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Wiesbadener Tagblatt.

Seite 8

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Für die Herausgabe verantwortlich: Louis Schellenberg in WieW

«Die -eatige Rammer eachSU 12 Beite»».)

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Handel, Industrie, Statistik.

* (Für Weinbautreibende.) Um eine möglichst große Zahl von Reblauskennern heranzubilden, ist von Seiten des deutschen Weinbau- Vereins eine kleine Anleitung nebst Zubehör verfaßt worden, welche die Arbeiter in den Weinbergen in den Stand setzen soll, etwa vorhandene reblausverdächtige Erscheinungen zu erkennen, damit solche rechtzeitig zur Anzeige gebracht werden. Vermittelst dieser Anleitung sowie der beiäegedenen Präparate wird es den täglich in den Weinbergen verkehrenden Arbeitern ermöglicht, sich hinsichtlich des Auftretens der Phylloxera genügend zu in- formiren und alle wahrnehmbaren verdächtigen Erscheinungen zu verfolgen. Da erwiesen ist, daß es nur dann möglich sein kann, eine Vernichtung der Weinberge durch die Phylloxera zu verhindern, wenn es gelingt, etwa vor­handene Anfänge einer Jnfection aufzufinden und zu beseitigen, dies aber am stchcrsten nur dadurch erreicht werden kann, wenn die ständig in den Rebenanlagen verkehrenden Arbeiter hinreichende Kenntniß über die reblaus­verdächtigen Erscheinungen besitzen, so empfiehlt es sich für alle Weinbergs­besitzer, insbesondere aber für die Mitglieder der besonderen Lokalauffichts- Commission, diese von dem deutschen Weinbau-Verein verfaßte „Anleitung für den Winzer zur Untersuchung reblausverdächtiger Reben", welche nebst Zubehör durch das Bureau des deutschen Weinbau-Vereins in Karlsruhe zum Preise von 2 Mark zu beziehen ist, sowohl zum eigenen Gebrauche als auch für ihre Weinbergsarbeiter anzuschaffen.

— (Eintausend Monate alt.) Ein Danziger Abonnent des „Berl. Tagebl." hat darauf aufmerksam gemacht, daß Kaiser Wilhelm am 22. d. Mts. eintausend Monate alt geworden ist.

— (Ueber die Insel Mainau,) den allsommerlichen Aufenthalts­ort unseres Kaisers, an dem derselbe auch dieses Jahr in den Tagen vom 14. bis 18. Juli verweilte, bringt der „Schw. Merkur" folgende interessante Skizze: „Das schwäbische Meer ist reicher, als viele andere Seen an Schlössern und Villen gekrönter Häupter und hoher Herrschaften. Kein hochadeliger Sitz übertrifft jedoch an Reiz und Schönheit die Perle des Ucberlinger Sees, die liebliche Mainau. Die Insel ist von außergewöhn­licher, duftiger, idyllischer Schönheit, ein Fleckchen deutscher Erde, das wie geschaffen scheint, zur Erholung des greisen deutschen Herrschers dienen zu dürfen. Das minne- und liederreiche Mittelalter wob manche schöne Sage um solche hochbegnadete Stätte, und so ist es undenkbar, daß die liebliche Mainau leer ausgehen sollte. Die Insel Mainau ging in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von dem Kloster Reichenau als Eigenthum an den Deutsch-Orden über und blieb in dessen Besitz bis 1806, wo die Kommende durch den Preßburger Frieden an Baden fiel. Der letzte Com- thur Reich v. Reichenstein erhielt eine Pension und starb auf der Mainau 1819. Fürst Esterhazy kaufte die Insel 1827 vom Staate um 65,000 st. und nach mehrfachem Wechsel des Eigentümers kam das schöne Eiland 1853 an den jetzigen Großherzog Friedrich von Baden. Seft dieser Zeit hat die Insel an Schönheit und Lieblichkeit außerordentlich gewonnen. Un­gemein frisch und anmuthig hebt sich die ungefähr l'h Stunde im Umfang große Insel wie eine blühende Terrasse aus dem klaren See empor. Ueppige Wiesen, reiche Aecker, rebenbelaubte Weinberge, lachende, rosenduftende Gärten, lauschige Gebüsche und schwertragende Obstbäume breiten sich vor unseren Augen im reizendsten Durcheinander aus. Ganz besonders male­risch bietet sich die Insel von der Seeseite dar. Sanft steigen die grünen Ufer empor; auf den Abhängen gruppiren sich Obst- und Waldbäume freundlich unter- und nebeneinander. Zwischen dem bald helleren, bald dunk­leren Grün der Hecken, Stauden und Gebüsche lugen ehrwürdige Ueberrestc dahingeschwundener Zeiten hervor, Gräben, Mauern, Basteien, Thürme, umhaucht von der noch immer mächtigen Poesie des Ritterthums. Würde­voll ragt das deutsche Ordensschloß empor, sein wohlgetroffenes Spiegelbild im klaren See betrachtend. Die schönste und umfassendste Aussicht bietet sich "vom Ballone des Spcisesaales im dritten Stockwerke des Schlosses dar. Auch vom Garten aus, wo der erratische Bock liegt, ist die Fernsicht prächtig. Von der Höhe des Balkons blicken wir tiefaufathmend wett, weit hinaus über den See auf die gegenüberliegenden Ufer und deren malerischen Hintcr- «rund. Links gegen Norden zeigen die weißen Felswände ober- und unter­alb Sipplingen; auf ihnen liegt der Haldenhof und die gebrochene Burg des liederreichen Minnesängers Burkhard von Hohenfels. Höher am See hinauf, tief in den weichen Molassefelsen eingegraben, erscheinen die räthsel- haften Heidenlöcher, und stattlich, im Bewußtsein seiner ehemaligen reichs­städtischen Würde, liegt das vielbesuchte Ueberlingcn. Manches Schloß, manche Burg, Kirche und Höhe recht sich in buntem, reichem Kranze an. Blicken wir gegen Osten, so erreicht das Auge kaum das Ende des Sees, da? vom stattlichen Pfänder und dem reizend belegenen Bregenz begrenzt wird. Und über den circusartig emporsteigenden Ufern des SeeS erheben sich in würdevoller Majestät die Fürsten der Gebirgswelt, gewalttge schnee­bedeckte Alpen. Das Schloß steht mit der Hauptfa?ade gegen Osten; rechts und links schließen sich rechtwinklig zwei Flügel an; es besteht aus rothem Sandstein und wurde von dem Archrtekten Bagnato im Style des 18. Jahr­hunderts erbaut. Die großherzogliche Familie bringt jedes Jahr einige Monate auf der Insel zu. Im engsten Kreise seiner Familie, von nur wenigem Gefolge umgeben, verlebt auch der Kaiser fast alljährlich hier einige Zeit bei feiner Tochter, der Großherzogin, in ungezwungenem, äußerst gemächlichen Familienleben."

(Vielversprechend.) Die kleine Elly hat von Onkel ein GlA Wem erhalten, das sie gleich an die Lippen führt. Aber sie soll bot ihr „Ich danke" sagen. Darum fällt der Onkel ihr in den Arm, m° r freundlichen Frage: „Elly, wie sagt man?" Elly (verständnißvoll i« ;Qf, „„.... —____ __________________ ________aufblickend): „Prost!" (Schalk.)_____________________________

Druck und Verlag der L. Schellcnberg'schen Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden. —

c. « ®18CV,tc Wilderei.) Aus Mainz, ^JÜlhschE^^ »In Folge der vielen vorgekommx v Wilddiebereien in dem Kreise hat sich das hlestge Kreisamt veranL^sehen, ein Localreglement für h L- Kreis Mainz zur Verhütung von Wllddic^ei einzuführen. Nach dies« Reglement muß Jeder, welcher Roth-, Dam- ou-.-. w^xb sowie tw in die Ortschaften einbringt, oder außerhalb der Ortfcyjfen trantte sofort, insofern er nicht in Diensten des Jagdberechtigten ur-.-, m,Lr aus Erfordern nachweist, oder insofern dieser selbst nicht anwesem>stst, einer Bescheinigung des Letzeren oder dessen Jagdaufsehers verschen oller worin der Name des Transportanten, der Bezirk, aus welchem das l stammt, und der Tag der UeBergäbe genannt sind. Dieser Schein i allen Steuer- und Octroibeamtcn, sowie den Polizei-, Forst-, Jagd-1 Feldschutz verpflichteten Personen vorgezeigt werden. Zuwiderhandlun gegen diese Bestimmung werden mit 5—30 M. oder entsprechender . bestraft; besteht Zweifel über die Rechtmäßigkeit des Erwerbs Wild, so kann sogar eine vorläufige Confiscatton desselben angeofl werden. Auf Wild, welches durch die Eisenbahn oder die Post transpot wird, findet diese Bestimmung keine Anwendung."

— (Vor dem Schlafen bei offenem Fenster,) welches bet kannte Hygieinist Sanitätsrath Dr. Niemeyer als durchaus gesundhej fördernd anempfiehlt, wird in Berliner Blättern durch MitM eines — die Richtigkeit desselben vorausgesetzt — allerdings sehr Beb lichen Unglücksfalls gewarnt. Man berichtet: „Die 18 Jahre alte To des Gerichtsrath M., die sich zum Besuch bei Verwandten hier aus! erwachte am Freitag Früh 4 Uhr durch ein heftiges Brennen in den A und bemerkte zu ihrem Entsetzen, daß sie nicht sehen konnte. M j Aufschrei: „Ich kann nichts sehen!" weckte sie die Verwandten und in dadurch eine ungeheuere Aufregung in die Familie. Der sofort ht t hx geholte Arzt schrieb den beklagenswerthen Zustand heftiger Erkältung 1 i die Nachtluft zu und sprach die Befürchtung aus, daß eine gänzlichi , , blindung nicht ausgeschlossen sei. ttzti

— (Zum Postdiebstahl in Schw erin.) Der wegen des Pvi stahls in Schwerin in Untersuchung gezogene Postschaffner a. D. S j zgg hat am 15. d. Mts. im Verlaufe eines längeren Verhörs vor dem 1! ■ suchungsrichtcr, zu welchem auch die der Hehlerei in dieser Sache 6 geständige Frau des Angeklagten zugezogen war, nach längerem L« die Urheberschaft der That emgestanden. In Folge dieses Geständ wurden sofort vier andere Personen, welche glerchfalls als der Thlü 3J. dächtig in Haft genommen waren, aus dieser entlassen. ißt

— (Orkan.) In Traunstein wurde am 18. d. Mts. durch tQU Orkan die Dachung des Bahnhofgebäudes zusammengerollt und den Dachungen mehrerer Privatgebäude auf die Straße geworfen Bäume wurden entwurzelt.

— (Die größten Städte Nordamerikas.) Nach der nt 645 Zählung beziffert sich die Einwohnerzahl der größten Städte Nordan — folgendermaßen: New-Fork 1,207,000, Philadelphia 850,000, Br 560,000, Chicago 475,OuO, St. Louis 375,000, Boston 360,000, Bal „ 350,000, Cincinnati 250,000 und endlich Washington, die Hauptsta Te< Union, 150,000 Einwohner. _ ) c

in der Scene, in welcher Othello das Tasch« $er t und wiederholt schrie: „The handkerchief! ' l «u.iuiub gu. „iieTcr luiuti uuo uauuKeruuiei ; viuw vuin uvoJ h't your fingere, and go on with the play 1“ (Kümmere Dich nicht »«■ 5t Taschentuch; schnaub' Dir die Nase mit den Fingern und spiel' wen« 5

(Von der amerikanischen Wüste.) Im Westen bet « einigten Staaten befinden sich Landstrecken in der Ausdehnung von Millionen Acres, die fast werthlos sind, wenn man ihnen nicht ki die erforderliche Feuchtigkeit zuführt. Dieser trokene Landstrich umfa Millionen Acres in den Terrttorien von Arizona, Dakota, Jdecho, Mo», Neu-Mexico, Utah, Wyoming, und den Staaten Colorado, Nevada, M» formen, Kansas, Nebraska, Oregon, Texas, sowie dem Indianer! Verkauft ist noch nicht ein Prozent von diesen Ländereien. Wie es ft bestehen 200 Acres derselben aus GebirgSterrain, an dessen Bewirthscha!^___

auch bei ausgiebiger Bewässerung nicht zu denken wäre. Von dem üb Theile repräsentiren 209 Acres Wüstland oder sind mit Lava oder bedeckt, sodaß eine culturfähige Schicht gar nicht vorhanden ist. Der । ” 500 Acres ausmachende größere Theil läßt sich indeß bei entsprecht Bewässerung jedenfalls sehr gut verwerthen. Es sind schon mehrere tai Acres durch Flußableitung in gutes Fruchtland umgewandelt wo allein diese Methode läßt sich höchstens auf 15 Millionen Acres anw« bc. So bleiben 485 Acres übrig, die einstweilen nur als Weideland bt werden, und auf denen die Vegetation so arm ist — daß sie kaum 25 Werth rcpräsentirt. Alles, was erforderlich ist, ist Wasserversorgung. — Regierung der Vereinigten Staaten beabsichttgt nun, versuchsweise orti Ä Brunnen anlegen zu lassen, und zwei im Osten und drei im Westen der! M Mountains, um auf diese Weise der Lösung des Problems sich zu m , <. das in der Urbarmachung dieser amerikanischen Wüste besteht. .

— (Ein ungeduldiger Zuschauer.) Ein Bauer, der vs »• nie ein Theater besucht hatte, wohnte in einem im fernen Weste« Amerika gelegenen Städtchen einer Vorstellung von „Othello" hei. ® stark aufgeregt rief er t„ 5,. O...... ~ ' r

der Desdemona fordert und wiederholt schrie.

Darsteller zu: „Never mind the handkerchief; blow your nose