Weite V
Expedition: La«ggaM Rs. M
No. 13
A Eltville, 15. Jan. (Consolidation.) Die seit Jahren im Gange befindliche und mit großen Kosten verbundene Consolidation hiesiger Gemarkung scheint endlich ihre Erledigung finden zu sollen. Die Vorbereitungen zur Adjudicatiou sind int Gange und dürfte letztere etwa int Mai oder Juni stattfinden.
□ Nauenthal, 15. Jan. (Weingeschäft.) Wie fast allenthalben, so ist auch hier, nachdem im Herbste einiges Leben im Weingeschäft pulsirt hatte, fast wieder vollständige Ruhe eingetreten. Von Verkäufen aus der Hand hört man nur selten und im Falle sind es meist kleinere und ä-crc Quantitäten. Von Weinversteigerungen ist hier noch nichts be-
, während in anderen Orten des Rheingaues bereits 16 projectirt sind. Hoffentlich wird es im Frühjahre wieder lebendiger werden. Der dem Weinstock durch die Kälte zugefügte Schaden ist hier nicht so bedeutend, wie er von anderen Seiten gemeldet wird.
Kunst und Wissenschaft.
* Wiesbaden, 15. Jan. (König!. Schauspiele.) Der gestrige Erfolg der Oper „Der Blitz" übertraf bei weitem denjenigen der ersten Aufführung und bewies, wie richtig wir proguosticirt hatten, wenn wir seit Jahren so nachdrücklich die Wiederaufnahme dieser Oper empfahlen. Die Aufführung war wiederum eine vortreffliche. Das Haus war vormittags bereits ausverkauft und die Königl. Intendanz wird ohne Zweifel die Oper oft ansetzen können, bevor diese ihre Zugkraft eingebüßt haben wird. — Für nächsten Sonntag ist Meyerbecr's „Dinorah" in theilweise neuer Besetzung („Coreutin": Herr W arb e ck, „ein Mäher": Herr Led äre r) in Vorbereitung, während Mozart's Geburtstag (27. Januar) uns „Die Entführung aus dem Serail", als neu cinstudirt, bringen wird.
* (D e r Bayreuther Fond) erreichte am Schluffe des Jahres 1879 die Höhe von 67,500 Mark, wozu Hans v. Bülow durch seine Concerte allein einen Beitrag von 16,817 Mark geliefert hat. Außerdem erbrachte die „Schöu'sche Stiftung" 10,000 Mark.
* (Der Münchener Lustspiel-Preis,) den die dortige Intendanz für den besten Kassenrapport ausgeschrieben hat, ist nunmehr end- gültig zur Vertheilung gebracht. Wie der „Deutschen Zeitung" aus München telegraphirt wird, hat die Preis-Commission dem Lustspiele: „Neue Verträge" von Driesch einstimmig den Preis zuerkannt. Die trübe Theatervision also, die nnseremMünchener Correspoudenten erschienen ist und von der er in der Kleinen Chronik deS vorgestrigen Abendblattes einen so unterhaltenden Bericht gegeben hat, ist noch durch die Gnade der Götter von der deutschen Bühne abgewendet worden!
* (Herr Carl Heymann,) Professor am Hoch'schen Conser- vatorium, hat in Bremen vergangenen Dienstag einen durchschlagenden Erfolg gehabt. Die „Weser-Ztg." bertchtet darüber: „Daß Herr Heymann sich nicht als Virtuose aufspielen will, bewies sein überaus unscheinsames Auftreten, aber er ist in der That ein Künstler von Apollo'S Gnaden. Sobald er am Flügel Platz genommen, kommt der Geist über ihn, seine Clavierpassagen sind ein wahrer Sprühregen von unerschöpflicher Fülle, dem man kaum mit dem Ohr und den Augen folgen kann, er gibt uns das in Wirklichkeit, was er uns in seiner eigenen Composition „Elfenspiele" hat malen wollen, und daß eine phänomenal zu nennende Technik bei ihm nicht der Endzweck ist, bewies er in der wirklich künstlerischen Gliederung seiner Vorträge, aus denen wir neben einem kräftigen Forte ein überaus feinfühliges Piano hervorheben, für das er eine ihm eigenthümliche Spielart gefunden zu haben scheint."
Aus dem Reiche.
* (Geburtstag des Kaisers.) Aus Berlin wird mitaetheilt: ,,Da der diesjährige Geburtstag des Kaisers auf Montag nach Palmarum in die stille Woche fällt, so hat das CultuSministerium Veranlassung genommen, durch einen besonderen Erlaß die übliche Schulfeier auf den Tag vor Schluß des Semesters, auf Freitag den 19. März, zu verlegen."
* Prerrtzisches Avarordnstentznus. (3 6. Sitzung vom 14. I a u.) Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 117* Uhr. "lm Ministertische: Graf zu Eulenburg und mehrere Regierungs-Com- missare. Auf der Tagesorduung steht die Fortsetzung der ersten Beratbung der Verwaltungs-Organisatiousgesetze. Der erste Redner ist der Abg. v. Zedlitz-Neukirch (Berlin). Was den Organisationsplan selbst au- langt, so stimme er darin mit den Nationalliberalen und Conservativen überein,, daß die Absicht der Ausdehnung auf die ganze Monarchie die nchnge sei und daß mit der Einführung der allgemeinen Landcsverwaltuug die neu.en.und westlichen Provinzen nicht bis zur Emanation der Kreis- nnd Provinzialordnung daselbst zu warten sei. Redner wendet sich gegen bte von den Abgg. v. Bennigsen und v. Heercmann ausgesprochene Ansicht, «aß die Steuerangelegenheiten von den Provinzialbehörden verwaltet werden Wlleu Die Bedenken gegen die Vereinigung der Bezirksbehörden zu einer «ehorde seien nur äußerlicher Natur. Von großer Bedeutung sei das Ver- Wen des Verwaltungsgerichts, und seine Partei wünsche, daß dieses Ver- Wen jo geordnet werde, wie das der Bezirks-Verwaltungsbehörden. Eine «cheidung der richterlichen Instanz in Verwaltungssachen sei nicht uöthig und bestehe auch ui anderen Ländern nicht. Wüuschenswerth sei die gleich- SW Behandlung der gewerbspolizeilichen und Versicheruugs-Angelegen-
■ r £le. “n langer Jnstanzenzug nicht empfehle und die am H unterster Instanz erledigt würden. Dem Kreis-Ausschusse müsse "der die Landgemeinden verbleiben, da sich diese Einrichtung sher sehr gut bewahrt habe. Eine Verständigung über die oberen Instanzen »er Landesverwaltung werde int Hause wohl erreicht werden. Redner
schließt mit dem Anträge, den Gesetzentwurf einer Commission von 28 Mitgliedern zur Berathung zu überweisen. — Abg. Richter (Berlin): „Die Stockung in dem Fortgänge der Gesetzgebung datirt von dem Augenblicke an, wo die Regierung Mißtrauen gegen die Heranziehung des Laien- elementS in die Verwaltung bezeigte. Dieses Mißtrauen knüpfte sich an die ersten kirchenpolitischen Verhältnisse. Die ganze liberale Partei theilte dieses Mißtrauen nicht, obgleich zu jener Zeit die kirchenpolitischen Kämpfe ihre Höhe erreicht hatten. Dieser Kampf hat indessen hier im Hause niemals den Charakter angenommen, wie gegenwärtig außerhalb des Hauses die Hetzereien gegen die Juden — obgleich diese den Staatsgesetzen niemals den Gehorsam versagt—Hetzereien, welche einem Deutschen dem Auslande gegenüber die Schamröthe in das Gesicht treiben müssen. Die Provinzialordnung ist aus den Verhandlungen des Landtages schlechter herausgekommen, als sie eingebracht war. Das Mißtrauen gegen das Laienelement hat sich bei der Regierung noch verschärft zu einem Mißtrauen selbst gegen die parlamentarische Theilnahme des Volkes an diesen Arbeiten. Im vorigen Jahre drohte uns ein Gesetz gegen die parlamentarische Redefreiheit, jetzt drohen uns Gesetze, welche die Regierung von der Verpflichtung, den Reichstag und den Landtag jährlich zu berufen, entbinden. Das Mißtrauen gegen den Geist der Selbstverwaltung finde seinen bezeichnendsten Ausdruck in den Bestimmungen über die neuen Provinzen. Man klage darüber, daß die Selbstverwaltung nicht die Hoffnungen erfülle, die man darauf gesetzt habe, daß sie nicht billig sei und nicht eine leichte und rasche Erledigung der Sachen zulasse. Das liege darin, daß die Selbstverwaltung da nicht angesetzt habe, wo der nächste Raum dafür sei — in der localen Verwaltung. Darum sei die Selbstverwaltung nicht so billig ausgefallen, könnten die Sachen nicht so schnell ihre Erledigung finden, tote man es wünsche. Andererseits sei vor Erlaß der Kreisordnuna von ihm und seinen Freunden ganz hestimmt ausgesprochen worden, daß die Früchte, welche man sich von derselben verspreche, nur erreicht werden könnten, wenn die Landgemeindeordnung den Voraussetzungen entspreche, die man davon hege. Im Iahte 1875 habe das Haus dem Anträge des Abg. Virchow zugestimmt ans baldige Vorlage der Landgemeindeordnung. DaS gleiche Äe- dürfniß für die Landgememdeordnuug bestehe auch heute noch und die einzelnen Parteien des Hauses seien sich recht wohl bewußt, daß vor Erlaß derselben das Communalsteuergesetz, sowie das Unterrichtsgesetz nicht zu Stande kommen könne. Es empfehle sich also, nicht eher nach oben hin weiter auszubauen, als bis der Unterbau festgestellt ist. Wenn man die einzelnen Bestimmungen des Entwurfes ansehe, so könne man Verbesserungen darin schwerlich entdecken; das gelte namentlich, so weit es die i Stellung der Landräthe betreffe. Redner erzählt einige Fälle von land- I räthlicheu Uebergriffen, darunter auch die bekannte Angelegenheit des
Glogauer Landräths v. Jagwitz, der auf dem Kreistage das Recht, die Bauern zu beeinflussen, als ein dem Landrath allein zustehendes tu Anspruch genommen habe. (Heiterkeit.) Einem jüdischen Mitgliede des Kreistages gegenüber habe der Herr Landrath sodann von „semitischer Frechheit" und „neuem messianischen Reiche" gesprochen und damit noch den Ton übertroffen, den manche Hofprediger anschlageu. (Unruhe rechts.) Es sei also unverstäudlich, warum man den Landrath zum Vorsitzenden des Kreistages mache und damit den Einfluß desselben so erheblich steigere. Eine sehr einschneidende Aenderung sei auch der Versuch, die Bürgermeister auch der größeren Städte in Polizeiangelegenhciten wieder dem Landrath zu unterstellen. Dies habe auch Herr v. Bennigsen bereits hervorgehoben. Wenn der Landrath in den höheren Instanzen der Selbstverwaltung einen stärkeren Einfluß gewonnen, so sei dies nur geeignet, den Geist der Selbstverwaltung herabzndrucken. Die Vorlage begünstige die Doppel- instanz in der ausgeprägtesten Weise, wie man sie in Preußen nie gekannt habe, und dies ist der Grund der beklagten Vielschreiberei. Die neuere Gesetzgebung habe auch den Oberpräsidenten mehr und mehr als Instanz ausgebildet und die gegenwärtige Vorlage lege die letzte Hand daran an, indem sie bett Oberpräsidenten loslösen wolle selbst von der Regierung an seinem Wohnorte. In dieser Weise war diese Instanz so scharf als möglich ausgebildet. Redner richtet hierbei die Frage an den Minister, tote es mit der von der „Provinzial-Correspondenz" an- geküudigtcn Nachsession sich verhalte; er glaube, daß diese Androhung der Nachsession die Stimmung für die Vorlage nicht günstiger gemacht habe. Jedenfalls sei es wünschenstoerth, darüber Klarheit zu erhalten. Demnächst plaidirt Redner für die Aufrechterhaltung des Bezirksverwaltungsgerichts, da er nach Aushebung desselben und somit nach Verminderung des Rechtsschutzes lieber die ganzen neuen Behörden aufgeben und mit Herrn v. Meyer (Aruswalde) zu dem alten Regierungsrath zurückkehren wolle. Er komme zu dem Resultat; eine wirkliche Verbesserung, die vom liberalen Standpunkte aus interessiren könnte, sei in diesen Gesetzen nirgends zu erkennen; er sei ein einheitlicher Zug in diesen Gesetzen, der auf eine Stärkung der Bureaukratie hinausgehe. Die Stellung des Herrn v. Bennigsen sei so zu optimistisch gegenüber der Staatsregierung und gegenüber der Zusammensetzung des Hauses. Daß die Staatsregterung das Mißtrauen gegen die Selbstverwaltung nicht aufgegeben hat, ergebe sich ans dem Inhalte der Vorlagen und an? der ganzcn Haltung der Staatsregierung in den Versuchen einer Aenderung der Verfassung und was damit zusammenhänge. Aus der Zusammensetzung des Hauses könne keine organische Gesetzgebitug hervorgehen. Seine Partei beschränke sich auf die Abwehr und Vertheidigung dessen, was mühsam errungen sei, gegen die zerstörende Richtung, welche sich jetzt kund gebe. Würden die Verhältnisse wieder einmal andere, dann würde es leicht werden, den Abschluß zu finden, der nothwendig sei. (Lebhafter Beifall links.)" — Minister des Innern Graf zu Eulenburg: Wenn die Anzahl der Mitglieder dieses Hauses, deren Ansicht der letzte 8 Redner vertreten, größer wäre als sie wirklich ist, so würde seitens der
