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Wiesbadener Lagblatt.
No. SS8
oft’ den extravaganten Hütformen, -welche in diesem Sommer gang und gäbe waren und den Styl aller Jahrhunderte copirten oder parodirten wird blos die Form „Directoire*1 fortbestehen, welche auch die einzige ist die zu eng anliegenden, allen Aufputzes baaren Kleidern paßt. Die Frisur i der Datum wird, im altgriechischen Style gehalten sein, platt ohne Ein- ' lagen, kurze Löckchen Wer der Stirne, längere Locken im Nacken, das Haar i mi+ schmalen farbigen Bändchen ourchfiachten oder durch einen goldenen i oder silbernen Reif ^usammenachalten. (Pariser Fmill.).
j — (Unsere Jager) mögen sich trösten, denn in Frankreich sind i Rebhühner in diesem Jahre ebenso seltene Erscheinungen wie in Deutsch- i land. Ei« Rebhuhn, kostet in Paris 7 Francs. Fasanen sind fast gar nicht ! aufzutreiben. In Deutschland, wird der Mangel an Rebhühnern fast auf ! allen Jagdrevieren beklagt. In der Mar? tote am Rhein bekommen die Jagdlnstigen so selten ein Rebhuhn zu Gesicht, daß ein enragirter Nimrod neulich vorschlug, die Gemeinden sollten jedem Rebhuhn, das sich blicken lasse, eine Prämie zahlen.
— (Signal-Apparat für Schiffe.) Kapitän Barker, dessen Aufmerksamkeit durch den Verlust der „Pommerania" im Kanal vor einigen Zähren auf die unsichere Wirkung der Schiffssignale gelenkt wurde, hat einen Apparat construirt, der in Verbindung mit dem Steuerruder durch einzelne längere oder kürzere Töne der Dampfpfeife die vom Schiffe eingeschlagene Richtung anzeigt. Seine erste Maschine, welche im Jahre 1878 in der Maritime Exchange ausgestellt war, entsprach jedoch nicht den gehegten Erwartungen. Seitdem arbeitete er unermüdlich an der Vervollkommnung derselben, und vor zwei Wochen gelang es ihm, einen Apparat herzustellen, der von Fachmännern geprüft, allen Anforderungen zu ent- ' sprechen scheint. Diese Vorrichtung, welche die Signale durch die Dampft pfeife oder das Nebelhorn ertönen läßt, hat eine cylindrische Form und wird senkrecht auf den Boden gestellt. Auf der oberen Fläche befindet sich eine drehbare kreisförmige Scheibe, auf welcher acht Punkte der Windrose ausgezeichnet sind. Indem man diese Scheibe nach rechts oder links dreht, UUd das Schiff einen dem entsprechenden Kurs eiuschlägt, wird durch einige kürzere ober längere Töne der Pfeife ein Singnal gegeben, das für eine bestimmte Richtung des Schiffes ein für alle Mal festgesetzt ist. Nachdem ! dieses Zeichen gegeben ist- ist die Maschine für jedes andere bereit, sobald \ die Scheibe wieder nach der einen oder anderen Richtung gedreht wird. I Schiffe, die sich im Nebel begegnen, können auf diese Weise ganau ihre t gegenseitige Stellung und Richtung bestiuimen, wodurch Eollisionen ver- 1 uneben unb bte Gefahren ber Schifffahrt vermindert werden.
! —(Das kleinste Dampfboot,) das je den atlantischen Ocean
! gekreuzt, dürfte die Dacht „Anthracite" sein, welche am 14. b. M. in Fal- i mouth landete unb bte Ueberfahrt von Philadelphia in 22 Tagen ; 14 Stunden gemacht hatte. Der Seeweg beträgt 3316 Meilen, davon ! wurden 3126 per Dampf und 190 per Segel zurückgelegt. Der Kohlen- i vorrath des Wtiniaturschiffes betrug 25 Tonnen. Weder an der Maschine noch an dem Kessel passirte das Geringste. Das Wetter war zeitweilig sehr i schlecht, iodaß es der ganzen Gewalt der Segel und des Dampfes bedurfte, > um die Dacht aufrecht zu erhalten.
— (Vernichtung der Apfelsineu-Ernte in Florida.) In 1 Washington eingetroffeneu Privatnachrichten zufolge ist der Orkan, der kürz- - lich an der Küste von Florida gcwüthet und dem verschiedene Fahrzeuge zum Opfer fielen, auch über das Festland von Florida dahingezogen und hat die Orangenbäume daselbst fast aller Früchte beraubt. Der Sturm soll ein so weit verbreiteter gewesen fein, daß an der gänzlichen Zerstörung der j diesjährigen Apfelsinen-Ernte nicht zu zweifeln ist. Die Saison war eine i ungewöhnlich fruchtbare und waren die Früchte bereits vollkommen aus- , gewachsen, doch liegen dieselben jetzt am Boden und können nicht verwerthet > werden. Nach gemachter Schätzung würde die diesjährige Ernte etwa eine Million Kisten Apfelsinen ergeben haben, doch zweifelt man jetzt, ob genug i übrig geblieben ist, um eine Versendung nach bett nördlichen Märkten zu ; ermöglichen. Der durch den Sturm angerichtete Verlust wird auf 1,500,000 t Dollars veranschlagt.
;■ — (Ein lustiger Druckfehler.) In der Liste ber bei ber Wiener
' Gewerbe - Ausstellung Prämiirten wirb auch ber Bürstenfabrikant Be- dronek aufgeführt. Nun reelamirt ber genannte Herr, baß er nicht : Bürsten-, sondern k. k. Salon-Büsten-Fabrikant sei, was denn doch ein . wesentlicher Unterschied ist.
l — (Zur Aufbewahrung und Versendung frischer Fische) ■ empfiehlt die Londoner „Fishing Gazette" Fischern und Fischhändlern als | bestes Mittel das von der Antitropic-Comp. in Glasgow in den Handel i gebrachte Glacialine. Letzteres wird in Wasser aufgelöst, die Fische werden t — ohne vorher ausgenommen zu sein — in die Flüssigkeit gebracht, einige - Zeit, je länger je besser, darin gelassen und sind dann, ohne im Mindesten ; an Schmackhaftigkeit zu verlieren, auf lange Zeit gegen Verwesung 0es ' j schützt. Ein einstündiges Einwässern erhält die Fische mindestens etne : ! Woche länger frisch, als cs ohnedies ber Fall sein würde. Das MM , ' ist übrigens auch in gleicher Weise bei Fleisch und Geflügel anwenbbar.
Bermischtes.
— (Finanzminister Bitter verheirathet.) In Heringsdorf fand am Samstag die Vermählung des preußischen Staats- und Finanzministers Bitter mit Fräulein Clara Nehrenz statt.
— (Post-Aufträge.) Bei der vorgeschrittenen Entwickelung, welche das Postauftragswesen fett ber Einführung int Jahre 1871 genommen hat, folüe ntan meinem baft die bieserhalb veröffentlichten Bestimmungen dem hauptsächlich in Betracht kotUMenden geschäftstreibenden Publikum bereits völlig geläufig geworden seien. Dem ist aber leider nicht so, wie die nicht leiten vorkommenden Weiterungen bei Einziehung von Wechseln mittelst Post- auftrages beweisen. In dieser Beziehung gestatten wir uns, tat allgemeinen Interesse besonders auf einen Punkt aufmerksam zu machen, ber ben Stein des Anstoßes bildet. Eine Anzahl größerer Firmen, welche ein Giro-Conto bet einem Bank-Institut ober einer sonstigen großen Firma haben, belieben es, bte Wechsel in der Weise zu acceptiren, daß sie dem eigentlichen Aceept den Vermerk hinzusetzen „zahlbar bei der x Bank", ober „bet Herrn N. N." ' Aussteller des PostatiftraW kümmert sich aber sehr häufig nicht um dtesen Vermerk, sondern fertigt bett Postauftrag für den Bezogenen- Der Briefträger muß die Einziehung des Betrages natürlich bei der in dem Postauftrage bezeichneten Person versuchen. Letztere weigert aber die Zahlung unter Hinweis auf die im Wechsel angegebene Zahlstelle oder wird auch wohl öfters nicht angetroffen, was namentlich daun vorkommt, wenn ber Postauftrag an einem Samstag zu besorgen unb ber Bezogene Israelit ist, mdem bte Mischen Firmen bes Samstags ihre Comptoire meistens schließen. Die Wechsel wanbern bann in ber Regel in die Hände des Notars zur Protestaufnahme, was ben hochachtbaren Firmen selbstverstänblich sehr unangenehm ist und Beschwerden veranlaßt, die von der Postbehörde unter Hinweis auf die Bestimmungen der Postordnung als unbegründet zurück- getotefen werden müssen. Um solche Weiterungen von vornherein zu vermeiden, würde es sich empfehlen, wenn in dem vorangegebenen Falle der letzte Inhaber des Wechsels den Postaustrag auf die in demselben angegebene Zahlstelle ausfertigt, in welchem Falle bann bie Vorzeigung des Postauftrages bet letzterer wirklich erfolgt. Anbererseits mußten bie Wechselbezogenen sich boch auch gegenwärtig halten, daß ber Briefträger bei Einziehung von Gelbern sich lebiglich an bie von bem Auftraggeber auf beut Postauftragsformulare bezeichnete Person zu. halten hat, baß eine Prüfung unb nähere Besichtigung ber Anlagen des Postauftrages dem Postbeamten überhaupt nicht zusteht, und daß daher der Bezogene auch nicht beanspruchen darf, der Briefträger solle das Geld bei einer ihm bezeichneten dritten Zahlungsstelle abheben. Es würde für den Postbetrieb erleichternd wirken, wenn die Postaustalten bei sich barbietenber Gelegenheit in vorstehendem Sinne auf bie beteiligten Kreise einwirken möchten.
m — (Die Mainzer Rheinmühlenbesitzer) finden sich durch die Verfügung, binnen 4 Wochen ihre seitherigen Plätze auf dem Rheine zu raumen, sehr geschabigt unb werben dieser Tage eine Beschwerbeschrift an bas Großh. Hess. Ministerium abgeben lassen unb in derselben nm Aufschub ber Verfügung ersuchen.
— (Für deutsche Auswanderer.) Leider wenden sich noch immer zahlreiche deutsche Auswanderer nach Brasilien. Angesichts dieser Thatsache und angesichts des Umstandes, daß Viele bei ihrer Ankunft bestohlen werden, teilt die „Deutsche Allgemeine Zeitung" von Rio de Janeiro folgende Regeln mit: „1) Man soll stets, sowohl während der Reise, als auch im Hafen, über sein Gepäck wachen oder wachen lassen und dasselbe auf keinen Fall ohne Aufsicht an Bord eines Dampfers zurücklassen; 2) ber Einwanberer soll sich möglichst wenig mit ben ihm fremden Mitreisenden einlassen, namentlich in Brasilien, wenn es brasilianische Soldaten sind; 3) an den Umladestellen genau auf die richtige und vollständige Umladung seiner Gepäckstücke Acht geben und lieber dreimal fragen, als einmal unrichtig umlaben lassen; 4) wenn das Gepäck durch irgend einen Zufall ober sonstwie auf einen unrichtigen Dampfer übergeladen und bie nachträgliche Berichtigung wegen Zeitmangel nicht mehr möglich ist, so tut der Einwanderer besser, mit seinem Gepäck nach dem unrichtigen Bestimmungsort zu reifen, indem er dem Commandanteu des Schiffes von dem Vorfälle sofort Anzeige macht, anstatt sein Gepäck im Stiche zu lassen. Im Allgemeinen sei noch erwähnt, daß die in Rio be Janeiro (?), Porto Alegre, Rio Granbe do Sul, sowie an anderen Orten Brasiliens bestehenden Zweigvereine des in Berlin seinen Hauptsitz habenden „Ceutralvereins für Handelsgeographie und zur Förderung deutscher Interessen im Auslände" den ankommenden Einwanderern gern und unentgeldlich jedwede Auskunft und Rath erteilen, namentlich in Betreff ber zu wählenden Colonien, Umsatz von fremden Gelbsorten, Nachweisung einer vorläufigen Herberge u. s. w., wie es überhaupt eine ber Bestrebungen ber Zweigvereine ist, die mit den Verhältnissen unbekannten Einwanderer vor Uebervortheilung aller Art nach besten Kräften zu schützen. Speziell für die in dem Hasen von Rio Grande do Sul ankommenden Einwanderer sei noch hinzugefügt, daß der Secretär des dortigen Zweigvereins täglich von 11 Uhr Vormittags bis 3 Uhr Nachmittags in der Kanzlei des deutschen Consulates in Rio Grande zu finden ist."
— (Auswanderung.) Aus K ö l n wird mitgetheilt: „Die Auswanderung nach Amerika ist wieder sehr stark. Seit acht Tagen bringen die Dampftchiffe täglich ans dem Oberlande eine Menge von Auswanderern."
—(NeueMod em) „Sancta simplicitas!“ so wird im nächsten Winter bte Devise ber Pariser Damenwelt lauten. In ben Seebädern Md bereits schüchterne Versuche dieser Reform gemacht worden und haben ungeteilten Beifall (namentlich seitens der Ehemänner) gefunden. Die Kleiderrocke sollen m diesem Winter ganz glatt, ohne Schärpen, Fransen
blos ein schmafts Plissö am Saume wird ge- . _________ ......, ..
ftattet sein; bte Schleppe ist ausschließlich für die Soiröe Vorbehalten. Von i armer Thomas, wäre gewiß noi
— (Höhere Kriegskunst.) „Kanonier Knaller, kann Er mir also angeben, Bei welchen Gelegenheiten außer im offenen Felde wir die gezogenen Geschütze noch mit Vorteil verwenden können?" — Kanonier: „Ja, in der Kaserne zum Compagnie-Wäscheaüfhängen." . „
— (Zweifelhafte Schmeichelei.) Doetor: „Liebe Frau, den schwierigen Fall, von dem ich Dir erzählte, habe ich glücklich überwaltigi- Der Patient ist knrirt, gesund und munter." — Fran: „O, mein lieber Kart, Du bist der geschickteste Arzt weit und breit! Ach hätte ich Dich nur fum Jahre früher kennen gelernt, ich glaube gewiß, mein erster Mann, ntetn armer Thomas, wäre gewiß noch am Leben!"
