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Wiesbadener Taqblatt
No. 17
Vermischte-.
— (Die Ott'scbe Erbschaft,) welche auch hiesige Einwohner gleichen Namen« zur Erforschung ihre« Stammbaume« antrreb, macht jetzt ttt Sigmaringen die Namensvettern in dieser Hinsicht rege. Die Ott » in dem Pfairdorfe Boll sollen dazu von Wien au« ermuntert worden sein. Mn wird vorläufig an der Anfertigung de« Stammbaume» eifrigst gearbeitet. Der Later de» Erblasser» Ott wird in einem Sprößling der Familie Ott au« Boll vermuthet, der mit einem der hohenrollern'schen ?ürsten al« Diener vor vielen Jahren nach Wien gekommen ist und sich ort häuslich niedergelassen hat.
— (Die Tay brücke.) Die Directoren der NordbrUischen Eisenbahn faßten den einstimmigen Beschluß, die Brücke über den Tay in einer Höhe von 60 Fuß, anstatt von 88 Kuß, wieder auszubauen, unb sie haben ihren Sachwalter angewiesen, sich an da» Parlarment um die nöthige Ermächtigung hierzu zu wenden. E» wurde auch beschlossen, eine andere Brücke neben der bestehenden zu errichten, so daß künftighin em doppelter Schienensttana vorhanden sein wird. Die Kosten de« Wiederaufbaues der zerstörten Brücke werden sich aus 65,000 Lst. stellen.
— (Eisenbahn-Unglück.) Auf dem Wege von Liverpool nach Fleetwood in England meß ein Personenzug, der ein unrechte» Geleise benutzte, mit einem Schnellzuge in heftiger Weise zusammen. Der Schaffner, .Locomotivsührer und Heizer wurden auf der Stelle getödtet und ca. dreißig 'Passagiere verletzt; vier derselben sind seidem ihren Wunden erlegen, so daß die Zahl der Getödteten jetzt sieben beträgt.
— (Feuersbrunst.) In New-Kork ist am 5. Januar die seit etwa zehn Jahren erbaute deutsche Turnhalle, ein prachtvolle«, sehr große« Gebäude, welche? den Mittelpunkt eine» großen TheileS de« deutschen Leben« in New-Kork bildet, Morgen« 5 Uhr durch Feuer zerstört worden, wobei fünf Personen um'« Leben kamen und vier sehr schwere, wie man
und das HauS möge sich doch zwei- und dreimal Überlegen, ob e» die Macht der Regierung stärken wolle in einem Augenblick, wo die Regierung selbst den Versuch mache, die Bedeutung der LandeSvertretung durch ihre Vorlagen herabzudrücken. (Beifall.) — Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Maybach, erklärt, die Vorlage passe vollständig in die Richtung, welche die frühere Vorlage angenommen. Zur Beruhigung de» Hause« könne er mitthcilen, daß die Berlin-Anhalter Bahn die Offerte der Regierung abgelehnt und letztere die Verhandlungen nicht wieder ausgenommen habe. Die Regierung werde mit dem Erwerb der heute in Rede stehenden Bahnen die Sache vorläufig für abgeschlossen betrachten und den Erfolg dieser Erwerbungen erst abwartcn. (Beifall.) Die Börsen - Speculationen seien ihm widerwärtig und bleibe er bei dem von ihm früher dafür gebrauchten Ausdruck auch heute vollständig stehen, obwohl derselbe ihm viele Gegner zugezogen habe. Was den Vorwurf anlange, daß die Verträge unter ungünstigen Bedingungen abgeschloffen seien, so behalte er sich nähere AuS- laffungen für die Eommissionsberalhungen vor. Wenn der Abg. Richter sich auf den früheren Finanzminister Camphausen berufen habe, so sei e« richtig, daß dieser ein entschiedener Anhänger de« gemischten System» sei, er habe ober auch stet» den Gedanken ausgesprochen, daß die domi- nirenden Linien in den Händen de« Staate« sein müßten. Was die Bemerkungen de» Gcneralpostmeister« Dr. Stephan im Herrenhause anlange, so erlläre er, daß die Regierung sich einen Plan gemacht habe und sich von keiner Seite drängen lassen werde zu weiteren Erwerbungen, bi« sie über die bisherigen Erwerbungen die nolhwendigen Erfahrungen gemacht habe. In seinen Bemerkungen über die Garantien habe Herr Dr Stephan nicht die Ansicht der Regierung ausgesprochen. Die Regierung bleibe vielmehr dabei, daß die Garantien wirksam und fruchtbar sein werden im Jntereffe einer guten Finanzverwaltung. Der Minister weist demnächst den Vorwurf zurück, daß die Speculation der Börse durch die Verstaatlichung der Eisenbahnen befördert werde und hofft, daß das hau» die Uederzeugung gewinnen werde, daß ein für den Staat günstiges Geschäft gemacht werde. — Der Finanzminister Bitter rechtfertigt da» Verfahren der Regierung bezüglich der Kündigung der Prioritäten und erklärt auf eine Bemerkung Richter'?, daß die Seehandlung von ihm den Auftrag erhalten habe, hinsichtlich der Anleihe für die Samoa-Inseln die Initiative zu eiareifen und daß er dafür volle Verantwortlichkeit übernehme. Daß die Politik keine bedenkliche sei, beweise der Umftaub, daß eine Ueberzeichnung von 3 Millionen Mark stattgefunden habe. — Nachdem Abg. Dr. Röckerath sein Verhalten den Bemerkungen de» Abg. Richter gegenüber gerechtfertigt, erklärt Abg. Dr. Windthorst: War die Ueberzeichnung der Samoa- Anleihe anlange, fo komme sie von Leuten her, welche da» Unternehmen in'« Leben gerufen. Er werde bei nächster Gelegenheit an die Regierung die Frage richten, wie sie dazu komme, die Verhandlung in solche Operationen hinein,uziehen. — Flnanzminister: Die Genehmigung de» Reichstage» sei Vorbehalten. Hierauf wird die Vorlage an die Eisenbahn- Commission gewiesen. Der folgende Gegenstand der Tage»-Ordnung, der Nachtrag zum Staatshaushalt, wird der Budget-Commission überwiesen und daraus die zweite Beralhung de» Etat» mit dem Etat der Justizverwaltung fortgesetzt. — Bei Tit. 1 der Ausgaben (Ministergehalt) bringt Abg. Maiunke nochmals die Angclegenheit der amtlichen Publicationen zur Sprache und theilt den Inhalt eines Rescripts des Jufsizminister» Leonhardt mit, wonach die Gerichtsbehörden Publicationen in oppositionellen Blättern nicht erlaffen sollen, der Beschluß darüber aber den
Gerichten anheimgegeben wird. — Justizminister Dr. Friedberg erwidert, die« Rescript beruhe auf einem StaatSministerialbeschluffe, durch welche» jedoch in das pflichtgemäße Ermessen der Behörden nicht eingegriffen werde. — Abg. Hansen klagt nochmal» über die Auszahlung der Gerichtskosten durch die Steuerbehörden. — Reg-Kommissar UnterstaatSsecretär Rindfleisch erwidert, eine Vermehrung der gerichtlichen Einnahmestellen sei in Aussicht genommen. — Abg. Fiebiger klagt über die Unzulänglichkeit de« Stadtgefängnisie» in Halle, welche« in sanitärer Beziehung sogar Bedenken errege. — Reg.-Commiffar Geh-Rath Starke erklärt, das bett. Gesängniß befinde sich in einem vortrefflichen Zustande. — Abg. Windt- horst kommt auf die amtlichen Publicationen zurück und ersucht den Minister, das betr. Rescript zuriickzunehmen. — Abg. Rickert schließt sich diesem Wunsche an. — Hieraus wird Cap. 71 bewilligt. — Bei Gap. 75 Gefängnisse) klagt Abg. Cremer über da« schlechte Trinkwasser in Plötzensee, wodurch ein „Redacfenr de» schwarzen Blatte«" sich den Magen verdorben habe. Auch werde der katholische Gottesdienst dort vernachlässigt. — Reg.-Commissar Geh.-Rath Starke erwidert, e8 sei dort Alle« geschehen, was möglich fei; einen verdorbenen Magen könne man sich auch anderswo holen. (Heiterkeit) — Abg. Schmidt (Stettin) wünscht die Vereinigung läwmtllcher Gesangniffe unter ein Ressort. — Reg.-Commissar Geh.-Rath Starke erwidert, diese Frage sei noch nicht zur Entscheidung gebracht. — Abg. Cremer beklagt sich über die Art und Weise ber Antwort de» Reg.-Commissar»; daß man sich auch anderswo einen verdorbenen Magen holen könne, wiffe er aus Erfahrung (Heiterkeit), e» sei aber etwas ganz Andere», sich den Magen ganz zu rumiren; schließlich klagt Redner noch über vielfache Verzögerungen in der Strafvollstreckung, eS sei schlimm, wenn man wiffe, daß man sitzen müsse, aber nicht dazu kommen könne. (Heiterkeit.) — Reg.-Commissar Unterstaatssecretär Rindfleisch erwidert, derartige Verzögerungen seien selten und der GesundheitSzustanb in Plötzensee sehr gut. — Bei den einmaligen und außerordentlichen Ausgaben werden die zum Ankäufe des Berliner Cadetlenhause« zu Justizzwecken aeforberten 4,706,000 Mark auf Antrag der Budget-Commission auf 2,000,000 Mark ermäßigt. Die Summe von 66,000 Mark zum Ankäufe
eine» Wohnhauses für den DivisionS-Commandeur in Neisse wird ebenfaH« gestrichen, im Üebrigen ber Etat unverändert bewilligt. Ohne TiScussion wird der Etat ber Staatrschulbenverwaltuug unverändert bewilligt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr (kleinere Gesetze, NothstandSgesetz, Petitionen). Schluß 41/« Uhr. jK
— (Geschenk für die Armee.) Zu dem bevorstehendenM burtslage de» Kaiser« erläßt ein Comitö, an dessen Spitze der Kenerel- feldmarschall Herwarth von Bittenfeld sieht, wiederum wie m, vorigen Jahre Aufforderungen j>u Zeichnungen für ein Beschenk fit die Armee, um Seiner Maiestät hierdurch zu seinem Geburtstage ein indirectes Beschenk zu machen und eine Freude zu bereiten. Diese» Annee- geschenk besteht in einer von höheren Offizieren bearbeiteten und von de« Kaiser wiederholt revidirten Denkschrift, enthaltend die authentische mili. tärische Biographie de« Kaiser» mit einem ganz vorzüglichen photographischen Portrait desselben. Die Idee de» Armeegeschenke» ist die, möglichst viele Soldaten der Armee, ehemalige Soldaten, Vereine, Schüler re. durch Zeich. nnngen aus privaten Kreisen in den Besitz dieser Denkschrift, deren Preis incl. der Photographie nur 80 Pfg. beträgt, zu setzen, damit jeder actine, ehemalige und zukünftige Soldat authentische Kenntniß davon erhält, was Kaiser Wilhelm in 73 Dienstjahren als Monarch, Feldherr und Soldat leistete. Nachdem der Kaiser die Idee diese« ArmeegeschenkeS gebilligt, gelang e» im Jahre 1877 in kurzer Zeit 61,000 Exemplare, im Jahre 1878 42,000 und 1879 57,000 Exemplare der Denkschrift in ber jiltmee k. zu verbreiten und gab der Kaiser wiederholt seiner Freude über diese» Resultat eigenhändigen Ausdruck. In diesem Jahre werden die Zeichnungen zu Kaisers Beburtktag voraussichtlich noch zahlreicher sein und dürfte die» für jeden Patrioten, dem e» ein Bedürfnis; ist, zu dem Fest- und Ehrentage de» Kaisers ber Liede und Verehrung für denselben Ausdruck zu geben, eine erwünschte Gelegenheit zur Beteiligung sein. Ausführliche Prospekte zu diesem Armeegeschenk und Zeichnerliften für Personen, die selbst zeichnen oder in Bekanntenkreisen sich für die Circulation dieser Listen interessiren wollen, sind direct franco und gratis zu beziehen van Herrn G.v. Glasenapp, Berlin, Blumenstraße 10.
— (Militärische».) Da» ,8erL Fremden-Blatt" schreibt: »Eine Vermehrung der Artillerie sollte Zeitungsberichten zufolge in naher oder ferner Zett erfolgen. Wir sind heute, auf Grund an bester Stelle eingehalter Information, in der Lage mitzutheilen, daß sich unsere Artillerie mit den Reserven behilft und schon au» dem Grunde an Neuanschaffungen nicht zu denken ist, weil die seiner Zeit dem Krieg»- resp. Marineminifterium zugewiesenen Retablissement»-Fond» aufgebraucht sind. War von einer „Verbesserung" unserer Artillene gesprochen wurde, ist Fabel. Banz Europa gesteht Deutschland die Superinrität in artilleristischen Dingen zu."
* (Fesie Rheinbrücke bei Mainz.) Den Ständen de» Groß- herzogihum« Heffen ist eine Regierungs-Vorlage betreff» Errichtung einer stehenden Rheinbrücke zwischen Mainz und Gaffel bereit» zugegangen. Die Kosten sind auf 3,600,000 Mk. veranschlagt.
,___ ------ . - befürchtet, tödtliche Verletzungen davon getragen Haden.
"$rudTund Verlag der L. Schell endergsichen Hof-Buchdruckerei in Wfcsdaden. — Für die Herausgabe verantwortlich: 2oui» Schellenberg in Wiesbaden.
(Die heutige Rümmer errthätt 1»
Handel, Industrie, Statistik.
* (Weinzvll.) Der »N. Frkf. Pr." wird au« Berlin, 19. Jan., telegrophirf: „Heute traten 18 Wein Händler hier zusammen, um wegen Ermäßigung de S Zolle» für junge Weine um 20 pSt. zu be- rathen. Sine Deputation wird morgen an zuständiger Stelle Audienz nehmen, um die betreffende Petition zu übergeben."
