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Expedition: LanggaNe No. 27
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Pfandstück nicht beschädigenden Klebestoffes auf demselben zu befestigen. Falls auch dieses nicht ausführbar sein sollte, muh der Pfandzettel in der Nähe des Pfandstücks auf auffällige Weise befestigt werden. Die Bezeichnung der Pfändung von Früchten auf dem Halme hat in der Art zu geschehen, daß auf dem betreffenden Acker ein Pfahl eingeschlagen und an diesem der vorschriftsmäßige Pfandzettel auf einer Tafel angeheftet wird.
— (Der diesjährige Andreasmarkt) hat durch die Ungunst des Wetters gründlich Fiasko gemacht. Der Verkauf in den Waarcnbuden war kaum nennenswerth und auch die Schaubuden vermochten die spärlichen Marktbesucher, die dem altgewohnten Drang nicht widerstehen konnten, trotz Schnee und Kälte, „'mal über den Markt zu gehen", nicht zu reizen und zu längerer Verwcilung zu bestimmen. Wär's nicht am Ende besser, wenn man dem „alten Andreas" ein für allemal die Freundschaft kündigte und ihn als „einen überwundenen Standpunkt" zu verschmerzen trachten würde?
— (Entlassen.) Der wegen Verdachts der Brandstiftung inbaftirt gewesene Zimmermann Kleiß zu Johannisberg ist außer Verfolgung und in Freiheit gesetzt worden.
9 (Zu den AmtsbezirkSrathswahlen.) Als Ortswähler, welche demnächst das Mitglied zum Bezirksrath nebst Stellvertreter zu wählen haben, sind gewählt worden: in Bierstadt Herr Bürgermeister Seulberger, in Kloppenheim Herr Landwirth PH. Ruf, in Heßloch Herr Bürgermeister Stubenrauch und in Dotzheim Herr Landwirth Friedrich Wilhelm Wintermeyer II.
— (Deutsches Turnfest in Frankfurt a. M.) Der Garantiefonds, für das fünfte deutsche Turnfest, welches bekanntlich im Sommer 1880 in der ehrwürdigen Mainstadt mit allem Pomp abgehalten werden soll, ist, wie wir dortigen Blättern entnehmen, bereits auf 130,000 Mark angewachsen. Bei den Zeichnungen soll sich der Mittelstand wieder am Meisten bewähren; besonders glänzen die dortigen Brauer in der Garantieliste, sie stufen sich von 2500 bis zu 500 Mark ab.
— (Verhaftet.) Der wegen Betrugs und Unterschlagung steckbrieflich verfolgte Architect Schröder, früher hier, ist in Frankfurt festgenommen worden.
—. (Von Mainz) wird uns geschrieben: „SeitDonnerstag sind wir hier eingefroren, unsere Schiffbrücke mutzte infolge des starken Eisganges abgeführt worden und den Verkehr mit dem jenseitigen Ufer vermitteln nur dürftig zwei Dampfboote der Nass. Eisenbahn. Die Dampfboote der Köln-Düsseldorfer und der Niederländischen Gesellschaft haben infolge des Eisganges ihre Fahrten eingestellt; auch die ganze übrige Schifffahrt, welche noch bis Kurzem recht flott ging, liegt vollständig brach."
Kunst und Wissenschaft.
— (Neßler's „Der Rattenfänger von Hameln.") Dem „Berl. Fremdenbl." wird aus Hamburg geschrieben: Am 2. December bat im hiesigen Stadttheater die erste Aufführung der fünfaktigen Oper „Der Rattenfänger von Hameln", Text von Fr. Hofmann, mit Zugrundelegung der Sage, tote der gleichnamigen Dichtung I. Wolff's, Musik von Netzler, stattgefunden. Der Erfolg war ein glänzender, wie ihn seit lange kaum eine Novität errungen, und stehen der Oper in so musterhafter Darstellung und Jnsceniruna eine lange Reihe von Wiederholungen bevor. Die Oper zeichnet sich durch ein ungemein bewegtes und hochpoetisches Ltbretto wie durch herrliche Melodien aus.
— (Die Restaurationsarbeiten an der Metzer Kathedrale) werden, soweit thunlich, auch während des Winters fortgesetzt. Bezüglich der Herstellung eines neuen Daches an Stelle des abgebrannten sind dre Vorbereitungen soweit gediehen, daß die Ausarbeitung eines Pro- lectes, welches die Bedachung in Form eines gleichseitigen Dreiecks zur Grundlage hat, angeordnet werden konnte. Dagegen erscheint der pro- lecürte Ausbau des einen Thurmes noch nicht gesichert; es hängt dies von der Untersuchung der Fundamente ab, wodurch erhoben werden soll, ob dieselben stark genug sind, um eine Mehrbelastung zu ertragen. Die Herstellung des verstümmelten Eckportals wird eifrig betrieben, wird aber, da fast sämmtliche Haupttheile, namentlich auch die großen Figuren neu hergestellt werden müssen, voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Die dafür vorgesehenen Kosten sind vorläufig auf 120,000 Mk. veranschlagt. Die übrigen im Gang befindlichen kleineren Reparaturen, nämlich die Wiederherstellung einzelner schadhafter Pfeiler und Ornamente in dem äußeren großen Strebbogensystem, die Reparatur und Erneuerung der großen, die Nord- ftont des Transsepts ausfüllenden gemalten Glasfenster, sowie endlich die Ersetzung von sechs in den Seitenschiffen befindlichen, in gewöhnlichem Glas ausgefuhrten Fenstern durch in einfachem Stil gehaltene Grisaille- fenster werden noch im laufenden Verwaltungsjahre der Beendigung entgegengeführt. ___________
Aus dem Reiche.
* Preußisches Abgeordnetenhaus. (18. Sitzung vom 4. Dec.) Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 127» Uhr. Am Mmtstcrttsche: Eulenburg, v. Puttkamer, Bitter und mehrere Regierungs-Commissare. Der erste Gegenstand der Tagesordnung ist die Fortsetzung der Wahlprüfungen. Das Haus erklärt ohne jede Discussion die Wahlen der Abgeordneten v. Neumann und Graf Hacke (3. Frankfurter), v. Griesheim (3. Casseler), v. Gliszynski (6. Oppelner), Richter und Dr. Ztmmermann (4. Berliner), Born (8. Merseburger), Dr. Schläger ■ (25 Hannover'scher), v. d. Gröben (4. Königsberger) und Röhne, v. Pröcher und Wettich (1. Potsdamer Wahlbezirk) für gütig. Demnächst wird das j
Ausführungsgesetz zur deutschen Gebührenordnung für Rechtsanwälte in Meiter Berathung genehmigt und darauf die Berathung des Etats des Ministeriums des Innern fortgesetzt. Bei Capitel 94 (Landgendarmerie), Titel 10, rügt Abg. v. Schorlemer-Alst, daß Preußen bezüglich der im Interesse des Reicher angestellten Gendarmen auch die Kosten der Penstoni- rung dieser Gendarmen zu tragen habe und beantragt zur Regelung dieser Frage Ueberweisung dieses Titels an die Budget-Commission. Der Regie- rungs-Commissar Geh. Rath v. Pehler erklärt, daß das Reich diese Kosten (auch der Pensionirung) ersetze und Abg. v. Schorlemer zieht in Folge dessen seinen Antrag zurück. Bei Capitel 95, Titel 1, zu geheimen Ausgaben im Interesse der Polizei werden 120,000 Mark bewilligt, nachdem Abg. Dr. Hauet erklärt, daß die Fortschrittspartei diesem Titel gegenüber dieselbe Stellung einnehme, die sie immer eingenommen habe und gegen die Bewilligung sttmme. Zu Titel 6 (Zuschüsse an die Communal- verbände zu den Kosten der Unterbringung verwahrloster Kinder, 200,000 Mark) bittet Abg. Dr. Röckerath um eine Ueberstcht darüber, wie diese Zuschüsse vertheflt werden. Der Minister Graf zu Eulenburg sagt dieses zu. Bei Capitel 96 (Strafanstaltsverwaltung) erklärt der Abg. Staatsanwalt v. Uechtritz, daß das gegenwärtige Strafensystem bte Schuld an der Vermehrung der Verbrechen trage. Die Verbrecher betrachteten die Zuchthäuser als ein Eldorado, sie begehen Verbrechen lediglich um eingesperrt zu werden. Er hält eine Trennung der Gefangenen nach der Schwere des von ihnen begangenen Verbrechens für nothwendig, ebenso eine strengere Behandlung der schweren Verbrecher und schließt mit dem Rufe an den Minister: „Landgraf werde hart!" Abg. Berger (Witten) bedauert gerade hier, daß der langjährige College Eberti nicht mehr im Hause sei, welcher mit einer außerordentlichen Kenntniß der Sache tiefe Humanität verband. Redner richtet an die Regierung die Bitte, dem Hause Mittheilung über die angestellten Ermittelungen bezüglich der Gefängniß- arbett zu machen. Der Regierungs-Commissar Geh. Rath Illing er erklärt, daß die Regierung nicht in der Lage sei, diesem Anträge Folge zu geben, da die Erörterung der Frage noch nicht abgeschlossen sei. Abg. Wrndthorst ist von der großen Bedeutung der Gefängnißarbeit gegenüber der Privatindustrie überzeugt, meint aber, daß man nicht vergessen dürfe, daß die Gefangenen beschäftigt werden müßten. In vielen Punkten sei er mit dem Abg. v. Uechteritz einverstanden, in manchen nicht; es sei aber auch nicht möglich, diese wichtige Frage durch einige Sätze hier so nebenbei zu erlebtgelt, das Abschreckungssystem allein sei ntcht das richtige, ebensowenig das Besserungssystem allein; beides müsse combinirt werden und das sei unendlich schwer; es sei dies mehr Aufgabe der Strafanstalts-Directoren als des Reglements. Redner verweist alsdann auf die vielen Bestrafungen der katholischen Bischöfe und Geistlichen, wodurch in den Augen des Volkes das Gefäugniß nicht mehr eine Strafe, sondern ein zu erstrebendes Matyrium geworden sei. Endliche Beseitigung dieses ganzen Strafapparats sei dringend wunschenswerth. Abg. Strosser (Strafanstalts-Director) erklärt, daß er ganz auf dem Standpunkte des Abg. v. Uechtritz und Windthorst siche und es für einen schweren Uebelstand halte, daß politische und Preß- vergchen ebenso mit Gefängniß bestraft würden, wie Diebstahl und Todt- schlag. Die Müde werde jetzt gegen die gemeinen Verbrecher, die Strenge gegen die polfirschen in Anwendung gebracht. Die Prügelstrafe, die jetzt nur nt bett Zuchthäusern unter gewissen Verhältnissen gestattet sei, müsse °uch wieder ttt ben Gefängnissen eingeführt werden. Bet der Handhabung der Primelstrafe wurde tu den Zuchthäusern der Humanität im weitesten Maße Rechnung getragen. Die Verfügung der körperlichen Züchtigung werde ntcht vom Dtrector allein, sondern von einer Conferenz der Oberbeamten unter Zustimmung des Arztes nach genauer Erwägung und $e= rathung. des einzelnen Falles beschlossen. Gegen einzelne ruchlose Buben, die bei icder Gelegenheit mit Messer und Stock bei der Hand seien, müsse wenn fie auch tut Gefängnisse ihre Ruchlosigkeit fortsetzten, der Stock zur Anwendung kommen. Er halte die Zuchthäuser nicht nur für die Elc- rnentar-, sondern auch für die Hochschule der Verbrecher, daher ginge jetzt das Bestreben dahm, dte ^zsollrhaft zur allgemeinen Einführung zu bringen, ^n weiten Kreisen bestehe em Humanitäts-Fanatismus, der ans dem Ge- fanamß und Zuchthaus nur eine Besserungs- und Erziehungsanstalt machen Auf dem Gebiete der See sorge und geistigen Pflege geschehe in „bt,e unter dem Minister des Innern stehen, alles Nöthige und Mögliche, lieber bte Concurrenz der Gefängnißarbeit mit der freien ^ndustrte werde sehr viel falsches geurtheilt und geschrieben. Zur Besserung der Gefangenen sei Arbeit unerläßlich. Die Außenarbeit habe sich bei tolederholten Versuchen als nicht durchführbar erwiesen. Aus finanziellen und praktischen Gründen sei das letzt eingeführte System der Gefängniß- arbeit das beste. Was die Klage über die billigen Preise der Zuchthaus- arbett anlange, so wurden dieselben am besten dadurch widerlegt daß I“ dieiemgeu, welche darüber klagen, Gelegenheit genug hätten, zu höheren Preisen die Arbeit der Gefangenen zu pachten. Abg. Götting bedauert, daß ein Mann, der wie der Abg. v. Uechtritz als Staatsanwalt der Strafvollstreckung so nahe stehe, lediglich der Abschreckungstheorie huldige Früher habe diese geherrscht, da sie aber die Verbrechen nicht ^Iw'udert habe, sei man zu den jetzigen humanen Anschauungen gekommen Redner wendet sich weiter gegen die Ausführungen des Abg. B._ Uechtritz. Die Klagen über die Concurrenz der Gefängnißarbeit sTm L.b?rtnebem Die gefährliche Theorie des Abg. Windthorst, daß man dem Gesetze nicht zu folgen brauche, wenn es gegen das Gewissen sei, habe im Volke zu einer Verwirrung der rechtlichen Begriffe geführt. (Beifall.) — Abg. Berger macht darauf aufmerksam, man solle die Gefan- aenen nur mit Arbeiten für die Bedürfnisse des Staats beschäftigen, und ms das geschehe, halte er die Beschwerden aufrecht. — Abg. Windthorst erklärt, er habe nicht gesagt, man solle dem Gesetze nicht gehorchen, son-
