Seite 16
Wiesbadener Lagblatt.
,o.
<
St
?71
der Hohenzollern als heiliges Erbe fortleben.
s
f
Pläne stürzte über Nacht in Trümmer, und wenige Monate später ma die Hefe des Volkes die Paläste der Erde gleich, wo die ränkesüchtige Fi in ihrem Machtgefühle geschwelgt. Die Pctroleusen übernahmen cs, die Ei
Hänger des Kaiserthums sich durch Schätze bereichern durften, die in Krie, Unternehmungen auf Kosten fremder Herrscher erbeutet wurden — erschi die erschütternde Gestalt der unglücklichen Kaiserin Charlotte v Mexiko, jenen Verräther anklagend, welcher ihren Gatten verlockt, die Heim । zu verlassen, um auf fremder Erde ein Opfer geheimer Jntrigucn zu werd Sein Tod hatte ihr den Verstand geraubt — als Rache-Engel trat sie > den erschrockenen Kaiser, ihm den Lohn für seine Thaten weiffagend! ■
Für immer versunken ist der Glanz der napoleonischen Herrlichkeit —
eci
mi
und das deutsche Vaterland ihm auferlegen?
Vor Allen richtet sich diese Frage an die deutschen Frauen, indem i ihre Blicke auf das Vorbild der Kaiserin Augusta lenken, die in u« müdeter Thätigkeit ihre Fürsorge den Armen und Nothleidenden zuwen und ihre Lebensaufgabe darin erblickt, Thränen zu trocknen, Roth lindern und in fürsorglicher Nächstenliebe zu helfen, wo ei Noth thut. Auch auf ihr ruht der segnende Blick der Mutter ihrer Gemahls, edlen, in ewiger Jugend verklärten Königin Luise!
Möge die Macht des Beispiels sich mehr und mehr wirk! erweisen und das Herz jeder deutschen Frau mit dem Bewußt! erfüllen, daß auch ihr die Pflicht obliegt, die Tugenden ihres Volke» ungetrübter Reinheit zu bewahren.
Deutsche Treue, Vaterlandsliebe, wahre Frömmigkr Zucht und Sitte, das sind die heiligen Güter, welche den Händen Frau anvertraut sind und die sie in ihrem Hause zu hüten und zu pfleh hat. Auch die Frau ist berufen, thätig in das Leben ihres Volkes ein# greifen und in der Arbeit die Quelle der Zufriedenheit und des wahn Glückes zu würdigen.
Darum muthig voran auf der geöffneten Bahn!
Wenn die Edelsten und Besten sich hierbei die Hand reichen — d« wird am Beginn eines neuen Jahrzehntes vielleicht schon die Erkenn» sich Bahn gebrochen haben, daß eS kein höheres Lob für eine Frau W
als in selbstgewähltem Berufe übernommene Pflichten gewissenhaft treu zu erfüllen und, in vollem Umfange des Wortes, eine fl«t" 7 deutsche Hausfrau zu sein! 1 *
wischend, als zürnten sie, daß man den fleckenlosen Teppich so rücksichtslos beschmutzte und zertrat. Das geschah heute vorzugsweise vor dem Palais des Freiherrn von Loffow, vor dessen Einfahrt die brennenden Fackeln blutrothe Streiflichter über den blendenden Schnee warfen, die eleganten Equipagen magisch beleuchtend, die eine nach der andern hereinrollten und viele Neugierige heranlockten, welche, sich einander drängend und stoßend, versuchten, einen Blick in die teppichbelegte, glänzend erleuchtete Vorhalle zu werfen, wo die Diener in der reichen Livräe des Hauses Lossow die Gäste empfingen, um sie die mit Blumen besetzte Treppe hinauf zu geleiten.
Wir wollen uns zwei Damen, einer älteren und einer jüngeren, anschließen, welche soeben die Treppe cmporsteigen und in ein zeltartig ausgestattetes Gemach eintreten, das mit hellblauem Atlas ausgeschlagen und mit hohen Wandspiegeln geschmückt ist. Letztere vervielfältigen den Schein der Wachskerzen, sowie die zierlichen Tische, auf welchem Schmucksachen, Fächer, Blumen, Schleifen und Bänder in allen Farben, Handschuhe und AtlaSschuhe in schönster Ordnung ausgebreitet liegen. Die beiden Kammerfrauen empfangen die Damen an der Schwelle dieser reizenden Garderobe, nehmen ihnen die warmen Hüllen von den Schultern und ziehen und zupfen hier eine Falte, dort eine Puffe oder eine Falbel und schließlich die Schleppe zurecht, mit einer Sorgfalt und Wichtigkeit, als hinge von dem tadellosen Erscheinen der Gäste nicht nur ihre eigene Ehre, sondern auch die des Hauses Lossow ab. Endlich ist der schwere braune Seidenstoff, der die hohe Gestalt der älteren Dame umschließt, in den gehörigen, stolzen Faltenwurf gebracht, sind die Bergißmeinnichtzweige auf dem himmelblauen Seidenkleide der Jüngeren graziös geordnet .... noch einen lächelnden Blick wirft die hübsche Blondine auf ihr strahlendes Spiegelbild und dann öffnet der Kammerdiener die Thüre des Salons. Aus seiner mit lauter Stimme gegebenen, feierlichen Anmeldung vernehmen wir, daß die Beiden Mutter und Tochter sind: Gräfin Rheinsberg und Comtcß Julie. Der Saal, an welchen sich mehrere kleinere und größere Gemächer reihen, alle mit der gleichen, verschwenderischen Pracht ausgestattct, ist bereits gefüllt mit den ersten Vertretern der Aristokratie und Diplomatie; glänzende Uniformen wechseln ab mit dem ordcngeschmückten Frack; die prachtvollen Toiletten der Damen lasten uns im ersten Augenblick glauben, daß nur Schönheiten hier vertreten sind, wozu das milde ruhige Licht der Wachskerzen nicht wenig beiträgt, und doch treten die vielen schönen und hübschen Damen bei näherem Beschauen alle zurück hinter einer Mädchengestalt von vollendeter, elastischer Schönheit, die soeben die tiefe Verbeugung des ritterlichen, von allen Frauen angebeteten Prinzen G. erwiedert und ihm ihre Tanzkarte reicht, auf welcher er seinen Namen zum „Cotillon" einträgt und sich dann lebhaft mit dem schönen Mädchen unterhält, an dessen herrlicher Gestalt sein Auge, wie das der ganzen Gesellschaft, mit Bewunderung hängt.
Es ist Bianca, die Adoptivtochter des Freiherrn von Lossow, welcher erst im vorgerückten Mannesalter sich mit ihrer Mutter, einer jungen schönen Wittwe vermählt und nach deren frühzeitigem Tode seine ganze Liebe auf ihr Kind übertragen hat, das er ganz wie sein eigenes betrachtet. Man sieht auf den ersten Blick, daß sie keine Deutsche, sondern nur eine Italienerin sein kann. Das zarte, römische Profil, die bleiche Gesichtsfarbe, die dunkeln, gluth- vollen Augen und das blauschwarze, reiche Haar, das von der niedrigen Stirne zurückgestrichen, in langen, schweren Locken im Nacken herabsällt, findet man in solcher Vollkommenheit und Schönheit nur bei den Kindern Italiens. Der schimmernde Atlas vom zartesten röthlichen Gelb der Theerosenfarbe, welche ihre hohe, stolze Gestalt in schweren Falten umschließt, und die Theerosen in dem schwarzen Haar heben ihre südliche Schönheit noch mehr hervor; das lebhafte Mienenspiel ihres Gesichtes verräth den regen Geist, der in dieser wunderbar schönen Hülle wohnt. Nur in ihren Bewegungen ist sie nicht Italienerin, denn dieselben sind, wenn auch voll Grazie, so doch von einer gemessenen, stolzen Ruhe, wie überhaupt der Stolz am meisten in ihrer Erscheinung ausgeprägt ist, wenn er auch durchaus edel und fast unbewußt erscheint.
(Fortsetzung folgt.)
Allein fragen wir uns, ob Jeder mit gleicher Gewissenhaftigkeit i m» Pflichttreue wie Kaiser Wilhelm die Pflichten erfüllt, die sein Be
nerungcn zu vernichten, welche sich an die Mauern knüpfen, in denen Herrscher Frankreichs ihr Volk auf den Gipfel der Macht und des Ruh«0s geführt und zu erhalten gewußt, als Deutschland uneinig und zerrissen, kaum noch bewußt war, „ein Volk von Brüdern zu sein". „„
In dem Taumel der Lust, inmitten der Habgier, mit welcher die $ di II
Meujaßrsgruß j
it n die deutschen Frauen. | 6
(Schluß.)
Sechzig Jahre nach dem Tode Preußens edler Königin, als aberM französischer Uebermuth die Langmuth der deutschen Nation erschöpft hatte da kniete ihr erhabener Sohn an ihrem Sarge, um Kraft und Muth | von dem Höchsten zu erbitten, die Verantwortung einer blutigen Krie auf feine Schultern zu nehmen.
Den deutschen Waffen war jedoch der Sieg verliehen unter sei Führung, und ihm war er aufbewahrt- das alte deutsche Reich in erner Herrlichkeit wieder aufzurichten. ~"~
Bevor das deutsche Kaiserreich jedoch zur That geworden — hatte I französische Volk sich selbst von seinem Kaiser losgesagt und dessen Th ' gestürzt. Die stolze Kaiserin der Franzosen, Eugenie von Teba, de * Schönheit mit dämonischer Macht die Welt über den Mangel aller sonstij otz weiblichen Tugenden verblendete, entfloh — daS hohle Gebäude ehrgeizj
stürzt die Macht der Herrscherin im Reiche der Mode — ein Beispiel, i schnell äußerer Schein erlischt vor dem Hellen Lichte der Wahrheit und Tuge
Sichtlich ruht dagegen der Segen der Mutter auf dem Hause ih erhabenen Sohnes, desKaisersWilhelm und dessen Gemahlin, Kaiser» < Augusta. Als ihnen das seltene Glück zu Theil wurde, ihre gelb Hochzeit im Kreise ihrer Kinder und Enkel in voller geistiger und körpÜfst licher Rüstigkeit feiern zu können, da durfte das Auge der Eltern beglü A auf ihre Nachkommen sich wenden, in denen die Gesinnungen und Tugend
