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Wiesbadener Lagblatt.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden. — Für die Herausgabe verantwortlich: Louis Schellenberg in Wiesbaden.

(Die heatige Kummer enthält 16 Leiten.)

_____ No. 13

Handel, Industrie, Statistik.

— (Internationale Ausstellung für.Leder, Leder- wäareti, Gerbstoffe und Rauchwaaren in Frankfurt a. M, 1881.) Diese Ausstellung wird im Vereine mit der pro 1881 in Aussicht genommenen „Allgemeinen Patent- Md Musterschutz- Ausstellung" in einem, mit der großen Ausstellungshalle verbundenen/ eigenen Baue abgehalten werden und folgende Gegenstände umfassen: Leder aller Art, vermittelst vegetabilischer oder anderer Gerbstoffe hergestellt, auch gefärbtes, lackirta u. s. w. — Lederwaaren aller Art, als Schuhwaaren, Riemen, Sattler­arbeiten, Portefeuille-Waaren, Handschuhe, Militärausrüstungs-Gegenstand« u. s. w. — Erzeugnisse der Kürschnerei und Rauchwaarenfärberei. — Jn- und ausländische Häute, Felle und Rauchwaaren. — Gerbstoffe, Fettstoffe, Lacke, Farben, Avpreturmütel und Conservirungs-Materialien. — Gegen­stände aus Abfällen der Leder- oder Lederwaaren-Fabrikation hergestellt, als Leim, Kunstleder ü. s. W. — Sämmtliche in der Gerberei, bei bet Lederverarbeitung, sowie bei der Fell- und Rauchwaaren-Verarbeitung zur Verwendung kommenden Maschinen, Motoren, Werkzeuge, Utensilien und Fournitureu. — Fachliteratur, Modelle und Pläne. — Gegenstände von historischer Bedeutung aus Leder angefertigt oder sich auf die, auf bet Ausstellung vertretenen Gewerbe beziehend. — Alle nicht benannten Gegen­stände, die in die auf dieser Ausstellung vertretenen Fächer einschlagen. - Wegen Anmeldung und weiterer Auskünfte beliebe man sich, an den Vor­sitzenden des prov. Comites Herrn Isidor Dreyfuß, Ostcndstraße A in Frankfurt a. M., zu wenden.

Vermischtes.

— (Mathematische Erklärung.) In mehrere» Zeitungen ist die Streitfrage aufgetaucht, ob mit dem Jahre 1880 ein neues Jahr­zehnt seit Christi Geburt seinen Anfang nehme oder ein altes seinen Ab­schluß finde. Ein Mathematiker vom Fache spricht sich darüber in folgenbet sachgemäßer Weise aus: „Man unterscheidet bekanntlich stetige und unstetige Größen. Ebenso bekannt ist die Definition: Stetige Größen find diejenigen, wo das Ende des einen Theiles der Anfang des anderen ist. Die stetigen Größen werden gemessen, die unstetigen gezählt. Unstetige Größen sind die Zahlen. Das Zählen beginnt nicht mit 0, sondern mit 1. 0 ist überhaupt keine Zahl. — Stetige Größen sind Raum und Zeit. Die Zeit ist eine stetige Größe und muß also wie eine Linie gemessen werden. Und wie Sie, geehrte Redaction, bereits ganz richtig bemerkt haben, geschieht die Messung von der 0 an. 0 ist aber das Zeichen für eine Stelle, bezeichnet eines Punkt, Standpunkt, Zeitpunkt, ist so wenig ein Maß wie eine Zahl. Ma« kann sagen: 0 Meter 4 Deeimeter 2 (Zentimeter 7 Millimeter, und mathe­matisch conscquent: 0 Jahre 4 Monate 2 Tage 7 Stunden. Im gewöhn­lichen Ausdruck würde das Datum lauten: Jahr 1, Ster Monat, Aer Tag. Das heutige Datum ist: 9. Januar 1880, also sind verflossen und gemessen: 1879 Jahre 0 Monate 8 Tage. (Die hierbei gebrauchten Ziffern, seien ei 8 oder 0, bedeuten nicht Zahlen, sondern sind Markirungen von Punkte«, wie bei Maßstäben.) Der 1. Januar des Jahres 1 christlichen Zeitrechnung würde mathematisch heißen: 0 Jahre 0 Monate 0 Tage d Stunden. Der 1. Januar des Jahres 1800 bedeutete mathematisch: 1799 Jahre 0 Monat« 0 Tage e Stunden, gehörte also nicht in unser Jahrhundert. Der 1. Jamm des JahreS 1801 bedeutete: 1800 Jahre 0 Monate 0 Tage z Stunden. Damit fing unser Jahrhundert an. Resultat: Wir leben noch im alten Decennium; das neue Decennium fängt erst mit dem Glockenschlage 12 iit der Nacht des 81. Deeember an, also mathematisch zwischen: 1879 Jahre 11 Monate 30 Tage 23 Stunden 59 Minuten s Sceunden, und: 1880 Jahre 0 Monate 0 Tage 0 Stunden 0 Minuten t Secunden."

— (Ein entsetzlicher Tod.) Durch eine Kette von unglückliche« Zufällen fand in voriger Woche der Brennmeister einer Branntweinbrenner!: in Pf orta einen schauderhaften Tod. Derselbe drehte ans Versehen eine« falschen Hahn auf, wodurch ihm eine siedende Flüssigkeit entgegenspM und Gesicht und Brust verbrühte. Hiervon erschreckt prallte er zurück uni fällt abermals in einen mit heißem Wasser gefüllten Kessel. Man eilt hinzu und suchte die Schmerzen desselben dadurch zu lindern, daß mal Watte auf die verletzten Stellen band. Als dies geschehen, beging eit Anderer die Unvorsichtigkeit, mit dem Lichte der Watte zu nahe zu komme«. Diese fing Feuer, und der Bedauernswerthe lag nun tu vollen Flamme« da, so daß der Tod unmittelbar eintrat.

— (E in Ball der Alten) wurde am letzten Sylvester-Abend >« Gillingham bei Chatham abgehalten, an welchem sich 59 alte Herren um, Damen betheiligten, die zusammen das respcctable Alter von 4259 Iah««- repräsentirten. Der älteste Herr, im Jahre 1790 geboren, huldigte mit seih« Partnerin, deren Geburtstag gleichfalls noch in's vorige Jahrhundert fw fleißig dem Tanze. Das Durchschnittsalter der Gäste betrug 72 JM und der sonderbare Ball, bei dem lauter alte, der modernen Welt un6f kannte Tänze aufgeführt wurden, endete am Neujahrsmorgen mit eine® „Coverley" und mit einer sehr angeheiterten Stimmung der jugendlichen Alte®

— (Tin Riesenschwein.) Im amtlichen „Kreis-Anzeiger" Fritzlar, d. d. 8. Januar d. I., finden wir folgende merkwürdige W „Fritzlar. Heute wurden hier in einem Schweine von dem beauftragt“ Fleischbeschaner Trichinen — und ein Kanonier von der 6. Battet« auf dem sog. Viehmarktsplatze erhängt gefunden."

— (B i s s i g e A n t w o r t.) In einer Gesellschaft warf sich an eine« heißen Tage eine Dame mit allen Zeichen der Bequemlichkeit auf das tiofflj Sopha, ausrufend: „Ach! ich bin wie gekocht!" — „Und doch so roh> bemerkte Jemand.J

Regierung kein Wort für die Vorlage zu sagen sein, ihr Ürtheil wäre dann gesprochen. Eine homogene Majorität sei im Hanse nicht vorhanden, die Schlußfolgerung aber, daß damit organische Gesetze nicht erlassen werden könnten, halte er für unrichtig, es werde das Ergebniß der Verständigung dasjenige sein, was wir wünschen. Wenn der Vorredner seine Vorwürfe gegen die Vorlage dahin zusammenfaffe, daß dieselben nur die Bureaukratie zu stärken und die Selbstverwaltung zu beschränken geeignet seien, so sei er den Beweis dafür schuldig geblieben. Mit vollem Effect könnten die neuen Organisationen nur dann eingeführt werden, wenn sie sich auf das ganze Gebiet der Monarchie erstreckten. Der Minister geht alsdann sehr aus­führlich auf die einzelnen Einwendungen der verschiedenen Redner ein und rechtfertigt den Standpunkt der Regierung. Der Minister weist die Noth- wendigkeit der Uebergangsbestimmungen nach und führt alsdann ans, daß es nothwendig sei, an der Einrichtung unserer VerwaltungsgerichtsbarM festzuhalten, da es auf dem Gebiete der Verwaltung ein großes Feld gebe, welches ausschließlich den Character von Recht an sich trage. WaS die in Aussicht gestellte Nachsession anlauge, so erklärt der Minister, daß diese von dem Gange der Commissionsberachuugen abhängen werde; die Ankündigung derselben sollte nicht einen Druck auf das Haus ausüben, sondern nur den hohen Werth bezeugen, den die Regierung auf das Zustandekommen der Gesetze lege. Der Minister schließt mit der Hoffnung, daß, soweit auch scheinbar die Steinungen auseinandergeheu, doch ein Verständnis; zu erzielen fein werde, denn er bezweifle nicht, daß die Ueberzeugung von der Noth- weudigkeit eines Fortschritts auf diesem Wege auf allen Seiten des Hauses getheilt werde, nicht mit Unrecht hat man den gegenwärtigen Zustand unserer Verwaltungsgesetzgebung halb als Rohbau, halb als Ruine bezeichnet, helfen Sie, meine Herren, daß das Werk unter Dach komme. (Beifall.) — Abg. v. Wedell-Piesdorf präzisirt noch einmal den Standpunkt der conservativen Partei. — Abg. Wiudthorst erklärt sich zunächst für Be- rathnng in einer Commission von 21 Mitgliedern, hält es aber für unmöglich, die Vorlagen noch in dieser Session zu erledigen, auch sei es ganz gut, wenn eine längere Zeit zur Orientirung ans diesem Gebiete gegeben ivürde. Die Herren aus dem Osten seien in Bezug auf die westlichen Provinzen ebensiowenig competent, als er es früher bei Einrichtungen für den Osten gewesen sei. Es sei der Hauptfehler, daß man nicht von unten, sondern m der Mitte begonnen habe, erst hätte man die Gemeindeordnung geben muffen. Die Rothbehelfsbestiuimungen des Ucbergangs seien durchaus unan­nehmbar und eine collegialische Regierung stets besser, als eine Regierung durch einen einzelnen Präsidenteu, deren man wenige gute habe. Durch Aufhebung der Abtheilung des Innern etablire man das bnreaukratische Prinzip des Präfecteuwescns und er sei entschieden dagegen. Redner geht sodann auf Hannover ein und beklagt die dort zu treffenden cnltur- kämpferischen Einrichtungen, erklärt aber die Bereitwilligkeit des Centrums, an diesen Gesetzen mitzuarbeiten. Hierauf wird die Fortsetzung dieser Be- rathnng auf Donnerstag 11 Uhr vertagt. Schluß 472 Uhr.

— (Die hessischen Agnaten.) Indem mit drei der hessischen Agnaten bezüglich des Familienfibeiconimißvermögeus abgeschlossenen und demnächst in Berlin zu ratifieirenden Vergleichsvertcage ist bezüglich des wesentlichste!! Punktes nunmehr das Nachfolgende stipulirt worden: Den drei Agnaten wird für die Vergangenheit, d. h. für die Zeit vom Tode des letzten Kurfürsten bis zum Beginne dieses JahreS, nichts gewährt. Da­gegen erhalten dieselben ab 1880 eine jährliche Rente von je 75,000 Mark, nämlich rund 18,600 Mark fideicommiffarisch feststehende Apanage und den Rest mit rund 56,400 Mark als Abfindung für den Verzicht. Diese Abfin­dung soll für volle acht Jahre, also bis Ende 1887, im Gesammtbeirage von je rund 450,000 Mark vorausbezahlt werden, so daß also sofort die Summe von 1,350,000 Mark zu erlegen ist, während bann im Laufe dieser acht Jahre ein jeder der drei Agnaten noch die Apanage von 18,600 Mark Pro anno bezieht. Von 1888 ab erhält dann ein Jeder zu Beginn des Jahres 75,000 Maik, welche Summe so lange zu bezahlen ist, als die be­treffende Linie ansstirbt und somit vertraasmäßig der preußische Staat Erbe des fideieommiffarifch anzulegenden, zur Bestreitung dieser Ausgaben erforderlichen Capitalstocks wird.

— (Vom hannover'schen Ex-Kronprinzen.) Von „vertraucns- werther Seile" schreibt man der „Nat.-Ztg.", daß der König von Däne­mark bei seiner neulichen Anwesenheit in Berlin dem Kaiser mittheilen mußte, daß an eine Nachgiebigkeit des Herzogs von Cumberland nicht zu denken sei.

— (Von der Marine.) S. M. Kanonenboot „Mbatroß", 4 Ge­schütze^ Commandant Corv.-Capt. Mensing I., hat am 23. November 1879 von L-ydney die Heimreise angetreten. — S. M. gedeckte Corvette „Bis­marck", 16 Geschütze, Commandant Corv.-Capt. Deiuhard, ist am 3. Oc­tober 1879 von Sydney in See gegangen, ankerte am 23. im Hafen von Tongatabu, verließ diesen Hafen am 29. October, traf am 1. November in Apia ein, ging am 6. in See und erreichte am 10. November den Hafen von Lewnka. — Von S. M. Glattdecks-Corvette „Luise", 8 Geschütze, Commandant Corv.-Capt. Schering, sind Nachrichten, d. d. Shanghai, den 27. November 1879, eingegaugen. — S. M. Kanonenboot „Nautilus", 4 Geschütze, Commandant Corv.-Capt. Chüden, ist am 15. November 1879 von Sydney nach Apia in See gegangen. — S. M. Kanonenboot „Wolf", 4 Geschütze, Commandant Corv.-Capt. Becks, ist am 27. November 1879 von Shanghai nach Chefoo in See gegangen.

— (Wanderlager-Gesetz.) Der §. 1 des Wandcrlager-Gesetzes, welcher das Prinzip der Vorlage enthält, wurde von der Commission des preuß. Abgeordnetenhauses mit allen gegen eine Stimme angenommen.