No. 287
Wiesbadener Lagblatt.
Leite 24
Vorschein.
Wassers, selbst eine Perrücke. DieS führte unter dem homerischen Gelacht« aller Anwesenden zur Frage, ob denn daS Eau Mallcron überhaupt eine heilkräftige Wirkung habe. Der Richter deutete launig an, ob nicht an einem der anwesenden Kahlköpfe eine Probe anaestellt werden dürfte, womit alle einverstanden waren, vorausgesetzt, daß es nicht der eigene Kahlkopf sei. In Bezug auf die Zusammensetzung des Geheimmittels zeigte sich Malleron sehr verschwiegen, doch deutete er an, daß er eine auf dem Grunde von Wasserbehältern gedeihende Zwiebelart dabei verwende; dagegen verwahrte er sich gegen die Zumuthung. als bediene er sich des Knoblauchs, worauf allerdings der widrige Geruch des ElixirS deutet.
— (Kindermund.) Tony, das siebenjährige Töchterlein eines Pfarrers, steht vor dem bekannten Stahlstiche, Jacob und Rachel am Brunnen. »Stehst Du," sagte sie zu ihrem Vater, »hier kann man doch gleich sehen, daß Jacob die Rachel lieber gehabt hat als die Leah, denn sonst hätte er sich ja nicht mit ihr pholographiren lassen."
80 Pfennig die einspaltige Petitxeile.
herauSgegcben von Herrn Rabbiner
Der f »r. Leinn»nii in Mainz, wird
mit dem Beginn s-ineS 24. Jahrgangs, vom 1..Januar 1883 an, zweimal wöchentlich erscheinen. Wichtige Nachrichten werden dadurch den Lesern früher zukommen. Anzeigen finden eine schneller- Erledigung. ES ist das erste Mal, daß eine jüdische Zeitschrift in d-utA-r Sprache und deutscher Schrift mehr al» einmal wöchentlich erscheint. Gediegene leitende Artikel, Correspondenzen aus allen Ländern der Erde, interefiante, spannende Erzählungen aus Israels Vergangenheit wie aus der Gegenwart, größte Verbreitung bei allen deuischredenden Glaubensgenossen beidn Hemisphären. Neueintretende Abonnenten erhalten aus Wunsch die bis Neujahr erscheinenden und bereits erschienenen Nummern gratis und franco, und zwar von den Anfängen der beiden großen historischen Erzählungen an, die gegenwärtig im „Israelit" veröffentlicht werden. — Preis des ganzen Jahrgang» 12 Mark. — Man abonnirt, auch vierteljährig, bei allen Postämtern und Buchhandlungen. Direkte Franco-Zusendung unter Streifband gegen Einzahlung von 14 Mark für vaS ganze Jahr. — Anzeigen finden durch den „JSraclit" di« weitest- Verbreitung und erreichen fast Immer ihren Zweck. (H. 62993 ) 263
Die Entstehung von Gicht unv Ryeumatismus.
Wenn wir uns in der nachfolgenden Skizze mit diesen Erkrankungen beschäftigen, so geschieht dies aus dem Grunde, weil die eigentliche Ursache dieser Leiden noch zu wenig gewürdigt wird und viele Leute an allerdings mit großen Versprechungen empfohlenen, aber vollständig zwecklosen Mitt-m, Euren 2c. ihr Geld verausgaben. Gicht und Rheumatismus w«den entweder ererbt ob« durch Leichtlebigkeit, Schwelgerei, Vcrkältung rc. erworben, und genügt häufig ein momentanes Abkühlen des Körpers durch Zugwind oder Naßwerdcn, der Aufenthalt in einer feuchten Wohnung u. bergt m., um biese Leiben hervorzurufen.
Der eigentliche Sitz dieser Kranheiten ist fast imm« im Blute, welches große Mengen harnsaurer Salze mit sich führt, die nicht durch den Urin abgeleitet werden, sondern fortwährend im Blute kreisen, bald hi«, bald bo t Schmerzen verursachen, sich in ben Gelenken festsetzen, dieselben entzünden und so die größten Qualen erzeugeu. Im weiteren Verlauf da Krankheit entstehen sog. Gicht-Knoten und Lähmungen der Glieder. Ali Vorläufer bei der Gelenkgicht stellt sich gewöhnlich Unbehagen, Verstopfung pappiger Geschmack im Munde, belegte Zunge rc. ein, der Urin färbt M dunkel und es macht sich ein herumziehender Schmerz bemerkbar. Bleidt die Gicht auf die Gelenke beschränkt, io sind die Schmerzen qualvolle und kaum zu ertragende, aber immerhin ist diese Art des Leidens nicht mit Io vielen Gefahren verbunden, als wenn der Krankheitsstoff — die Harnsaum Salze - fortwährend im Blute circulirt und neben den herumziehenden Schmerzen leicht durch Festsetzen der Salze an edle Organe Magen- und Darmkrampf, Herzleiden, Geschwüre, Schwindolanfälle, Lähmungen, Epilepsie, Asthma rc. entstehen kann. Dem berühmten Arzte Dr. Libaut, Ritter der Ehrenlegion rc., ist es nun gelungen, durch eine ebenso rationelle wie einfache Regenerationscur die krankhafte Blutbildung zu hemmen, Äe harnsauren Salze durch den Urin abzuleiten und so das Leiden zu beseitigen. Es verdient deßhalb dieser neue, äußerst wichtige Fortschritt io Interesse aller Leidenden bekannt gegeben zu werden, insbesondere al» d« Methode einfach, sicher und daher auch für den nicht mit Glücksgütea Gesegneten anwendbar ist. Herr vr. Libaut hat feine langjährigen, reicher Erfahrungen in seiner Broschüre »Die RegenationScur nach Dr. Liebaut' niedergelegt, welche allen mit obigen Leiden Geplagten eine willkommene Hilfe sein wird. Die Broschüre ist in Jul. Zeiger’* BuchhandlUNß in Wiesbaden, Ecke der Bahnhof- und Louisenstraße, ä 50 Pfg., auch gegen Einsendung dieses Betrages zu haben. *
zu vertreiben!
— (Ein Haarkräusler-Prozeß) erheiterte jüngst die Gemüther der ernsten Richter in London-Westminster. Es hand-lt^sich um ein unfehlbares Haartzärkungsmittel, das weltberühmte »Eau Malleron", welches ein Pariser Coiffeur Namens Malleron vor acht Jahren zum Heile der Haarbedürftigen Menschheit entdeckte. Um auch England damit zu beglücken, schloß er ein Abkommen ab mit einem Londoner College« Namens Merigot, welcher sich zur Abnahme einer bestimmten Anzahl von Flaschen verpflichtete. Das Geschäft ging anfangs vortrefflich; bald aber zeigte Merigot weniger Eifer, unterließ alle Bestellungen und erfand ein eigenes Elirir, genannt »Eau LodoiS", für welche» er noch höhere Heilkraft als für das Eau Malleron beanspruchte. Darauf klagte Malleron in London auf Schadenersatz und erlangte auch von den ihm gewogenen Geschworenen ein Erkenntnis; auf 45 L.; doch kamen dabei verschiedene für ihn und sein Haarwasser nicht sehr vorthcilhafte Thatsachen zum ~ ’ Zunächst trug er, der Erfinder des haarschwundfeindlichen
fft eine Perrücke. DieS führte unter dem homerischen Gelächt«
Heller sche Spielwerke werden alljährlich um diese Zeit angekündigt, um bald darauf als punkt auf Tausenden von Weihnachtstischen die kostbarsten Sachen i« überstrahlen. Aus Uebcrzeugung rufen wir einem Jeden zu: Was In® wohl der Gatte der Gattin, der Bräutigam der Braut, der Freund dm Freunde Schön«-« und Willkommeneres schenken? ES vergegenwärtU glücklich verlebte Stunden, lacht und scherzt durch seine bald heiteren - erhebt Herz und Gemüth durch seine ernsten Weisen, verscheucht Traurigkeit und Melancholie, ist der beste Gefellschaft«, des Einfamen treuefW Freund; und nun gar für den Leidenden, den Kranken, den an das Hw» Gefesselten I — mit einem Worte, ein Heller'scheS Spielwerk darf um sollte in keinem Salon, an keinem Krankenbette, überhaupt in keinem gut« Hause fehlen.
Für die Herren Wirlhe, Co«ditore«, sowie Geschäfte jcdck Art. gibt es keine einfachere und sichere Anziehungskraft als solch' m Werk, um die Gäste und Kunden dauernd zu fesseln. Wie uns von viel» Seiten bestätigt wird, haben sich die Einnahmen solch« Etabltsseww» g«rab«z« verdoppelt; darum jenen Herre« Wirthe« und schäftstrthaberrt, die noch nicht im Besitze eines Sp'elwerkeS sind, ttW dringend genug anempfohlen werden kann, sich dieser so sicher <** weisenden Zugkraft ohne Zöger« zu bediene«, um so tu® da auf Wunsch Zahlungserleichterungen gewährt werden. Den ß«*" Geistliche«, welche aus Rücksicht für ihren Stand, od« d« Entfernt wegen, Concerten rc. nicht beiwohnen können, bereitet solch' ein Kunst»« den schönsten, dauerndsten Genuß. Wir bemerken noch, daß die Wahl do einzelnen Stücke eine fein durchdachte ist; die neuesten, sowie die beltm testen älteren Opern, Operetten, Tänze und Lied« finden sich in d» S-ller'fche« Werke« auf das Schönste vereinigt. Derselbe hat d» hre, Lieferant vieler Höfe und Hoheiten zu fein, ist üb«dies aus Ausstellungen preisgekrönt, neuerdings in Melbourne der einzig-, speciell für sich allein den ersten Preis — Diplome nebst silberne Meda® — erhielt. Eine für diesen Winter veranstaltete Prämienvertheiluna 100 Spielwerken im Betrag- von Francs 20,000 dürfte zudem besonder» Anklang finden, da jeder Käufer selbst schon einer kleinen Spitt""? dadurch in den Besitz eines großen Werkes gelangen kann; am 25 Francs «hält man einen Pramienfch-in. Reichhaltige illustrirte Pk" listen nebst Plan werden auf Verlangen franco zugesandt.
Wir empfehlen Jeberma»«, auch bei ein« kleinen Spieldose, ,t» stets direct an die Fabrik zu wenden, da vielerorts Werke für Hell« V. : angepriesen werden, die es nicht find. Alle echten Werke und ©pW»®’” 1 tragen seinen gedruckten Namen, worauf zu achten ist. Di«
hält nirgend» Riederlagen,
roth-n Adlerorden saß — zu krabbeln und zu zucken an - wortlos lagen sich die Freunde in den Armen. Schon bei der zweiten Flasche konnten sie sich nicht genügend über ihre eigene Dummheit wundern. „Und Du bist doch der Vernünftigere gewesen!" sagte Director G., »und hast den «sten Schrüt gethan!" - »Ich?" fragte ganz erstaunt d« Geheimerath. - »Ja, Du! Willst Du etwa leugnen?" und er überreichte ihm die „Wunder- karte mit Datum und p. f. v. Der Geheimerath war zu klug, um einen neuen Streit zu provociren und den Freund zu verletzen, aber auch zu klug, um das »gefälschte" v. nicht zu sehen. — 5. Capitel. Es; wurde Mathildchen wirklich nicht leicht, dem gestrengen Onkel gegenüber die „Documentenfälfchuvg" einzugefiehen. Es gab Verlegenheit, Erröthen, jchränen und am Schluß Verzeihung. »Ich weiß, weshalb Du die Fälschung begingst," sagte streng Onkel Geheimerath. „Mich betrügt man nicht! W-nn er erst Assessor ist, wollen wir über die Sache sprechen!" Im Stillen aber setzt- er hinzu: „O Weiber, o W-ib«, o üb« Euch und Eure List."
— (Ob eS hilft?) Einen eigenen Vorschlag zur Bekämpfung der Dam-nmod-, Vogelleichen auf den Hüten zu tragen, macht- jüngst, wie man aus Münster i. W. mittheilt, der Vorsitzende des dortigen Thier- schutzv-reins. Derselbe «klärte: „Wir setzen einen Preis aus für das beste -inlaufende satyrische Gedicht, welches wirksam genug erscheint, die Vogel von den Hüten der Damen zu verfch uchen. Dieses Gedicht toerben bann, wie zu erwarten steht, alle Zeitungen aufnehmen und im Interesse des Thierschutzes verbreiten. Der Preis besteht in einem Exemplar des reich illustrirten Prachtwerkes: „Westphalens Thierlcben in Wort unbjöilb herausgegeben von der zoologischen Section von Westphalen und Lippe. Die Gedichte find unter der Bezeichnung „Tbieischutz" bei der Thorcontrole de» hiesigen zoologischen Gartens bis zum 15. December einzureichen und wird das Weitere hierüber bekannt gemacht werden." Ob es hilft? Mode muß bekanntlich homöopathisch behandelt werden und ist nur durch — Mode
