«eite 8
Wiesbadener Lugblatt.
No. 204
pfiffig
reichhaltigste Briefmarken-Sammlung.
80 Pfennig die einspaltige Petitzeile.
Sli r*rff 1 Kessel's Zap. Hühneraugenpuiver kauft m. nur ächt bei Dahl«! JtlCU . & Schild, Lang«. 8. Bei Richters, w. d. Kauspr. IsurSckaez.^. — Kür die verausgabe verantworttick: liouts Ackeitenverg in Wiesbaden.
1 Mk. 80 Pfg. Die Sendungen müssen frankirt und von drei Zollinhaltserklärungen in französischer Sprache begleitet sein. Für alle Packetsen- dungen nach Lissabon, welche den Bedingungen für Postpackete nicht entsprechen, im gleichen für Packetsendungen jeder Art nach den übrigen Orten Portugals bleiben die bisherigen Versendungsvorschriften in Kraft.
— (Erkannt.) Zu einem der bekanntesten Humansten des Zeich» stifts in Berlin kam vor einigen Tagen einer jener Besucher, die in vr schämten Worten die Bitte um eine Geldspende zu verhüllen pflegen. „Hod ich die Ehre, Herrn Professor X. zu sprechen?" frug der Besucher, de einen empfindlichen Alkoholgeruch ausströmte. — „Ich bin nicht Professor,' erwiderte der Künstler. — „Dann verdienten Sie es jedenfalls, es zu lein' — „Schon gut. Wer stad Sie?" — „Ich bin Aquarellist..." — „Wohl in gebranntem Wasser?" frug unser Künstler, und der Besuchender sich so plötzlich erkannt sah, prallte erschrocken zurück.... Erst da» Zweimarkstück, das er mit auf den Weg bekam, hat ihn für die unverhonie Sottise entschädigt.
— (Klage eines Berliner Touristen.) Aus der Schwch läßt ein Berliner Tourist folgenden poetisch-meteorologischen Stoßsech« vernehmen: Rigi, im August.
„In die Schweiz, in die Schweiz! Zieh nicht in die Schweiz, Mein Sohn, ich rathe Dir gut!
Der's trotzig gewagt, der Knabe bereut's —
Vom Himmel strömet die Fluth:
Vom Himmel strömt sie in wilder Hast —
Laut jammern Kellner und Wirth,
Doch schröpfen sie darum nicht minder den Gast,
Der sich zu ihnen verirrt.
Der arme Gast, daß Gott sich erbarm'!
Sitzt fröstelnd am warmen Kamin,
Vermischtes.
— (Unfall.) In Augsburg stürzte Generallieutenant Frechcrr von Horn bei der Truppeninspeclion vom Pferde und erlitt einen Rippenbruch.
— (Plötzliche Erblindung.) Ein reisender Kaufmann, der auf der Rückreise aus einem Seebade in einem Gasthofe bei Halle übernachtete, zog sich dadurch eine plötzliche Erblindung zu, daß er die Unvorsichtigkeit beging, sich stark erhitzt bei offenem Fenster in's Bett zu legen.
— (Für Dominospieler.) Jüngst hat sich ein Rechner damit amüsirt, die Anzahl der Eombinationen zu berechnen, welche sich durch die 28 Steine eines einfachen Dominospieles ergeben können, und hat als Resultat 284,528,211,840 Eombinationen gefunden. Wenn also zwei Dominospieler in jeder Minute vier Parthien beenden, so würden sie die Kleinigkeit von 118 Millionen Jahren brauchen, um alle diese Eombinationen zu erschöpfen.
— (Ueber den traurigen Vorfall auf der Berliner Hasenhaide), dessen wir gestern Erwähnung gethan, verlauten nach dem „Berl. Tageblatt" folgende Einzelheiten: „Bei den Erdarbeiten an den militärfiskalischen Schießständen in der Hasenhaide sind seit einiger Zeit 30—40 Arbeiter beschäftigt. Als diese gestern in der Mittagsstunde das ihnen von ihren Frauen und sonstigen Angehörigen zugetragene Mittagsmahl verzehrten, gesellte sich der auf Posten am Schießstand No. 12 aufgestellte Füsilier Gärtner von der 12. Compagnie des Kaiser Franz- Grenadier-Regiments No. 2 zu den Arbeitern und knüpfte mit denselben eine Unterhaltung an. Einzelne von den Arbeitern behaupten, daß der Soldat angetrunken gewesen sei, während die Mehrzahl dagegen der Meinung ist. daß dies nicht der Fall war. Im Laufe des Gesprächs sprach der Posten davon, daß er einen der Arbeiter todtschießen müsse; als diese darüber lachten, nahm der Soldat das Gewehr von der Schulter, steckte vor aller Augen eine Patrone hinein, legte an und schoß den ruhig bei seinem Mittagessen sitzenden Arbeiter Adolf Bündtke aus Britz in den Hals derart, daß die Kugel am Rückgrat sitzen blieb und der Getroffene sofort tobt blieb. Die Bestürzung der Arbeiter war so groß, daß Niemand daran dachte, dem Soldaten das Gewehr zu entreißen. Dieser hatte daher noch Zeit, auf die Arbeiter, einige Frauen und einen Gefreiten von den Garde-Schützen acht Schüsse abzufeuern, glücklicherweise ohne zu treffen. Erst dann gelang es den Leuten, sich des Gewehres zu bemächtigen und den Posten unschädlich zu machen. Das von dem Vorfälle sofort in Kenntniß gesetzte zuständige Regiment, das bekanntlich in der Nähe sein Kasernement hat, ließ sofort den Posten ablösen und nach der Kasernen-
Blickt sinnend hinein in den Fnnkenschwarm Und — sehnt sich zurück nach Berlin. In Berlin! in Berlin! Dort ist es so gut: Theater, Musik und Ballet — Und sendet ein Wolkenbruch selbst seine Fluth, So regnet Dir's doch nicht — in's Bett I"
— (Eine billige Briefmarken-Sammlung.) Ein pfiffig Amerikaner hatte seinem Jungen zum Confirmationstage eine BriefmE Sammlung versprochen. Das Bestreben, billig zu einer solchen zu roffl®"; brachte ihn auf folgende sinnreiche Idee. Er ließ int „New-Aork-Herws und in einer hervorragenden europäischen Zeitung folgende Sannen«1”* rücken: „Heirathsgesuch. Eine junge, hübsche Dame, Erbin einer Dollars, wünscht sich mit einem mittellosen, aber angenehmen und richtigen Mann zu verheirathen. Briefe werden erbeten bis End- 4“ unter Adresse H. H. Million Box 5830 New-York." . . . Aus allen der alten und neuen Welt liefen etwa 25,000 Antworten ei«, . Pfiffikus hatte für ein paar Dollars Jnseraiengebühr die schons« B
wache führen, woselbst der Regiments-Adjutant das erste Verhör mit dem Manne bewirkte. Die Aussagen, welche Gärtner machte, der bereits zwei Jahre dient und sich zeitüber stets gut geführt hat, legen die Vermnthung nahe, daß er plötzlich wahnsinnig geworden ist. Er will geträumt haben, daß er Jemanden todtschießen müsse und hätte dies nun wahr gemacht. Nach dieser ersten Vernehmung schlief Gärtner ein und zwar so fest, daß er erst gegen 6 Uhr aufgerüttelt werden konnte. Die Leiche des erschossenen Arbeiters, der eine Frau und fünf Kinder hinterläßt, wurde zunächst nach der Scheibenwache in der Hasenhaide geschafft. Dort blieb dieselbe, bis gegen 6 Uhr Gärtner unter Bedeckung an den Thatort zum Verhör vor den Auditeur geführt wurde. Als Gartner ans seinem tiefen Schlafe erwachte, äußerte er auf Fragen von Kameraden und Vorgesetzten, er wisse nicht, was er gethan habe, er erinnere sich nicht, geschossen zu haben. Es wird dem Unglücklichen, der in der That int augenblicklichen Wahnsinn die That verübt zu haben scheint, von seinen Vorgesetzten nachgerühmt, daß er ein sehr harmloser, ruhiger und nüchterner Mensch bisher gewesen sei. Wir wollen nicht vergessen mitzutheilen, daß das Gerücht auftrat, eS seien Zeugen dafür vorhanden, daß Gärtner von einzelnen Arbeitern durch Steinwürfe zn der That gereizt worden sei. Gärtner zeigte bei seinem Verhör angesichts der Leiche des von ihm erschossenen Arbeiters Bündtke eine große Gleichgiltigkeit und auf die Vorhaltungen des die Untersuchung führenden Divisions-Auditeurs, Justizrath Triest, gab er ganz confuse Antworten; u. A. erklärte er, daß er den Erschossenen nicht gesehen und auch nicht wisse, daß er überhaupt geschossen habe. Im Milstärlazareth verfiel Gärtner bald wieder in Schlaf, der die Nacht hindurch ohne Störung anbauerte, lieber ben entsetzlichen Vorgang ist gestern Abend noch durch den Stadt- Commandanten dem Kaiser Bericht erstattet worden."
— (Raubmord.) Nus Danzig, 28. August, kommt folgende Meldung: „Als gestern Morgen das in dem Hause Brodbänkengasse 40, Parterre befindliche Comptoir der Firma Wilh. Ganswindt geöffnet wurde, fand man in demselben den 26jährigen Buchhalter und Staffirer Johannes Griedler als Leiche neben feinem Schreibpult auf dem Fußboden liegen. Die eine Hand hielt noch die Feder, mit welcher G. einen Brief zu schreiben begonnen hatte, während der andere Arm derartig vorgestteckt war, als habe derselbe einen nach dem Kopfe des Todten geführten Schlag abwehren wollen. Unter der, auf der Seite liegenden, bereits völlig erkalteten Leiche fand man eine kleine Blutlache, welche von dem aus dem einen Ohre und der Nase des Verstorbenen geflossenen Blute ers-w** ♦ & scniia, liaugg. 8. Bei Nickten, w. d. «ampr. ;
Druck und Verlag der L. Sckellenberg'ichen Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden. — Für die Herausgabe verantwortlich: Louis Schedenberg «.
«Die heutige Mummet enthält 16 Leiten.»
herrührte. In der Stube verstreut fand man ein Zwanzig-Markstück u^ vier Zehnmarkstücke, ferner in dem Schreibpnlte des Griedler eine Sckie» lade halb offen stehen und die in dieser befindliche Kassette völlig aetee* während der in's Schloß geworfene Geldschrauk unversehrt war. DI-, Umstände machten sofort einen Raubmord zweifellos, denn, wie die hjj der Firma Ganswindt sofort bewirkten Bücherabschlüsse ergaben hab die Kassette über 7000 Mark enthalten, welche geraubt waren. Der Mo» ist unzweifelhaft am Samstag Abend vor zehn Uhr verübt Word« Griedler soll am Samstag Abend Kaffenabschlnß gemacht haben und b- sich noch um 8 Uhr Abends in dem unverschlossenen Comptoir befunba um Briefe zu schreiben. Wahrscheinlich ist er hier, während er eben eine Brief zu schreiben begann, von dem Mörder meuchlings überfallen »» durch einen Schlag auf den Kopf mit einem schweren, stumpfen Jusino mente, der ihn über dem linken Ange traf, zu Boden gestreckt und Hiera» von dem Mörder erwürgt worden. Daß G., wie vielfach behauptet wird erstochen sei, ist nickt richtig, da sich Spuren von Stichwunden an bc Leiche bisher nicht gefunden haben, wohl aber Zeichen, welche für eine 6t drosseln»« sprechen. Der Mörder hat sich noch die Zeit genommen, in btt Waschtoilette des Comptoirs seine Hände vom Blut zu reinigen, ben: sowohl das in der Waschschüssel befindliche Wasser war blutig gefärbt, tue auch das daneben hängende Handtuch Blutspnren zeigte. Die Hauschün des Gebäudes Brodbänkengaffe 40 war Samstag um 10 Uhr AbeiÄ verschlossen worden und das Comptoir hatte nach 8 Uhr Abends Sütemad mehr betreten, wodurch sich der Umstand erklärt, daß das Verbrechen eß' gestern früh entdeckt wurde. Desselben dringend verdäcklig ist ein im wenigen Wochen aus dem Ganswiudt'schen Geschäft entlassener Comptoir bete, der früher Landwirth war. Dieser hat schon vor dem Morde befallt seine hiesige Wohnung verändert und durch verschiedene andere Umftänbt die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Er soll gestern Morgen hier noch m sehen fein, ist seitdem aber verschwunden. Die gerichtsärztliche Section be Leiche des G. ist angeordnet, auch sind alle Vorkehrungen zur Ermitteln«, und Ergreifung des Thäters getroffen. — Einer neueren anderweitig» Mittheilimg zufolge sei der Raubmörder ergriffen."
