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Seite 8

Wiesbadener Tagblatr.

No. 168

Auflösung des Räthsels in No. 162: Die Taubenpost.

MM und Verlag der L. Schellenberg'schen Hofbuchdruckerei in Wiesbaden. - Für die Herausgabe verantwortlich: Louis SchellmbergiuWiesbade»'

(Die henitge Nummer enthält 20 Seiten,) '

Räthsel (dreisilbig).

Wer furchtlos der Gefahr entgegengcht, Wer unerschrocken in derselben steht, Dem schreiben wir die erste Silbe zu. Die zweite mit der dritten setzest Du Mit Recht zum Maßstab für des Menschen Werth, Der sittlich frei verabscheut und begehrt.

Dies Lob der Theile trifft das Ganze nicht: Wenn sich zum Leichtsinn Kraft gesellt, so bricht Er keck hervor und überspringt bte Pflicht.

Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche Und Weintrauben in nach der Natur gemalten Aquarellen darzustellen und diese Abbildungen, von einem kurz gefaßten Text über bte kennzeichnenden Eigenschaften der betreffenden Früchte beglettet durch Farbendruck vervielfältigen zu lassen, um den Obstzuchtern bet der Anschaffung von Edelretsern eine sichere Auswahl der für die be­sonderen klimatischen, örtlichen und Bodenverhältnisse geeigneten Sorten zu ermöglichen. Die Prospecte dieses cmpfehlenswerthen Werkes liegen bei den lammtlichen Landrathsamtern der Monarchie zur Einsichtnahme offen.

(Erne Lelchenverbrennung) hat jüngst wiederum in Gotha stattgefunden, und war es diesmal em Israelit, der hiesige Rentner Lilien­feld, an dessen Leiche die Feuerbestattung vollzogen wurde.

. —G * ° t e st a n t e n t a g.) Am 7. und 8. October findet in Gotha der zwölfte deutsche Protestantentag statt. Gegenstände der Verhandlung: Ueber die Entwickelung der deutschen evangelischen Landeskirchen zur Nationalkirche und über die Krankenpflege nach liberalen Grundsätzen.

~,(®esunden.) Aus Metz, 14. Juli, wird geschrieben: „Auf dem Schlachtfelde von Vlonville» Mars -la -Tour wurden in den letzten Tagen die Leichen dreier Soldaten vom 35. und 91. Infanterie-Regiment aufge» runden, zwei davon von einem Landmann beim Umpflügen feines Ackers, die dritte durch Reistgsammler im Dickicht des zwischen den beiden Schlacht­orten gelegenen Waldes. Im letzteren Falle scheint sich ein Schwerverwun- deter zurückgezogen zu haben, der dann verstarb und unentdeckt vermoderte. Die Ueberreste der drei Krieger wurden bei dem Denkmal des 35. Infanterie- Regiments, das bekanntlich am 16. August 1870 bedeutende Verluste erlitt, beerdigt.

Vermischtes.

_ ~,.f3et.Oer Briefmarkenwerth.) Briefmarken, in großen r1?-<; r!1 8S!Sch,chelt, haben in jüngster Zet mehrfach Vereinen in den verschiedensten Städten die Mittel bieten sollen, um lange gehegte Wünsche erfüllen zu können. Es scheint indessen fast, als ob die auf das Zusammen­tragen vieler Hunderttausende von Briefmarken verwendete Mühe sich nicht verlohnte. Man erfährt wenigstens, daß die für Briefmarken zu erzielenden Preise in diesem Augenblicke außerordentlich gering sind. Ein Berliner Herr, welcher vor Kurzem zum Besten des Stolze-Denkmals mehr als zwei Millionen Briefmarken , gesammelt hat, hat den ganzen Vorrath noch bei sich aufge» speichert. Die Zehn-Pfeunig-Marken des deutscheu Reichs sind allein gar nicht zu verwerthen; m „Mischung" dürfen sie auch nur bis zu 30 pCt. vertreten fern. Das bisher niedrigste Gebot für die Briefmarken beträgt ^dfmnige, pro 1000, aber auch das höchste übersteigt 20 Pfennige pro 1UUO noch nicht.

— (Ein Wiederfinden.) In Merseburg wird alljährlich ein weit und breit bekanntes Fest, das Kinder-Fest, gefeiert Ans dem dies­jährigen Feste erreignete sich nun eine reizende Geschichte, tote sie schöner tn einem Romane nicht erdacht werden kann, die aber vollkommen auf Wahrheit beruht Ans Merseburg wird hierüber Folgendes berichtet: „Vor emigen Jahren lernte in einer großen Stadt in unserer Provinz ein reicher junger Mann em schönes und gebildetes, aber armes Mädchen kennen. Der Roman endete wie so viele ähnliche. Der junge Mann ging in die Welt; bte verlassene Geliebte, zu stolz, von beit Eltern ihres Verführers eine ihr gebotene Unterstützung anzunehmen, zog mit bem ßinbe, welches sie geboren, einem Mabchen, nach N., einer thüringischen Stadt, und lebte dort von der Arbeit ihrer kunstfertigen Hände und den Zinsen einer kleinen Erbschaft, welche sie inzwischen gemacht hatte. Sie wohnte in N. bei einer geborenen Merseburgerin, welche, obgleich sie hier keine Angehörigen mehr hat, in jedem Jahre mit einem ihrer Kinder das hiesige Kinderfest, welches sie selbst als Kind mitgefeiert hat, besucht und Abends nach N. zurückfährt. In diesem ^ahre wußte sie ihre junge Hausgenossin, welche sie herzlich lieb gewonnen hatte, zu bewegen, mitzureisen und ihr nun etwa vierjähriges Töchterchen mitzunehmen, eine Aufheiterung, welcher die junge Dame sehr bedürftig war, denn sie schien an Schwermuth zu leiden. Die Damen und die Kinder vergnügten sich auf dem Kinderfeste auf das Beste und brachen gegen 6 Uhr von dem Platze auf, um den um V-7 Uhr nach Thüringen fahrenden Zug zur Heimkehr zu benutzen. Während sie ihre Sachen zu­sammen suchten und die kleine, im Restaurationszelt gemachte Zeche berichtigten, hatte sich das Kind des jungen Mädchens unbemerkt entfernt. Voller Un­ruhe, obgleich überzeugt, daß der Kleinen kein Unglück zustoßen könne, suchen die Damen nach ihr. Endlich, nach langen, bangen 10 Minuten ist sie gefunden — sie sitzt in einem anderen Zelt auf den Knieen eines fchlanken, elegant gekleideten jungen -Mannes, welcher ihrem kindlichen Geplauder mit herzlicher Freude zuhört. Die Mutter wird todteubleich, das Wort versagt ihr, denn der junge Mann ist ihr ehemaliger Geliebter, der ohne Ahnung, wer es sei, sein eigenes Kind im Arme hält. Krampf­haft hält sie sich an ihrer Begleiterin fest, mit einem einzigen Worte diese über die Situation aufklärend. — Schnell entschlossen — denn in diesem Augenblick hat auch der junge Mann die verlassene Geliebte erkannt, — eilt die Frau zu ihm hin und bittet ihn, ihr ohne Aufsehen zu erregen, zu folgen. Der Schluß war eine Scene der Versöhnung, die sich jeder Be­schreibung entzieht. Der junge Mann, der inzwischen weite Reisen gemacht, hatte längst seinen Leichtsinn und seine Treulosigkeit bereut. Schon in der allernächsten Zeit wird das Paar für immer verbunden werden. Wie der junge Mann nach Merseburg gekommen? Auf der Reise nach einem thüringischen Bade begriffen, hatte er von Halle'schen Kinderfestbesuchern so viel von diesem Fest erzählen hören, daß er in Merseburg ausstieg, um sich das Fest anzusehen und dort — einen Roman zu Ende zu führen."

— (Popp's Geheimmittel.) Der Minister für die Medicinal- Angelegenheiten hat, tote die „Kieler Zig." berichtet, den Provinzial- Regierungen aufgegeben, in den amtlichen Publikationsorganen das Publikum vor dem Ankauf des von einem gewissen I. I. F. Popp in Heide (Hol- stein) m verschiedenen Zeitungen und Lokalblättern angepriesenen Geheitn- J™“ „Ur Heilung von Magen- und Darmkatarrhcn k. zu warnen. D'lses Mittel vermag nach Angabe des Ministers seiner Zusammensetzung nach mcht, die von Popp genannten Krankheiten zu heilen, auch steht der wirkliche Werth desselben mit dem von Popp erhobenen Preise in gar fernem Verhaltmß. Jedenfalls werde das Publikum bei dem Ankäufe dieses von Popp angepriesenen angeblichen Heilmittels betrogen.

,77 (U eb ereiu e neue Kartoffelsorte) stoßen wir inlandwirth- auf folgende Notiz, welche bei der außerordent- ll-hen Wichtigkeit der Kartoffel für die Volkswirthschaft die weiteste Ver­breitung verdient. Herr v. D iest zu ® ab er in Pommern cultibirt eine Kartoffelsorte (die Daber'sche Kartoffel), welche überraschende Erfolge liefert. Diese Kartoffel wachst in Daber auf leichterem Mittelboden und ist auf gut cultivirtem, wenn auch schweren, aber nicht zu nassen Boden verpflanzt im Ertrage außerordentlich dankbar. So berichtet der Major v. Jena zu Cothen bei Falkenberg i. M., welcher im Frühjahre 1878 eine Wagen- (udungb Wispeln Daber'scher Saatkartoffeln bezog, darüber: „Die Kartoffeln haben sich sehr gut gelohnt, ich habe 120 Mispeln davon, ?^?esnnd sind sie." Auch Herr v. Nathusius-Althaldensleben berichtet bei 8 WtSpeln von einem Ertrage von ca. 80 Mispeln, also durch­schnittlich 100 Scheffeln pro Morgen. Herr v. Diest gibt Saatkartoffetn »um Stettmer Börsenpreise mit nur 6 Mark Aufschlag pro 2400 Pfund ab.

— (Ein Hofprediger wird gesucht.) Dem „Schw. Merk." chrechf man aus Stuttgart: „Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, sucht der Fürst von Battenberg in Bulgarien gegenwärtig unter den Theologen unseres Landes einen Hofprediger. Das Anerbieten kam zuerst an die Repetenten deS evangelisch-theologischen Seminars in Tübingen, von denen aber ferner sich entschließen konnte. Nun wird, wie wir hören nut anderen jimgett Theologen, welche für diese Mission sich eignen, Unter­handlung gepflogen. Die Anstellung würde, unter sonst mcht ungünstigen Bedingungen, zunächst nur auf ein Jahr erfolgen, Hin- und Zurückreise wurden, entschädigt. Ihre Schwierigkeiten mag die Lösung der Aufgabe haben, wohl aber auch manche interessante Erlebnisse mit sich bringen Ä

~. (811 i>e ‘ e SS *f u n 8m b u 1 Wäsche.) Die Londoner medizinische Zeitschrift „Samtary Record" fchreibt: Vor einigen Wochen reproducirten totr eine Mittheilung des „Sciensic American" über die Ver­giftung einer jungen Dame durch Arsenik, welches mit Stärke für die Wafche benutzt worden war. Unsere Aufmerksamkeit wird jetzt wieder auf diesen Gegenstand gelenkt durch einen Correspondenten, der uns schreibt: „Da der Gebrauch von Papierfragen und Manschetten so allgemein und dre Concurrenz tut Handel so groß geworden ist, wenden einige Fabrikanten Arsenik an, um jenen schönen Glanz hervorzubringen, welche den Kragen einer gewissen Fabrikation so eigenthumlich zu sein scheint; ich habe einige analijftrt, ba einer meiner Patienten jedes Symptom einer Arsenik-Vergiftung llrfenti’fanb "8 U^at war, daß ich in einem einzigen Kragen 10,t Grau „ — (Die chinesische Mauer.) Ein amerikanischer Ingenieur, Undank (dem Namen nach ein Deutscher), der in China den Bau einer Eisenbahn leitet, hat bte große chinesische Mauer näher untersucht und gibt davon folgenbe Beschreibung: Sie ist 390 beutsche Meilen lang, 18 Fuß hoch unb oben 15 Futz breit. Das Fundament besteht durchweg aus solidem Grämt, das llebnge aus festem Mauerwerk. In Zwischenräumen von 200 bis 300 Schritt befinden sich feste, 25 bis 30 Fuss hohe u" Fuß nn Geviert messende Thürme. Oben auf der Mauer befinden sich auf beiden Seiten Brustwehren, so daß die Vertheidiger von einem Thurm zum andern gehen können, ohne dem Anblick der Feinde ausgesetzt zu sein. Die Mauer $ olme Rücksicht auf das Terrain über Berge, Thäler und Ebenen oft an 1000 Fuß tiefen Abgründen vorüber aufgeführt, Bäche und kleinere Flüsse und überbrückt große Ströme an beiden Ufern mit starken Thurmen flanUrt. Die Maner wurde etwa 200 Jahre vor Christi Geburt gegen dre Emfalle der Tartaren gebaut Die Zeit, welche die Aufführung dieses kolossalen Werkes tn Anspruch nahm, unb bte Kosten, bte es verursachte entstehen sich jeder menschlichen Berechnung. Jedenfalls müssen viele Millionen Menschen dabei thattg gewesen sein. (Undank ist nicht der Erste, der Nach­richten über diese Mauer gegeben hat. Schon der Geologe Fiedler ans Dresden bemerkte über dieses Riesenwerk, daß seine Erhaltung unter den verschiedenen Dynastien eine sehr schwankende gewesen sei und an vielen Stellen ein gänzlicher Verfall hervorträte.)