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Wiesbadener «agblatt.

Ms. 98

Personen:

ierr Beck.

-rl. Wolff.

>err Reubke.

>err Eyben. ftl. Widmann. >err Rudolph, srl. Herrmann, ierr Bethge. ierr Brüning. ?err Schneider.

Königliche Schauspiele.

Donnerstag, 28. April. 93. Vorstellung. 143. Vorstellung im Abonnement.

Das Gefängniß.

Lustspiel in 4 Akten von Roderich Benedix.

Tanz.

Anfang 6l/2, Ende » Uhr.

Morgen Freitag: Der Leibarzt.

Tages-Kalender.

Kaiserliche» Celyraphenamt, Rheinstraße 9, geöffnet von 8 Uhr Morgen» bi» 9 Uhr Abends.

pie permanente Curhaus-Kunstausstellung im Pavillon der neuen Colonnade ist täglich von Morgens 8 Uhr bis Abends s Uhr geöffnet.

y»r$ellan-®emiil6enusfteUung, Malinliitut v. Merkel-Heine, Weberg. 11.2062

Heute Donnerstag den 28. April.

Lehr- und Ernehungs-Anstalt für Mädchen von Caroline Letz. Beginn des Sommersemesters.

Curhau» ]u Mieobadm. Nachmittags 4 und Abends 8 Uhr: Concert.

Letzte Zauber-Norstellunq von Frl. E. Stengel Abends 8 Uhr imSaalbau Lendle", Friedrichstraße.

KrieaervereinGermania". Abends von 89 Uhr: Bücher-Ausgabe;

9 Uhr: Probe.

geben will, hat, wie wir bestimmt wissen, große Mißstimmung erregt, und auch wir können dies nicht billigen, so sehr wir auch anerkennen, daß man durch vermehrte Vorstellungen im Abonnement einen Ausgleich im Voraus zu treffen gesucht. Die Absicht, oder auch nur der Schein einer solchen, mit einem derartigen Anlaß Kasse zu machen und zu unausbleiblichen, maßlosen Ovationen zu reizen, leuchtet doch mißstimmend durch und sollte vermieden werden.

Im Concert-Saale ist es stille geworden. Nur das Cur Haus arbeitet mit den gewohnten Veranstaltungen noch ruhig weiter. Die übrigen Cyklen, aus denen wir noch nachträglich die letzte Quartett« Soiree mit um so größerer Anerkennung hervorheben, je weniger ostensiv die betreffenden Herren Quartettiften ihr verdienstliches Streben kund gaben, haben schon alle abgeschlossen. Daß Herr Wald uns noch mit einem Kirchen-Coneert bedenken will, ist recht erfreulich.

Ramsdorf........

Adelgunde von Delmenhorst .

Friedheim, Gefängnitz-Jnspeetor Hermine, seine Tochter . . .

Günther, Wallbeck's alter Diener Pförtner eines Gefängnisses .

Ein Gerichtsdiener.....

Doctor Hagen .... Mathilde, seine Frau . . Baron Wallbeck . . . .

Locales «nd Provinzielles.

V (Schöffengericht. Sitzung vom 26. April.) In einer Strafanstalt ließ sich ein dort detinirter altbekannter Spitzbube melden und gab zu Protocoll, daß er bei einem hiesigen Spezereihänder, der zum Aus­schank geistiger Getränke keine Concession hat, zu verschiedenen Malen Schnäpse getrunken habe. Aber wenn her Denunciation jenesdunkeln Ehrenmannes" auch soweit Folge gegeben wurde, daß der Kaufmann sich vor Gericht zu verantworten hat, so genügt dieselbe doch uicht, denselben zu verurtheilen, und es erfolgt Freisprechung. Freigesprochen wird auch ein hiesiger Fuhrknecht von der Anklage des Diebstahls. Derselbe hatte in einer hiesigen Wirthschaft mit einem College» zusammengesessen, der vor ihm das Local verlassen hatte. Hinter dem Stuhle des Weggegangenen hatte er einen Stock bemerkt und denselben in der Meinung, er gehöre seinem Freunde, mitgehen lassen. Ein Tünchergeselle, welcher in einer Wirthschaft in der Wellritzstraße bis tief in die Nacht hinein gekneipt hatte, machte sich beim Nachhausegehen den traurigenSpaß", aus einem mit der Wirthschaft verbundenen Laden ein Päckchen A B-mter mitzunehmen. In möglichst milder Benrlheilung der Sachlage verurtheilt der Gerichts­hof den Witzbold zu 15 Mark Geldstrafe event. 1 Tag Haft, indem er das Päckchen Tabak als ein Genußmittel von geringem Weiche ansieht. Wegen Bettelns und Widerstands gegen die Staatsgewalt trifft einen Tag­löhner aus Reichenbach, Kreises Bensheim, folgende Serie von Strafen: 3 Wochen Haft, welche durch die erlittene Untersuchungshaft verbüßt er­achtet werden, sodann Ueberweisung an die Landespolizei und endlich drei Wochen Gefängniß. Ein College des Angeführten in puncto Fechten, sonst Buchdrucker, aus Frankfurt a. M., der wegen Widersetzlichkeiten schon oft bestraft ist, hat dieserhalb neuerdings 3 Monate Gefängniß zn ver­büßen. Ein entwendeter Klumpen Steinkohlen erträgt einem hiesigen Taglöhner 1 Tag Gefängniß. Die von einer Schiersteiner Wiitwe ge­haltene Gans war verschwunden. Der auf die Suche geschickte Pflegesohn der Wiiiwe trieb derselben ein Exemplar der gedachten Vogelart an, das der verschwundenen täuschend ähnlich sah und das in gutem Glauben Auf­nahme in den Gänsestall fand. Bald aber meldete sich ein Mitbürger, der die Gans reclamirte und auch durch ihren Gänserich auf's Unzweifelhafteste recognoscirte. Obschon nun die Frau bereitwilligst die Gans herausgab, wurde doch gegen den Pflegesohn und sie selbst Anzeige wegen Diebstahls und Hehlerei erhoben, heute aber werden Beide von der erhobenen Anklage freigesprochen.

* (Schulfrequenz.) Bei dem Königl. humanistischen Gymnasium hatten sich zur Aufnahme 130 Schüler gemeldet; von diesen sind 82 Schüler in die Anstalt ausgenommen worden, einige bestanden die Aufnahmeprüfung nicht, andere haben leider wegen Mangels an Raum abgewiesen werden müssen. Die starke Frequenz der Anstalt nöthigte zur Errichtung einer neuen (15.) Classe, für welche der letzte disponible Raum verwendet worden ist. Das Königl. Realgymnasium nahm bei Beginn des neuen Semesters 52 Schüler auf, begann daher den Unterricht mit 325 Schülern; die Anstalt zählt 11 Claffen. In die städtische Realschule II. O. wurden (einschließ­lich der Vorschule) am Montag 158meue Schüler ausgenommen; die Schule wird z. 3. von 637 (und zwar die Vorschule von 332, die Realschule von 305) Schülern besucht. Die überfüllte Tertia ist in zwei Abcheilungen ge­trennt worden. Als Probe-Candidat wurde Herr Overmann der Lehr­anstalt vom Königl. Provinzial-Schul-Collegium überwiesen. Für den Herbst sind neue Lehrkräfte für die Vorschule, sowie für die Realschule in Aussicht genommen. . ,

* (Die Augenheil-Anstalt für Arme) versendet fachen ihren Jahresbericht pro 1880, welchem ein geschichtlicher Rückblick auf das fünf­undzwanzigjährige Bestehen derselben vorausgeht. Am 1. Januar 1856 konnte die Anstalt, nachdem sich der regste Wohlthätigkeitssinn sowohl der herzoglichen Familie und anderer Fürstlichkeiten, sowie der Einwohner­schaft in Folge eines Aufrufes auf's Beste bewährt halte, die Anstalt als ambulatorische und stationäre Klinik eröffnet »erben. Schon im ersten Jahre ihres Bestehens war die ambulatorische Klinik von 797 Kranken und die stationäre von 62 Kranken besucht. 1860 verlieh Se. Hoheit der Herzog Adolf von Naffau der Anstalt die Rechte einer juristischen Person. An das Ende des Jahres 1860 und den Anfang des Jahres 1861 fallen zwei für die Anstalt gleich wichtige Ereignisse: 1) die Verleihung der Rechte einer juristischen Person vom 14. December 1860 und 2) der Erwerb eine» eigenen AnstaltsgebSudes durch bett Ankauf des Hauses No. 29 in der Kapellenstraße vom 3. Januar 1861, in welches die Anstalt im September desselben Jahres übersiedelte. Die erste Verwaltungs-Commission bestand aus den Heren: 1) Hausmarschall und Kammerherr Freiherr Joseph v. Sy berg, 2) Gymnafial-Professor 0r. Cornelius Cuntz, 3)Maior

* Aus dem Kunstleben unserer Stadt.

Wiesbaden, 28. April.

Hielten die fortgesetzten und fortwährenden Gastspiele (auf Engage­ment) nicht die Theater-Angelegenheiten einigermaßen in Athem, so wäre ans der allgemeinen Windstille auf dem Kunstgebiete wenig zu icfetireii. Für heute haben wir das Gastspiel des Herrn Settekorn von der deutschen Oper in Rotterdam in dem bisher von Herrn Massen Ver­tretenen Fache zu verzeichnen. Der Genannte sang denHolländer" in der Wagner'schen Oper, denTell" (Rossini) und denGrafen" in Figaro's Hochzeit". Um zunächst von dem Gesammteindruck der Leistungen zu sprechen, müssen wir bemerken, daß der Gast noch nicht auf der Hohe seiner Aufgabe steht, und daß die Mängel einer Aufäugerschaft noch allzu­sehr zu Tage treten. Gleichwohl glauben wir uns nicht zu tauschen, wenn wir Talent unterstellen. Da dieses von einer weichen, sympathischen, wenn auch nicht sehr^umfangreichen Stimme, deren Kraft und Wohllaut offenbar nur von momentan fehlerhafter Gesangs-Manier zuwellen beeinträchtigt wird, und von einer leicht erkennbaren Befähigung für Gestaltung unterstützt ist, so schen wir nicht ein, warum man, taute de mieux, den Gast kurzweg von der Hand weisen sollte. Es ist besser, dem Talente Raum zu ge­statten und einer Bühne eine tüchtige Kraft heranzuziehen, als einer ge­wissen Routine ohne innere charakteristische Capacität das Feld einzu- räunten. Oberflächliche Routine wird man leicht müde, wogegen man eine wirkliche künstlerische Entwickelung mit stets regem Interesse verfolgt Wir könnten dies and dem Personale unserer Bühne heraus mit gar manchen Beispielen belegen, wenn die Maxime nicht schon für sich selbst spräche. Wo Talent oder die Mittel fehlen, da liegt die Sache allerdings anders. Von den drei Gastrollen des Sangers sprach die letzte, derGraf" in Figaro's Hochzeit", am Meisten an und legt den Wunsch nahe, Herrn Settekorn nochmals und zwar alsDon Inan" auftreten zu sehen. Die genannten Opernaufführungen waren im Ganzen recht befriedigend; nur erinnerte herGetzler" imTell" daran, so sehr wir den betreffenden Repräsentanten schätzen, daß e8 nachgerade wünschenswerth wird, derartige Partien biegsamer und in frischerem Colorite ausgeführt zu sehen.

Das Haupt-Interesse concentrtrt sich eben um die Abschiedsvorstellungen her Fräulein Rolandt. Es bedarf nicht eines Panegyricus unserseits bei diesem Anlasse; wir haben das seltene Talent dieser Dame stets, und wir denken in würdiger Weise, anerkannt, ohne uns in Ueberschweiiglich- teiten, wie sie eben als Epidemie so widerlich und dem Ganzen zum Nach­thelle grassiren, zu versteigen. Solche Superlative werden immer auf Kosten Anderer - und auch diese haben ihre Verdienste gepriesen, denn was so, um die Absicht zu decken, mit in das Bild kommt, ist doch immer nur als Staffage behandelt. Es ist gewiß, Fräulein Rolandt war ein glänzender Stern an dem Horizonte unseres Theaters, der in den Leistungen mit wunderbarer Raschheit in den Zenith hmaufgeruckt ist, und einzelne der betreffenden Rollen, wie z. B. dieLucia , welche Fräulein Rolandt vor einigen Tagen noch fang, kann man nicht vollendeter, graziöser und ansprechender geben. Ehre der Kunst und der Künstlerin in solchem Falle, aber darum doch immer kein idolatrisHK-AultuSl Daß man die letzte Vorstellung mit Fräulein Rolandt AbonnetMnt »uspendu gibt ober