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Ns. Ä

Wrrsdsdeaer

Beite 1Ö

leert das Glas und kehrt es um.)

den Sargesdeckcl Wietzen."

Wie diese Tropfen hier zur Erde fließen. So sollen Thränen auf Dich niederthau'n — Jn's brechend' Auge Dir die Liebe schau'n. Und (den Deckel leise senkend) Freundeshand

Räthscl.

Rauch und Geruch hast Du vermehrt in Europa, Du wilder Amerikaner, und ach! mehr noch des Widerspruchs Geist.

Widerspruch schufst Du in Straßen und Wagen, in Magen und Nase, Widerspruch je und je auch zwischen dem Mann und der Frau.

Auflösung de? Räthsels in No. 3: Die Mast, der Mast.

Die erste richtige Auflösung sandte N. Bettner.

Beschuldigten gaben das Amselfangen zu, wollen aber dazu berechtigt ge­wesen sein, da die Amsel nicht zu den Singvögeln gehöre, deren Einfangen und Tödten durch ortspolizciliche Vorschrift verboten ist. Hofrath Dr. Rindfleisch, Professor der pathologischen Anatomie, war als Experte geladen und gab sein Gutachten dahin ab: Die Amsel sei zu den aller- schädlichsten Thicren zu rechnend Sie sei kein jagdbares Thier, bei "dem eine Hegzeit, wie bei Rebhühnern, Fasanen und anderem Wild, vorgeschrieben ist. Die Amsel gehöre aber auch nicht zu den Singvögeln, welche das Polizeigesctz meint; sie sei durch Vermischung mit anderen Vögeln entartet und ein fleischfressendes Thier geworden. Namentlich liebe es die Amsel, die Jungen der Singvögel aus den Nestern aufzufressen. Wo Amseln sich einnisten, verschwinden alle Nachtigallen, wie dies in Thüringen der Fall sei. Er finde da? Wegfaugen der Amsel nicht nur nicht strafbar, sondern sogar lobenswerth und verdienstlich. — Amtsanwalt Braunwart bean­tragte für die beiden Beschuldigten je 50 Mk. Geldstrafe. Der Vertheidiger plaidirte, gestützt auf das Gutachten de? Sachverständigen, auf Freisprechung. Das Schöffengericht schlotz sich der Ansicht des Verthcidigers an und er­kannte auf Freisprechung und sprach somitfdie Verurtheilung der Amsel aus".

— (Ein Trinkspruch Fritz Reuter's.) Der „Berl. Mont.-Ztg." ging der folgende, bisher ungedruckte sinnig-ernste Trinkspruch Fritz Reuter'S zu, den dieser einst im Freundeskreise bei Ueberreichung eines Deckelglases an einen Fcstgenossen äusbrachte. Die (gegenwärtig in Vevey weilende) Gattin des dahingefchicdenen unvergeßlichen Dichters ertheilte in liebens­würdigster Bereitwilligkeit die Erlaubniß zur Veröffentlichung:

„Hoch schäumt das Glück in Deines Lebens Becher, Du schlürfst es heut' im durstigen Genuß;

Auf Deinen Lippen glüht der Kuß, — Du sitzest trunken da, ein Lieüeszecher. Schau her! Ich will fein bildlich cs Dir zeigen: Der Schaum verschwindet bald von unserm Glück;

Der edle Trank bleibt klar zurück —

Ein echtes Glück läßt keine trüben Neigen!

Doch spar' damit (er trinkt) — in kleinen, kurzen Zügen (er trinkt), Genieße es (er trinkt), nur dann bekommt Dir's gut;

Den, der im Glück auf seiner Hut, Wird nie des Lebens Ungemach besiegen (er trinkt). Und wenn des Pulses Schlag beginnt zu sinken, Und tropfenweif' die Kraft und Lust verrinnt, Dann mag mit sanftem Lächeln lind Und still der Tod die letzte Neige trinken. (Er

— (Zur Geschichte der Wirthshausschilder) gibt die „Köln. Volkszeitung" einige intereffante Momente. Wie die ersten Märkte, woran noch der Name „Diessen" erinnert, mit den kirchlichen Festen in Verbindung gebracht wurden, so entstanden die ersten Gast- und Pilgerhäuser meistens in der Nähe der Kirchen und Klöster und nahmen deßhalb ihre Titel mit Vorliebe aus den Vorstellungen der kirchlichen Kunst. Die Attribute des Kirchenpatrons, die man auf den Bildern desselben erblickte, wurden auch auf den Schildern der Pilgerhäuser angebracht, wie sie mehrfach auch in die Stadtwappen ausgenommen wurden, z. B. der Löwe des h. MarcuS in das Stadtwappen von Venedig, das Rad des h. Willigis, eines RadmacherS Sohn, in das Wappen von Mainz u. s. w. Als Patrone der Pilger wurden verehrt der Erzengel Raphael und die hh. drei Könige, und auf sie weisen viele traditionell hergebrachte Wirthshausschilder hin, z. B. zum goldenen Engel, zu den drei Kronen, zum goldenen Stern, zu den drei Mohren. Ferner wurden die Symbole der drei göttlichen Tugenden, Kreuz, Anker und Rose, sehr verbreitete Titel der Wirthshausschilder. Die ge­bräuchlichsten kirchlichen Sinnbilder, besonders diejenigen, welche sich auf das Leiden Ehristi beziehen, und die Attribute der vier Evangelisten, welche in den Kirchen am häufigsten dargestellt wurden, finden wir in der Sprache dieser Schilder wieder, tote das Lamm, den Löwen, den Adler, die Taube, das Schwert u. a. Ein anderes von der alten Kunst oft gewählter Sinnbild ist das Einhorn, desfen Bedeutung schwer auszumachen ist. Es versinnbildete das Kreuz Christi, und es ging die Sage, daß es jede Wunde heile. Deß­halb wohl kam es in Aufnahme, die Apothekenschilder mit diesem Symbole zu versehen; in vielen Städten gibt e5 jetzt noch eine Einhorn-Apotheke. Wenn Sonne und Mond ost in den Titeln Vorkommen, so braucht man darin nicht eine Beziehung auf Vorstellungen der religöscn Kunst zu suchen. Anders ist eS wohl mit dem halben Mond. Dieser kam ost auf Kirchen- bildern der Gottesmutter vor; namentlich nach der Schlacht bei Lepanto, in welcher die Christenheit nach der Anrufung der heil. Jungfrau den Sieg erlangte. Da wurde nicht nur in der Lauretanifchen Litanei die Bitte, auxiliatiiK Christianerum, ausgenommen, sondern manche Städte, die sonst durch das Läuten der Türkenglocke erschreckt waren, nahmen in ihre Wappen das Bild der h. Maria, mit dem Halbmond unter den Füßen, x auf. Der Haldntond hatte den Schrecken seines Namens verloren. Von j der Zeit an findet sich der halbe Mond oft in den Wirthshausschildern, s und der Jäger nannte seine Hunde Türk, Ali oder Sultan. Ändere Gast- I Häuser nahmen ihren Titel von bekannten heraldischen Zeichen, z. B. den | Schwan, den vornehmsten der Wandervögel, den Strauß, den Bär, den 5 Riesen u. a. Einige Wirthshäuser haben chre Bezeichnung auch von den ä Abzeichen der Zünfte hergenommen, die in ihnen ihre Versammlungen hielten l

— (Wohlthat des starken Schnürens.) Ein Doctor dtt Philosophie beweist die Wohlthat des starken Schnüren? dadurch, daß et sagt: „Es nimmt alle albernen Frauenzimmer von der Erde und läßt nur die Vernünfttgen darauf zurück, damit diese gute Frauen werden".

— (Klimax des Vergnügtseins.) In einem alten Faeetien- Büchlein vom Jahre 1644 findet sich die folgende Gradation des Vergnügt' seins: „Willst Du für einen Tag vergnügt sein, so laß Dich barbirent willst Du eS für eine Woche sein, gehe zum HochzeitsfchmauS: willst D« eS für einen Monat sein, kaufe Dir ein schöne? Rettpferd; willst Du eS für ein halbes Jahr sein, baue Dir ein schönes Haus; für ein ganzes Iaht so nimm Dir ein junge?, schönes Weib; für zwei Jahre, so beerbe einen reichen Onkel; wenn aber Dein ganze? Leben lang, so sei — mäßig!"

und ihre Feste feierten, z. B. den Stiefel, das Hufeisen u. s. w. Endlich haben viele geschichtlichen Begebenheiten bett Mrthshäusern, ihre Titel ge­geben. Ein hübscher Beispeil dieser Art erzählt HanSjacob in den Erinne­rungen aus seiner Jugendzeit: „Kaiser Wenzel, der Faule, jagte einst im HarmerSbacher Thale, einem Seitenthale der Kinzig. Persönliche Feind« lauerten ihm hierbei auf. Wenzel mußte flüchten und entkam seinen ihn verfolgenden Gegnern nur dadurch, daß ein Bäuerlein den Kaiser zu den drei Schweinen m den Stall sperrte. Zum Dank dafür gab der gerettete Böhmen-König dem Bauern da? Privilegium einer Wirtschaft unb bem ganzen Thale die Reichsunmittelbarkeit. Heute noch existirt das Wirths- hans „Zu den drei Sauköpfen". .,. . „

— (Der Fiebert,eilbaurn gegen DiphtheritlS.) 3er„Euca­lyptus globulue“ ist öfter al? Fieber vertreibender Baum empfohlen worden. Neuerdings will nun Professor Moßler die Entdeckung gemacht haben, daß der Saft von den Blättern dieses Baumer auch Diphiheritts heilt. Herr C. ®. Deeaen ans Köstritz in Thüringen theilt uns die? mit bem Bemerken mit, daß er den Baum in größerer Anzahl gezogen und Blätter davon gesammelt und getrocknet habe, die er an Aerzte oder hülfe- suchende Diphtheritiskranke ohne Bezahlung ablafien wolle unter der einzigen BedingiMg, ihm von dem Heilerfolge eine briefliche Nachricht zukommen zu lassen. Nach Professor Moßler sollen die mit Wasser abgekochten Blätter de? genannten Baumes theeariig zubereitet und de? Morgens und Abends dem Kehlkopfe gurgelnd zugeführt, sich für die AthmungSorgane ungemein wohlthuend erweisen.

— (Pariser Winter-Moden.) Schneiderm unb Modistin sind in voller Thättgkeit, heißt eS in einem Pariser Brief, arbeiten bis tief in die Nacht hinein und „crctren" Erfindung über Erfindung. Für Kleider sicht man überall Cachemir-Stoffe, namentlich in brauner Farbe: so be­gegneten wir einem Costüm mit Agrsment-AufschlSgm, Brochö-Scharpe am Pouff und mit breiten Brochö-Streifen garnirt. Em andere? Costüm war mit brochirtem Cachemir besetzt, hatte die Taille mit Panier-Weste unb den Rock mit Bonillonnö-Schärpe. Paletots zeigen sich hübsch in MooAnch und sind auch reich mit Passementrien besetzt. Siu eleganter Paletot hatte LouiS XV. Weste aus Sarnmt; bei großen Figuren zeigt sich Otterpelz als geschmackvolle Garnitur. Von Hüten steht man in den tonangebenden Häusern sehr große Formen, welche schon durch ihren Umfang gar nicht fest aussitzen können; sehr elegant macht sich die Form „Direetoire" mit dicken Perlen unb breiter Goldborde eingefaßt. Die vorjährigen langhaarigen Filzhüte sind hier unb ba noch beliebt, aber doch im Abnehmen, unb mehr unb mehr neigt man sich dem Samntt zu. Die Hüte sind voller Federn, man sieht deren bis sechs Stück auf einem Hut. Von Farben ist roth ver­drängt, die Modefarbe, welche seither bleu-gensd’armes war, ist jetzt bleu- hustard. Von Stoffen sind auch bei Hüten Cachemir und ganz besonders feinster satin antique beliebt. Die im vorigen Jahre moderns gewesenen Bänder mit anderfarbiger Rückseite trügt man gar nicht mehr und werden überall zu Spottpreisen ankgeboten. An den Hüten sind, wie schon oben erwähnt, Goldborden, sodann sehr große Goldkugeln beliebt, die Silber­verzierung h, jour anfweisen. Außerdem ist noch Jet modern, sowie auch feine Feder- Gold-, und Silber-PomponS höchst geschmackvoll.

— (Folgender Beispiel amerikanischer Rechtspflege,) das lebhaft an die Vortheile mancher russischen Schwurgerichte erinnert, ent­nehmen wir einem New-Aorker Blatte: „Anna Hoff, welche ihren treu­losen Geliebten erschoß, wurde in Newport (Kentucky) trotz ihres eigenen Geständnisse? der That, aus der Untersuchungshaft ehrenhaft entlassen. Di: von der Vertheidigung geltend gemachten und von dem Gerichtshöfe gui geheißenen Gründe der Vertheidigung waren folgende: 1) Das Geständnis des Fräuleins Anna Hoff sei nicht al? Zeugniß zulässig; es sei denn, ihn I Aussagen würden von anderen Zeugen bestätigt. Dieses sei nicht geschehen I 2) Die Angeklagte müsse entlassen werden, wenn nicht genügende Bewei | vorlägen, welche ihre Verurtheilung im Criminalgerichte al? gewiß vorans- setzen ließen. Diese Beweise wären nicht vorhanden. 3) Selbst wenn zuge­standenermaßen die Angeklagte sich eines Verbrechens nach dem Gesetz: schuldig gemacht habe, so sei in diesem Falle der menschlichen Gesellschaft durch Erschießung des Scheusal? Scheurer mehr genützt, als aeschad« worden, und könnte daher von einem Verbrechen nicht die Rede sein."