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Betirr 16

Miesvadeusr TagblaLt.

No. 15

den Armen in Schlesien aber brachte er bitt'res Leid. Wie ein Raubthier, das auf Beute ausgeht, so schlich der Winter auf weichen Socken zu ihnen, sie zu verderben. Bei uns heißt es jetzt nicht: „Brod und Spiele", sondern „Brod für Spiele!" Wenn wir jetzt auch lachen machen, so thun wir's nur, um Thräncn dadurch zu trocknen. Und wenn wir auch zu spielen scheinen, so wirken wir doch für's Vaterland.

Dem Prologe folgten Geigenvorträge Emile Sauret's. Dieser Fran­zose, der sich durch sein vorjähriges Concert als hervorragender Künstler bei uns beglaubigt hatte, ist jetzt in Berlin ansässig geworden. Man findet ihn auch als Mann in der Gesellschaft interessant, und daß man sich in die Ohren flüstert, er habe beim Aufstande der Pariser Commune eine thätige Rolle gespielt, wacht ihn natürlich noch interessanter. War er in der That ein wilder Republikaner, so scheint er doch zahm geworden zu sein, denn er hat eine Deutsche zur Frau genommen, und zwar eine mit blondem Haar und weichem Herzen, von deren Liebenswürdigkeit alle Die entzückt sind, welche mit dem jungen Ehepaare verkehren. Man sagt, sie sei eine Düsseldorferin. Als Herr Säuret wiederholt Hervorgerufe« wurde, machte er vor den Insassen der königlichen Logen und dem übrigen Publi­kum Verbeugungen, denen man etwas die Schüchternheit ansah. Gewiß wird ihn das noch interessanter machen.

Es folgte die schon erwähnte Operette. Mathilde und Emilia spielten und fangen sie so zierlich derb und so übermüthig anmuthig, wie man es nur denken kann — oder vielmehr nicht denken kann, denn man mutz es eben gesehen und gehört haben. Und als sie dann hervörgerufen wurden, die beiden Bäuerinnen, die im Zank auseinander gelaufen waren, da folgte Frau Mallinger der übermüthigen Stimmung des Augenblicks, fiel der Collegin Tagliana um den Hals und gab ihr unter dem Beifall des Auditoriums den Versöhnungskuß.

Den Schluß bildete die Moser'sche Posse „Papa hat's erlaubt", in welcher Helmerding, so lange Jahre hindurch Berlins Lieblingskomiker, wieder anftrat und nicht weniger Heiterkeit hervorrief, als Frl. Wegner, welche sich so trefflich auf's Copiren von Sängern und Sängerinnen ver­steht und Heldentenörc deutscher und französischer Bühnen, wie dra­matische und Chansonetten-Sängerinnen in der Phantasie an uns vorüber­ziehen ließ. —

Das beste Zeugniß, welches man von der Aufführung geben kann, ist durch den Goethe'schen Vers ausgesprochen:

„Und Jeder ging zufrieden aus dem Haus."

B. -dt.

Vermischtes.

— (Geräuchertes Fleisch,) Wurst, Speck, Schinken bewahrt man selbst im Sommer am besten auf, wenn man ein gewöhnliches, reines Faß nimmt und den Boden desselben drei bis vier Zoll mit Häcksel bestreut; dann packt man Fleisch, Wurst, Speck, Schinken, sauber getrocknet, eine Schicht hoch nebeneinander und streut zwischen jede Schicht abermals zwei bis drei Zoll Häckerling, bis das Faß gefüllt ist und oben als Abschluß die letzte Lage Häcksel kommt. In dieser Weise bewahrt man auch Aepfel, die vorher sauber getrocknet sein müssen, über Winter an frostfreien Orten vortrefflich auf.

— (Kitt für Marmor und Alabaster.) Vermenge zu einem dicken Brei mit Hülfe von Natronwasserglas: 12 Theile Portland-Cement, 6 Theile gelöschten Kalk, 6 Theile feinen Sand, 1 Th eil Infusorienerde. Der gekittete Gegenstand braucht nicht erhitzt zu werden. Rach 24 Stunden ist der Kitt erhärtet, worauf die Bruchfläche nur sehr schwer noch aufge- fundeu werden kann. Die gekittete Stelle ist so viel widerstandsfähiger als das Material selbst, daß es unmöglich ist, den Bruch an der nämlichen Stelle wieder herbeizuführen.

— (Ueber Leichenverbrennung.) Wie der ehemalige Bäcker, jetzige Rentier Dietchen in Oschatz, über diese neue Art der Leichen­bestattung denkt, drückt er in folgenden Versen in sächsischer Mundart aus:

Ich kann's nicht fassen, wie die Leite

Fer's Leichenverbrennen kennen sein!

Mich bersten se erschießen heite —

Ich thät's nich — 'S viele mer nicht ein!

„Mer schbirte nichts" — so heeßt's. Ja Kuchen!

Wer weeß es denn? Wer hat's browirt?

Ich danke bestens fer's Versuchen,

Ich glowe schon, daß mer was schbirt!

Und dann: wenn's wirklich die Bewandniß

Mit dem Nich-Fihlen hätte — scheen!

Wenn mer Sie awer nu verbrannt is: Wie werd's denn mit dem Aufersteh'n?

Ja sähnse! — Und bei der Geschichte

Da is mer gern doch derbei —

Nicht wahr? — Schon dersterwegen krichte Kee Mensch mich in de Brennerei!

— (Ein neues Pianino.) Nach einer Msttheilung aus Prenzlau ist es einem dortigen Instrumentenbauer gelungen, ein Pianino ganz be­sonderer Art zu schaffen. Namentlich soll sich dasselbe durch einen doppelten Resonanzboden, einen dritten Pianissimozug und durch Verlegung, des Stimmstocks von der Vorder- nach der Oberwand vor anderen Pianino's auszeichnen. Der Ton im Baß ist in Folge dessen sehr stark, voll und rund, der Diskant klangreich und angenehm und die Spielart sehr leicht. Das Pianino, das bei Gelegenheit mehrerer in Prenzlau stattgehabten, | von einem Moskauer Musikdirektor geleiteten Concerte allgemeine Aner- l

kennung fand, hat bereits das Patent erhalten und wird in nächster Zeit in Berlin öffentlich ausgestellt werden.

— (Unbedtngte Narrheit.) Zur Rettung des FestzugeS am Rosenmontag in Köln fand dortselbft eine von über 2000 Personen be­suchte Volksversammlung statt, in welcher für das Zustandekommen des Festes freiwillige Beiträge von 150 Mark, 800 Mark und 100 Mark sofort gezeichnet wurden. Die Versammlung wählte 11 Herren, welche auch bei den Gewerbetreibenden und Carnevalsfreunden freiwillige Beiträge sammeln sollen. Ferner kam eine Resolutton zur einstimmigen Annahme, dahin lautend, daß die Volksversammlung erkläre, daß sie die Ansicht der Stadt­verordneten (den sonst üblichen Zuschuß von 1500 Mk. Heuer nicht zu be­willigen) ganz und gar nicht theilt, sondern der Meinung ist, daß ein öffentltches, als Unicum dastehendes und in der ganzen Welt berühmtes und bewährtes Volksfest,, welches der Stadt und ihren Bewohnern unberechenbare Vortheile gebracht hat und auch hoffentlich noch bringen wird, in jeder Hinsicht und besonders durch die städtische Behörde unterstützt werden müßte, um so mehr, da von ge­wisser Seite systematisch dahin gearbeitet wird, das Volkssest Jtt untergraben. Im Circus (Sorte zu Köln soll eine Galavorstellung zum Besten des Fest­zuges veranstaltet werden. Mit einem Hoch auf den Carneval ging die Versammlung auseinander.

— (Die diesjährige MaSken-Redoute des „Malkastens" zu Düsseldorf) wird am 7. Februar stattfinden und nach Allem, was über den Plan und die Ausstattung derselben verlautet, sich ohne Zweifel würdig au ihre zahlreichen glänzenden Vorgängerinnen anreihen. Das Thema, das diesmal durch den üblichen großen Maskenzug zur Anschauung gebracht werden soll, lautet: „Der Mode Narrenschiff". Der Gedanke, sagt der „Düsseld. Anz.", dem wir dies entnehmen, erscheint als ein sehr glücklicher, der den Künstlern volle Gelegenheit bietet, nach Altmeister Goethe's Vorschrift „Phantasie mit allen ihren Chören, Vernunft, Verstand, Em­pfindung, Leidenschaft und zwar — der Zeit und ihrer Aufgabe ange­messen — nicht ohne Narrheit hören zu lassen". Der erwähnte Maskenzug wird von der „Königin Mode" eröffnet werden, die auf einem phantastisch mit Affen, Pfauen, Spiegeln 2C. geputzten Wagen thront; über ihr schwingt Carneval die Geißel der Satyre. Zu ihren Füßen sitzen Repräsentanten der Welttheile, ihren Tribut darbringend: Gold, Perlen, Edelsteine, reiches Gewebe, Pelzwerk, Zierrathen aller Art. Den Wagen ziehen die Eitelkeit, die Hoffahrt, die Ruhmsucht, die Galanterie-Narrheit, sämmtlich durch characteristische Embleme gekennzeichnet. Den Wagen Umgeben die Diener und Behülfen der „Königin Mode": Schneider, Hutmacher, Friseure, Schuh­macher 2c„ ihre Erzeugnisse ausbietend. Dem Wagen folgt dann in vier Hauptgruppen, welche durch mittelalterliche Hofnarreu, Hanswurste, Ba- jazzo's, Harlequins 2C. geführt werden, der eigentliche Maskenzug. Die erste Gruppe desselben stellt die germanische Urzeit mit bett späteren byzanti­nischen und römischen Einflüssen, das Zeitalter der Merowinger, der Karo­linger und der Kreuzzüge dar. Die zweite Gruppe ist dem Mittelalter mit seinem Minnedienste, seinem LuxuS und seiner Entartung bis zum Schlüsse des 15. Jahrhunderts gewidmet. ES folgt dann die dritte Gruppe mit der spanischen Herrschaft in der Mode im 16. Jahrhundert bis herab zur Revolutionszeit und dem ersten französischen Kaiserreiche und endlich die vierte, der neuen und neuesten Zeit gewidmete Gruppe. Bewährte und namhafte Künstler haben die nähere Anordnung der einzelnen Abschnitte des MaSkenznges übernommen; ihrer Führerschaft stellen sich zahlreiche Mitglieder nusereS Künstlervereins mit thren Damen zur Verfügung; so wird den Besuchern der Redoute ein prächtiges, des alten Rufes des „Malkastens" würdiges Schauspiel dargeboten werden.

— (Alter namhafter Componisten.) Die französische Musik­zeitung „Menestrel" veröffentlicht folgende musikalisch-interessante Statistik: Auber starb im 90. Lebensjahre, Cherubim im 82., Rameau tat 81., Haydn im 77., Spontini tat 77., Rossini im 76., Salieri im 75., Händel im 74., Paesiello im 74., Gluck tut 73., Gretry tat 72., Meyerbter im 70., Seb. Bach im 68., Halevy im 68., Boieldieu im 59., Beethoven int 57., Lnlly int 54., Mehul im 54., Adam int 53., Donizetti tat 50., Cimarosa im 47., \ ebenso Rob. Schuhmann, Herold tat 41., Weber int 40., Chopin int 39., Mendelssohn int 39., Mozart im 35., Bellini tat 33., Schubert int 31. und Pergolese int 26. Lebensjahre.

— (Die Vesuv -Eruption) nimmt, nach Mitteilungen aus Neapel vom 14. d. M., an Heftigkeit zu. Die Laven fließen auf der Nordwestseite des Kegels herunter.

— (DieFroschzucht und der Froschhandel) bilden einen neuen Erwerbszweig in den Vereinigte» Staaten. Ein Herr S o n l e in Elgin, Illinois, der seit drei Jahren eine Frosch-Farm von l1/* Acres Flache angelegt hat, auf der er, wie „Scientific Ämericait" schreibt, das den „Goslin-Frosch," eine besonders große Art, züchtet, bringt jetzt seine Waare zum ersten Male auf den Markt. In nächster „Saison" will er St. Louis, Chicago und Cincinnati mit Fröschen versorgen und hofft davon den besten Erfolg.

Räthsel.

Der Himmel sendet mich, daß ich erquicke, Und dennoch schein' ich ost zum Mißgeschicke Hier gar zu viel, zu wenig dort zu sein. Ein Zeichen jetzt mir hintenan gegeben — Ist pflichtenvoll mein hochgestelltes Leben; Doch bin ich treu, dann harrt auch Liebe mein.

Auflösung des Räthsels in No. 9: Ta back.

Die erste richttge Auflösung sandte Marie Bettner.