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Wiesbadener LagSlE.
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sehen, liegen im nördlichen Hannover, zwischen Emden und Aurich, nordwestlich von Wilhelmshafen. Die Dauer der Finsternis; vom ersten, äußeren Mond-Contakte des Sonnenrandes bis zum letzten Ränder-Contakt zwischen Mond und Sonne beträgt 3 Stunden 27 Minuten 54 Secunden. Die hiesigen Freunde der Astronomie, welche zwar keine regelrechte astronomische Beobachtung machen wollen, aber doch einige diesbezügliche dankenswerihe Beiträge liefern können, mögen die nachfolgenden allgemeinen Andeutungen nicht ganz übersehen. Das bekannte Mittel eines durch Lampenrutz geschwärzten Planglases leistet schon einige Dienste, wenn zur Beobachtung kein mit einem dunkelfarbigen Blendglase versehenes Fernrohr vorhanden ist. Die genaue Beobachtung der Zeit nach Secunden, während der verschiedenen Phasen der Bildung und Rückbildung ist wünschenswerih. Wer Wärme-Beobachtungen machen will, führe dieselben an zwei bei gleicher Temperatur möglichst übereinstimmenden Thermometern aus, deren Grade je in zehn Theile getheilt sind. Vor der Finsterniß hänge man dieselben in freier Luft so auf, daß das eine nicht von den Sonnenstrahlen getroffen werden kann, während das zweite denselben vollständig ausgesetzt ist. Man lese in Zwischenräumen von 5 Minuten beide Instrumente mit einer Lupe ab und notire ihren Stand, sowie den dazu gehörenden Stand der Uhr. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Farben des Prismenbildes der Sonne mittelst Spektral- Apparat a vision directe.
* (Gehaltszahlungen.) Wir machen darauf aufmerksam, daß heute nur die am 1. 'Januar k. I. fälligen Gehälter, Wobnungsgeld- zuschüsse und sonstigen pränumerando fixirten Kompetenzen der Beamten, nicht aber Pensionen schon von den Königl. Cassen gezahlt werden können.
* (Männer-Turnverein.) Am morgigen Neujahrstage um 8 Uhr beginnt im „Saalbau Schirmer" eine Abendunterhaltung des „Männer- Turnvereins", mit welcher Christbaum-Verloosung und Ball verbunden sind. Musikstücke, Chor- und Einzelgesänge, turnerische Gruppirungen und ein kleines Theaterstück bilden das Programm der Unterhaltung — eine reiche Auswahl, welche wohl jedem Besucher etwas bietet.
* (Der Männergesangverein „Concordia") veranstaltet sein zwettes Concert am nächsten Sonntag den 2. Januar Abends im „Saal- dau Schirmer". Das Programm verzeichnet auch jetzt wieder ausschließlich Compositionen der besten Meister und auf entsprechende Abwechselung ist die gebotene Rücksicht genommen. Bei der allgemeinen Beliebtheit, welcher sich die Concerte der „Concordia" erfreuen, dürfte eine weitere Empfehlung der bevorstehenden Abendunterhaltung nicht von Nöthen sein.
* (Hoflieferant.) Der Conditor Herr Gustav Adolf Lehman n (Firma „Fr. Jäger"), große Burgstraße 10, ist von Sr. Kaiser!, und Königl. Hoheit dem Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen zum Hoflieferanten ernannt worden.
* (Handels- und Genossenschaftsre gister.) Die Bearbeitung der Geschäfte betreffend die Führung der genannten Register, sowie der Zeichen- und Musterregister geschieht im Jahre 1881 in der Abtheilnng VIIL des hiesigen Amtsgerichts durch den Amtsgerichtsrath Faßbender und den Amtsgerichtssecretär Schneider.
* (Besitzwechsel.) Herr Rentner Reinhard Bender hat sein Haus Rheinstraße 53 für 78,000 Mk. an Herrn Rentner Weisse verkauft.
* (Selbstmord.) Gestern Morgen erhängte sich der hiesige Gärtner Spanknebel an derDotzheimerstraßc in seiner Wohnung; Krankheit soll das Motiv zu der That gewesen sein.
* (Bergrutsch.) In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag hat bei Caub wieder, wie uns mitgetheilt wird, ein Bergrutsch stattgefunden, in Folge deffen die Bahnverbindung gestört gewesen ist. Sonstige Unfälle sind nicht vorgekommen. Die Bahnverwaltung hat für das Freiwerden des Eisenbahnkörpers sofort die nöthigen Maßregeln getroffen und die Hindernisse sind beseitigt.
* Wiesbaden, 30. Dec. (Königl. Schauspiele.) ES gereicht uns zur Freude, unsere Theater-Referate im ablaufenden, Jahre mit einem anerkennenden Urtheile über die jüngste Schauspiel-Novttät beschließen zu können. Es betrifft „Haus Lonei" von L'Arronge, welches Stück gestern zum Erstenmale wiederholt wurde. Je öfter wir Anlaß hatten, bei den ohne Wahl und Kritik auf genommenen neuen Stücken die literarische Versunkenheit der neuesten, ans Tantitzmensucht entsprungenen Mache zu ver- urtheilen, desto wohlthuender wirkt es, wenn man t* solcher Sahara-Oede endlich einmal wieder einem Prodncte begegnet, das literarische Berechtigung hat. Was das Schauspiel von diesem Standpunkte aus soll, haben wir bei allen Gelegenheiten mehr oder weniger angedeutet und nachgewiesen, so daß wir für heute eines Gleichen nicht mehr bedürfen und uns mit dem schon ausgesprochenen Gesammturtheil begnügen können. Es mag wohl mancher durch den Cayenne-Pfeffer überreizte Gaumen das Stück etwas trocken und gewürzlos finden und sagen: „Ja, darum brauchten wir nicht in's Theater zu gehen, das findet man genau so auch im täglichen Leben." Halten wir diesen bei seinem Worte — er hat dem Stücke das beste Lob zugesprochen. Das wirkliche Schauspiel soll uns nicht in die Märchenwelt versetzen, es soll uns keinen Roman mit allen Ausgeburten rasstnirter Phantasie dramatisiren, sondern soll uns gerade das wirkliche Leben in einem Sptegelbilde zeigen und daran sein Lehrhaftes knüpfen, ähnlich so wie „Haus Lonei" es thut. Seine Charactere sind aus Fleisch
Truck md MäS der L. Schsllenderg'schcn Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden. - Für die
Vermischtes.
— (Die Jahreszahl 1881) besitzt die besondere Eigenthümlichkeit, daß sie, von vorwärts oder rückwärts gelesen, sich immer gleich bleibt; ja । man kann sie sogar auf den Kopf stellen und auch hier von links nach rechts oder von rechts nach links lesen — immer bleiben achtzehnhunderteinundachtzig. Gelegenheit zu dieser Zahlenspielerei haben nur wenige Jahreszahlen geboten.
— (Heine nochmals confiscirt.) Wie man dem „B. T." aus Hamburg schreibt, wurde dort in Folge einer von Berlin ans gegebenen Veranlassung bei den Verlegern Heiue's, den Buchhändlern Hofmann und Campe, diejenigen Bände von Heinrich Heine's Werken polizeilich beschlagnahmt, in welchen sich die „Schloßlegende" befindet.
— (lieber Eisenbahn-Unglücke) liegen wieder zwei Mii- theilungen vor. Die eine aus Ostercappeln vom 26. December lautet: „Ein schreckliches Eisenbahn-Unglück hat sich in letztvergangener Nacht auf der Köln-Mindener Eisenbahnsttecke zugetragen, indem eine Locomotive auf den von Bohmte heraufkommenden Güterzug fuhr. Locomotivführer, Hetzer und zwei Bremser sind schwer verwundet nach Osnabrück trans- portirt, die ersteren Zwei sollen bereits gestorben sein. Etwa 20 Güterwagen sind umgeworfen und verhindern den Verkehr. Zur Räumung des Geleises sind Mannschaften von Osnabrück herangezogen." Die andere kommt ans Petersburg und berichtet über ein furchtbares Eisenbahnunglück, das sich auf der Strecke Tamboff-Saratoff ereignet hat, indem eine Brücke unter der Last eines über dieselbe fahrenden Eisenbahuznges zusammenstürzte, wodurch zwei mit Passagieren besetzte Waggons in die Tiefe stürzten und total zerschmetterten.
— (Recht gemüthlich scheint das Verhältniß) zwischen Arbeitern und deren Vorgesetzten in den russischen Fabriken, Offizinen u. s. w. zu sein. So finden wir im „Petersburger Herold" am Montag folgende bezeichnende Notiz: „In Folge der Sonntagsstimmung sind von den Setzern die vom Corrector bewirkten Corrcctnren in unserem heutigen Montags- bkatte nicht ausgeführt worden, so daß z. B. der in unserem heutigen Montagsblatt gebrachte Aufsatz: „Aiwasowskij-Ausstellung" so von Druckfehlern wimmelte, daß wir darauf verzichten müssen, sie einzeln zu berichtigen." _______
* Schiffs-Nachricht. Dampfer „Scholten" von Rotterdam am 28. De- cember wohlbehalten in New-Uork angekommen.
und Blut gemacht, weder im sentimental-stimmenden Mondenscheiu gewoben, noch auf der Drehbank des Tingel-Tangel gedrechselt und verschnörkelt, und die bewegende Handlung ist aus dem Familienleben herausgeschält. Man glaube nicht, so etwas sei mouotan, bewahre, das Leben ist so unendlich vielgestaltig, und warum sollte eine dementsprechende dramatische Behandlung nicht ebenso sein können? Freilich fehlt ihm das Clownhafte des Moser-Schönthan'schen Zuschnittes; wer aber solches sucht, möge lieber seinen Gaumen int Circus kitzeln. Wir wollen die Handlung von „Haus Lonei", die eigentlich aus drei ineinander gewobenen Vorgängen besteht, nicht nacherzählen, sondern nur bemerken, daß der erste Akt die Haupthaudlung nicht exponirt, was wir, streng genommen, der Veranlagung zum Vorwurf aurechnen müssen. Erst im zweiten Akte beginnt das wirkliche „Haus Lonei" vor uns zu treten; von da ab aber ist die dramatische Cmttmckelung musterhaft, und die Charactere, namentlich der alte „Lonei", treten gesund, lebenswahr und doch originell uns vor die Augen. Die Sprache ist schlicht und wahr, dabei stylistisch wohl gepflegt; der Ernst der Situation ist ergreifend, aber auch wieder gemildert durch den natürlichen Humor, deffen Hauptträger der ohrlich-dumme, gut- müthige und doch so gemüthliche „Hummel" ist. „Haus Lonei" stellen wir selbst höher als „Dr. Klaus" und „Wohlthätige Frauen". Gespielt wurde das Stück durchweg vortrefflich, namentlich in den zwei Hauptrepräsentanten des Ernstes und des Humors, den Herren K ö ch y (Lonei) und G r o b e ck e r (Hummel). Auch die Jnscenirung war gut. Möge unsere Regie im neuen Jahre statt der übermäßigen Bezüge aus den Tantidmenfabriken nur einzelne solcher Gebilde bringen, wie das besprochene und unser Schauspiel wird einen besseren Aspekt gewinnen. „Woher nehmen?" wird man fragen. Man suche nur; es ist uns manche bessere Quelle, die im Verborgenen fließt, vorgekommen. Natürlich müssen solche lauteren Quellen versiechen, wenn man mit den trostlosen Fabrikarbeiten, wie sie G. Römer in seinem sathrischen Dramolet ,,'a la mode“ trefflich geißelt, fortwährend liebäugelt; verschließt man aber solchen prinzipiell die Pforten, so wird dem Besseren schon der Weg gebahnt werden.
* (Repertoir des Mainzer Stadttheaters bis zum 4.1 an.) Freitag den 31.: „Lumpaci Vagabundns". Samstag den 1. Januar Nachmitttags 3 Uhr: „Klein Däumling, Rapunzel mit dem langen Haar und Riqnet mit dem Schopf"; Abends 6V- Uhr: „Boccaccio". (Gastspiel des Frl. Agnes Kaps.) Sonntag den 2.: „Aida". Montag den 3.: „Der Zugvogel". Dienstag den 4.: Oper.
* (Der Tenorist Albert Niemann) geht nicht nach Amerika, wie jüngst fälschlich gemeldet wurde. Der herühmte Sänger erhielt zwar von dem Jmpresairo Strakosch ein glänzendes Angebot, allein die Unterhandlungen haben sich zerschlagen.
* (Die Sammlung für Professor Dr. Mommsen) zum Ersätze des ihm bei dem Brande seiner Bibliothek zugefügten Schadens hat nicht 106,000 Mark ergeben, wie ursprünglich erklärt wurde, sondern hat, wie jetzt bekannt wird, „die Summe von 180,000 Mark erreicht".
