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so sei sic vollkommen befugt, ihre Organe anzuweisen, wegen einer solchen Handlung keine Denunciation bei der Staatsanwaltschaft einzureichen. Der Minister werde sogar Unrecht thun, wenn er gegen seine Ueberzeugung eine solche derartige Verfolgung eintreten ließe. Er könne sich also mit dem Minister einverstanden erklären. — Abg. Klotz ist der Ansicht, daß nach dem Wortlaute des Gesetzes jeder Geistliche strafbar sei, der mit Bewußt­sein eine geistliche Handlung verrichte. Dies sei durch die Praxis der Gerichte festgestellt, und könne nur durch eine Declaration geändert werden. — Nachdem Abg. Bachem über die strenge Ausführung des Sperrgesetzes geklagt, wird Capitel 115 genehmigt. — Capitel 116 (katholische Geistliche und Kirchen) gibt dem Abg. Dr. Majunke Veranlassung, hervorzuheben, daß das Sperrgesetz und die Geschichte desselben das ehrenvollste Blatt in der Geschichte des preußischen katholischen Clerus und der katholischen Gemeinden sei. Die große Zahl der katholischen Gemeinden sei vollständig einverstanden mit ihrem Clerus und Abg. Dr. Virchow müßte ' deßhalb, wenn er gerecht sein wollte, auch hier die Conscqnenzm des von ihm vertheidigten Gemeinde­prinzips ziehen. Die Maigesetzgebung sei durch das katholische Volk vcr- urtheilt, die schärfste Verurtheilung, die jemals einer Gesetzgebung zu Theil geworden sei. Gebe man der katholischen Kirche die Freiheit, und mit derselben werde der Frieden, den das Land so sehr bedürfe, zurückkehren. — Abg. v. S chorl emer-Alst wendet sich gegen die Position für den altkatholischen Bischof und bezeichnet diese Ausgabe als vollständig über­flüssig. Er wisse auch nicht, weßhalb dieie Ausgabe dem preußischen Staate allein aufgebürdet werde, da der Bischof Reinkens durch ganz Deutschland praktizire, die Forderung somit in den Reichshaushalts-Gtat oder in die Etats der einzelnen deutschen Staaten gehöre. Bei der gegenwärtigen Lage unseres Landes, wo der Nothstand an allen Ecken und Enden klopfe, müßten alle überflüssigen Ausgaben vermieden werden, und die in Rede stehende halte Jeder für überflüssig, mit Ausnahme vielleicht des Abg. Dr. Petri und weniger seiner Freunde. Die Aera Falk glaubte in den Altkatholiken einen mächtigen Bundesgenossen zu finden. Sonst bildeten sich neue Sekten gegen den Staat, hier seien die Altkatholiken mit einer ungeheuren Staatsunterstützung gebildet, und man habe den klarsten Be­weis, daß sic nicht lebensfähig seien. Redner sucht alsdann aus einer Wahl­rede des Abg. Dr. Petri uachzuweisen, daß derselbe nicht mehr zur römisch- kaiholischen Kirche gehöre und sich auch nicht mehr zu einer Partei inner­halb derselben zählen könne. Diese Thatsache werde den Antrag auf Streichung der Position rechtfertigen; eventuell bitte er um Trennung dieser Ausgabe von dem Titel, damit der Anschein vermieden werde, als gehöre derielbe zu der katholischen Kirche. — Abg. Dr. Petri weist die Angriffe des Vorredners unter lebhaftem Beifall der ganzen Rechten und Linken zurück, indem er namentlich die Allerhöchste Aner­kennungsurkunde des Bischofs Reinkens verliest, in welcher Jedem be­fohlen wird, denselben als katholischen Bischof zu achten und anzuer­kennen. Auf alle die Witzeleien des Abg. v. Schorlemer einzugehen, dazu halte er die altkatholische Sache für zu gut und sich selbst zu vornehm. (Lebhafter Beifall rechts und links.) Er wolle obwarteu, ob die Volks­vertretung das Schetflein versagen werde. (Lebhafter Beifall.) — Minister v. Puttkamer erklärt, es lüge kein Moment vor, von der bisher be­willigten Basis des Etats in diesem Falle abzugehen, er bitte um Annahme der Position. (Beifall.) — Abg. Dr. v. Sybel weist die gegen ihn vom Centrum erhobenen Angriffe zurück und characterisirt die Art und Weise,

angenommen und mit fast derselben Majorität der Antrag Schorlemer abgelehnt. Hierauf vertagt sich das Haus auf Montag 10 Uhr (Cultus- Etat). Schluß 4’/< Uhr.

— (General v. Kirchbach.) Durch das Ausscheiden der General? der Infanterie v. Kirchbach, bislang commandirender General des V. Armee- Corps, aus dem activen Dienste, verliert die preußische Armee einen ihrer tüchtigsten Generale, speziell das Armee-Corps, an dessen Spitze er stand, einen bewährten und hochverehrten Führer. Am 23. Mai 1809 geboren, trat General v. Kirchbach am 5. April 1826 in das 26. Infanterieregiment ein, ein Regiment, das der Armee mehrere ausgezeichnete Generale gegeben hat; dasselbe galt als eine besondere Pflegstätte preußischen OffiziergeisteS und strammen Jnfanteriedienstes. Als Premierlieutenant 1841 zur Ad- jntantur der 7. Division commandirt, erfolgte 1845 die Ernennung zum Hauptmann in der Adjutantur der 8. Division und 1850 die zum Major. Bald nachher wurde er zum Generaleommando des Garde-Corps und in den Generalstab versetzt. Von 1855—1858 wirkte er als Lehrer an der damaligen allgemeinen Kriegsschule und zahlte Offiziere zu seinen Zuhörern, auf welche heute die Armee ihre besten Hoffnungen richtet. Von 1856 bis 1859 war er Abtheilungschef im fgroßcn Generalstabe, Chef des Geiieral- stabes des Garde-Corps und des III. Armee-Corps. Nachdem er kurze Zeit das 36. Infanterieregiment commandirt hatte, war er von 1860—63 Com- manbeur des 8. Magdeburgischen Infanterieregiments No. 66. Im Januar 1863 erfolgte die Ernennung zum Commandeur der 19. Jnfanteriebrigade, und gehörte der General v. Kirchbach nunmehr, mit Ausnahme einer kurzen Äbcommandirmig, ununterbrochen dem V. Armee-Corps an, vom Mai 1888 ab als Führer der 10. Division und deren Commandeur, vom Beginn des Feldzuges gegen Frankreich ab als commandirender General. 1866 und 1870 war es dem General v. Kirchbach vergönnt, die von ihm selbst aus­gebildeten Truppen gegen den Feind zu führen. 1870/71 gehörte das von ihm befehligte V. Armee-Corps wieder zur Armee deS Kronprinzen. Nach der glücklichen Führung der siegreichen Schlachten bei Weißenburg und Wörth und mehrerer Gefechte schlug General v. Kirchbach und sein Corps am 19. Januar, am Tage nach der Aufrichtung des deutschen Reiches, mit der Schlacht am Mont Valörtm die letzte Schlacht um den Besitz von Paris. Diese ruhmvolle Soldatenlaufbahn ist von dem Kaiser durch alle die Ehren ausgezeichnet worden, welche siegreichen Truppenführern zu Theil werden können. Nach dem Frieden nahm der General die Friedensarbeii mit altem ®ifer wieder auf und führte 1875 dem Kaiser das V. Armee- CorpS bei Licgnitz vor. Nunmehr in den wohlverdienten Ruhestand ge­treten, beabsichtigt der General sich nach dem ihm besonders theuren Schlesien — er wurde hier geboren — zurückzuzichcn und zwar nach seiner Besitzung Moholz bei Nieski. , ,

— (Cultus-Etatsturnus.) Der preußische Cultusmmrster hat den Provinzialschul-Collegien mitgetheilt, daß der bisherige dreijährige Etats- turnus im Ressort des Cultusministers im Allgemeinen fortbestehe und nur bezüglich der Etats der Gymnasien, Progymnasien, Real- und höheren Bürgerschulen durch die Generalverfügung vom 9. August 1879 ein 6jährigcr Turnus cingefühit sei. Wenn daher in einer vor Kurzem ergangenen Ver­fügung die Einreichung der Etatsentwürf epro 1 April 1881—84 gefordert wird, so ist selbstverständlich von der uächsten Etalsperiode und von den Etatsentwürfen im Allgemeinen die Rede. Ter Hinweis daneben auf bit Gcneralvcrfügung vom 9. August v. I. schließe jeden Zweifel darüber aus, daß für obige Anstalten 6jährige Etats ansgefertigt werden, alp Entwürfe bis 1887 aufzustellen seien.

— (Ein sonder bares Verlangen) stellte ein junges Mädchen, welches unter der Anklage eines Gelddiebstahls vor der ersten Strafkammer des Berliner Landgerichts I. stand, an den Präsidenten des Gerichtshofes. Auf die Frage, ob sie noch etwas auf den Antrag des Staatsanwalts M erwidern habe, antwortete das Mädchen resolut: „Ich beantrage, daß mir mein Leben genommen wird." Natürlich konnte der Präsident diesem nawen Wunsche nicht entsprechen und die Angeklagte mußte es sich gefallen lassen, zunächst noch lebend auf ein Jahr in's Gefängnis; zu wandern.

— (Zum Eisenbahnunglück bei Paris.) Die Zahl der Tobten ist auf 20 gestiegen und die der Verwundeten beträgt über 100. E« Reisender, der sich in dem zweiten Wagen hinter der Locomotive befand, erzählt, nach der „Köln. Ztg.", über den Hergang Folgendes: „In meiner Abtheilung befanden sich Herr Eduard Simon (ein geborener Berliner!) vom Memorial Diplomatigue, der Baron Koehn, ein Redacteur des Citoyen, zwei Damen und Le Burgues, Vice-Präsident der Sauvenrs de la Seme. Meine Nachbarn beklagten sich, daß man nicht vorwärts komme. FS« nämlichen Augenblick hörte man einen furchtbaren Lärm und schrecklich» Geschrei. Ein Zug hatte uns niedergeworfen. Unser Zug fuhr jedoch nom 150 M. weiter. Endlich hielten wir. Ich sprang hinaus. Ich stieß geK" einen Reisenden, der ebenfalls hinaussprang und dabei beide Beine vraa. Nun sah ich Alles aus den Wagen springen. Eine der Damen, die in unserm Wagen befanden, hatte ein Bein gebrochen. Adolphe Hurgm hielt die Fliehenden zurück und sammelte sie zum Rettungswerk. Man 'M endlich an, begann die Trümmer wegzuräumen, unter denen klagnm- Jammergeschrei hervortönte. Während wir arbeiteten, trafen die Behoroe und die Acrzte ein. Eine 60 Jahre alte Frau, auf der die Trümmer ein ganzen Waggons lagen, hatte das Bewußtsein verloren. Neben ihr lag w, Sohn, der, als er herausgezogen wurde, ausrief: „Rettet meine Mutter - ES dauerte eine Stunde, ehe man sie befreien konnte." ____■

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wie das Centrum stets die äußere Stellung der Abgeordneten in die Debatte hineinziehe, diese ganze Kampfesa,t und die ganze Stellung zeige deutlich daS schallende Gelächter bei Verlesung der Allerhöchsten Cabinetsordre im Centrum. (Großer Lärm und Widerspruch im Centrum, Sehr richtig! rechts und links.) Urtier diesen Vorwurf erhebt sich nun eine längere tumultnarische Debatte, in welcher Abg. v. Schorlemer dieses bestreitet und den Schutz des Präsidenten anruft gegen eine so schwere Beleidigung und vollständige Lüge. (Rufe von links: Zur Ordnung!) — Vicepräsident v. B enda bezeichnet diesen Ausdruck als unparlamentarffch. (Rufe links: Zur Ordnung!) — Abg. Dr. v. Sybel erklärt, auf ihn habe das Centrum den Eindruck gemacht, er habe gesehen und gehört, daß gelacht sei. (Sehr wahr rechts und links.) Sollte er sich irren (Nein, nein!), so würde es ihn freuen. — Aba. Wi n d t- h orst erklärt die Behauptung des Abg. v. Sybel für eine tendenziöse un-. wahre Behauptung. (Rufe: Zur Ordnung! Großer Tumult.) — Abg. v. Schorlemer erklärt, daß das Centrum stets eine hohe Ehrfurcht vor Sr. Majestät bewiesen habe. (Gelächter und lebhafter Widerspruch.) — Abg. Struv e bestätigt das Lachen im Centrum bei Verlesung derCabinets- ordre, dasselbe geschieht von den Abgg. v. Zedlitz und Serlo, welcher Letzterer behauptet, er könne sogar Namen nennen. — Abg. Röckerath verlangt die Nennung der Namen. — Abg. Serlo: Abg. Franffeu! (Un­geheurer Lärm.) — Abg. Kröcher bestätigt ebenfalls das Lachen im Centrum, führt dasselbe aber auf die Bemerkungen des Abg. Dr. Petri zurück. — Abg. Franssen erklärt, der Abg. Serlo habe ihn gar nicht sehen können. (Große Heiterkeit.) — Dbg. Dr. Petri erklärt, bei Ver­lesung der Cabinetsordre Hobe g sich jeder Bemerkung enthalten. (Allseitige Zustimmung.) Auf eine Anfrage des Abg. Struve erklärt der Viee- präsident v. Benda, die Acußerung des Abg. Windthort: „tendenziöse und unwahre Behauptung" sei unparlamentarisch. — Abg. Bachem hält diese Aeußernng und die des Abg. v. Schorlemer für vollkommen berechtigt und wird deßhalb vom Vicepräsidenten v. Benda wegen Kritik des Präsidiums zur Ordnung gerufen. Hierauf wird diese unter dem größten Lärmen des Centrums auf der einen und des ganzen übrigen Hauses auf der anderen Seite zu Ende geführte Discussion geschlossen'und die Position nach dem. Vorschläge der Commission mit allen Stimmen gegen die des Ccnirums G» ouuerrc um gmuut, y iuuu

"Druck und Verlag der L. Schelicnberg'schen Hof-Bnchdrnckerei in Wiesbaden. — Für die Herausgabe verantwortlich: Louis SchellelibergU (-Die heutige Nummer enthält 80 Letten.)