt cs hierbei nicht abzugehen.

Diese Fußböden haben aber noch eine andere bemerkenswerthe Unan- nehmlichkeit — sie geben nämlich außerordentlich leicht zu Verletzungen für das Dienstpersonal Veranlassung, welche tat günstigsten Falle eine mehr oder weniger lange Arbeitsunfähigkeit bedinge». Da jedoch mit dem Splitter zugleich immer Schmutz und Krankheitskeime in die Wunde kommen, so resultiren aus diesen anscheinend leichten Verletzungen meistens sehr langdauernde Verschwärungen, ja die Fälle, in welchen eine für das ganze Leben dauernde Verkrüppelung eines Fingers ober ber ganzen Hand zurückblieb, oder die Verletzten gar starben, stehen gar nicht so vereinzelt da. Tummelt sich nun auf einem so verwahrlosten Fußboden noch eine größere Schaar unselbstständiger kleiner Kinder, so wirb beut Füllmaterial Tag für Tag neues, gährungsfähiges Material zugefügt und bie Uebelstände erreichen ihren Höhenpunkt, aber Weber ben Eltern noch in sehr vielen Fällen bem Arzte fällt es ein, die Ursache der in solchen Fällen herrschenden Krankheiten in der Vernachlässigung des Fußbodens zu suchen. Allerdings lassen sich alle erwähnten Uebelstände auf ein Minimum zurückführen. Wo gutes lufttrockenes Material zur Verwendung kam, wo baB Aufputzen mit Verstand und Uebetlegung geschieht, wo die Reparatur der kleinsten Beschädigungen sofort erfolgt, überhaupt wo man ein wachsames Auge auf den Boden hat, da können auch solche Fußböden als relativ gesund gelten; b«8 geschieht aber leider meist nicht, und daß bem so ist wie ich sag?, beweist am besten ber Umstand, daß man dieselben mit irgend einem gytatertal zu bedecken sucht, theils um die in die Augen springenden sani­

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annehme, welche er auf der Höhe seiner Krankheit gehabt habe. Sollte wirklich der geringste Zweifel an ber Richtigkeit biefer Behaupte gehegt werden, so muß er verschwinden angesichts ber Thatsache, daß jeder nur einigermaßen geübte Mieroseopiker aus bem Auswurf eines Krauler baS Material beS von ihm bewohnten Teppichs, sowie annähernd fei» Farbe zu bestimmen vermag. Wären nun diese organischen Falern rein, so würden sie zwar nichts weniger als gesundheiissörderlich sein, aber sie würden doch nur zu einer mechanischen Reizung der Schleimhäute führen; so aber sind sie durchsetzt und durchtränkt mit Krankheitskeimen, welche in i der Schleimhaut der Mund- und Rachenhöhle, des Kehlkopfes und bet j Luftröhre einen ihrer Entwickelung nur allzugünstigen Boden finden, und es ist nicht der geringste Zweifel, daß Tubereulose, Diphteritis u. s. w. auf diesem Wege in den menschlichen Körper eingeführt werden. Trotz allebe« i und alledem, und obgleich alle Hygieniker ohne Ausnahme die ungemeint Gefährlichkeit dieses Mobiliarstückes anerkannt haben, ist und bleibt nadj j wie vor der den ganzen Fußboden deckende Teppich — uud zwar je dicket, desto besser — fast der ausschließlich salonfähige Bodenbelag und man m«6 es erleben, daß ber hygienisch sowohl als äschetisch untadelhafteste Parqnet- boden über und über mit Teppichen belegt wird, und zwar blos, um im jeweiligen Mode und dem sogenannten feinen Geschmack eine ConcessronU machen. In Privatlocalitäten haben nun zwar die ständigen Bewohn» den größten Theil des Schadens zu tragen, wo aber Teppiche in Räumliitz leiten zur Verwendung kommen, welche dem ftactuirenben • Verkehr biene» da werben sie zu einer allgemeingefährlichen Jnstttution. Zu foW Räumen gehören unter Anderen fast alle Zimmer eines besseren Hots alle feineren Chambres garnis, die besseren Zimm r jedes Boardtag M,e u. s. w. Die Sitte, ober besser gesagt Unsitte, bringt es mit sich, baß M Mangel eines Teppichs von dem diese Räume frequentirenden PnblikB

als ein Mangel an Komfort aufgefaßt wird, welcher mindestens so ftW1 wiegt, als das Fehlen von Vorhängen an den Fenstern. Die HauptWld an diesem Uebelstände trägt das Publikum selbst, welches in Folge mangel' Hafter Belehrung sich gar nicht ber Gefahren bewußt ist, bentn es sich ani Rücksicht für ben vermeintlichen Komfort ausfetzt uub welches categorifä ben Teppich verlangt, selbst da, wo er absolut nicht nöthig ist. Es M aber auch andere Gründe, welche der Beseitigung dieses Uebels hindernd im Wege stehen, Gründe, welche nur derjenige begreift, welcher einmal W der Lage war, sich von der Hartnäckigkeit zu überzeugen, welche ein Bet' miether an ben Tag legt, wenn ihm von Selten des Miethers das Ansinnen z gestellt wird, den Teppich zu entfernen. (Forts, folgt) - 9

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Sopha- Kissen hofstratz^so"