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Montag. 19- Oktober 1914.
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Uv. 488. o 62. Jahrgang.
Kbend-Kusgabe.
Der Krieg.
Der Tagesbericht vom Sonntag.
ltt ß*iffc bei Lille mit schweren französischen Verlusten zurückgcworsen. Vom Osten nichts Neues.
T.-B. Grußes Hauptquartier, 19. Okt., ^Mittags. (Amtlich.) Angrisfsversuche des ^"des in der Gegend westlich nnd nordwestlich von ^ von unseren Truppen unter starken Verlusten für v Gegner abgewiesen.
Auf dem östlichen Kriegsschauplatz ist die Lage un- ^ändert. O b c r st e Heeresleitung.
Tin schmerzlicher Verlust zur Lee.
^ier deutitt e Torpedoboote untergeyangen. UV. 7.-8. Berlin. IS. Okt. (Amtlich.) Am 'Okt., nachmittags, gerieten unsere Torpcdo- '"vte 8. ||5 8. ji7, 8. IIS nnd S. 119 «n- 7" der holländischen Stifte tu Kampf mit dem Wische» Rrcnzer „Nrivannted" nnd vier engten Zerstörer». Nach amtlichen eng U ichen Gchrichtcn wurden die denrschen Torpedoboote ^»> Sinken gebracht; von ihrer Besatzung "kden 31 Man» in Ettgla d gelandet. Ttellvertrerer des bhefs des Admiralstavs: gez. Bchncke.
Die Ungleichheit des Kampfes.
(Von unserer Berliner Schriftleitung.)
[■,. Berlin, 19. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.)
, ^ das Seegefecht an der holländischen Küste vom 17. d. M. ^den Einzelheiten nicht vor dem Ende dieses Krieges Mdet werden rönnen. Die vier untergegangenen dent- ^Torpedoboote „81b, „8 H7", . 8118" und, „8 119 dir einzigen beteiligten Streitkräfte. Im Gegensaq zu ^^NMndern haben sie sich ohne Begleitung, eines, großen soweit vorgewagt und erst die Überlebenden, t'^'e gemeldet, als Kriegsgefangene nach England ge..
; hiorben sind, werden bei ihrer Heimkehr Einzelheiten L Kampfe berichten können. Fest steht einstweilen daß die deutschen Torpedoboote wieder gegen eine e r. ," 1 'che Übermacht zu kämpfen hatten. Der englische ^Vtzte Kreuzer „Undaunted" ist erst Ende April vom gelaufen und wohl erst während des Krieges m i. "st opft-orn- rtK rr rr n z ne u c s Schiff. Der
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^.Geschwindigkeit voii 19 Seemeilen hat er eine Wapcr- ;O°ngung von 3560 Tonnen und- eine Bestückung von zwei ^ Zentimeter- und sechs 10 , 2 -Zcntimcter-Geschützen. Die .^glischen Torpedobootszerstörer waren aber auch an sich "sichen Booten weit überlegen. Es waren die Schiffe Ct nc ?", „Lennox", .Legion" und „Loyal". Alle vier Boote lauesten Klasse. Sic sind erst 1918 und 1914 vom h X. eI gelaufen, baben je 980 Tonnen Wasserverdrängung, Seemeilen Geschwindigkeit, drei 10,2-Zentimeter-Geschütze kJ" 100 Mann Besatzung, während die deutschen 8- il, au§ den Jahren 1902 und 1908 stammen, also zu den 'sm 6 X t e 11 Torpedobooten gehören, die wir haben und nach ^ Rottengesetz bereits ersatzpflichtig gewesen sind. h„Ii7?utschen Boote waren kaum halb so groß, wie die pichen. Sie hatten über 400 Tonnen Wasserverdrängung, eine weit geringere Geschwindigkeit (26 Meilen), k ^ere Artillerie (drei' 5-Jentimeter-Geschütze) und enb- Ljx°"ch eine geringere Besatzung (nur je 56 bis 60 Maun). »it ?'chtigkeit der englischen Angaben vorausgesetzt, haben :^°"nach bei dem Kampfe einschließlich der Gefangenen "0g und 11 Offiziere verloren.
'fe neue große Zchlucht in Gslizien.
.st'c großen Verluste der Russen bei Przemysl.
^ Wien, 18. Okt. (Nichtamtlich.) Amtlich
lltstr ^kautbart: 18. Oktober, mittags: Unsere An-
>»!>^ in der Schlacht beiderseits der Strwiaz-Flnsses k,jbN gestern fortgesetzt und gelangten stellenweise bc- tz? aiq hie feindlichen Linien heran. An einzelnen stj^ien arbeiten sich unsere Truppen wie im Fcstungs- !}J E "nt Laufgräben bor. In der vergangenen wurden mehrere Angrifssversnche der Russen tt„; , l R aBae totefen. Auch heute ist die Schlacht
Unsere schwere
hat eingegrifsen. t;T* e Verfolgung des nördlich W h s k o to geworfenen sts wird fortgesetzt. Andere Teile unserer über
st"-.!
- ^"rpaihrn vorflcrückten Kräfte sind bis Lubicnce ( Höhe nördlich Orow, nnd in den Raum von ^.vorgcdrungcn.
Verluste der Russen bei ihrem Angriff auf t( ftu )sl werden auf 10 0 0 0 Tote und V erw u-n
E geschätzt.
Ter Stellvertreter des Ehefs des Generalstahs v. H ö f e r, Gcnernlmaior.
Der Kampf um Kiaut'Kai',
Ablehnung eines Kapitulationsangebots. Vor dem letzten Kampf?
Br. Stockholm, 19. Okt. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. Bln.) Ans Tokio wird über London gemeldet: Der Befehlshaber des japanischen Expeditionskorps habe der Besatzung von Kiautschau eine ehrenvolle Kapitulation angebvtcn. Er wolle sie nicht als Kriegsgefangene behandeln, sondern auf japanischen Schiffen durch den S u c z k a n a l nach einem neutralen Hafen im Mittelländischen Meer überführen. Der deutsche Kommandant lehnte dieses Anerbieten mit aller B e st i in m the i t a b. Gleichzeitig wurde der eingeborenen Bevölkerung freier ?l b z u g aus der belagerten Stadt zugcstandcn. Dieser Schritt wird allgemein als das Vorspiel zum letzten Kampfe angesehen, da man weist,^ das; die deutsche Garnison entschlossen ist, bis zum äußersten Widerstand zu leisten.
wqnn die Japaner die Ueberaabe Tsingtaus erzwingen wollen.
b,l. Köln, 18. Okt. Aus Tokio wird dem „Rußkoje Skowo" gekabelt: Ein japanischer Hydroplan stürzte auf einem Erkuridungsfluge.in die Straßen Tsingtaus hinab. Das Schicksal der beiden Insassen ist unbekannt. Admiral Kalo meldet erbitterte Kämpfe der japanischen Zerstörerfloitille mit deutschen Kriegsschiffen. Die Tragweite der Geschütze in den deutschen Forts übersteigt jene der japanischen Schisfs- und Landartillerie. Der Widerstand der Deutschen reizt die Japaner aufs äußerste. Die Presse erklärt einmütig, der Fall der Festung sei jetzt eine Sache der nationalen Ehre. Über 200 Seekadetien meldeten sich als „Todesfrei- willige" aus japanische Brander. Die Deutschen haben die Bergwerksanlagen in Schantung, nachdem sie dieselben geräumt, in großem Maßstabe uniermi n i e r t. Die Wiedcr- inbetriebsetzung durch die Japaner hat sehr schwere Verluste gebracht. Japanische MilitärautoritAcn erklären, Tsingtau iverde dem Mikado am 3 0. Oktober als Namenstags- gcschenk des Heeres und der Flotte übergeben werden. Über 6000 Samurai sicherten durch ihr freiwilliges Todesopfer dieses Geschenk. (?) Japanische Kavallerie nahm 82 Deutsche und Österreicher fest, die von Tientsin aus unter der Flagge des Roten Kreuzes sich nach Tsingtau begeben wollten. Deutsche und österreichische Reservisten, die von San Francisco, Honolulu und den Philippinen an Bord eines amerikanischen Dampfers sich nach chinesischen Häsen begeben wollten, wurden in Moji zur Landung gezwungen und gefangen genommen. Die japanischen Behörden schützten eine Ouaraniaueverordnung vor, um die Landung durchzusetzen.
Die vergebliche englische Jagd auf dieKreuzer „Emden" und „Königsberg."
W. T.-B. Berlin, 19. Okt. Die hierher gelangenden Londoner Blätter schreiben, die englischen Schiffahrtskrcise beunruhige es aufs äußerste, daß alle Versuche, die „Emden" und die „Königsberg" unschädlich zu machen, bisher f eh lg e sch lagen sind. Man vermutet, daß die beiden Kreuzer fortgesetzt drahtlose Meldungen der sie verfolgen den englischen Kreuzer auf fangen. Es wird jetzt Jagd gemackt auf Schiffe, die den Kreuzern als Tender dienen und zu diesem Zweck mit drahtloser Telegraphie ausgerüstet sind.
Ein Stimmungsumfchwung in Paris.
Br Rom, 19. Okt. (Elg. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die „Tritzuna" berichtet aus Paris: Tagen der
Hoffnungen sind Tage der Ungewißheit und Trauer wieder gefolgt Obwohl niemand es osten zugibt, fürchtet jeder, daß der Kampf bei Areras unglücklich nusgehen werde. Ganz Paris steht unter diesem Eindruck. Die Leute sind mißtrauisch und ungläubig geworden. Englands Beistand wird für ungenügend gehalten. Man weiß nicht, was die indischen Truppen machen. Der Generalstab halt geheim, daß sie in Lagern untergebracht, weiter ausgeüil- dct und im Schanzengraben unterrichtet werden, sich auch erst an das Klima gewöhnen müssen.
Eindrücke eines Gesterreichers in Deutschland.
Die deutsche Siegeszuversicht.
W. T.-B. Wien, 18. Okt. (Nichtamtlich) Die „Reichs- post" gibt Eindrücke von aus Deutschland Kommenden wieder. Es heißt darin, in Deutschland sei kein Mensch anzutreffen, welcher nicht von dem endgültigen Sieg der Z e n - tralmächte überzeugt sei. Dieses Siegesbewußtsein stand wie ein leuchtendes Morgenrot schon über dein Eintritt in das Wellringen von 1914. Die Deutschen pochen dabei nicht aus ihre natürlichen Tugenden und Hilfsmittel, sondern aus ihr gutes Gewisse n. N ich t weil sie den Krieg als ein Geschäft betrachten» ihren Erobe.rerdurst und ihr Rachegefühl stillen zu können glauben, sondern iveil sie den Krieg als einen Kreuzzug empfinden, deshalb halten sie sich für u n überwindbar. Aus dieser Überzeugung schöpft ganz Deutschland Kraft, Mu t und O P s er s i n n. Deshalb opfern bk. Bauersfrauen gern ihre Söhne, stellt sich der UniversitäiS- professor und der Hofrat freudig in Reih und Glied zwischen
Fuhrknecht und Packiräger, deshalb werden die Krieger ans
der Bahnfahrt !me Prinzen behandelt, deshalb glauben die Deutschen an den S,ieg ihrer Zukunft! Dabei bclvahrten sich Deutschlands führende Kreise die S a ch l i ch k e i t und R uh e, welche in dem Augenblick, wo cs sich um Sein oder Nichtsen» des Volkes handelt, der höchsten Bewunderung wert sind. Alle Hochachtung vor der Kriegskunst des deutschen General st abs, vor den 42-Zentimeter-Mörsern, der nur zwUftägilgen Belagerung Antwerpens, vor den Torpedoschüssen des „U 0"! Aber noch erhabener als die deutsche Kriegskunst erscheint die deutsche S e e l e n z u ch t. Der Patriotismus wird nicht zum Selbstbetrug, nicht zum unterschiedÄosen Haß gegen die Gegner. Eine gewaltige religiöse Woge durchftutct Deutschland. Nur die ganz Großen und die ganz Ernsten, ivelche Deutschland besaß und nvck; besitzt, haben heute Schüler und Gläubige. Der deutsche Kaiser, welcher in jeder Aussprache und in jedem Telegramm Gott gibt,^wa-> Gottes ist, ist heute ein Beispiel für das ganze völkische Empfinden, und nicht zuletzt für das des deutschen Heeres. Bismarck, welcher 1866 seiner Frau einmal schrieb: Es mutz doch ein tiefer Fonds von Gottesfurcht im gemeinen Mann bei und sitzen» sonst könnte alles nicht sein —, könnte heute denselben Scelenzustand feststellen. Auch heute ist öre Gottesfurcht dem deutschen Krieger der H a u p t q u e 1 t seiner Kraft und seines O p f e r s i n n e s.
Oie heldenmütige Verteidigung und Befreiung von przemqsl.
W. T.-B. Budapest, 18. Okt. (Nichtamtlich) Der Kriegsberichterstatter des „Az Est", der sich tvährend der ganzen Dauer der Belagerung in Przemysl befand und so Zeuge der heldenmütigen Verteidigung unserer Truppen wurde, berichtet darüber: In >der Nacht vom 6. auf iicn 7. Oktober unternahmen die Russen einen verzweifelten Sturm gegen die östlichen Forts. Zwar begann damals der russische Rückzug infolge des schnellen und überraschcuden Vormarschs der verbündeten Armeen bereits. Der Sturm vom 6. Oktober hatte zwei Ursachen, eine, daß die Russen wußten, daß die österreichisch-ungarische Befreiungsarmee bereits unterhalb Przemysls war; die zweite Ursache tvar der am 6. Oktober vom Zaren im russischen Hauptquartier erlassene Befehl, daß Przemysl am 7. Oktober in der Hand der Russen sein m ü s s e. Der Sturm richtete sich hauptsächlich gegen die drei östlichen Forts und die dazwischen liegenden Jnfanterie- stellungen. Die Granaten der Russen verursachten an den Forts einigen Schaden. Dann begann bei Tagesanbruch ein verzweifelter I n fa n t er i e st u r m. Unsere Berteidi- gungsbruppeni, Von denen ein großer Teil sich aus unseren ausgezeichneten Landstürmlern zusaminensetzte, welche selbst die mehrwöchige Belagerung nicht erschöpft hatte, schlugen den Sturm in bewunderungswürdiger Weise zurück. Es gab einen M o m e n t, wo ans einem Fort sich bereatS 270 Russen befanden. Rechtzeitig herbeigerufene Hilfe umzingelte diese und nahm 200 gefangen, während 70 den Sturm mit dem Leben bezahlten. Die Russen ^wurden schließlich gezwungen, sich so gut sie konnten z u r ü ck z u z i e h e u. 4.-er Raum vor den Befestigungen und den Jnfanieriestellungen war auf der ganzen Linie mit L e i ch e n b e d e ck t. Der Befreiung Przemysls folgten neue Kämpfe auf der^ Lnrre
Medyka-Siedliska-DeobronÄ-Chirow-Starh-Sambor. Ein Terl
der russischen Truppen machte auf dieser Linie Halt, um den Rückzug der übrigen zu decken.
avmeefcommcmöantauffenberg über das russische kseer und die Lage.
W. T.-B. Budapest, 17. Okt. (Nichtamtlich.) Der „Esti- Ujsag" veröffentlickit eine Unterredung mit dem Armeckam- mandanten v. Auffeuberg, der bekanntlich infolge seiner Erkrankuna, die i>i einem Ruhranfall besteht, und infolge starker Erkältung das Kommando niederlcgen mußte. In der Unterredung erklärte Auffenberg, daß die 6 ungarischen Divisionen, die unter seinem Befehl standen, wie die Löwen gekämpft haben. Aber auch der Feind dürfe nicht gering geschätzt werden. Der Russe habe in diesem Kriege zum erstenmal bewiesen, daß cr ein guter Soldat sei und daß seine Trupven gute Führer hätten. Die russische Artillerie sei ausgezeichnet, im Bajonettangriff aber käme die hervorragende Tapferkeit der österreichisch-ungarischen Truppen zur Geltung. Ich. kann stolz sagen, daß die Schlacht bei Komarow unS einen glänzenden Sieg gebracht hat, um so ineyr, als !vir sie auf einem russischen Artilleriesckpeß- plah mit Kavallerie und Infanterie dnrchgefochten haben. Bei R a !v a r u s k a ist die Schlacht unentschieden geblieben, aber der Feind hat unberechenbare Verluste an Menschenleben erlitlen. Das weitere Vorrücken war nicht möglich, weil die feindliche Übermacht zu stark war. In der rnssi- jeften (ödjladjtlinie lasten öte Leichen 4 9J£e-tet f)od> überein anbei*. Der Feind mutzte sich also über
Barrieren von Toten hinwegarbeiten, um aus unsere Truppen zu schtehen. Wäbrcnd meines Aufenthalts aus dem Kriegsschauplatz herrschte unter unseren Truppen keine
Cholera • nur in einem russischen Dorfe, das von unseren Husaren besetzt war, fmiden wir Cholerakranke. D,e Russen
wagten es aber auch nicht, in dieses Dorf zu kommen. —
General v. Auffenberg zweifelt nicht an dem endgul- t i n e n Erfolg der verbündeten deutschen nnd östcrrerchrschen Truppen und erklärte: Wann der Krieg zu Ende sein wird, ist unberechenbar, daß wir.aber nicht nachgcbcn werden, ist gewiß.
