Wiesbadener Lagblatt.
No. 290
Leite S
Kunst und Wissenschaft
bis it den 11.
rrau
80 Pfennig die einspaltige Petitzeile.
man mit Zuversicht, daß. bei dieser Patientin eine Recidive nicht ein- tretm werde.
wmvt, uuv v» m «■nvi.;
Druck und Verlag der S. Schellenberg'ichen Sof-Äuchdrückertt in MeSbadm. — Wir t»ie HerLÄgäveverantwortlich: Louis schelleuberg inWiesbH t$i* Kenti-e Rum?N«r «nthStt 1k «eite« und 1 Extra-BrUage.)
* (Repertoir-Entwurf des Mainzer Stadttheaters bisznrn 13. December.) Samstag den 10.: „Eine Nothlüge". Sonntag den 11.: „Der fliegende Holländer". Montag den 12.: „Hamlet". Dienstag den 13.: „Das Glöckchen des Eremiten".
Ans dem Reiche.
* (Reichstags-Nachwahl.) In Mainz erhielten bei der Nachwahl Philipps (Forischr.) 5777, Frank (Eentr) 4725, Bebel (Soc.) 5433, Goldmann 88 Stimmen. ES ist demnach eine Stichwahl zwischen Philipps und Bebel erforderlich.
* (Die Rinderpest) ist, amtlichen Mittheilungen zufolge, in den Orten Gut und Gemeinde Alt-Lässig, sowie in Fellhammer, Kreises Waldenburg, der prcutzischen Provinz Schlesien, festgestellt worden.
per Woche verklagt hat, „nicht etwa nur mehrere Zehen, sondern die Hälfte beider Füße" angenommen werden mußte, welche er erfroren hatte, da er tat Fieber-Delirium im vergangenen Winter aus dem hiesigen Krankenhause entsprungen war und die kalte Nacht im Freien zugebracht hatte.
* (Der nächste Curhaus-Vortrag) findet im großen Saale und zwar, vielseitigen Wünschen entsprechend, nicht wie seither um 6 Uhr, sondern um 8 Uhr Abends statt. Das Abend-Coneert fällt somit am Montag aus.
* (Steckbrief.) Der neuftch als verschwunden von uns gemeldete hiesige Gewerbetreibende wird jetzt von der Staatsanwaltschaft verfolgt. Er ist der Kohlenhändler Gg. Carl Herrmann, welcher der Unterschlagung von Vorwundschaftsgeldern sehr verdächtig ist.
* (Vacante Stellen.) Die Lehrerstelle zu Hochheim mit einem decrellichen Gehalt von 1350 Mark soll bis zum 1. Januar k. I. mit einem auch für den Organiftendienst geeigneten Lehrer anderweittg besetzt werden. Anmeldungen'bis zum 20. December bei dem Schulvorstande.
— (Ein Stech-Attentäter.) Wir berichteten s. Z., daß in Straßburg während einiger Wochen fast allabendlich Attentate auf Frauen und Mädchen ausgeübt wurden, derart, daß ein Unbekannter an denselben vorbechuschte und ihnen mittelst eines Messers leichte Stiche beibrachte. Nun kommt aus Bremen, 7. December, die Nachricht, daß ein Friseur Mary aus Straßburg dort unter der Anklage von etwa zwanzig nn April und Mai d. I. vollführten Stech-Attentaten an Frauen und Mädchen vor dem Schwurgericht stand, schuldig befunden und zu sieben Jahren Gefängniß verurtheilt wurde, und es ist daher sehr naheliegend,
daß Mary im Verdacht steht, anch die ähnlichen Attentate in Straßburg verübt zu haben.
— (Der Postdampfer „Neckar" aus Bremen) laugte in New-U ork am Mittwoch in stark beschädigtem Zustande an. Der Dampf« verlor einen Matrosen, sechs Boote, die Commandobrücke und da» ganze Deckhaus. Der Dampfer hat ein Leck, auch die Maschinerie ist beschädigt, und das Haus des Steuermanns wurde zertrümmert. Der Dampfer hat die entsetzlichsten Stürme überstanden. Die Paffagiere, worunter Jefferson Davis sich befand, blieben unbeschädigt.
— (Ein Theaterbrand), in seinen schrecklichen Folgen allem Anscheine nach furchtbarer noch als der in Nizza, ist am Donnerstag Abend im Ringtheater zu Wien entstanden. Weit über hundert Menschen haben dabei, soweit bis jetzt zu constatiren, das Leben verloren. Das Feuer entstand vorgestern (8. December) Abends 6‘/« Uhr. Die Logen waren, wie man der „Franks. Ztg." telegraphirt, noch fast leer, im Parterre befanden sich an 60 Personen, drttte und vierte Gallerte waren stark besetzt, als plötzlich mit starker Detonation der Vorhang aufbauschte und zerriß. Em Funkenregen ergoß sich in’8 Theater. Die Gaslichter erlöschten. Ein furchtbares Jammergeschrei erfüllte das Haus, das nach mehreren Minuten in vollen Flammen stand. Mehrere Personm sprangen in das Parterre, erlitten Arm- und Beinbrüche; doch wurden alle im Parterre befindlichen Personen gerettet. Ebenso scheint Niemand vom artistischen Personal ver- uuglückt zu sein. Furchtbar gestaltete sich jedoch das Schicksal der auf den Gallerten befindlichen Menge. I» den dunkelen Stiegengängen entstand ein fürchterliches Ringen. Jeder wollte zuerst hinaus. Die Treppen ver- stopfteu sich. Niemand konnte mehr hinab. Als Genie-Soldaten und Feuerwehr eindrang, fand sie nur Leichen. Bis 8 Uhr wurden deren 87 hinabgeschafft. Um diese Zett war der Brand so wett vorgeschritten, daß die Rettuugsmanuschast sich zurückziehen mußte. Sie taxirte die zurücklassenden Leichen auf mehrere Hundert, lieber die Ursache de? Brandes erfährt man, daß beim Anzünden des Gases auf der Bühne eine Spiritusflasche umfiel. Die Soffiten wurden zuerst ergriffen; bald auch stand der Schnürboden in Flammen. In diesem Moment erfolgte die Eingangs erwähnte Katastrophe mit dem Vorhang. Um eine Gasexplosion zu verhüten, wurde das Gas abgedreht, wodurch die Verwirrung der auf den Gallericu eingezwängten Massen zur Verzweiflung gesteigert wurde. Das frühe Auslöscheu des Gases verursachte augenscheinlich den Tod vieler Personen. Andere Depeschen melden theils von 120, theils von 150 bis 180 Leichen, die bereits aus dem Theater geschafft wurden. Die meisten scheinen erdrückt und erstickt zu sein.
— (Militärische Galanterie.) In dem Kleinen Anzeiger einer Preßburger Blattes stand dieser Tage folgendes Inserat: „Koth, Mariengasse. Jene zwei Fräulein, welche vorgestern durch das maschirende Militär gezwungen wurden, zweimal den Koch zu durchwaten, werden von dem Commandanten dieses Zuges um Verzeihung gebeten."
— (Probate Execution.) In Biel, einer Stadt der freien Schweiz, hat die Obrigkeit allen saumseligen Steuerzahlern auf so lange den Besuch der Wirchshäuser verboten, bis sie durch chre Quittungsbüchlein den Beweis liefern, daß sie ihren Pflichten gegen Canton und Gemeinde nachgekommen sind.
— (Die französischen Kron-Diamanten) sollen, einem Beschlüsse der französischen Deputirtenkammer zufolge, veräußert werden, soweit sie nicht einen besonderen historischen oder künstlerischen Werth besitzen. Von der Kammer-Commission wurden sie bereits untersucht und der Juwelier Bapst, der als Sachverständiger zugezogen, rieth zur Auf bewahruug folgender Stücke: Eine Sammlung Orden, von fremden Souveränen an die französischen gesendet, geschätzt auf 200,000 Francs; eine Uhr, gesendet vom Bey von Algier an Louis XIV., im Werthe von 3000 Francs; ein Degen im Werthe von 250,000 Francs. Bapst erklärt sich auch gegen den Verkauf des berühmten riesigen Diamanten, des auf 12 Millionen geschätzten „Regent". Es könne sich ereignen, daß der öffentliche Verkauf desselben vielleicht nur 600,000 Francs einbringe, und bann werde ihn vielleicht ein amerikanischer Barnum kaufen und von Stadt zu Stadt sehen lassen. Bapst rieth dagegen zum Verkauf der übrigen Diamanten, die zusammen 10—12 Millionen werth sind; darunter besindet sich ein Gürtel, den die Kaiserin Eugenie aus Kron-Juwelen anfertigen liefe, nachdem sie eine Schauspielerin mit einem solchen aus falschen Steinen in der „Biche au bois“ gesehen hatte; die Kaiserin trug ihn aber nur einmal; derselbe ist fast eine Million werth.
* (Die Oper „Das Käthchen von Heilbronn"), jenes Opus des glücklichen Erringers des Opernpreises bei der Frankfurter Dramen- und Opem-Concurrenz, Carl Rheinthaler, ging am Donnerstag Abend über die Bretter des Opernhauses unserer Nachbantadt Frankfurt und errang einen glänzenden Erfolg. Das Libretto besteht aus einer freien Umarbeitung des Kleist'schen „Käthchens von Heilbronn", welche mit vielem Geschick von Heinrich Bulthaupt ausgeführt fein soll.
♦ („Fromme Wünsche") nennt sich ein neues Stück von Julius Rosen, das dieser Tage in Frankfurt a. M. zur Aufführung gelangte, aber nur abermals die Geriugwerchigkeit der dramatischen Machwerke dieses Verfassers betätigte. Die „Fi anff. Presse" sagt darüber u. A. Folgendes: „Dem glücklichen Autor dieser Novität scheinen alle Anforderungen an das Drama, scheinen Natürlichkeit, Wahrheit und Humor nur „fromme Wünsche" zu sein. Ein Wort ernsthafter Beurtheilung verdient dies dümmste aller dramatischen Machwerke, die jemals unsere deutsche Bühne verunglimpft haben, um so weniger, als wir zuversichtlich erwarten, die Intendanz werde dies „Original-Lustspiel" nicht wieder auf die Bühne kommen laffen."
Die auf Grund neuer wissenschaftlicher Forschungen dargestellten und von vielen Herren Aerzten warm empfohlenen W. V o fe 'scheu Catarrh- pillen, welche den so lästigen Schnupfen in wenigen Stunden beseitigen und heftige Lungen'-, Rachen- und Kehlkopfcatarrhe binnen kürzester Frist in die mildeste Form überführen, sind (a Dose 1 Mark) in Wiesbaden in den bekannten Apotheken und ferner in den Apotheken zu Nassau, tofheim, Oestrich, Frankfurt a. M.: Adlerapotheke, Biebrich r ofapotheke, Sodenr Apotheker Oppermann zu haben. Daselbst wird auch eine kleine Broschüre über dieses neue Heilverfahren von Dr. med. Wittlinger unentgeltlich abgegeben.(M.No. 3467.)17
Vermischtes.
— (Eine Magenresection) ist am 21. November in Kulm vorn dorttgen Arzt Herrn Dr. Rydygier an einer dreißig Jahre alten Srau wegen narbiger Verengung des Pylorus (Ansflußende des Magens) . ücklich ausgeführt worden. Nach den von der Sülmer Zeitung ausge- ebenen Bulletins, das letzte datirt vorn 3. d. M., befindet sich die Patientin recht wohl und Herr Dr. Rydygier wird das herausgeschnittene Stück auf dem nächsten Chirurgen-Congreß in Berlin zugleich mit der Patientin demonstriren. An der Klinik Bil Iro th's in Wien wurde bisher, wie bei dieser Gelegenheit bemerkt sei, sechs Magenresectiouen vorgenommen, und zwar fünf von Professor Billroth selbst, eine von seinem Assistenten Dr. Anton Wölfler. Die Patienten waren durchwegs Frauen. Von den fünf Patientinnen, welche Professor Billroth operirt hatte, sind drei bald nach durchgeführter Operation gestorben. Bei einer — Frau Heller — war die Resectton zwar vollständig gelungen, doch ist diese Frau bekanntlich drei Monate später in Folge einer Recidive ihrem Leiden erlegen. ES war dies dieselbe Pattentin, an welcher Professor Billroth das erste
Mal die schwierige Operation demonsttirte. Die letzte Operation hat Professor Billroth vor ungefähr zwei Monaten vorgenommen. Die Patientin besindet sich gegenteilig ganz wohl, und ist viel Hoffnung vorhanden, daß sie vMtändig genesen werde. Assistent Dr. Wölfler operirte am 8. April ..... Matte Gebharter. Die Frau erfreut sich heute des besten mdens. Nachdem setther fast neun Monate verflossen sind, hofft
