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breitag. 23. Oktober 1914.
klbend-Ausgabe.
Xlt . 496 , * 62 . Jahrgang.
Der Krieg.
Weitere Erfolge an der Küste und bei Lille.
T.-B. G r o s? e s Hauptquartier, 23. Okt., "Mittags. (Amtlich.) Am Yserkanal wurden ?^ern Erfolge errungen. Südlich Dixmuiden unsere Truppen v o r g c g a n g e n.
Westlich Lille waren unsere Angriffe erfolg- Wir setzten uns in den Besitz mehrerer ^lchaften.
Aus der übrigen Front des Westheeres herrscht im
gütlichen Ruhe.
Im Osten wurden russische Angriffe in der Gegend °Äich von A u g u st o w zurückgeschlage« und dabei ^rcre Maschinengewehre erbeutet.
südöstlichen Kriegsschauplatz liegen noch keine ^'cfienben Meldungen vor.
Oberste Heeresleitung.
Holländische Berichte.
%■??• T.-B. Amsterdam, 23. Okt. (Nichtamtlich.) Die melden ein schweres Geschützfeuer bei ß r * u ’ § Und Aardenburg. Der „Telegraas meldet^ aus . UK: §)er Aanonendonner weicht keinen Augenblick, selbst ^ Sluis klirren in den Häusern die Fenster. -e.s scheintl den unaufhörlich fortzugehen. Die Bader Middel- uud Westende sowie einige Dörfer lerden fürchterlich, vwlen Orten schlagen die Flammen auf. In Ostende ist r. lebendig. Automobile fahren hin und her und di-Verwundete. Bei Beijat und Blankenberghe steht
>>in 7 ^^ölkernng in Gruppen an den Dünen und am Strande, litt, . Kanonendonner zu hören. Eine Menge Flüchtlinge hier angekommen, verängstigt durch den Geschützdonner, ^^apnells und Bomben.
tz, T.-B. Amsterdam, 25. Okt. „Telegraaf" meldet aus M's: Zwischen Ostende und Nieuport findet ein heftiges Aützgefccht statt. Die Deutschen feuern aus Marrakerk o°, Middelburg. Die Franzosen aus Nieuport, die Eng- von der Sec herüber über die Dünen. Von den Ostler »Dünen sieht man bei dem jetzigen klaren Wetter die tzSlischen Schiffe auf der Höhe von Nieuport und Mendc. Englische Flieger klären die feindlichen Stellen auf.
5t W. T.-B. Amsterdam, 23. Okt. (Nichtamtlich.) „Tele- meldet aus Sluis: Viele Häuser in Rousselaere
< °»Iers) stehen in Brand. Ein Teil der Einwohner ist nach ^nlceicf) und Holland geflüchtet. Die Deutschen beschießen L®*obt und die Forts, die von den Verbündeten beseht h, ' bon Mariakerk bei Ostende aus. Die Verbündeten ant- sowohl vom Lande wie mit dem Feuer der englischen ^i ^sschiffe. Die Kriegsschiffe, die früher auf der Höhe von d^ort lagen, haben sich jetzt West ende genähert. Vor, st», Online bei Ostende aus kann man den Geschütz- ^ f beobachten.
tE Tätigkeit der englischen Motte in den Kämpfen an . der Küste.
™°n unserer Berliner Schriftleitu ng.) sjtz Berlin, 23. Okt. (Eig. Drah-t-bericht. Ktr. Mn.)
die angebliche Beteiligung englischer Kriegsschiffe lk tten Kämpfen an der belgischen Küste bei Nieuport ti(ff n bis zur Stunde in Berlin irgendwelche Nach- nicht vor. In der bisherigen Fassung stoßen die ^ Zungen an unterrichteten Stellen aus Un-
hi» "den. Auf Grund der Seekarte wird darauf lolo liefen, daß gerade die belgische Küste einem er- s(,^^en Eingreifen feindlicher Schiffe in die an stattfindenden Kämpfe die größten Schwierig- ®L n entgegenstellt. Man darf nicht vergessen, daß >vxMe dort den Charakter der Düne trägt, daß ihr vorgelagert sind und große Kriegs- ^ der Küste nicht oder nur schwer würden können. Wahrscheinlicher erscheint das Ein- von Monitoren, von denen zwar nicht der leuche Bericht, aber einige Pressenachrichten zu mel- Mußten. Es handelt sich offenbar um die drei ' die aus einer englischen Werst für die '% ’JE i ö n i i dfj e Regierung erbaut worden sind. V* Schiffe sind schon 1913 vom Stapel gelaufen und schon Anfang 1914 fertig. Sie wurden jedoch
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" -üu vervollständigen. Die drei Monitore, um die
V 11 Schisse sind schon 1913 vom Stapel gelaufen und .schon Anfang 1914 fertig. Sie wurden ffgr:.vb geliefert und daraus schließt nmn, da iKvche Regierung vielleicht schon da mals di< steha,bt habe, ihre Seerüstnug ans Kosten i kz vervollständigen. Die drei Monitore, ui M.ch handelt, sind Schiffe von je 1300 Tonnm. Sie li t S'.Mei 16-Zentimeter-Geschütze in leichtgiepanzer- li^lchütztürmen, ferner zwei 12-Zentinwter-Ha.ubitzeil !lp„Pier 7-Zentimeter-Geschütze. Bei ihrem gerin- djgn < i e s g a n g (nicht über zwei Meter),^ _ können in LSchisfe sich allerdings bis nahe an die Küste, auch lsin'."l>ßmündnilgcn und zwischen Bänken bewegen. ^ erfolgreiche Beteiligung an der Beschießung ist
indessen auch nicht wahrscheinlich, weil eine solche dre Beobachtung des Zieles voraussetzt, die gerade von Monitoren ails schkvierig erscheint. Solange also^ nicht positive Mitteilungen mit näheren Angaben vorliegen, wird man den englischen und holländischen Meldungen iiber die Beteiligung der englischen Flotte an dem Kamps nur mit eineni gewissen Mißtrauen sich gegenüberstellen dürfen.
W.T.-B. London, 22. Okt. (Nichtamtlich.) Die Admiralität gibt bekannt: Die Monitor ,,Severn", „Humber" und „Mersch" , nahmen letzthin an den Operationen an der belgischen Küste teil und feuerten auf die rechte Flanke der Deutschen. Ferner setzten sie zur Unterstützung ^ der Verteidigung von Nieliport Abteilungen -mit Schnellfeuer- g e s ch ü tz e n an Land, die dort gute Dienste Leisteten. Bei den Operaüonen wrirde ein Leutnant getötet, drei Mann verwundet und sechs vermißt.
W- T.-B. Amsterdam, 23. Okt. (Reuter.) Aus Dover wird gemeldet: Eine Flottille, bestehend aus 3, für eine
fremde Nation gebauten Flußschiffen, mit sechszölligcn Geschützen, begleitet von Avisos und Torpedobooten, ist plötzlich S a m s t a g n a ch m i t t a g quer über den Kanal abgereist.
— Am Sonntagabend hörte man in Dover Kanonendonner. Ein Boot der Flottille brachte Montagmorgen sieben Mann zurück, die während der Beschießung der Deutschen bei Nieuport am Abend vorher verivundet worden waren.
Die wetsl;eit der „Times".
W. T.-B. London, 23. Okt. „Times" meint, daß der Besitz von Ostende den Deutschen keinen Vorteil bringe; sie könnten keine weiteren Fortschritte längs der Küste machen. Sie befänden sich sonst in beträchtlicher Ge- f a h r. Die ganze Umgebung zwischen Nieuport und Dünkirchen sei ein Netz kleiner Wasserwege und könne teilweise überschwemmt werden. Es sei eine starke Defensib- st e l l u n g, die von den Verbündeten mannigfach zerstört ist. Das Erscheinen an der Küste bedeute nur, daß sie 30 Meilen Sanddünen inne haben, mit ausgezeichneter Badegelegenheit.
Die vesorgniffs in London.
W. T.-B London, 23. Okt. Die „Times" schreiben: Das Interesse des englischen Vublikums wird ganz besonders durch den Kampf um den Besitz der Küste in Anspruch genommen. Die deutsche Besetzung von Ostende hat hier noch mehr Interesse erregt als der • Fall von Antwer- Pen. Sie hat auf die Phantasie vieler Eindruck gemacht, die die Möglichkeit einer Okkupation von Paris ruhig betrachten würden. Wenn wir nach der Ursache der in manchen Kreisen an ein bis zwei Tage der letzten Wochen bemerkbar- gewesenen Besorgnis suchen, so finden wir sie nicht im Gerede über Spione oder Zeppeline oder in der Möglichkeit einer Invasion, sondern in der einfachen Tatsache, daß deutsche Truppen an der Küste der Nordsee auf- g e t a u ch t s i n d.
Ausweisung öer und Engländer aus
den belgischen Nords^ebädern.
Br. Rotterdam, 23. Okt. (Eig. Drahtöcricht. Ktr. Bln.) Die deutschen Behörden in den belgischen Badeorten haben die französischen und englischen Staatsangehörigen in den Seebädern O st e n d e, Blankenberghe und Knocke aufgefordert, ihre Wohnsitze binnen zwei Stunden zu verlassen, andernfalls sie gefangen genommen würden. Die Ausgewiesenen gehen nach Holland.
Ehurchills Teilnahme am Kamvf um Antwerpen.
W. T.-B. London, 22. Okt. (Nichtamtlich.) Aus Antwerpen zurnckgekehrte, Seesoldaten erzählen, daß Churchill sie dorthin begleitet und bis zuletzt mit ihnen in den Schützengräben geblieben sei. Churchill erkundete auch im Flugzeug die deutschen Stellungen.
Die Getrcidcmagazine in Antwerpen unversehrt.
W- T.-B. Mannheim, 21. Okt. (Nichtamtlich.) Die „Rhenania", Speditionsgesellschaft in Mannheim, teilt der „N. Bad. Landesztg." mit, daß nach einem ihr zugegangenen Bericht die Getreidemagazine in Antwerpen völlig unversehrt seien. Die Schisfahrt wäre jedoch durch die versenkten Schiffe behindert; doch werde dieses Hindernis schon in nächster Zeit behoben sein, so daß in etwa zehn Tagen die Schiffahrt in Antwerpen wieder frei sein dürfte.
Anrwcrpencr Blätter erscheinen in London.
W. T -B- London, 22. Okt. (Nichtamtlich.) Das früher in Antwerpen erschienene Blatt „Metropole" erscheint von heute ab in französischer Sprache als Beiblatt der Londoner „Standard".
W- T.-B. London, 22. Okt. (Nichtamtlich.) Die ..Jnde» pendance Belge", die, wie gemeldet, gestern zum erstenmal in London erschienen ist, veröffentlicht eine Zuschrift dcZ Premierministers A s q u i t h , in der er dem Blatt Erfolg wünscht und die Hoffnung ausspricht, daß das Blatt wieder in Brüssel und Ostende erscheinen und daß das tapfere belgische Volk,, durch die Waffen der Verbündeten in den Besitz des Landes gesetzt, bald wieder in vollem Genuß der Freiheit sich befinden werd:, für die es so glänzende Opfer gebracht habe.
Reuterphantasie.
Das englische Bureau Reuter leistet sich wieder folgende Schauermär: „Sonntag beim Tagesgrauen näherte sich ein
englisches Kriegsschiff der belgischen Küste, schoß einen Zeppelin und einen deutschen A e r o p l.a n herunter, zerstörte 6 Batterien und tötete 1600 Deutsche." österreichische Arbeiter beglückwünschen General v. Bcsrler,
W. T.-B. Berlin, 22. Okt. (Nichtamtlich.) Der Befehlshaber der Belagerungstruppen von Antwerpen, General v. Beseler, hat folgendes Telegramm erhalten: „Ein
tcmsendfaches treudeutsches Heil dem verbündeten Bezwinger Antwerpens. Für die deutsche Arbeiterpartei Österreichs: Pulz. Liesing." — General v. Beseler antwortete: „Herzlichen Dank für den freundlichen Glückwunsch und deutschen Gruß.
Ich bin stolz auf die erfolgreiche Mitwirkung der tapferen österreichischen Krieger bei dem Kampf mit Antwerpen.
Französische Minister ans dem Schlachtfeld.
W- T.-B- Paris, 22. Okt. (Nichtamtlich.) Die Minister B r i a n d und S a r r a u t, die von der Regierung mit einem besonderen Auftrag nach den östlichen Departements ent,andt worden sind, haben gestern das Große Hauptquartier besucht. Gestern vormittag trafen sie in Verdun ein und begannen die Besichtigung der während der letzten Kämpfe in dem dortigen Gebiet von den Deutschen zerstörten Ortschaften.
Der englische amtliche Bericht vom 22. Oktober.
lul. Christiania, 23. Okt. Das Londoner ossizrelle Pressoburean meldet: Der Feind hat wahrend des gan- zen gestrigen Tages h e fti ge GegEMriffe -gegen dre Front der Verbündeten gerichtet, wurde ledoch unter großen Verlusten zurückgetvi-cken. Das belgische Heer bat sich bei der Verteidigung seiner Stellungen besonders ausgezeichnet. Im Lause -der letzten vier Tage haben die Belgier "die Lansgräben, foc sich über 30 Kilometer erstrecken, mit der -größten Tahferk-eit gegen die furchtbaren Angriffe verteidigt, ebenso haben sie bei verschiedenen Gelegenheiten Gegsnangriffe aus- gefichrt. . ^ ^
Ein norwcgricher Bericht.
M. Christiania, 23. Okt. Der Spezialkorrospondenr der „Aftenposten" telegra-phterte gestern aus Paris: Die La-K an -der Front ist unverändert, „^oftre soll gesagt haben: JÄ könnte sie doch aus ihren Hohlen graben, wenii ich Lust hätte, einige tausend Mann M opfern. Mit ein klein wenig Geduld werde ich ste auch zu billigerem Preise ausgraben. Der Korrespondent fährt fort: Belgien wird überall nach deutschem M u st e r u-morgÄnisiert. Die -Deutschen ernennen in allen Städten neue Bürgermeister. Die Forts ^ von Lüttich und Namur werden wieder instand gesetzt. Tag und Nacht wird daran gearbeitet. Ebenso wer- den Brücken über die Maas zwischen Lüttich und VisS geschlagen.
Schweizerische Warnung vor nderschwenglrchen Eröffnungen in Krnnkreich.
Sr. Genf, 23. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die hiesigen franzosenfreundlichen Blätter, wie die „Gazette de Lausanne", warnen die französische Bevölkerung vor überschwenglichen Hoffnungen aus. englischen Zuzug angesichts der Tatsache, daß die deutschen Stellungen in Ost- und Nordfrankreich durch frische Truppen in Stärke voiv nngcfähr 12 Armeekorps eine große Verstärkung erhalten hätten. Alle Verschleierungen Helsen gegen diese Veränderung auf dem Kriegsschauplätze nichts.
Eine phantastische Nachricht.
Br. Berlin, 23. OM. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Eine au-ß-erockentlich seltsame und märchenhaft klingende Meldung läßt sich die „Deutsche Tageszeitung" aus Stockholm telegraphieren. Darnach sollen am Mttwoch in Christiania 10 0 russische Soldaten, zum Teil in en g li scher Uniform, von Enylmrd ang-ekommen s-ei-n. In einem Ju- terviow mit dem „Morg-enbladet" erzählten sie, daß sie beinahe seit Beginn des Kriegs teils in Belgien, teils in Frankreich gekämpft hätten. Ihrer Ansicht nach wären 2 5- b i s 3 0 0 0 0 Russen an der Westfront. .Die meisten von ihnen wurden in der ersten A-ngnsthälfte von A r ch a n g e l sk nact, England transportiert. Uniformen erhielten sie in England. Von dort wurden sie zur Front geschickt. Jetzt sind sie auf dem Weg zum österreichischen Kriegsschauplatz.
Der englische Gednnke einer Blockade der ganzen Nordsee?
W. T,-B. London, 22. Oft. (Nichtamtlich.) Der Mitarbeiter der „Times" für Marincangelegenheitcn^ beschäftigt sich, wie schon kurz erwähnt, mit der Frage der Blockade der ganzen Nordsee für die neutrale Schiffahrt. Er geht dabei auS von dem Schicksal des Kreuzers „Hawk-e" und anderer eng. lischer Sch'ffe, die beim Wachtdienst in der Nordsee^ deL hauptsächlich zur Werwachnng von Handelsschiffen diente, v-rloren gingen. Dabei führt der Verfasser Erklärungen einer Anzahl von Völkerrechtslehvern an, die alle darüber einig seien, daß die kriegführenden Mächte berechtigt sind, Gewässer, die am. Schauplatz der Kriegsoperationen liegen> für die neutrale Schiffahrt vollständig zu schließen. Der Verfasser tritt sodann für die Blockade des ganzen ö st lich e n Teiles der Nordsee von Calais bis zur norwegischen Kn sie. ein. Alle Schiffe auf der Fahrt nach neutralen Häfen müßten-sich an bestimmten Stellen der nor- wegischen Küste und im irischen Kanal sammeln, wo sie unter- suchi werden würden, und von ivo sie unter Schutz nördlich um Schottland 'herum weiterfahrcn könnten. Gleichzeitig
